Ganga Aqua

 

Vergleich: Siehe: Aquae allgemein + Hinduismus

 

Fluss des Lebens

[Martin Jakob und Beatrix Andree]

Wir leben in einer Zeit des Wandels, wobei äußerlich eine Beschleunigung des Lebenswandels erkennbar ist, innerlich jedoch ein Wandel nur langsam vonstatten geht. Der Fluss Ganges ist ein  Symbol

für die Verschmelzung von innen und außen, da er sowohl in metaphysischer Weise fließt, als auch ganz real durch das Land Indien.

Die vorliegende Arzneimittelselbsterfahrung kann als eine Art Resonanz und Symptomnchronizität zur Zeitqualität und zum Geschehen um uns herum betrachtet werden, da u.a. auch ein Erstarken des weiblichen Bewusstseins, des weiblichen Prinzips zu beobachten ist. Das bedeutet eine Steigerung der Intuition, polychrones und qualitatives Erspüren von Zeit, eine Bewegung vom „Entweder-Oder“

hin zum „Sowohl-Als auch“, eine Vereinigung der Gegensätze. Im Großen und Ganzen sind dies komplementäre Phänomene, die sich ergänzen und sich zu einer Einheit fügen. Denn dadurch, dass einzelne Elemente miteinander verbunden werden, entsteht ein Gewinn an Bedeutung und Sinn. So ist auch der Ganges sowohl ein weiblicher Fluss als auch die personifizierte Form einer Göttin.

Die Arzneimittelselbsterfahrung entstand als interdisziplinäres Projekt, als befruchtende Herangehensweise eines Homöopathen und einer Interkulturalistin.

Eine einzige Wasserentnahme aus dem Ganges und ihre Potenzierung erschienen uns ungenügend, die Komplexität dieses Flusses zu erfassen. Der ehrgeizige Plan bestand zunächst darin,

18 Wasserentnahmen vorzunehmen, in Anlehnung an die 18 Stadien von Jan Scholten. Doch dies stellte sich ziemlich schnell als utopisch heraus, zumal wir uns dafür nur 5 Wochen Zeit gegeben hatten.

Eine weitere Reise nach Indien wurde notwendig. Das vorgestellte Ergebnis besteht nun, nach reiflicher Überlegung und Abwägung, aus drei Wasserentnahmen inklusive ihrer Potenzierung und Selbsterfahrung. Und zwar Wasser der

Quelle (Gaumukh),

der angenommenen Mitte (Varanasi)

das Endes des Flusses,

das Mündungsdelta (Ganga Sagar Beach).

Im Folgenden werden wir uns zuerst mit der kulturellen Einbettung der Ganges Mittel auseinandersetzen. Daraufhin folgen jeweils die geografische Lage bzw. Hintergründe der Entnahmeorte.

Die Arzneimittelselbsterfahrung wird mit Zitaten der einzelnen PrüferInnen vorgestellt und besprochen. Auffällig war, dass an der ersten Arzneimittelselbsterfahrung (Gaumukh) wesentlich mehr Personen teilnahmen als an den anderen Arzneimittelselbsterfahrungen, daher fällt diese auch deutlich umfangreicher aus.

Ermöglicht wurden diese Arzneimittelselbsterfahrungen u.a. durch die Bereitschaft von Walter Schmidt und seiner Enzian-Apotheke, in der wir zusammen mit ihm die Verreibungen vornehmen konnten. Dafür möchten wir uns besonders herzlich bedanken.

Auch bei Dr. Caro Leiter möchten wir uns für die wertvollen Hinweise zur Geologie des Gangotri Gletschers bedanken sowie bei Rita Dick für ihre beiden Bilder. Und natürlich wäre ohne das Engagement der einzelnen PrüferInnen diese Arbeit nicht zustande gekommen.

 

Das Wasser-Molekül H2O.x

 

Aqua Pura kann nach J.Scholten (1997:198) auf zwei Arten betrachtet werden: „Die erste ist als Hydrogenium oxidatum das Oxid von Wasserstoff. Das Thema wird dann durch Idealismus und Egoismus geformt. Es kann entweder ein Gleichgewicht entstehen oder ein Streit. Es ist das Thema von gebrauchen lassen aus Idealismus, da das Leben nun mal korrupt ist. Wir können Aqua pura auch als Acidum causticum betrachten, das Gleichgewicht zwischen Säure und Base. Dies illustriert noch einmal die enge Verwandtschaft zwischen Oxiden und Basen, abhängig von der Oxidsorte.

[Martin Jakob und Beatrix Andree]

Reines Wasser kommt auf der Erde nicht vor.

Jedes Wasser, also jeder Gletscher, jeder Fluss, jedes Meer, jeder See ist individuell, d.h. jedes Wasser ist angereichert durch seine besondere Umgebung: durch Sedimente, Atmosphäre und durch menschliche Einflüsse. Um das Wesen des Gangesflusses zu verstehen, wollten wir herausfinden, wodurch es ergänzt, bereichert, verdrängt, erneuert u.ä. wurde.

Mineralogisch ist der Ganges angereichert mit einem auffällig hohen Anteil an Selen. Selen (griech. Mond) ist ein Chalkogen und wurde 1817 von Jöns Jakob Berzelius entdeckt. Es kommt

in kleinen Mengen natürlich vor und ist als Spurenelement einer Aminosäure in Bakterien, Archaea und Eukaryoten enthalten (Wikipedia 2010).

Bei Dr. J. Scholten in „Die Homöopahtie und die Elemente“ wird Selenium dem Stadium 16 der Eisenserie zugeordnet. Daraus ergibt sich verkürzt dargestellt, folgendes hömopathisches,

gruppenanalytisches Bild: „Gleichgültigkeit gegenüber ihrer Aufgabe, Die Ordnung vernachlässigen, Phantasieren über ihre Arbeit, Kritik vernachlässigen“ (1997: 512).

In der folgenden Übersicht zeigen wir die Themen, die den unterschiedlichen Anteilen gerecht werden sollen. Welche Thematiken zeigen das Wasser H2O, der Fluss, der Ganges. Was gehört

zum Entnahmepunkt, was ist spezifisch und was besonders an dem Platz der Wasserentnahme, welche Qualitäten herrschen dort vor?

 

Übersicht:

Hydrogenium                                                                                                                         Oxygenium

Ungeboren                                                                                                                          Streitlustig

Schwangerschaftsgefühl                                                                                                   Müde

Irreal, wie auf Droge                                           

Teilnahmslos

Ganz, Einheit                                                                                                                         Gleichgültig

Trennung                                                                                                                         Schmutz

Wasser

Einverständnis                                                                                                              Nicht eingebunden

Akzeptanz                                                                                                                         Getrennt

Conjunctio oppositorum                                                                                                   Distanz

Nicht mehr so polar                                                                                                              Isoliert

Lösung                                                                                                                         In sich selbst versunken

Ganzheitsgefühl                                                                                                              Mit anderen sprechen abgeneigt

Aussöhnung          

Zusammengehörigkeitsgefühl                                                                                        Abstand                                

Zugang zum großen Netz des Wissens                                                                             Nicht so identifiziert

Gut gelaunt                                                                                                                         Ich in auch wichtig

Schnelles Socializing

Fluss

Kanten abschleifen, rund werden

Alles im Fluss, Lösen von Blockaden

Sehr gutes fließendes Gefühl,

Laufen lassen

Gedanken und Emotionen hängen sich nicht so fest

Die Dinge nicht so im Griff haben wie gewohnt

Direkte Art der Gefühlsäußerung

 

Aqua Ganga (Fluss + Inhaltsstoffe+ Kulturelle Einbettung)

Altes, Unwichtiges löschen

Aufräumen leicht und befreiend

Ordnung, Klärung, Reinigung

Das Leben fließt dich an deinen Platz, Dharma, Individuation

Mitgehen

Sexualität

Verschmelzung von Feuer und Wasser

Kulturelle Einbettung der Ganga Wässer

Ich meine, ... daß der Mensch ein Wesen ist, das in selbstgesponnene Bedeutungsgewebe verstrickt ist, wobei ich Kultur als dieses Gewebe ansehe.

Clifford Geertz

Wir benötigen vergleichende Kulturbetrachtungen, um uns selbst zu verstehen.

Constantin von Barloewen

Das Fremde dient der Kraft und der Erneuerung des

Eigenen. ... Wir brauchen das Fremde (das Abenteuerliche, Geheimnisvolle, Verunsichernde) als Anregung gegen verfestigte Selbstverständlichkeiten.

Ina-Maria Greverus

 

Da die Aqua Ganges Arzneimittel durch die Kultur, den Geist und die Spiritualität Indiens stark bereichert sind, sollen hier einige kulturelle Hintergründe kurz beleuchtet werden. Der Ganges wird

von gläubigen Indern stark verehrt und angebetet, dies färbt die Ganges-Mittel. Das heißt, die Ganges Arzneien und die Kultur Indiens sind eng miteinander verwoben.

Doch was ist Kultur? - Alles was nicht Natur ist! So jedenfalls könnte die Erklärung lauten, denn tatsächlich wird Kultur als Ersatz für die fehlenden Instinkte des Menschen angesehen. Wir handeln

ohne uns ständig zu fragen, warum wir etwas so und nicht anders tun. Wie mit einem automatischen Autopiloten bewegen wir uns durch unser Leben und sind uns meistens über unsere Beweggründe

nicht bewusst. Wir bewegen uns wie ein Fisch im Wasser, der nichts von seinem lebensnotwendigen Element weiß.

Jede Kultur hat ihre eigene Sicht auf die Welt. Diese unterschiedlichen Weltanschauungen speisen sich aus tiefliegenden Grundannahmen (Denkmodellen) und sind den meisten Menschen nicht

bewusst. Analog zu einem Eisberg liegen die Werte, die impliziten Regeln und Annahmen, Wahrnehmungs- und Denkmuster sowie Menschenbild und Weltanschauung unterhalb des Wassers,

sind verdeckt und meist unbewusst, die äußeren Dinge, das menschliche Verhalten, Sprache, Sitten und Gebräuche sind oberhalb des Wassers sichtbar und bewusst. Wir erlernen unser kulturelles

Wissen in einer lebenslangen Sozialisation und entwickeln es weiter. Diese „mentale Programmierung“ ist unsere „software of the mind“ (G. Hofstede). Doch Kulturen sind keine statischen Gebilde.

Sie verändern sich und unterliegen einem stetigen Wandel. Von daher ist es schwierig, gültige Aussagen über eine andere Kultur zu machen. Zumal wir weder Hindi noch sonst eine Sprache Indiens sprechen, außer Englisch. Außerdem ist unsere Sichtweise auf die indische Kultur sehr stark von unserer eigenen Kultur geprägt, die man auch als „Kulturbrille“ bezeichnen kann.

Trotz dieser vorliegenden Wahrnehmungsbeeinträchtigungen möchten wir eine Annäherung an die Kultur Indiens versuchen, da wir der Ansicht sind, dass es dem Verständnis der Ganga-Arzneimittel

entgegen kommt, in die Kultur Indiens einen Einblick zu bekommen.

Empirische Studien fanden heraus, dass sich die Menschheit mit universellen Fragen beschäftigt, jedoch je nach Gesellschaft unterschiedliche Antworten auf diese Fragen gefunden werden. Fragen

z.B. nach der zeitlichen Orientierung im Lebens, nach der Art der Beziehung des Menschen zu anderen Menschen, oder den Umgang mit Macht und Hierachie etc.

Im Folgenden wollen wir uns mit den Themen beschäftigen, die in den Arzneimittelselbsterfahrungen direkt oder indirekt auftauchten.

 

Zeit

In einer griechischen Sage stellte die Sphinx, ein Ungeheuer mit dem Oberkörper einer Frau und einem geflügelten Löwenkörper denjenigen, die auf der Straße nach Theben unterwegs waren ein

Rätsel: „Was geht am Morgen auf vier Beinen, am Mittag auf zwei Beinen und abends auf drei Beinen?“ Diejenigen, die die Antwort nicht wussten, die erwürgte und fraß sie auf. Ödipus verstand

die Frage jedoch unter anderem auch als Sinnbild für die Zeit und antwortete: „Das ist der Mensch. Denn er kriecht als Säugling auf allen Vieren, steht in seiner Jugend fest auf zwei Beinen und stützt

sich im Alter auf einen Stock.“

Da Zeit eine Konstruktion ist und nicht objektivierbar, prägen kulturelle Vorstellungen u.a. stark die Kategorien Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Kulturell bedingte Zeitkonventionen begleiten

und regeln den Alltag und die Kommunikation und manifestieren sich auch im Gebrauch der Sprache. So gibt es im Hindi nur ein Wort für „gestern“ und „morgen“ und nur ein Wort für

„vorgestern“ und „übermorgen“. Nur der jeweilige Kontext gibt Aufschluss über die tatsächliche Bedeutung.

Sprechen und Kommunizieren ist ein natürliches menschliches Verhalten. Doch das heißt nicht, dass alle Menschen es in der gleichen Weise tun. Johann Herder und Wilhem von Humboldt

entwickelten die Idee, dass Menschen unterschiedlich sprechen, weil sie unterschiedlich denken und

umgekehrt: sie denken unterschiedlich, weil ihre Sprache ihnen jeweils andere Wege vorgibt, die Welt um sich herum auSchmerzudrücken. Angeregt durch ihr Studium über amerikanische

Indianersprachen griffen Edward Sapir und Benjamin Lee Whorf die These vom Zusammenhang zwischen Sprache und Denken auf. Die Perspektive der Wechselseitigkeit von Sprache und

Gedanken wurde unter dem Namen Sapir-Whorf-Hypothese bekannt. Was Personen sagen, wie sie es sagen und besonders, was sie meinen, bei dem was sie sagen, ist somit stark durch ihre Kultur

beeinflusst.

So betrachtet, „lebt der Inder in einem bewundernswerten Zustand von „Hier-und-Jetzt“. Was nicht jetzt ist, ist entweder gestern (gewesen) oder aber morgen, und das ist ihm -im wahrsten Sinne des

Wortes- gleich.“ (R. Krack, 2000:138)

 

Kollektivismus

Die meisten Menschen auf der Erde leben in gemeinschaftsorientierten Gesellschaften, so auch in Indien. Ihre kleinste Gemeinschaft ist die Großfamilie mit Eltern, Kindern, Großeltern, Tanten,

Onkeln, Cousinen und Neffen, die teilweise eng beieinander leben. Kinder, die in diesen Gruppenverbänden aufwachsen, erleben sich als Teil der Gruppe und lernen in Wir-Begriffen zu denken.

Ihre Gruppe vermittelt ihnen ein Identitätsgefühl und gewährleistet ihnen Schutz und Unterstützung im täglichen Leben. Die eigene Sicherheit und das eigene Wohlergehen hängen stark vom

Wohlergehen und der Stabilität der Gruppe ab. S.+K. Kakar führen dazu aus: „Auch wenn der hohe kulturelle Wert, den die Verbundenheit in Indien einnimmt, sich am deutlichsten in den

Beziehungen zu anderen äußert, ist es nicht so, dass Inder keine Selbstwahrnehmung als handelnde Subjekte haben oder sie nicht in der Lage sind zu funktionieren, wenn sie allein sind. Allerdings

haben sie eine größere Bedürftigkeit, in Gemeinschaft mit anderen zu sein, betreut und angeleitet zu werden, und tendieren dazu, sich mit den Erfordernissen, die die äußere Welt abverlangt, gänzlich

auf die Unterstützung anderer zu verlassen.“ (2006:189) So hat ein Inder eine starke Sehnsucht nach Gemeinschaft, was bedeutet, das er ungern alleine ist. Das Konzept der Privatsphäre wird eher in

individualistischen Kulturen hoch geschätzt.

Im Gegenzug werden Pflichten gegenüber der Gruppe oder ihren anderen Gemeinschaften bzw. Netzwerken erwartet. Kollektive Interessen haben Vorrang vor eigenen, individuellen Bedürfnissen,

eigene Wünsche werden zurückgestellt. Anerkennung bekommt man durch die Gruppe. Bestimmte Werte wie Harmoniestreben, Konfliktvermeidung und Konsensfähigkeit gehen einher mit der

Loyalität zur Gemeinschaft. Wer davon offen Abstand nimmt, geht das Wagnis ein als ehrlos betrachtet zu werden.

Häufig findet man in kollektivistischen Gesellschaften einen Kommunikationsstil, der als „high context“ bezeichnet wird - so auch in Indien. Ein hoher Kontext in der Gesellschaft enthält vielschichtige Informationen, die einem Nicht-Eingeweihten leicht entgehen können. Nonverbale Signale wie Blickkontakt, Mimik und Gestik, sowie Kleidung oder andere StatusSymbole, Sprechstil, Lexik, oder paraverbale Faktoren wie Pausen, Schweigen vermitteln mehr Bedeutung als das gesprochene oder geschriebene Wort. Direkte Äußerungen werden als unhöfllich empfunden.

Daher kann aus einem „nein“ schon mal ein „ja“ werden. „So auch, wenn man beispielsweise einen Inder auf der Straße nach dem Weg fragt: Man muss eine Antwort stets vorsichtig bewerten, denn

selbst wenn jemand nicht die geringste Ahnung hat, wo sich der Ort, nach dem man fragt, befindet, wird er einem Auskunft geben und seine Unkenntnis weder zugeben noch die gerade im Entstehen

begriffene flüchtige Bekanntschaft durch eine negative Resonanz wie „ich weiß es nicht“ gefährden.“ (S.+K. Kakar, 2006:24)

 

Der Umgang mit Macht und Hierachie

Von Kindesbeinen an lernt ein Inder sich in die Familienhierachie einzuordnen. Keine Position in der Familie hat den gleichen Stellenwert. Sowohl Rechte als auch Pflichten ergeben sich aus der jeweiligen Position. Die oberste Stelle hat der Vater inne, verstirbt dieser, übernimmt der älteste Sohn dessen Verantwortung für die Großfamilie. „Den Anordnungen des ältesten Bruders ist unbedingter Gehorsam zu leisten, Widerspruch wäre als ein Auflehnen gegen die gottgegebene Ordnung anzusehen.“ (R. Krack, 2000:35) Die angeheirateten und in den Familienclan aufgenommenen Mitglieder, die Ehefrauen, nehmen die unterste Position in der Familienhierachie ein.

Macht, also die Möglichkeit, Einfluss und Herrschaft auszuüben gibt es in allen Kulturen, ist jedoch unterschiedlich verteilt. Geordnet wird diese Aufteilung durch Hierachien, „so dass mächtige

Menschen oben stehen und über die weniger Mächtigen Herrschaft ausüben. Die Existenz von Macht und Hierachie ist universell.“ (Ch. Tuchinsky, 2004:85) Jedoch kulturell verschieden ist die jeweilige Akzeptanz einer unausgewogenen Verteilung von Macht. Die Demonstration von Ungleichheit kann sogar erwartet oder erwünscht sein, da eine hierachische Ordnung auf allen Seiten, den Mächtigen und den Abhängigen, Sicherheit vermittelt.

Zusätzlich zur Familienhierachie erleben Inder eine Hierachie durch Geburt in eine Kaste bzw. zwei Kasten, eine Ober- und eine Unterkaste, die vier Hauptkasten (varna) und die über 3000 Unterkasten (jati). Die vier Hauptkasten sind erstens die Priesterkaste (brahmin), zweitens die Kriegerkaste (kshatriya), danach folgt die Händlerkaste (vaishya) und zum Schluss die Kaste der Bediensteten (shudra). Daraus sind die Unterkasten, das jati-Symptomstem, entstanden, die den direkten sozialen Status in der indischen Gesellschaft markieren. „So wie die Großfamilie zum primären Bereich der Identitätsentwicklung des Einzelnen wird, ist die Kaste der nächste soziale Bereich der Identitätsentfaltung. Die Wertvorstellungen, Überzeugungen, Vorurteile und Gebote der entsprechenden Kaste, ebenso wie ihre Realitätsverzerrungen, werden Teil der PSymptomche eines Individuums, sie werden zu den nicht hinterfragten Inhalten seines Gewissens.“ (S.+K.Kakar, 2006:31) Auch nach der gesetzlichen Abschaffung des Kastenwesens (die Verfassung Indien verbietet die Unberührbarkeit, jedoch ist diese formale Abschaffung nicht in die Praxis umgesetzt) und dem lockereren Umgang damit zum Beispiel in der indischen Mittelschicht, lebt die psychologische Kastenidentität in den Köpfen weiter. So gibt es im Bundesstaat Goa Brahmanen-Christen und Shudra-Christen, die sich wohl keine Heirat untereinander wünschen würden.

 

Geschlechterrollen

Unter Geschlechterrollen werden soziale Rollen verstanden, die Männer und Frauen in einer Kultur einnehmen. Damit ist nicht die biologische Zugehörigkeit gemeint, sondern die erlernte Rolle des Geschlechts in der Familie, die sehr stark durch die jeweilige Kultur geprägt ist.

Unterschiede in den Geschlechterrollen sind dicht mit spezifischen Machtkonstellationen verknüpft. Tuchinsky (2004:87) führt dazu aus: „Die meisten bekannten und historisch dokumentierbaren Gesellschaften sind patriarchal organisiert, das heißt, in fast allen menschlichen Gruppen existiert eine Vormachtstellung der Männer über die Frauen.“

So haben die Männer in Indien schon bei der Geburt das große Los gezogen. Ein Mädchen zu gebären ist unerwünscht, da für junge Frauen bei der Hochzeit eine Mitgift gezahlt werden muss.

Mädchen/Frauen werden häufig als finanzielle Last empfunden und dementsprechend werden sie in manchen Gegenden oder Bevölkerungsschichten auch behandelt: häufige Abtreibungen nach

Fruchtwasseruntersuchungen mit Ergebnis eines weiblichen Fötus, weniger Aufmerksamkeit durch die Mutter, geringere Schulbildung, scheinbare Suizide von Frauen, die sogenannten Mitgiftmorde,

Witwenverbrennungen. Wie die BundeSchmerzentrale für politische Bildung berichtet „ist seit Jahren ein anderer Besorgnis erregender Trend zu beobachten – das Geschlechterverhältnis verschiebt sich zu Ungunsten der Frauen. Das heißt, es gibt in Indien immer mehr Männer und immer weniger Frauen. In Unionsstaaten wie Harayana und Punjab im Nordwesten des Landes liegt das Verhältnis schon heute bei 927 Frauen zu 1000 Männern.“ (U. Butali 2010) Doch gleichzeitig existieren für die indischen Frauen Gesetze, die ihre Rechte schützen. So trat im Oktober 2006 mit dem Protection of Women from Domestic Violence Act ein Gesetz in Kraft, das häusliche Gewalt bestraft. Die indische Verfassung garantiert indischen Frauen Gleichheit vor dem Gesetz, Abtreibungen sind legal, bei Kommunalwahlen existiert eine 33-Prozent-Quote für Frauen, mit Indira Gandhi hatte lange Zeit eine Frau die politische Macht inne und heutzutage werden zahlreiche bemerkenswerte Protestbewegungen (beispielsweise gegen Staudämme, für Informationsrecht) von Frauen angeführt. Und darüber hinaus erlebt Indien, wie die Bundeszentrale für politische Bildung (2010) berichtet: „...eine starke und dynamische Frauenbewegung, die als Gewissen des Staates fungiert. Vor allem in den vergangenen drei Jahrzehnten (die als Jahre der neuen Frauenbewegung gelten) kämpften indische Frauen für ihre Bürger- und Menschenrechte sowie gegen Vorurteile, überholte Traditionen, die Apathie des Staates sowie individuelle und kollektive Machtinteressen.“

Und so mag es aus dem Vorhergegangen paradox klingen, doch wird in Indien das Weibliche an sich sehr verehrt. Es existieren zahlreiche weibliche Gottesfiguren, deren gehuldigt wird und auch

die Ganga wird als heilig angesehen.

Heilig in dem Sinn, als dass sie als die personifizierte Form der Göttin Ganga angesehen wird, der zu huldigen jedem gläubigen Hindu ein Bedürfnis ist. Sie wird als Mutter Ganga bezeichnet, da sie eine der wichtigsten Lebensadern Indiens ist. Sie steht für Fruchtbarkeit und Geburt als Ursprung des Lebens.

Betrachtet man außerdem die hinduistischen Götterfiguren, so fällt auf, dass auch die männlichen Figuren runde und weiche, weibliche Formen aufweisen. Kakar und Kakar (2006:194)

heben dies folgendermaßen hervor: „Die Minimalisierung der Unterschiede zwischen Weiblichkeit und Männlichkeit in indischen Skulpturen findet seinen Höhepunkt in der Gestalt des Ardhanarishvara, „halb Mann, halb Frau“, eine Form des großen Gottes Shiva, vertikal geteilt in eine männliche und eine weibliche Körperhälfte.“ Sie erklären, dass Indien eine Kultur sei, in der weibliche Eigenschaften sich mit männlichen zu einem höheren menschlichen Wesen vereinen. Eine Kultur, in der der große Nationalheld Mahatma Ghandi verkünden könne – und dabei auf Aufgeschlossenheit bei seinen Zuhörern träfe -, dass er geistig zu einer Frau geworden sei und dass es gute Gründe für einen Mann gäbe, als Frau wiedergeboren zu werden.

Der Umgang mit Schmutz und Sauberkeit

Das hierachische Symptomstem der Kastenzugehörigkeit ist eine Einteilung in sauber und schmutzig. Die hochgestellten Kasten führen ein „reines“ Leben und je niedriger eine Kaste angesiedelt ist, desto

„unreiner“ ist ihre Lebensweise. Berufe, die mit dem Körper, Tod und Fäkalien zu tun haben wie z.B. Friseur, Schuster, Leichenverbrenner, Straßenfeger, Toilettenfrau werden als unrein angesehen.

Doch nicht nur Äußerlichkeiten wie Berufe können dreckig sein, sondern auch das, was man als Nahrung zu sich nimmt. Minderwertige und tierische Nahrung verunreinigt innerlich. So gibt es die meisten Ver- und Gebote innerhalb einer Kaste bezüglich der Nahrungsaufnahme. Eine Aufwertung einer Kaste erfolgt somit hauptsächlich durch eine Änderung des Essverhaltens. Ein Mitglied einer hohen Kaste vermeidet, um rein zu sein, unreine Berufe und Tätigkeiten, er nimmt keine unreine Nahrung zu sich, damit er innerlich rein bleibt.

Zusätzlich werden die vielfältigsten Reinigungsrituale durchgeführt. In alten Hinduschriften existiert eine „23-Punkte-Stuhlgang-Regelung“, sowie eine 9-Punkte-Zahnreinigungs-Regelung. (R. Krack, 2000:120) Es wird häufig mehrmals täglich gebadet, der Rachen-Schleim wird hochgewürgt und ausgespuckt, die Nase wird penibel gesäubert, der Darm wird entleert, innerer Schmutz wird ausgesondert und schlechtes Karma wird im Ganges abgewaschen. „Es besteht eine irre Gier nach Reinigung.“ (I. Trojanow, 2006:99) Doch Hausmüll, Essensreste, überhaupt der ganze Abfall wird aus dem Haus auf die Straße gekehrt. Die Notdurft wird häufig auf der Straße verrichtet, was nach R. Krack darauf zurückzuführen ist, dass viele Städter „geistige Landmenschen“ sind, also Landbevölkerung, die in die Städte gezogen ist und sich dort so verhält wie in ihren Dörfern.

So ergibt sich die paradoxe Situation, dass die Inder sehr reinliche Menschen sind, aber ein verschmutztes, von ihnen selbst verschmutztes, Land bewohnen. S.+K. Kakar (2006:40) meinen dazu:

„Während im Westen sehr viel Aufwand betrieben wird, den inneren Schmutz zu verbergen, tendiert man in Indien dazu, Schmutz nach außen zu verlagern.“

Doch das war im Westen nicht immer so. Im Westen hat das Adjektiv sauber eine Bedeutungsentwicklung durchgemacht, und zwar von sittlicher, also innerlicher Reinheit hin zu äußerer Reinheit.

Die äußere Reinheit wird heutzutage teilweise damit erkauft, dass man den eigenen Abfall/Dreck in Entwicklungsländer außer Sichtweise transportiert, den Abfall oder Müll teilweise sogar leugnet, denn sonst müsste man sich ja z.B. Gedanken über ein Atommüllendlager machen.

Indische Philosophie

Das hinduistische religiös-philosophische Weltbild zeigt eine Entwicklungsrichtung auf, die von der individuellen Seele (Atman), geläutert und gereift durch unzählige Reinkarnationen (Samsara) hin

zur Verschmelzung mit der Weltseele (Brahman) führt, der Einheit von Mensch und Unendlichkeit, von Welt und Selbst. Diese Verschmelzung mit der göttlichen Kraft, auch Moksha oder Mukti

genannt, ist das angestrebte höchste Ziel religiöser Hindus.

Moksha kann auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden, wobei jeder Einzelne seinen individuellen Weg, seine Lebensaufgabe (Dharma) finden und befolgen muss. Dharma wird übersetzt „als Recht, moralische Pflicht, rechtes Handeln oder Übereinstimmung mit der Wahrheit der Dinge.“ (S. Kakar, 2007:20) Je mehr der einzelne sein Dharma lebt, seine Lebensaufgabe erfüllt, desto eher kann er dem Kreislauf der Wiedergeburten entkommen und sich der Erlösung, der Verschmelzung, dem höchsten Ziel nähern.

Doch wie erkennt man sein Dharma, wie handelt man in Übereinstimmung mit „der Wahrheit der Dinge“? Kultur (Desha), zeitlicher Kontext (Kala), Anstrengungen, die man im Laufe seines Lebens

unternimmt (Shrama) und angeborene, pSymptomchobiologische Merkmale (Gunas) geben die Richtung und Beschaffenheit des Dharmas an, welche durch Karma (vorhergehende Leben) beeinflusst

werden. Somit ist das Individuum hinsichtlich seiner Ausgangsbedingungen und Eigenschaften das Resultat seiner Handlungen in vorhergegangenen Leben, die bestimmen, ob er als Mensch oder

Tier, als Mann oder Frau, als Brahmane oder Shudra wiedergeboren wird.

Dies kann einerseits zu einer Art Fatalismus führen, da man an seinem jetzigen Leben nichts ändern kann und es klaglos hinnehmen muss. Die Karma-Theorie verspricht jedoch auch insofern Hoffnung,

da die Anstrengungen im jetzigen Leben sich auf zukünftige Leben positiv auswirken, d.h. eine bessere Ausgangsposition schaffen. Oder wie es S. Kakar ausdrückt: „Ist die vorausgesetzte angeborene Neigung des dem Lichten (Sattva) zustrebenden Unbewussten mit den persönlichen Anstrengungen des Individuums verbunden, so garantiert Karma, dass die Erlangung des Existenzzieles (Moksha) gewiss ist, auch wenn bei diesem Prozess wahrscheinlich etliche Rückschläge auftreten – einem Prozess, der möglicherweise zu seiner Vollendung einer Reihe von Wiedergeburten und zahlloser LebenSchmerzyklen bedarf.“ (2007:36)

Mythologie – Die Geburt Gangas

Ganga bricht mit einem anhaltenden Schrei aus dem Gletscher, fällt zur Erde und läuft los, ungestüm, halsüberkopf, um sich schlagend. Shiva hat seinen Kopf hingehalten, Ganga hat sich seines Hauptes bemächtigt; hart beim Aufprall, sanft beim Abfließen stürzt sie von seiner Stirn hinunter, perlt von seinen Locken herab. Ihr stürmisches Rauschen, sein starres Schweigen, unbeweglich bis in die letzte Furche seines Anlitzes. Die Kaskaden schütteln sein Haupt, rütteln ihn aus seiner Versenkung. Shiva kann nicht mehr an sich halten, richtet sich auf und schwingt seine Damru-Trommel. Es klingt wie Eis, das splittert, sich unentwegt spaltet, bis es nur noch aus Tropfen besteht, die von seinen Lippen fallen.

Ganga ergreift Shivas Hände, die beiden wirbeln um den Augenblick der Schmelze herum. Der Takt vieler Tropfen wird zu einem Sturzbach. Der Sog schluckt alles, das Echo der Selbstvergessenheit, die eingeschlafenen Felsen, die zwei Hörner, die über dem Gletscher ragen, als sei diesser die faltige Stirn einer altehrwürdigen Kuh. Nicht so schnell, haucht die atemlose Ganga. Schneller, ruft der erregte Shiva. Sie wirbeln weiter.

Ilija Trojanow

Jeder Kultur gehen Mythen voraus. Nach C.G. Jung werden sie nicht erfunden, sondern erlebt. Mythen transportieren lebendiges, instinktives Wissen. Sie sind eine Quelle für das Bewusstsein. Eine mythische Geschichte spiegelt häufig den nationalen Charakter einer Kultur, in der sie entstanden ist und am Leben gehalten wird. In Indien ist der Ganges-Mythos sehr lebendig, da er die Grundlage für das soziale, kulturelle und religiöse Leben der Inder bildet. Für M. Eliade ist „der Mythos immer der Bericht irgendeiner „Schöpfung“; er erzählt wie etwas entstand. Die Akteure sind übernatürliche Wesen, und die Mythen offenbaren ihre schöpferische Tätigkeit und die Heiligkeit (oder schlicht „Übernatürlichkeit“) ihres Werkes. Folglich wird die Geschichte dieser Aktivität für absolut wahr

gehalten, da sie von Realitäten handelt, und heilig, weil sie das Werk übernatürlicher Wesen ist.“ So besagt die Mythologie der Geburt Gangas, dass alle, die die Geschichte von Ganga kennen oder die sich mit Verehrung an Ganga erinnern, gereinigt werden.

Kurz gefasst lautet der Mythos so:

Ganga ist eine junge, quirlige Göttin im indischen Pantheon, die aus dem magischen Elixier einer Fußwaschung aus dem linken Zehen Vishnus entsteht. Als sie eines Tages Rishi Durvasa respektlos auslacht, verflucht dieser sie und sie soll zur Strafe auf die Erde kommen.

Da realisiert sie die Tragweite ihres gedankenlosen Benehmens und bittet den Rishi einen Zeitpunkt zu setzen, an dem sie die Erde wieder verlassen dürfe.

Wenn dein Wasser verschmutzt ist, magst du zurück kommen. So lange dein Wasser rein bleibt, musst du auf der Erde bleiben. Da du jedoch mir gegenüber nun Respekt gezeigt hast, wirst auch du Respekt von den Menschen auf der Erde erfahren. Sie werden dich anbeten für deine reinigende und heilende Qualität. So entgegnet ihr der Rishi.

In dem Moment da König Sagar nach der Macht über die Erde greift, stiehlt ihm Indra, König des Himmels, sein Pferd, das er für sein Ashwamedh Yagya (Pferdeopfer) bedacht hat. Des Königs Pferd versteckt er hinter dem Rücken des Weisen Kapil, indem er es an einen Baum bindet. Der Weise Kapil befindet sich in tiefster Meditation, als König Sagars 60.000 Söhne und seine Armee bei ihm auftauchen und das angebundene Pferd entdecken.

Diese beschimpfen den Rishi und nennen ihn einen Dieb. Die schrecklichen Beschimpfungen dringen an Kapils Ohr, reißen ihn aus tiefster Meditation. In Zorn öffnet er die Augen. Sein Yoga-Agni (Yoga-Feuer) blitzt aus seinen Augen und verbrennt alle 60.000 Söhne und die ganze Armee. Was von ihnen übrig bleibt ist ihre Asche. König Sagar wartet und wartet, doch seine Söhne und seine Armee tauchen nicht mehr auf.

Da schickt er seinen letzten übrig gebliebenen Sohn auf die Suche nach ihnen. Anshuman macht sich auf die Reise und findet das Pferd im Ashram von Rishi Kapil, der wiederum in tiefer Meditation versunken ist. Anshuman setzt sich vor den Weisen neben einen Haufen Asche und wartet. Nach einiger Zeit öffnet der Rishi die Augen und sieht den geduldig wartetenden Anschuman. Auf seine Frage erzählt ihm Kapil was passiert ist und dass die Seelen seiner Brüder nur durch das heilige Wasser der Göttin Ganga gereinigt und erlöst werden könnten. Dazu müsse diese jedoch auf die Erde kommen.

Daraufhin versucht König Sagar Lord Brahma zu bewegen, Ganga auf die Erde zu schicken. Doch das gelingt ihm nicht und so stirbt er ohne sein Ziel zu erreichen. Die Pflicht zur Buße geht auf seine Erben über. Doch erst in der siebten Generation gelingt es König Bhagirath durch ernsthafte Meditation Lord Brahmas Gunst zu gewinnen und um Erlösung für seine Vorfahren zu bitten.

So kommt Ganga in Form eines gewaltigen Flusses auf die Erde herab. Ihre zerstörerische Macht wird durch Shivas Haare aufgefangen und gebändigt. Bhagirath bläst seine Muschel damit Ganga ihn zur Asche seiner Vorfahren folgt. Und wo immer sie erscheint, versorgt und nährt Ganga das Land mit lebensspendendem Nass.

Doch bevor sie die Asche erreicht, trifft sie auf Rishi Janu, dessen Ashram sie ungewollt überflutet und ein heiliges Feuer löscht. Da der Rishi sich nicht respektvoll beachtet fühlt, möchte er Ganga eine Lektion erteilen und schluckt sie mit einem machtvollen Mantra herunter. Auf Bitten Bhagiraths lässt er sie durch einen Schnitt in seine linke Seite wieder frei, so dass es weiter geht bis hin zu dem Weisen Kapil, zu der Asche von König Sagars Söhnen. Sobald Ganga die Asche der Söhne und der Armee mit ihrem Nass benetzt, erheben sich diese in Astral-Körpern, umleuchtet von göttlichem Licht.

Dieser Ort wird als Ganga Sagar bekannt werden, verkündet der Heilige Kapil und segnet ihn. Hier trifft Ganga auf das Meer. Diejenigen, die hierher kommen um an diesem gesegneten Platz zu baden, werden nicht nur gereinigt (erlöst?), sondern auch ihre Vorfahren werden gereinigt (erlöst) werden. Auch Lord Brahma erscheint und spricht seinen Segen: Ganga wird alle Menschen reinigen, die an in ihrem Wasser baden oder ihr Wasser in irgendeiner Weise benutzen. Und sie selbst wird gereinigt durch alle Heiligen, die in ihrem Wasser baden. So wird sie selbst rein bleiben solange es Heilige auf dieser Erde geben wird.

Von diesem Tag an fließt Ganga erst gewaltig und mächtig, dann nach und nach immer gemächlicher vom Himalaya herab bis an die Ufer der Bucht von Bengalen, wo sie auf das Meer trifft. Am gesamten Flusslauf finden sich heilige Plätze und Tempel. Inder aus der ganzen Welt verehren Ganga als Göttin, die ihre Sünden wegspült und befreit oder erlöst vom menschlichen Kreislauf von Geburt und Tod.

Bedeutungsvoll ist auch folgende Ganga-Geschichte, in der es um die Erlösung von Seelen geht:

Die Göttin Ganga, so heißt es, heiratet König Shantanum unter der Bedingung, dass er sie niemals nach den Gründen ihrer Handlungen fragen dürfe. Er willigt ein. Als sie jedoch ihre sieben gemeinsamen Kinder direkt nach der Geburt in ihren Gewässern ertränkt, fragt der verzweifelte König nach. Da erklärt sie ihm, dass es sich bei ihren Kindern um göttliche Wesen (Vasus) handelt, die verflucht gewesen seien in menschlicher Gestalt zur Welt zu kommen, jedoch durch das Ertränken in ihrem Wasser von dem Fluch erlöst werden konnten.

In vielen Schöpfungsmythen beginnt mit dem Wasser das Leben, es ist ein Symbol für den Beginn der Welt. So nimmt auch die Göttin Ganga Gestalt an aus dem Wasser einer Waschung von Vishnus Zeh. Nach H. Zimmer entspringt Ganga „dem Riesenleib Narayanas, der menschgestaltigen Personifikation der göttlichen Lebenssubstanz des Milchmeers.“ In ihrer Eigenschaft als Fluss versinnbildlicht Ganga den weiblichen, mütterlichen Aspekt des Wassers. Sie ist für die Bevölkerung Bengalens Lebensspenderin und gebiert eine Fülle an Reichtum und ist somit eine „göttliche Gnade, die in fassbarer Form unmittelbar an die Türschwellen der Menschen fließt.“ (H. Zimmer, 1981:124) So wird sie als Ganga Mata, Mutter Ganges verehrt.

Der Ganges ist die flüssige Form der Göttin Ganga. Die Verehrung der gläubigen Inder gilt dem Wasser selbst. Sie findet hauptsächlich durch ein Ritual des Eintauchens in das Wasser statt. Wichtig für die religiöse Praxis ist die physische Berührung mit dem Wasser, der direkte körperliche Kontakt. „Die physische Berührung mit dem Leib der Göttin Ganga hat die magische Wirkung, selbstätig die Natur des Gläubigen zu verwandeln. Gleich wie durch einen alchimistischen Prozeß der Purifikation und Transmutation wird das niedere Metall seiner irdischen Natur sublimiert; er wird zu einer Verkörperung der göttlichen Wesenheit des höchsten ewigen Reiches.“ (H. Zimmer, ebd.) Was einer Analogie zum Christentum entspricht. Auch hier hat das Eintauchen in oder das Berühren von Wasser eine zentrale

Bedeutung. So werden beim Taufritus die Täuflinge ins Wasser eingetaucht oder mit Wasser begossen oder beträufelt.

Hier wie dort scheint das Hinein- ins und Heraussteigen aus dem Wasser eine Symbolische Analogie zum Eintauchen in das Unterbewusstsein zu versinnbildlichen, da Wasser auch das

Symbol des Unbewussten ist. Mit dem rituellen Eintauchen in die Ganga wird ein Prozess der Reinigung und Erlösung, Erneuerung und Wiedergeburt verbunden. Es soll ihre Sünden wegwaschen und sie vom menschlichen Zyklus von Leben und Tod (Lebensrad) befreien.

Das Ganges-Wasser wird als unsterbliches Element angesehen und ermöglicht eine spirituelle Reinigung.

Durch ein Bad an heiligen Stätten oder durch eine rituelle Waschung wird man von den Sünden befreit und die Seele gereinigt, was den Weg zur Erlösung ermöglicht. Das Ganga-Unsterblichkeitselixier, amrta, hat sogar die Kraft, die Seelen der Ahnen zu erlösen. „Die Ganga ist pavitra, rituell rein, und sie ist zudem pavini, rituell reinigend, und verkörpert damit den Wert „rituelle Reinheit“, der im Hinduismus alle sozialen und religiösen Trans-und Interaktionen bestimmt.“ (A. Malinar, 2004))

Die Göttin Ganga ist rein, da sie im innersten Wesen unberührt bleibt von der Unreinheit der Welt.

Ganga wird dreimal energetisiert mit göttlicher Kraft. Sie ist einmal heilig durch ihre Geburt aus Vishnus Elixier, weiterhin wird sie geheiligt durch die Berührung mit Lord Shiva und sie bekommt zusätzlich die heilige Kraft durch Rishi Janu. Ihre heilige und heilende Kraft nimmt durch diese drei Kontakte zu. So wird dem Ganges auch nachgesagt, dass er eine wesentlich höhere Selbstreinigungskraft besitzt als andere Flüsse.

Und es ist wirklich erstaunlich. Der Ganges ist materiell betrachtet besorgniserregend verschmutzt. Um so bemerkenswerter ist es, dass in den Sundarbans die seltenen Irawadi Flussdelphine (Orcaella brevirostis) leben. Das Ganges Wasser bzw. Wasser allgemein ist ein Phänomen, dessen Qualitäten und Fähigkeiten überraschen. Denn Wasser besitzt die Fähigkeit Informationen zu speichern, hat also ein Gedächtnis. Wasser bewusst wahrzunehmen, hat einen direkten Einfluss auf das Wasser. Der Ganges steht exemplarisch für eine Kommunikation mit Wasser: Die bewusste Wahrnehmung der gläubigen Menschen durch Mantras und Anbetung lässt das Gangeswasser reagieren. So konnte auch M. Emoto durch seine Fotographien von Wasserkristallen, denen zuvor Worte oder Bilder gezeigt wurden, die energetische Qualität von Wasser sichtbar machen. Seine fotografierten Wasserkristalle zeigen die Veränderung, die geschieht, wenn man sich dem Wasser bewusst zuwendet und ihm z.B. Liebe, Dankbarkeit und Respekt zeigt. V. Schauberger, ist der Überzeugung, dass „das Wasser der Träger oder Urquell dessen ist, was wir als Bewusstsein bezeichnen.“ (Krombacher 1995:34) Für ihn ist Wasser ein Lebewesen, ein Lebenselixier.

Kultur- und religionsübergreifend wird in den heiligen Schriften die lebensspendende Kraft des Wassers gepriesen, aber auch die Erfahrung seiner zerstörerischen Energie beschrieben.

Wie auch in dem Mythos von der Herabkunft der Ganga auf ihre Zerstörungskraft hingewiesen wird, deren Aufprall auf die Erde nur durch die Haare Shivas gemildert werden kann. So wird deutlich, dass „das Aufeinanderprallen himmlischer und irdischer Mächte besonderer Vorbereitungen und Vermittlerrollen bedarf, um keinen Schaden auf einer Ebene anzurichten, die sich dem Kontakt mit Göttlichem nicht gewachsen zeigen könnte.“ (V. Zingsem, 1999:438 ff.) Somit kommt der Ganga eine Vermittlerrolle zu, da sie sich in einem ständigen Kreislauf bewegt: Sie entspringt im Himmel, bewegt sich auf das Meer zu und vereinigt sich mit ihm und steigt von dort wieder in den Himmel auf. Ganga ist die direkte Verbindung von Himmel und Erde, sie vermittelt zwischen den Welten, bietet eine heilige Brücke für die Gläubigen und weist ihnen den Weg und Aufstieg zum Himmel. „Seit der Gupta-Zeit und dem frühen Mittelalter galten die personifizierten Abbilder von Ganga und Yamuna deshalb folgerichtig als Hüterinnen der Tempelschwellen, welche die Übergänge zwischen den Welten des Göttlichen und Menschlichen markieren.“ (ebd.)

Sakralgeographisch liegt die Ganga an den drei der sieben heiligsten Stätten Indiens, den Erlösung verheißenden Pilgerorten Haridwar, Allahabad und Varanasi. Diese „mokshapradayini“ bilden Übergänge zwischen den Welten. Sie sind Furten, tirthas, die einen leichteren Austausch mit den Göttern und einen Zugang zum Himmel ermöglichen. Auch in der anderen Richtung werden die Furten benutzt, da dies auch die Übergänge für die Götter und Göttinnen sind, die auf die Erde herabsteigen. Da Ganga selbst als die „irdische Manifestation“ der himmlischen Göttin betrachtet wird, erfahren die direkt am Ganges gelegenen Furten eine weitere Intensivierung an Heiligkeit.

Derart verehrt, ist die Ganga mehr als die chemische Formel H2O. Sie ist Heilwasser und Symptomsymbol für das Leben.

Die geografische Lage von Gaumukh unserem ersten Ganges-Wasser

Der Himalaya (Sanskrit: hima = Schnee, alaya = Ort, Wohnsitz) ist das größte, aber auch jüngste Gebirge der Erde.

Es entstand durch die Kollision der Indischen gegen die Eurasische Platte. Die Indische Platte begann vor etwa 80 Millionen Jahren mit 9 Meter pro 100 Jahren nach Norden zu driften und kollidierte vor etwa 40 Millionen Jahren mit der eurasischen Platte. Sie bewegt sich immer noch mit 4,5 Meter in 100 Jahren, was in etwa im Mittel der Kontinentaldrift liegt. Der weiteren Erhebung wirkt die Erosion entgegen. Im Himalaya befinden sich die höchsten Berge der Welt mit 30 Gipfeln höher als 7.600 Meter und dem Mount Everest mit 8.850 Meter. Etwa 1/6 des Himalaya ist vergletschert, was einer Gesamtfläche von 112.000 km2 entspricht.

Gletscher sind die größten Süßwasserspeicher der Welt und bilden die Lebensgrundlage für mehrere Milliarden Menschen.

Der Gangotri Gletscher ist mit einem Volumen von etwa 27 km3 einer der größten Gletscher des Himalaya und der größte des Bhagirathi Basins im Uttarkashi Distrikt von Uttaramchal.

Der Gangotri Gletscher fügt sich aus mehreren Nebengletschern zusammen – viele kleine Gletscher stoßen von allen Seiten auf den Gangotri Gletscher – und formen die Gangotri Gletscher Gruppe mit dem gesamten Ausmaß von etwa 143 km2. Der Hauptarm Gangotri ist ca. 30 km lang und seine Weite variiert von 0,5 – 2,5 km aus: Kireet Kumar et.al. 2002

Der Gangotri Gletscher entstand am Anfang der letzten EiSchmerzeit im Pliozän, vor etwa 2,7 Millionen Jahren. Allerdings gab es davor schon andere EiSchmerzeiten, die das Himalayagebiet auch vereisen ließen. Anhand von Moränen wird die Blütezeit des Gangotri- Gletschers auf das Pleistozän (1,8 – 11,5 Millionen Jahre) geschätzt. Der Gangotri Gletscher liegt südlich der Main Boundary Fault (MBF), dies ist eine der beiden Bruchzonen im Himalaya, an der Gesteinspakete durch hohe Scherspannungen abgeschert werden. Die Granite und Sedimente, die durch Metamorphose überprägt sind, entstammen der indischen Platte, sie sind etwa 250 – 500 Millionen Jahre alt. Durch niedrig bis mittelgradige Metamorphose (4-6 kbar und 400 – 600 Grad Celsius) haben sich aus den Sedimenten Schiefer und Gneise gebildet, die unter anderem Glimmer, Granat und Disthen führen. Über das Alter der unteren Schichten, bzw. über das Wasser, das am Gletschertor ausfließt, ist nichts bekannt.

Datierungen könnten über das Abzählen der Schichten oder über Kohlenstoffisotope gemacht werden. Hierzu müssten Bohrungen durchgeführt werden, was anscheinend in diesem Gebiet nicht der Fall ist.

Das Gletschertor des Gangotri Gletschers wird in Indien Gaumukh genannt. Die Übersetzung für Gaumukh lautet Kuhmaul. (Tor = Maul und die Kuh ist in Indien ein hoch verehrtes heiliges Tier). Glaciologen sprechen von dem Wasser, das aus dem Gletschertor fließt von Gletschermilch, da dieses Wasser durch feines Gesteinsmehl trüb und weißlich, gräulich verfärbt ist.

Der Gangotri Gletscher ist in den letzten 25 Jahren um 850 Meter zurückgegangen, wie auch weltweit die allergrößte Zahl der Gletscher signifikant am Abschmelzen und damit am Zurückgehen ist, was für Mensch und Natur drastische Folgen haben wird. Zum Beispiel speisen 80% des Schmelzwassers aus dem Himalaya den Indus, Ganges und Brahmaputra.

Die gesamte Landwirtschaft Nordindiens und damit das Wohl der dort lebenden 600 Millionen Menschen hängen vom Dasein der Gebirgsgletscher ab.

[Gletschermilch bezeichnet das grau oder weiß getrübte Abflusswasser eines Gletschers. Die Trübung entsteht durch den Transport fein zerriebenen Gesteins im Wasser. Gelangt dieses Gesteinsmehl in ruhige, stehende Gewässer (Seen), reichert es sich in ihnen an. Trifft Sonnenlicht auf diese Suspension, werden von dem Gesteinsmehl vor allem die blaugrünen Anteile des Lichts reflektiert, sodass derartige Seen (beispielsweise der Peyto Lake oder der Lake Louise) in einem satten Türkis leuchten].

 

Ganges Arzneimittelselbsterfahrung

Provings have only a few principles: remedy, prover sensitivity and prover attention. This leads to many techniques ... None of them can guarantee complete and accurate results.

Jan Scholten

In der durchgeführten Arzneimittelselbsterfahrung waren den PrüferInnen alle drei Mittel namentlich bekannt. Die PrüferInnen erfuhren eine Fokussierung auf die Bedeutung der Mittel, daher konnte unserer Meinung nach eine tiefe Reflexion stattfinden.

Da sich das Unbewusste stark durch Träume ausdrückt und Wasser im Allgemeinen und Ganga Aqua im Besonderen eine Brücke zum Unbewussten baut, spielen in der vorgestellten Arzneimittelselbsterfahrung Träume der einzelnen PrüferInnen eine herausragende Rolle.

M.L.v. Franz: „Wenn wir unsere Träume beachten, verliert daher die kalte unpersönliche Welt um uns herum ihren sinnlosen Zufallsaspekt und wird zu einem Reich voller individuell bedeutender, geheim angeordneter Ereignisse.“ (1988:208) Wir können unser Bewusstsein mit der Welle in einem Meer vergleichen, die über dem Wasser sichtbar ist. Die sichtbare Welle entspricht dem Ich-Bewusstsein, die natürlich nur ein Teil des Ganzen, des kollektiven Unbewussten ist. Die Welle bewegt sich und fließt über die Oberfläche, in der Tiefe bleibt das Wasser im Großen und Ganzen an der gleichen Stelle.

Was in der Tiefe passiert, ist unsichtbar und verborgen und kann, wie schon besprochen, mit unserem Unbewussten verglichen werden. Das Unbewusste übermittelt uns durch Träume

anhand von Bildern und Symbolen seine Botschaften, die so ins Bewusstsein gelangen, wahrgenommen und integriert werden können. Eine gute Verbindung, eine Durchlässigkeit zwischen Bewusstem und Unbewusstem, von außen und innen zu haben, ist u.a. auch ein Zeichen von Gesundheit.

 

Vorab geben wir einen allgemeinen Überblick über die Wirkweise der verschiedenen Gangeswässer, d.h. Ganges als ganzen Fluss, als Mythos, als Symbol für Indien und seine Kultur.

Erst dann werden die einzelnen Wässer und die verschiedenen Gesichtspunkte der Reise des Wassers dargestellt.

Die Gangeswässer als homöopathische Arzneien sind als Unterstützung einer Reise zum Selbst, zu sich selbst zu verstehen. C.G. Jung beschreibt eine Reise zu sich selbst als Individuationsprozess.

Er versteht unter diesem Prozess die bewusste Bejahung der individuellen Gesamtpersönlichkeit, die es erlaubt, immer mehr Inhalte aus dem Unbewussten aufzunehmen und zu integrieren.

Dieses Wachstum des Einzelnen, Einmaligen ist das, was C.G. Jung beim Menschen als Individuation bezeichnet.

Als Sinnbild für diesen Prozess hatte eine PrüferIn zwei Tage vor der Prüfung einen charakteristischen Traum, der Ganga in seinen verschiedenen Stadien als Heilmittel bzw. das Ziel dieser Reise, dieser Ganga-Yatra (Pilgerreise am Ganges entlang), auf eine Art repräsentiert.

Traum:

- Ich wandere durch einen wunderschönen Wald. Es war sehr erfrischend, ich sah die Bäume ringsum mich und meinen weißen Atem. Es war Nacht, aber nichts war bedrohlich, sondern im Gegenteil ziemlich vertraut. Als ich durch die Bäume zu den Sternen blickte, sah ich anstelle des Mondes mein Gesicht, das herabblickte. Ich ging weiter, in dem Bewusstsein, dass ich auf mich herabblickte und kam an eine Lichtung an der ein Feuer brannte und eine Gestalt davor saß. Ich setzte mich gegenüber. Die Person trug eine weiße Kutte und saß im Schneidersitz. Die Gestalt hob den Kopf, sie hatte schneeweiße lange Haare, das Gesicht war alt und doch wieder jung. Sie hatte meine GesichtSchmerzüge und doch waren sie anders. Wir fingen an uns zu unterhalten, aber daran kann ich mich nicht erinnern. - - - - Prüfer Nr. 7

In diesem Traum blickt der Träumer auf sich selbst von oben herab. Nach M.L.v. Franz (1988:162) sind solche Träume erlebnismäßig so, „als ob beim einzelnen etwas Göttliches,

Schöpferisches eingreifen und mitwirken würde, und zwar in persönlich-individueller Art“ wenn man das Gefühl habe, jemand schaue einen an, jemand der durch die Träume sein Vorhaben mitteile.

Dieser Traum zeigt die Ziel-Richtung der Ganga Wässer, die Annäherung an das Selbst. Denn die Person in diesem Traum mit den schneeweißen langen Haaren kann als Archetypus des weisen alten Mannes angesehen werden, der dem Träumer bei einer Neuorientierung zur Seite stehen und ihm neue Lösungsmöglichkeiten präsentieren kann, indem er unbewusste Kräfte aktiviert. Der weise alte Mann kann als Sym bol der Reise zum Selbst aufgefasst werden.

Das Ziel von Ganga ist, geologisch betrachtet, das Meer, das Symbolisch für das große Ganze steht, bzw. in der Jungschen Terminologie als Selbst bezeichnet wird. Auch in der indischen Philosophie gibt es dieses große Ganze, Brahman. Nach der Jungschen Pschologie ist die Annäherung an das Selbst mit der Individuation ausgedrückt, auch in der indischen Philosophie gibt es eigene, persönliche Wege und Richtungen (Dharma), die man gehen kann, um ans Ziel zu gelangen, dem großen Ganzen näher zu kommen. Wie zuvor auch in der Mythologie beschrieben, durchläuft und bewirkt auch Ganga verschiedene Prozesse und Wandlungen, bis sie sich ihrem Ziel nähert, dem Meer und schlussendlich dem Himmel. Auch die Betrachtung des Flusses Ganga in der Natur, ihren Ursprung im

Gletschereis, das Schmelzen, die Eisblöcke, die sich am Gletschermaul, Gaumukh, flussabwärts in Bewegung setzen, einschließlich Varanasi, wo jeder gläubige Hindu nach seinem Tod verbrannt und seine Asche der Ganga überreicht wird, bis zur Mündung ins Meer, Ganga Sagar, dort als Wasserdampf vom Meer aufsteigt, vom Monsun zum Himalaya getragen und dort als Niederschlag wieder auf die Erde fällt, dies ist ein stetiger Wandlungs- und Verwandlungsprozess, eine Vervollkommnung, und schlussendlich ein fortwährender sich wiederholender Kreislauf.

Der Fluss Ganga nimmt immer mehr auf, immer mehr andere Bäche und Flüsse vereinigen sich mit ihm, auch Abwässer, Müll und Schmutz in jeder Form, ergießen sich in ihn. Es findet eine Vermischung und Vermengung statt, bis das Meer, das große Ganze die Göttin Ganga aufnimmt und wieder in den Himmel entlässt.

Im übertragenen Sinne ist dies eine Reise des Menschen von der Geburt bis zum Tod, mit Lernen, Erfahrung, Bewusstseinserweiterung, Selbstrealisation. C.G. Jung beschreibt solch eine Entwicklung mit dem Begriff Individuation, in dem er im Leben der Menschen eine verborgene Zielrichtung erkennt, hin zu einem seelischen Wachstum, einen Prozess der Selbstwerdung, der nicht „absichtlich gemacht“ werden kann, sondern etwas Naturgegebenes ist.

Nach Auswertung der Prüfungsprotokolle und durch die eigene Arzneimittelerfahrung sind wir der Überzeugung, dass die Gangeswässer in der Reihenfolge des Flusslaufes von Gaumukh über Varanasi bis zur Mündung Ganga Sagar Beach, für bestimmte Menschen eine Unterstützung des Prozesses der Individuation, bzw. ein bewussteres Wahrnehmen dieses Individuationsprozesses sein können.

Denn bei allen PrüferInnen, die alle drei Wässer eingenommen hatten, stellte sich nach Abschluss der Arzneimittelselbsterfahrung heraus, dass sie ein gutes Stück weiter auf ihrem „Lebensweg“ gekommen waren, bereichert und auf eine Art ganzer waren, „inkarnierter“, jeder auf seine eigene individuelle Art.

Ganga bzw. die homöopathischen Arzneien der verschiedenen Ganges Wässer könnte man in diesem Licht als bewusstseinserweiternd und -vertiefend bezeichnen.

Eine stärkere Beziehung zum Unbewussten wird gefördert, Schattenanteile werden stärker integriert. Dies alles könnte als karmische Tiefenreinigung im Sinne einer Lösung von

Schuldgefühlen (Karma-Theorie) beschrieben werden.

Schematisch könnte es folgendermaßen aussehen:

Ort der                                                                      Großer Zyklus                                               Themen der Stadien nach Scholten

Wasserentnahme

Arzneimittelselbsterfahrung

Beginn einer Entwicklung

 

Gaumukh                                                                  Geburt                                                           Blockaden lösen sich                                   Stadium 1

Lösung                                                       Emotionen kommen hoch                      Initiieren

Hemmungen lösen sich                      Start, Beginn

Geburt                                            Impulsiv

Eisblöcke, die sich lösen                      Spontan

Anbindung an das große                      Unvorhersehbar

Ganze                                                       Eins

Varanasi                                                                    Sterben

Auf-Lösung                                                       Illusionen lösen sich auf                      Stadium 15

Vorstellungen lösen sich auf                                 Verlust

Geist vom Körper                                            Übergeben

Lösung von Materie                                            Sterben

Körper löst sich in Rauch auf                      Tod

Opfermythos                                                       Opfer

Sagar Beach                                                              Verbindung mit dem                                               Akzeptanz                                         Stadium 18

                                                                                  „Großen Ganzen“                                               sich lösen ins Ganze                                   Transformation

Er-Lösung                                                       Verbindung                                            Übergang

sich selbst sein, eigener Weg                      Frei

Übergang in eine andere                      Ungebunden

Dimension/Ebene                                 Eingeschlossen

Wechsel/Wandel                                

Streit, Trennung, (Dis-) Harmonie

Individuum – Kollektiv                     

Mündung

Ende dieser Entwicklung                     

Ziel

 

[Mathias Jacob]

In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Stadieneinteilung durch Dr. Jan Scholten ein sehr präzises Instrument für die Fall-Analyse und für das Verständnis eines homöopathischen Arzneimittels ist.

Die Einteilung nach Stadien beschränkt sich dabei nicht nur auf das Mineralienreich bzw. PeriodenSymptomstem, sondern hat seine Gültigkeit auch bei Pflanzenfamilien, im Tierreich und bei Nosoden.

Für das Verständnis eignet sich am besten das Periodensystem mit seinen 18 Spalten, die den Stadien entsprechen. Die Idee ist, dass die Stadien einen Entwicklungsprozess aufzeigen:

Ein Geboren werden, Wachsen, Höhepunkt, ein Ende und ein wieder Verschwinden. Das ist der natürliche Gang der Dinge, Leben kommt und Leben geht, jeder Baum wächst aus einem Samen,

wird ein großer Baum mit Krone, verfällt und stirbt. Diese Stadien, die einem menschlichen Lebensprozess entsprechen sind universal und deshalb auch anwendbar bei unseren Ganges Wässern.

Auch hat sich bei den Arzneimittelprüfungen der einzelnen Wässer die Stadieneinteilung nach J. Scholten als hilfreich zum Verständnis der Wirkweise erwiesen. Eine klare Zuordnung der Wirkweise des jeweiligen Wassers wird dadurch möglich. Auch um ein Arzneimittel besser zu verstehen, ist die Stadieneinteilung ein präzises und sehr hilfreiches Instrument. Rein theoretisch einen Fluss zu betrachten z.B. Quelle = Stadium 1, lässt schon Rückschlüsse auf die mögliche Wirkweise dieses Wassers zu. So erhielten wir in der Arzneimittelprüfung Aqua Ganga Gaumukh klare Aussagen, die sich dem

Stadium 1 zuordnen ließen. Prüfungen werden dadurch wissenschaftlicher. Symptome und Aussagen können klar strukturiert werden. Die Arzneimittelprüfung wird klarer und verständlicher und dadurch auch die Verschreibungsmöglichkeit präziser.

 

Aqua Ganga Gaumukh

Entnahmestelle: Direkt am Kuhmaul. Aus der Öffnung, aus der sich die Gletschermilch und die Eisbrocken ergießen.

An der Prüfung nahmen 19 PrüferInnen teil, davon 10 Frauen und 9 Männer.

Zentrale Themen der Arzneimittelselbsterfahrung

1. Themen: Beginn einer Reise, Geburt, Wiedergeburt, Erneuerung, Neuanfang,

Aufbruch zu neuen „Ufern“, in Fluss kommen, Stadium 16

Ein Traum von PrüferIn Nr. 7 :

- Ich fuhr mit dem Bus vom Bahnhof los um mich irgendwo mit anderen Leuten zu treffen. Der Grund des Treffens war mir unbekannt, aber ich wusste, dass es dringend notwendig schien. Da die Reise etwas dauerte, schnappte ich mir ein Buch und setzte mich in die letzte Reihe. Plötzlich sah ich auf und bemerkte, dass die letzten Häuser an uns vorüber zogen und wir mitten hinein in eine weit sich vor uns ausbreitende Wüste fuhren. Da wurde ich unruhig und stand auf. Die Wüste wogte nun um uns wie ein weites Meer aus Dünen. Wir kamen in eine Ortschaft, die aus etwa drei Häusern, der Haltestelle und einem Brunnen bestand. Doch ich sah nirgends ein Ortsschild und der Fahrer sagte auch nicht den Namen bzw. ich verstand ihn nicht. Und da bemerkte ich siedend heiß was nicht stimmte. Vielleicht

befand ich mich im richtigen Bus, aber ich wusste weder den Namen der Ortschaft noch wusste ich wie diese aussah oder wo ich auSchmerzusteigen hatte. Ich ärgerte mich,

das ich schon wieder alles geschehen ließ in der Hoffnung es würde schon gut gehen und bekam Angst nicht dort anzukommen wo ich hinwollte. So wachte ich auf mit schlechter Stimmung. - - - -

Hier zeigt sich in diesem Traum sehr plastisch, das pSymptomchische und energetische Bild der Beginn dieser Reise, der Ganga Yatra (Pilgerreise am Ganges entlang), der Symbolische

Ausdruck der Individuation. Der Traum beschreibt auch klar Stadium 1 einfach losfahren, allein, naiv, unreflektiert usw., fuhr los um mich irgendwo mit andern Leuten zu treffen.

Das Ziel erscheint auch schon im Traum: die Wüste, ein weites Meer (Ganga Sagar Beach) aus Dünen“.

Der Träumer weiß aber nicht wohin die Reise geht, eine Reise ins Unbekannte, ins Unbewusste, als Symbol das Meer am Ganga Sagar Beach.

Der Beginn des Prozesses findet am Gletscher statt, dem Ursprung des Ganges. Dort, wo aus dem Kuhmaul (Gaumukh) die Gletschermilch austritt und mit Eis und schweren Eisblöcken

in den unterschiedlichsten Farben, die sich unter teilweise lautem Getöse gegenseitig vorwärts stoßend, in das Flussbett der Ganga ergießen. Die sich dort als reißender ungestümer Gebirgsfluß ihren Weg durchs Geröll des Himalaya bahnt. Auch dieses Bild der Ganga dort oben ist eine Analogie zu Stadium 1.

Bei folgender PrüferIn zeigen sich schon nach der Einnahme von Gaumukh C30 Bilder, die u.a. auf die weiteren Prüfungen der anderen Ganga Wässer hinweisen:

- 2te Einnahme, ca. 22.00 Uhr, vor dem Schlafengehen. Ca. 5 min später schalte ich das Licht aus, gehe ca. 3m durch das fast dunkle Zimmer zum Bett.

Als ich die Decke hochhebe um mich hinzulegen, bilde ich mir ein („sehe ich“) neben meinem Schlafplatz eine ziemlich alte, verweste und gegerbte Leiche liegen. Ich stocke kurz, sage zu mir: ... hör auf, das ist nur in deinem Kopf“, nehme all meinen Mut zusammen und lege mich ins Bett.

Kaum beginne ich einzuschlafen, spielt meine Wahrnehmung wieder verrückt: der Raum, in dem mein Bett steht wird grenzenlos dunkel, ich bilde mir die Leiche neben mir wieder ein und irgendwo oben rechts hinten im Unendlichen entspringt – durch die Entfernung sehr klein zu sehen – aus dem Nichts eine rot/gelb glühende eigendlich nicht zu sehende fließende Masse und ergießt sich – erst ab diesem

Moment zu sehen – wie ein hoher oder tiefer glühender „Feuerwasserfall“, wieder ins Nichts oder wohin auch immer. Dieses Bild kommt immer näher, wird größer.

Dann schwenkt mein Blick aus dieser Ferne an meinen Platz. Ich liege zwar im Bett, erlebe aber folgende Schmerzene: der Raum um mich löst sich auf in fast schwarzes Licht.

Ich sehe und spüre mich im Bett sitzend und um mich 'rum fließt ein breiter Strom – anstatt aus Wasser sind es lauter Leichen, alte gegerbte, manche heben den Kopf +/o. Arm/e z.T. in meine Richtung. Meine Gestalt ist inzwischen nur noch eine rot/gelbe Feuergestalt in Umrissen, nicht mehr genau in formalen Einzelheiten zu definieren. Manche Leichen recken sich nach mir, was mir aber keine Angst macht, denn ich fühle: ich bin in und mit diesen Feuer/Farben das Leben und manche von den vorbeifließenden Leichen tragen die Sehnsucht nach dem Leben immer noch in/mit sich. Sie wollen nicht mich, sondern sind gefangen u. hilflos in ihrer Ohnmacht, ihrem ungewollten Tod.

Ich versuche immer wieder aufzuwachen, aber dieser „Film“ läßt mich nicht los. Ich will nicht weiterträumen. Ich kann meine Augen öffnen, dann liege ich tatsächlich in meinem Bett, kaum fallen meine Lider zu, fließt die grün/grau/schwarze Masse wieder um mich rum, langsam von hinten nach vorn.

PrüferIn 7

Bild von PrüferIn 7 unter Einfluss von Aqua Ganga Gaumukh

Das Gletschereis am Gaumukh, das eine Erstarrung des Lebens charakterisiert und eingefrorene Lebendigkeit bedeutet, bricht, kommt in Bewegung und schmilzt. In diesem Traum bricht gefühlsmäßig das Unbewusste mit einer ungewöhnlichen Stärke und Intensität hervor. Leben wird wieder frei gegeben, Fruchtbarkeit erwacht, das Leben kommt wieder in Fluss, daher überwiegt in diesem Traum auch ein starkes Lebensgefühl. Doch es wird auch schon die Bezugnahme zu Varanasi deutlich, als heiliger Ort der Hindus, an dem die Toten verbrannt werden und ihre Asche im Fluss bestattet wird. Verdrängte Anteile des Menschen zeigen sich im Allgemeinen in Form von Leichen. Sie wollen „wieder“- geboren werden, ins Bewusstsein gelangen. Die Leichen hier tragen die Sehnsucht nach neuem Leben in sich,

nach Wiedergeburt, nach Erlösung und machen keine Angst.

Dieser Traum verweist auch auf die Mythologie von König Sagars Söhnen und seiner Armee, deren verbrannte Körper, also ihre Asche, erst durch den Wasserkontakt mit Ganga erlöst werden können.

Folgende Vision hatte PrüferIn 2 (MK Aqua Gaumukh), die auch das Thema der kompletten Arzneimittelprüfung vorwegnimmt:

- Ich werde eingewickelt in ein weißes Leinentuch, wie eine Mumie, und fließe im Ganges hinunter. Mein ganzer Körper vibriert, ich fühle mich wie auf Droge, aber das ist selbstverständlich der falsche Ausdruck für diese Erfahrung. Alles tut mir weh, die Schulter, die Beine, der Kopf. Es ist so eng, ich befinde mich in einer Höhle, nein in einer Art Gang, im Geburtskanal, ich fühle mich geborgen, überall sind Augen, es wird für mich gesorgt, ich sehe den Ausgang, ein dunkles Loch = eine Wiedergeburt? Mein drittes Auge wird geöffnet, ich spüre ganz deutlich den Focus, das Centering, wenn ich mich darauf konzentriere, werde ich Gaumukh erreichen.

Drei Trommeln schlagen für uns, eine ist die Pflicht, die Andere die Liebe, die Dritte die Weisheit. Zuhause auf meinem Sekretär habe ich vor der Abreise alles vorbereitet wie es scheint: die Puppe aus Südamerika, die mir schon einmal als Vermittlerin gedient hat, die Fotografie einer Zauberpuppe aus Afrika, der Rauchquarz (ein halbes Ei) unter dem der Zettel liegt, den ich in dem chinesischen

Geschenkkeks bekommen habe: „Die Samen deiner Arbeit werden Früchte tragen“, die Fotografie meiner Eltern, beide sind als Punks verkleidet, als Sinnbild von Shiva und Parvati, die ja auch beide in verschiedenen Inkarnationen immer wieder zusammen lebten. Diese Fotografie lehnt am Rücken der Sphinx aus Ägypten, links daneben ein kleiner Holz-Buddha mit einem kleinen Mondstein in seinen Händen, er steht auf einem kleinen Deckchen aus Indien. Alles bekommt nachträglich eine tiefgreifende Bedeutung. Verschiedene Religionen aus der ganzen Welt, geistige Unterstützung bei unserem Vorhaben. In der geistigen Welt wird kein Unterschied gemacht zwischen Ägypten, Afrika, Lateinamerika, Asien, China und Europa, es gibt eine Urreligion, einen allumfassen Geist. Dieser Geist ist eine „Geistin“, denn für mich spürt sich diese Energie mütterlich an. Mütterlich im äußerst positiven Sinn, nämlich unterstützend, nährend, leitend. Dann werde ich langgezogen, gestreckt, besser gesagt: etwas streckt und zieht mich.

Eine weitere Erfahrung in dieser Nacht: Ich sitze in einem Boot und bin die Führerin, denn ich habe den Focus, das offene dritte Auge. Nacheinander steigen unsere Freunde ein, unsere Familien und alle Personen, die uns geistig auf gewisse Art unterstützen. Meinen Mann höre ich laut die Personen aufzählen, die dort mit hinein kommen sollen ..... Ein großes geistiges Schiff.

Alles wunderbare Erfahrungen und wirklich nachtfüllend. Keine Bilder, sondern Erlebnisse, ein Austausch mit der geistigen Welt.

Doch es hört überhaupt nicht mehr auf. Es wird immer dunkler und ich denke, jetzt kommt bestimmt noch die Zerstückelungserfahrung. Jetzt reicht es mir und ich bekomme Angst.... Mein Mann nimmt mich in die Arme und ich kann etwas schlafen.

Am Morgen wache ich glücklich auf: Ich habe die Göttin spüren dürfen!

Auch in diesem Traum taucht eine Leiche auf. Die Wieder-Geburt weist auf einen Lebensübergang hin, auf eine Trennung von Überholtem. Hier wird jedoch auch schon auf etwas Zukünftiges verwiesen. In den Vorstellungen vieler Kulturen wird eine Beziehung von Boot (Schiff) und Tod angenommen, als ein Vehikel um in das Jenseits zu gelangen. Als Hilfsmittel, evtl. auch als Schutz um nicht unterzugehen im Wasser. In diesem Traum versammelt sich eine Gemeinschaft Gleichgesinnter auf dem Schiff, um eine, für einen Einzelnen zu schwierige, Fahrt zu unternehmen. Eine Fahrt ins Ungewisse, eine Fahrt zu etwas Neuem, in die Zukunft. Das Boot steht für Aufbruch, in Fahrt kommen, das Leichentuch Symbolisiert das Segel für das Schiff auf der Fahrt zu neuen Ufern, hin zu einer

anderen Bewusstseinsebene.

2. Als weitere Themen zeigen sich folgende Aspekte:

Lösung von alten, unbewussten, blockierten Emotionen, Lösung von starren, verhärteten Strukturen, alte Themen tauchen auf, Lebensthemen erscheinen In der folgenden, am Gletschermaul gemachten Erfahrung zeigt sich die Lösung von alten, unbewussten Emotionen:

- Wie wir von Gaumukh am Ufer der Ganga zurückgingen, kamen wir an einem kleinen Tempel vorbei, an dem eine Glocke hing. Jeder von uns beiden schlug die Glocke und wir beide brachen fast augenblicklich nach dem erklingenden Ton in Tränen aus. Wir waren tief bekümmert, dass wir diesen Platz wieder verlassen mussten, waren aber nach dem Weinen und diesem Ausbruch von Kummer, den wir uns nicht genau erklären konnten, erleichtert und liefen recht leichtfüssig den Weg, den wir gekommen waren, zurück. Ich muss dazu sagen, dass wir den Aufstieg zum Gletscher um einiges beschwerlicher empfanden, als er eigentlich ist. Vom Gefühl her waren wir bepackt mit seelischen Gewichten, mit dem ganzen Leben vielleicht.

Es hat sich was gelöst dort oben und unter der Einnahme von Gaumuk C30. Der Weg zurück war leicht, erleichtert und müheloser.

(PrüferIn 2 und 3 Aqua Ganga C30)

Ein wichtiger Augenblick wird durch das Schlagen der Glocke hervorgehoben. Der Glockenklang erinnert die Menschen an die anstehende Veränderung, das Alte loSchmerzulassen und das Neue zu beginnen. Das Weinen Symbolisiert den Abschiedsschmerz, der dabei entstand, aber es zeigt auch das Schmelzen von erstarrten Emotionen, die Lösung von verhärteten Strukturen. Der Klang der Glocke war ein deutliches Zeichen für die Lösung und Freigabe seelischer und geistiger Energien. Gepäck wurde buchstäblich abgeladen und Unwichtiges aussortiert. Die „Gletschermilch“ nährte derart, dass der Lebens-Weg belebt angetreten und das Ziel (Meer, Individuation) in den Blick genommen werden konnte.

Auch im Folgenden geht es um ein geistiges inneres Erwachen:

- Wachtraum: Eine Frau lebt ein sehr reglementiertes Leben. Jeden Morgen um die gleiche Zeit aufstehen, essen, arbeiten, schlafen gehen etc. Alles genau nach striktem Plan. Da lernt sie einen Mann kennen, der ihr die andere Seite des Lebens zeigt. Sie lernt loszulassen und sich treiben zu lassen. Ihre Haushälterin wundert sich und spricht sie auf gewisse Versäumnisse an. Die junge Frau verbittet

sich jegliche Einmischung in ihr Privatleben oder sie werde entlassen. Doch nach einiger Zeit spricht die Haushälterin wieder mit der jungen Frau: „Schau mal, du bist ja nicht wirklich glücklich.

Um wirklich glücklich zu sein, kann man sich nicht nur treiben lassen. Man braucht auch eine gewisse Ordnung, einen Plan, ein Ziel. Freude entsteht da, wo eine gewisse Ordnung herrscht und

Sinnvolles getan wird.“ PrüferIn 2 C30

Das Haus mit seinen Räumen ist ein geschützter Ort, der in unserem Leben einen Mittelpunkt bildet und unseren Charakter und unsere Lebensart spiegelt. Es ist ein Symbol für unsere Persönlichkeit und die hier auftauchende Haushälterin eine Personifizierung des Selbst. Die Haushälterin ist für die Führung des Haushaltes zuständig und mahnt einen Ausgleich zwischen Ordnung und dem sich Treiben lassen an. Der Plan oder das Ziel ist, alte, unbewusste und unglücklich machende Verhaltensmuster aufzugeben, um schöpferische

Impulse zu erhalten, damit etwas Sinnvolles, Freude Bereitendes entstehen kann. Die innerseelische Wirklichkeit strebt zu einem Gleichgewicht innerhalb der eigenen Person.

Auch bei PrüferIn Nr. 7 C 30 ist der innere Indivividuationsdrang zu vernehmen. Etwas bricht auf, das „Eis bricht“, ein individuelles Lebensthema erscheint.

Er schreibt in seiner Zusammenfassung:

- .....meine seelische Verfassung, war dagegen in extremer Bewegung. Nicht nur meine Depressionen, die zum Glück noch nicht so richtig ausgebrochen sind, waren kurzzeitig sehr heftig, sondern auch die Beschäftigung mit mir selbst und meinem Leben. Durch die intensiv erinnerbaren Träume, die auch ein neues Symptom darstellen, (ich hatte vorher auch geträumt, aber alle Träume vergessen)

wurde ich genau auf einige Themen meines Lebens zurückgeworfen, die mich immer noch beschäftigen...eine sehr interessante Zeit die intensiver war als ich es sonst sowieso schon verspüre und reflektiere. Dadurch entstand ein drängendes Bedürfnis nach Auflösung, nicht in dem Sinne, dass es jetzt endlich sein müsste, sondern dass die Zeit reif ist.

Zusätzlich scheinen alte Themen wieder hochzukommen, so wie auch der Gletscher bei seiner Schmelze alte Dinge wieder zum Vorschein bringt. Uralte Geheimnisse sind im Eis verborgen, zwischen den Eiskristallen ist die Luft vergangener Jahrtausende eingeschlossen.

Sogar alte Pflanzen werden wieder freigegeben. So enthält z.B. laut „vista verde“ ein abschmelzender Gletscher in den peruanischen Anden eine noch sequenzierbare DNA von Moosen der Gattung Breutelia.

-... habe meine verstaubte Zeichenmappe wieder hervorgekramt

PrüferIn 7

- 5 Minuten nach der Einnahme im Freischwimmbecken beim Baden nehme ich Licht, Wasserstrudel und Farben sehr intensiv wahr. Nach ca. 20 Minuten fühle ich mich überschwänglich und würde gerne über einen vor 5 Jahren vergangenen Traum reden, der in mir aufsteigt, halte mich aber unter Kontrolle und berichte nur ansatzweise von meinen Gedanken. Ca. 20 Minuten später bin ich fassungslos, als

ich feststelle, dass einige Räumlichkeiten der Therme mit genau diesen Traumbildern übereinstimmen ....

PrüferIn 7

Die Zeitschranken verschwinden, Bewusstes verbindet sich mit Unbewusstem, Altes bindet sich an Neues an: ein DejaVu Erlebnis.

-ein intensiver Einschlaftraum:

alles Wasser um mich, klar, ganz hell, fließend von rechts nach links, ich schwebe gestreckt lang gegen die Strömung, auf der Stelle, angenehm leicht und nicht enden wollend – ewig – bis ich plötzlich aufwache, aufwachen muss, auftauche, um nach Luft zu schnappen – heftig und gerade noch an der Grenze – dann sinke ich wieder in die Strömung unter Wasser, von Lichtreflexen

im Wasser umgeben. Ich musste 3mal auftauchen, bis ich wohl in Tiefschlaf gesunken bin. - - - -

PrüferIn 7

Bild von PrüferIn 7 unter Einfluss von Aqua Ganga Gaumukh

In den drei folgenden Berichten zeigt sich das Wesen des Gletscher-Wassers, wie es geschmolzen, losgelassen, in Fluss kommend, an Fahrt gewinnt:

- ...ein Staunen, nicht freudig, einfach neutral beobachtend...Emotionen kommen schnell hoch, wie eine Welle, und dann fließt es weiter....PrüferIn Nr. 4

- Gedanken wie Emotionen hängen nicht so fest, „kein Staudamm“ ......

- ...fließender durch den Alltag zu gehen. Ein gewohntes Gefühl alles „schnell“ machen zu müssen lässt nach und wandelt sich in ein „eins nach dem anderen“ und dann wieder ....

Gleichzeitig ist oft eine Unruhe in der Brust, bzw. das Gefühl der Tiefe des „fließend seins“ nicht .standhalten zu können...

... PrüferIn Nr. 4

Auch in den weiteren Zitaten der PrüferInnen zeigt sich der klare Ausdruck von Stadium 1

 

3. Themen: Kontrollverlust, Enthemmung, Bruch in der Kontinuität der üblichen

Abläufe, ohne bewusstes steuern, planlos, schnell emotional, gelöst heiter euphorisch glückselig, Vorsilbe – über, z.B. Überdrüber-Zustand, überschwänglich, überschwemmt, überflutet, überrumpelt, Übermut ....

Eine weitere Art des in Fluss kommen zeigt sich bei mehreren PrüferInnen in Form einer erhöhten Kommunikation, die PrüferInnen empfinden sich als für ihre Verhältnisse extrem kommunikativ.

Dies korreliert mit dem Redefluss der Ganga (deren Vorgängerin die Flussgöttin Sarasvati ist, eine Quelle der Inspiration und des Gedankenflusses).

- ...plappere mehr als ich will ... ausgelassen, überschwänglich ... quatsche beim Einkaufen die Leute wieder an und voll und nieder – total überdreht und bester Laune fühle mich pudelwohl – bin wieder im über-drüber Zustand, quatsche die Werkleiterin voll, parke verbotenerweise im Schulhof, trotz Schranke, find's sogar witzig (das ist überhaupt nicht meine Art) PrüferIn 17

- .... sehr kommunikativ

Zwei Verschreibungen bestätigen diese Wahrnehmung, beide Male ging es um eine wichtige Prüfung und beide Male wurde sie mit Bravour bestanden.

- „es floss aus mir heraus oder ich war ungewöhnlich locker und die Prüfung lief wie von selber“.

- Ein Lehrer sagte zu einer Prüferin, dass hätte ich Ihnen nie zugetraut, sie hatte sich das auch nicht zugetraut.

Die nächste PrüferIn beschreibt ein Bild der Gletscherschmelze, wie er sich überflutet fühlt von den Wassermassen. Die kann als eine Analogie zu dem Hervorbrechen des Unbewussten

interpretiert werden.

- Traum: ....eine 6 -8 Meter hohe Flutwelle bricht über mich herein, aber ich weiß, dass ich sicher bin, ich überstehe sie schadlos, eigentlich unbeeindruckt. - - -  PrüferIn Nr. 16 C30

 

Nicht nur Altes taucht auf, sondern auch Fremdes bzw. als fremd Empfundenes,

Unbekanntes, das teilweise noch Angst macht, jedoch integriert werden möchte.

- ... zur Arzneimittelprüfung erschienen drei fremde Leute, die davon gehört hatten und mit machen wollten, fühle mich überrumpelt, überschwemmt, überrannt.... Prüfer Nr. 2

- ... Fremde bzw. Leute, die nicht zur Prüfung eingeladen waren, erschienen......

- ...bemerkte wie viele Fremde da waren...PrüferIn Nr. 20 C30

 

Um den Kontrollverlust, die Enthemmung geht es bei dieser PrüferIn:

- ....Gefühl bin enthemmter gebe meinen sonst nicht so akzeptierten Seiten meiner Persönlichkeit viel schneller nach bin in diesen Bereichen viel weniger kontrolliert. z.B. trinke mehr, gebe mich gerne dem Rausch hin was ich sonst auch gern mal mache aber das jetzt ist viel stärker und ohne schlechtem Gewissen...sehe dies aber auch von zwei Seiten, also positiv und negativ, würde auch nicht so gern die

Kontrolle verlieren... .PrüferIn Nr. 3

Der Effekt des nicht kontrollieren Könnens erlaubt es Gefühlen oder unbewussten Inhalten sich stärker auSchmerzudrücken. Was auch mal auf den ersten Blick schief gehen kann, wie die Geschichte der jungen himmlischen Ganga zeigt, die aus Übermut Rishi Durgavasa auslacht und somit ihr Schicksal, ihre Reifeprüfung seinen Lauf nimmt.

...mit der Einnahme von Gaumuck hat sich allerdings die Bereitschaft, diese Verantwortung (für sein eigenes Leben, Anmerkung des Zusammenfassers) zu übernehmen, verflüchtigt. Hand in Hand mit dieser eskapistischen Tendenz ist es zu einer Verschlechterung meines pSymptomchischen Befindens gekommen. Diese Entwicklung gipfelt dann am achten Tag in einer ziemlich negativen Bilanzierung meines gesamten Lebens......ich empfinde mich als wehrloses Opfer schwieriger Lebensumstände....

PrüferIn Nr. 19 C 30

 

Einen Bruch in der Kontinuität erleben die folgenden Prüfer:

- Persönliche Mitteilung von PrüferIn Nr. 19:

..... das was ich mir vorgenommen habe und über lange Zeit praktiziert habe, z.B. ein mal am Tag zu meditieren ,diese Kontinuität wurde unterbrochen und ich kann diese Kontinuität auch nicht unter diesem Mittel weiterführen und wieder finden, was mir auch irgendwie frustet....

(sinngemäße Wiedergabe)

- ...zwei Deutschprüfungen organisiert. Leider kam die Aufsicht nicht, ich unternahm aber nichts, sondern wartete nur. Ich bot an die Aufsicht zu übernehmen, wartete aber trotzdem weiter. Holte mir ständig Süßigkeiten... Zum Schluss stellte ich fest, dass alle anwesenden Teilnehmer beide Prüfungen schreiben wollten, also die ganze Organisation falsch war! Ein quälender Traum.

PrüferIn Nr. 8 C 30

- ...Hatte sich vorgenommen mehr zu trinken...

Ingwer-Wasser wird kalt und bleibt stehen (kommt normalerweise nicht vor)....weitere Aufzeichnung der nächsten Tage

....Ingwerwasser bleibt stehen......Ingwerwasser vergessen.....Ingwerwasser bleibt wieder stehen, das nervt langsam, weil ich eigentlich viel trinken will und soll, im Moment scheinbar nicht möglich.. PrüferIn Nr. 17

- ..........Gefühl, aus den üblichen Abläufen des Alltags förmlich heraus gefallen zu sein. Ich kann keine sinnvolle Struktur finden, bin unkonzentriert, sehr vergesslich, fühle mich den alltäglichen Erfordernissen und Verbindlichkeiten kaum gewachsen. Bin dadurch irritiert, gereizt, nervös.... Kommentar von PrüferIn Nr. 19:

 

Bei den Themen Kontrollverlust, Bruch der Kontinuität etc. geht bemerkenswerterweise kein Schuldgefühl einher, die Prüfer verspüren weniger Pflichtbewusstsein, kein schlechtes Gewissen, sind aber genauso effektiv. Soziale Normen und Werte scheinen nicht so wichtig zu sein.

- Hatte eigentlich vor an dem Tag zu arbeiten, konnte aber nicht wiederstehen, den Tag mit meinem Freund zu verbringen, hatte aber kein schlimmes schlechtes Gewissen dabei. PrüferIn Nr.15 C 30

- „ich bezogen“ am Abend setze ich eine Aktion, bei der ich mich normalerweise zurücknehme – nach dem Motto: „ich bin auch wichtig“, „meine Wünsche brauchen auch Raum“ PrüferIn Nr. 17 C 30

- ...den Druck meiner „hausfraulichen Pflichten“ vergessen, habe mich meiner Lust hingegeben......PrüferIn Nr. 17 C 30

- ...am Tag nach der Prüfung, Mitteleinnahme bis Mittag einfach im Bett liegen geblieben bis Nachmittag weil es so schön war, hätte das normalerweise nicht gemacht auch aus einem schlechten Gewissen heraus.. PrüferIn Nr. 3 C30

Ein erotischer Traum indem mich ein burschikoses junges Mädchen verführte. Ich hatte jedoch ein schlechtes Gefühl dabei, da ich wusste jemanden damit zu verletzen, ging aber trotzdem mit. Als sie mich unter der Bettdecke hatte, riss sie mir die Kleider vom Leib. Doch als ich nackt war, fand ich mich wieder angezogen und sie begann mich wieder auSchmerzuziehen. Sie bekam mich nicht nackt und der Traum endet in einer Wiederholungsschleife bis ich erwache - - - - Traum von PrüferIn Nr. 7 C 30 hat mit Enthemmung und Kontrollverlust zu tun, sogar im doppelten oder dreifachem Sinn er kann sich nicht beherrschen und geht mit, sie reißt ihm die Kleider herunter, unbeherrscht, enthemmt? schafft es aber nicht, ihn nackt zu bekommen, hat also auch keine Kontrolle und muss immer wieder neu anfangen.

Traum: ... plötzlich tauchte er auf und ich hätte ihn am liebst umgebracht. Mein Hass brannte lichterloh, in der Weise, dass man nicht mehr Herr seiner selbst ist und zum Berserker wird Dann wachte ich auf. Den ganzen Tag musste ich gegen dieses (Berserker Gefühl) ankämpfen um es nicht über mich triumphieren zu lassen........ - - - -  PrüferIn Nr. 7 C 30

Aufbruch, Ungeduld, Wutausbruch wegen vermeintlich ungerechtfertigter Behandlung, von einem Busfahrer, aggressiv Behaviour, schnelle Abkühlung/Beruhigung..... PrüferIn Nr. 18

 

Diese Enthemmung, der Kontrollverlust führt natürlich auch dazu, dass Schattenthemen, Gefühle, Probleme nach oben getragen werden, in die bewusste Wahrnehmung gelangen.

Man ist konfrontiert mit Teilen des Unbewussten oder Teilbewussten und bekommt es auf eine ziemlich klare Art und Weise „serviert“ und kommt nicht umher es „ wahr – zu - nehmen“.

Interessant ist die Symbolik von Wasser, das Symbol für das Unterbewusste, das Symbol für Gefühle.

 

4. Themen: Veränderter Standpunkt, Perspektivenwechsel, Vogelperspektive, anderer Blickwinkel

Ein weiteres Thema scheint der veränderte Standpunkt und damit ein anderer Blickwinkel auf sich selbst bzw. auf die Welt zu sein.

- Traum: ...hatte auf eine eigenartige Weise das Gefühl wach zu sein, während ich träumte...Oder hinterher dachte ich, ich wäre während des Träumens wach gewesen. Es war ein sehr eigenartiges Gefühl, dass ich noch nie hatte. Mit offenen Augen ohne Eingreifmöglichkeiten Zeugin meines eigenen Traums zu sein....... PrüferIn Nr. 6 C30

- ..Begegnung der eigenen Thematik mit neuem Blickwinkel, Abstand und Gelassenheit, die eigene Situation annehmen..... PrüferIn Nr. 11 C30

- ....alles ist sehr weit in mir, als ob die Zellen auch SinneSchmerzellen weit werden, neue Räume sich auftun. Etwas absolut bewusstseinserweiterndes, ich staune nur über diese Empfindung der innere (Zell) türen die sich öffnen. Schön, doch etwas verwirrend.... PrüferIn 7 C30

- ...eine gewisse Distanz zum Leben, nicht so „Identifiziert“...sehe einen Fluss aus der Vogelperspektive...entspannter bin weniger am“ Machen“, annehmend, gelassen, loslassend..... PrüferIn Nr. 16 C30

 

5. Themen: Vereinigung von Gegensätzen, Aussöhnung, Verbindung mit dem großen Ganzen, Einheitsgefühl

Wasser erscheint hier als Lösungsmittel, Lösung von Blockierungen. Das Gletschereis, das sich verflüssigt, ist ein gutes Bild für dieses einzigartige Empfinden und Erleben, als Auflösung von  Gegensätzlichem, Widersprüchlichem. Das Flusswasser schleift Kanten rund, integriert alles, fließt um Wiederstände herum, passt sich allem an und verändert sich doch nie. So ist es auch bei Gaumukh.

Man ist dem taoistischen Weisen ein Stück näher mit Gaumukh in seinem so Sein. Viel dieser Wahrnehmung der Welt (unter Einfluß von Gaumukh) wird in der Philosophie des Taoismus beschrieben, oder auch des Tai Chi, ein ÜbungsSymptomstem, das mit den Prinzipien des Taoismus in Einklang steht. Es ist ein gutes Bild um die Wirkweise dieses Arzneimittels zu beschreiben.

Das Tao beschreibt die beständige Veränderung und Wandlung und doch bleibt es gleich wie das Wasser als Element

- ...Am stärksten beeindruckte mich aber vor allem der Umstand, dass die Gegensätzlichkeiten, die sehr deutlich auftauchten, immer wieder zu einer Aussöhnung hin zielten. Ich erlebte diese Aussöhnung, diese Vereinigung voll Staunen, nicht freudig, einfach neutral beobachtend...Emotionen kommen schnell hoch, wie eine Welle, und dann fließt es weiter....Gegensätze wohl nur als eine Momentaufnahme, einer Symptomnthese und diesem Sinne nur als eine Andeutung einer Heilkraft von Gaumukh, aber dies waren dann doch die beeindruckendsten und stärksten Momente der Prüfung. Wenn ich die wesentlichste Wirkweise und die Essenz von Gaumukh mit einem einzigen Begriff umreißen müsste, so würde dieser „Coniunctio oppositorum“ lauten. Diesen Begriff prägte C. G. Jung ( in seinem

Spätwerk „Mysterium Coniuctionis“, mit dem er sich länger als ein Jahrzehnt befasste) und bezeichnet das Leitmotiv seines gesamten Werkes. Es geht um die Verbindung des Getrennten, des  Gegensätzlichen. Es geht um den entscheidenden Brückenschlag zwischen der bewussten und der unbewussten Seite der Persönlichkeit,.... Es wäre im höchsten Maße illusorisch zu glauben, dass ein

einziges Heilmittel,..... tatsächlich zu dieser „Coniunctio“, zur wahren Menschwerdung, zu führen vermag, aber ich verdächtige Gaumuck der möglichen Wirkweise, dass dieses heilige und heilende Wasser die Schritte in die entsprechende Richtung zu lenken vermag...... PrüferIn Nr. 19 C 30

- ... ..um die Zeit der Jahrtausendwende habe ich all das, was noch aus jener Zeit herrührt, was mir lange Zeit wichtig und wesentlich war, abgewertet und sogar verurteilt. Es wird mir deutlich, dass ich diese rigide Vorgangsweise entscheidend revidieren muss, dass ich mich wieder mit dem Geist der Maieutik anbinde. PrüferIn Nr. 19

- Sinngemäße Wiedergabe eines Kommentars von PrüferIn Nr. 7

...früher, vor den Ganges Mitteln, wollte ich ausschließlich Musik machen, zum Unterhalt von mir und meiner Familie, jetzt arbeite ich auch als Programmierer, programmieren hat mir auch schon immer Spaß gemacht..... (Heilungsymptom von beiden PrüferInnen 19 und 7, nicht entweder oder, sondern sowohl als auch?)

- ....Begegnung mit der eigenen Thematik mit neuem Blickwinkel, Abstand und Gelassenheit, die eigene Situation annehmen ----- aussöhnen. Mit mir „versöhnen“ kommt immer wieder! PrüferIn Nr. 11 C

- ....die Polarität von Leben und Tod scheint mir im Licht der Wirkung von Gaumuck nicht so sehr ein unüberwindlicher Gegensatz, sondern viel mehr etwas, was untrennbar miteinander verbunden ist und sich wechselseitig durchdringt.......erwirkt erweiternd auf das Leben ... PrüferIn Nr. 19 C30

Auch hier die Gegensätze, die vereint werden wollen.

Einverständnis, Einverstandensein, Akzeptanz........am achten Tag (nach der Mitteleinnahme) fühle ich mich wirklich niedergeschlagen, der Tiefpunkt ist erreicht........spüre einen starken Widerwillen gegen diese Art von Leben ......ich erkenne jetzt, dass ich eine schwierige Entwicklung in meinem Lebensgang einzig auf äußere Umstände bezogen habe, und dadurch fällt es mir leicht, mich in der Rolle des leidenden Opfers zu rechtfertigen. Im Prozess des Annehmens fällt dann Identifikation mit dieser Rolle weg. Ich Verstehe: das Leben ist nicht anders, das Leben ist, wie es ist, und dieses Leben ist mein Leben und gehört zu mir, weil es zu mir passt. – Wenn es wirklich dauerhaft gelingen würde, dieses Einverständnis mit dem So-Sein des Lebens zu integrieren, dann würde das Leben weiter, erfüllter und reicher werden!....... PrüferIn Nr. 19

Polaritäten entstehen durch zwei sich gegenüberstehende Wesen oder Energien wie z.B. Mann und Frau, Tag und Nacht, Tod und Leben, Yin und Yang usw. Durch das Gegenüberstehen der Pole entsteht ein Spannungsbogen, der mit einem einzelnen Pol nicht gegeben wäre. Erst durch die Ergänzung wird die gesamte Kraft und Energie aktiviert, das inhärente Potenzial entfaltet. Unser ganzes Streben zielt hin zur Vereinigung dieser Gegensätze.

- Ein PrüferIn nahm die 10g Flasche von Ganga Gaumuk Aqua in die Hand er erlebte folgendes: ... es „zieht“ mich zum Fenster und „lässt mich“ die Salzach, den Fluss der vor unseren Praxisräumen vorbei fließt , fixieren, ... spüre seine Kraft, seine „Bewusstheit“, sein „Sein“... bin ganz im Kontakt mit ihm... er spricht dann „ich bin in Dir“ ich verstehe das nicht genau, aber spüre, dass es so ist, dann folgt ein

Spruch nicht vom Fluss, sondern in mir: „Die Welt ist in dir“... PrüferIn Nr. 16 ( Kontakt mit der Arznei)

- ...sehr in meiner Mitte.... Mit Himmel und Erde gleichzeitig verbunden. PrüferIn Nr. 14 C30

- ...alles im Fluss kein Stress. Alles fühlt sich leicht an... fließen, zusammengehören, Einheitsgefühl... PrüferIn Nr. 2 C30

- ...ein Ganzheitsgefühl....Einheit, Wissen, Weisheit ...Zugang zum großen Netz des Wissens, Intuition... (wurde auch so in dem Tal des Gletscher dem Ursprung der Ganga so erlebt) PrüferIn Nr. 3 C30

- Bedürfnis nach Stille .... Worte erscheinen nichtig, so als könnten sie nur die Oberfläche berühren... die Stille ist in mir ..ich erfahre die Stille als jenen Ort, an dem eine Vereinigung, von Gegensätzen stattfinden kann.... PrüferIn Nr. 19 C30

 

6. Nicht Verbunden, nicht Eingebunden, Getrennt sein

Diametral gegenüber dem Thema des Verbunden seins, dem Ganzheitsgefühl steht das nicht Verbunden, nicht Eingebunden, Getrennt sein. Distanz, Gleichgültigkeit und ein anderer Blickwinkel spiegeln

dies auch wieder.

- ...die Kommunikation am Abend der Prüfung, wie schon bei der Verreibung als oberflächlich erlebt.... .PrüferIn Nr. 3 C30

- ....konnte trotz Hintergrundgeräusch (laufende Unterricht) mich mit einem anderen Fach beschäftigen (kann ich normal nicht gut).... PrüferIn Nr. 5 C30

- Annehmend, gelassen.. wenn es noch stärker würde .....würde es vielleicht in Gleichgültigkeit einmünden PrüferIn Nr. 16 C 30

- in mir versunken, zurückgezogen.....neuem Blickwinkel, Abstand und Gelassenheit.....bis Mittag in mir selbst versunken, zurückgezogen.....ab Nachmittag gelöster und offener...zurückgezogen, für mich, guter Kontakt zu mir..... der Bericht über Tage PrüferIn Nr. 11

- kam mir das Bild, das ich sehe und die Geräusche, die ich hörte weit weg vor..... PrüferIn Nr. 15 C30

- .......großer Teil der Prüfungsteilnehmer, nach Ganga sprang ab.......

Wasser in seinen verschiedenen Qualitäten... z.B. sich dem Fluss des Lebens hinzugeben, sich anzuvertrauen, oder aber mitgerissen, weggespült werden......

Diese Qualitäten werden im Wechsel erfahren, wie bei einer Flussfahrt, bei der es ruhige Abschnitte, aber auch sehr wilde, aufwühlende und mitreißende, unkontrollierbare Teile gibt, all dieses

Erleben, diese Gefühle gehören zusammen wie in einem Fluss.

- Habe Magen- Darminfekt am Nachmittag bekommen, bin gereizt, total müde und überempfindlich. Gleichzeitig sind meine drei Söhne krank die ich alleine zu versorgen habe. Ich nehme Gaumukh Ganges Aqua C 30 das zweite mal und bin überrascht wie gelassen ich diese Nacht in der ich x-mal aufgeweckt und aufstehen muss, obwohl ich selber krank bin, manage. Ohne das Mittel wäre ich innerlich viel angespannter und aggressiver gewesen, so war ich in der Lage mir zu sagen „Das ist jetzt eine kleine unangenehme Stelle im Lebensfluss, eine Widrigkeit die dazugehört, kein Grund sich zu verkrampfen. PrüferIn Nr. 16 C30:

Dieses „im Fluss sein“, oder das “laufen lassen“, „das unkontrollierte sich gehen lassen“, kann verschiedene Qualitäten annehmen. Einmal tritt das “verplant sein“, nicht strukturiert sein, das nicht einhalten, was man sich vorgenommen hat, in den Vordergrund. Diese Enthemmung ohne schlechtem Gewissen war bei Vielen ein Thema z.B. in Bezug auf Alkohol/Rauschmittel, Emotionen, Strukturierung des Alltags.

Daraus kann ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins entstehen.

 

7. Reinigung, Kontrolle, Ordnung, Struktur

Das Bedürfnis nach Reinigung, Kontrolle, Ordnung, Struktur thematisierten die PrüferInnen folgendermaßen: ......unmittelbar nachdem ich zuhause war (Prüfungsabend) habe ich mein Mailadressbuch „ausgemistet“ und viele Adressen gelöscht, die nicht mehr in Betrieb sind , die mir aber einmal wichtig waren“ PrüferIn Nr. 8

.......am Nachmittag begann ich mein Zimmer aufzuräumen......konnte mich nie aufraffen....an diesem Tag ging es ganz leicht und ich räumte freudig und leicht bis um Mitternacht alles auf..... es war richtig befreiend.....das ordnen und Aufräumen hielt noch einige Tage an.......das Thema für mich war eindeutig: Klärung Reinigung, Ordnung PrüferIn Nr. 8 C 30

.....erster“ Reflex“ den ich am Morgen nach der Einnahme von Gaumukh angesichts meines überfüllten Schreibtisches verspürte, ist das Bedürfnis, gründlich aufzuräumen und „Altlasten“  bzuarbeiten......

in den kommende Tagen meldete sich immer wieder das Bedürfnis, eine Planvolle Ordnung zu schaffen.....mein allabendliches starkes Verlangen nach Süßigkeiten zu Kontrollieren......das Bedürfnis nach Kontrolle zeigt sich auch in dem Wunsch, mein Körpergewicht zu reduzieren..... PrüferIn Nr. 19

Etymologisch betrachtet leitet sich das Nomen „Ordnung“ vom Begriff „Orden“ ab. Ordnung ist von mitelhochdeutsch Orden abgeleitet und bedeutete ursprünglich das Einhalten von Gesetzen, Verordnungen und Regeln. Orden war eine Bezeichung von erst christlichen, dann auch weltlichen Gemeinschaften, später wurde er auch ein (Ab-)Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Gruppe Gleichgesinnter, heute ist ein Orden auch ein Ehrenabzeichen. Von Orden leitet sich das Adjektiv ordentlich ab und bedeutet, dass jemand ordnungsliebend und wohlgeordnet ist.

Ordnung hat somit einerseits mit Ein- und Ausgrenzung, Trennung und Integration, andererseits mit Anpassung und DiSchmerziplin zu tun. In den genannten Beispielen ist die alte Ordnung überholt,

oder die Ordnung ist durcheinandergeraten, so dass der Impuls vernommen wurde, eine Reinigung durchzuführen und eine neue Ordnung herzustellen.

Dabei muss Altes geopfert werden, damit Neues entstehen kann und einen Raum bekommen, eine neue fruchtbare Ordnung entstehen kann.

Aqua Ganga Gaumukh ist der Beginn einer Reise zu sich selbst. Ein Lebensübergang, ein Neuanfang im Kreislauf des Lebens. Analog zu dem Aufbruch steht die Veränderung des Aggregatzustandes

des Wassers: Vom Gletschereis zum fließenden Fluss, analog zum spontanen Gefühlsausbruch das wilde und brausende Wasser auf dem Weg zu seiner Bestimmung: dem Meer.

Der Fluss ist ein gutes Bild für die hindernisreiche Reise hin zur Individuation mit seinen unterschiedlichen Strömungen, Verläufen, Stromschnellen oder fast seenartigen, ruhigen Abschnitten.

Zusammengefasste Körpersymptome

- Erschöpft versus viel Energie, (Beine lahm, als ob den ganzen Tag rumgelaufen)

- Kopfschmerzen (Mitte, Bereich Nasenwurzel), Gefühl eines stehenden Gewässers in der Hirnbasis

- Augen, verklebt

- Erhöhte Geräuschwahrnehmung, geräuschempfindlich, Ohrenschmerzen, Ohr verstopft

- Halsprobleme, (brennen, zwicken)

- Herzklopfen, leichtes Flattern im oberen Brustbereich

- Magen-Darm-Bezug (Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Völlegefühl, Durst vermehrt

- Bauchnabel, Druck

- heftiges Zittern in beiden Armen

- Haut, Hautjucken, Furunkel, Abzess, rechte Armbeuge, Haut wie eine Hülle

- Temperatur: bei Bewegung schwitzen, Schwitzen, vermehrt, Hitzewallungen, insgesamt wärmer

- rechts

- Schlaf, tief versus unruhig, unterbrochen, müde

- Träume, viele

 

 

Varanasi (Benares)

Frage: Hat das Aufsuchen von Wallfahrtsorten wie des Berges Kailas, Benares usw. irgendwelche seelischen Wirkungen?

Maharshi: Ja.

Frage: Kommt dem Sterben in Benares irgendeine besondere Bedeutung zu?

Maharshi: Ja, die Bedeutung wird klar ersichtlich, wenn das wahre Benares und das wahre Sterben darunter verstanden werden.

Frage: Sie wollen damit sagen <im Selbst>?

Maharshi: Ja.

Frage: Es gibt im Körper sechs Zentren und entsprechende Zentren im Universum.

Maharshi: Ja. Was im Universum ist, ist auch im Körper, und was im Körper ist, ist ebenso im Universum.

Frage: Ist die Heiligkeit von Benares eine Glaubensangelegenheit, oder ist auch äußerlich etwas dran?

Maharshi: Beides.

Frage: Manche Menschen fühlen sich zu einem Wallfahrtsorte hingezogen, andere zu einem anderen. Hängt das mit der individuellen Wesensart zusammen?

Maharshi: Ja. - Beachten Sie nur, wie Sie alle, die Sie an verschiedenen Orten geboren sind und in fremden Ländern leben, heute hier zusammengekommen sind.

Welche Kraft hat Sie hergezogen? - Wenn Sie das verstanden haben, dann verstehen Sie auch die andere Kraft.

Ramana Maharshi

Hintergrund

Varanasi, die bedeutenste und heiligste Stadt Indiens, liegt am Ufer des Ganges im Bundesstaat Uttar Pradesh. Sie existiert seit ca. 5000 Jahren und ist damit eine der ältesten durchgängig bewohnten Städte Indiens und wohlmöglich der Welt.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Varanasi mehrere verschiedene Namen hatte.

Uranfänglich wurde sie als ein idyllisches Wald-Paradies „Ananda Vana“ beschrieben, mit grünen Hainen, Teichen und Wasserläufen, angereichert mit Ganges-Wasser. „Kashi“ ist einer der ältesten Namen für Varanasi und bedeutet „Stadt des Lichtes“, da an diesem Ort von Lord Shivas Glanz Lichtstrahlen ausströmten. So ist Kashi die Stadt, in der der Weg zu spiritueller Befreiung beleuchtet wird.

Ein anderer bezeichnender Name ist „Avimukta“, das von Lord Shiva niemals verlassene Land: „because I never forsake it nor do I let it go. This great place is, therefore, known as Avimukta.“

(M. Khanna, 2003:15) Der heutige Name Varanasi hat wahrscheinlich seinen Ursprung in den Namen der beiden Flüsse Varuna und Assi, da die Stadt am Zusammenfluss von Varuna mit dem Ganges im Norden und Assi mit dem Ganges im Süden liegt.

Varanasi ist die bedeutenste von allen Tirthas, eine Pilgerstätte als Übergangsmöglichkeit von der materiellen Welt zur tranSchmerzendentalen Ebene, die die Pilger vom immerwährenden Kreislauf des Geborenwerdens und Sterbens befreit, die Befreiung der Seele von einer weiteren Wiedergeburt. Menschen aus ganz Indien kommen nach Varanasi um hier zu Sterben. Aber Varanasi wird nicht nur deshalb als heilig angesehen, weil es als Furt zwischen Himmel und Erde gilt, sondern auch weil an diesem Ort das ewige Fließen und Verebben, das Kommen und Gehen der Zeit als besonders verheißungsvoll empfunden wird.

Denn in dieser zeitlosen Stadt gibt es keine karmische Vergeltung. Alle, die in ihrem Umkreis leben und sterben, haben spontanen Zutritt zu spiritueller Befreiung (moksha). Aus diesem Grund wird der Tod nicht gefürchtet. Er wird angesehen als Voraussetzung für die Erlösung. Der Tod in Varanasi ist heilig und vielversprechend. Die heiligste Stätte der Stadt ist das Ufer des Ganges mit seinen 84 „ghats“, die in Treppen zum Wasser führen. Von frühmorgens bis spätabends werden hier Waschungen durchgeführt und Gebete gesprochen, alltägliche und besondere Rituale abgehalten, wird ins Wasser

eingetaucht um sich von Sünden zu reinigen und werden von den männlichen Hinterbliebenen die letzten Todesriten für die Blutsverwandten verrichtet.

Die Verbrennungsstätten, auch „burning ghats“ genannt, sind die Orte, an denen die Toten unter freiem Himmel auf großen Holzstößen verbrannt werden. Die Scheiterhaufen brennen Tag und Nacht.

Die Größe der Scheiterhaufen und die Qualität des Holzes richtet sich nach den finanziellen Möglichkeiten der Familie. Doch nicht alle Leichen werden verbrannt, es gibt Ausnahmen: Pocken- und Leprakranke, von einer Kobra Gebissene, Babys, sowie Sadhus werden nicht verbrannt. Sie werden in ein Tuch gewickelt und mit einem Stein versehen in den Ganges geworfen. Auch die Asche der Verbrannten wird in den Fluss gegeben, denn die Reinigung der Totenasche ist die wichtigste Funktion der Ganga. So ist Ganga auch ein Totenfluss, der die Asche der Toten aufnimmt, die Leichen der Nicht-Verbrannten, jedoch auch Tierkadaver treiben in ihrem Wasser. Gläubige Hindus sind der Überzeugung, dass Ganga nicht verschmutzt werden könne, da sie selbst rein und reinigend sei.

 

Die älteste Verbrennungsstätte in Varanasi ist das Harishchandra Ghat, benannt nach folgender Mythologie:

Es begann damit, dass der Weise Vishvamitra seinen Anhänger König Harishchandra um den Opferbeitrag bat, den der König seinem Lehrer schuldete. König Harishchandra sagte dem Weisen er solle ihm seine Wünsche nennen. Daraufhin verlangte Vishvamitra die Erde mit ihren Ozeanen und ihren Bergen, Städten und Dörfern und das gesamte Königreich ... alles was er besitze, außer seine Frau, seinen Sohn und seinen Körper. So übergab der König seinem Lehrer sein ganzes Königreich.

Begleitet von seiner Frau und seinem Sohn verließ er sein Reich in Richtung der heiligen Stadt Varanasi. An den Toren der Stadt sah er seinen weisen Lehrer, der darauf hinwies, dass seine Opfergabe doch noch nicht vollständig erbracht sei. Der einzige Weg, den Ansprüchen des Weisen gerecht zu werden, sei sich selbst zu opfern. Während Harishchandra noch über seine nächsten Schritte nachdachte, unterbrach ihn seine Frau Shaviya mit Folgendem: „Es gibt nichts Höheres als Integrität. Du bist ein aufrichtiger Mensch. Gebe mich im Austausch für Reichtum und zahle den Weisen.“ Von Leid geplagt,

beobachtete der König wie ein älterer Brahmane die Königin kaufte und sie wie eine Sklavin bei den Haaren zog. Harishchandras Sohn wurde ebenfalls von diesem Brahmanen käuflich erworben.

Doch dieses erzielte Vermögen war immer noch nicht genug, um den Opferbetrag zu zahlen. Daher bot sich schlussendlich der König selbst zum Kauf an. Ein übelriechender „dom“, der in der Einäscherungsstätte in Kashi tätig war, unförmig und bekleidet mit den Kleidern der Toten, umringt von einem Rudel Hunde, bot sich an, den König zu kaufen. Der König war außer sich vor Wut, da dieser Mann doch der niedrigsten Kaste angehörte und verweigerte sich dem Kauf. Doch der Weise Vishvamitra bestand darauf, dass nur dieses Opfer seinen Wünschen genügen würde.

Für eine lange Zeit arbeitete König Harishchandra als Gehilfe beim Verbrennungsghat unter dem Dom. Sein Job war es, die Kleidung der Leichen einzusammeln. Jeden Tag begab er sich zum burning ghat in Varanasi, wo er umgeben war von Geiern, Schakalen, Bergen von Gebeinen und dem Weinen der Hinterbliebenen.

Eines Tages sah der König wie seine Frau ihren toten Sohn zur Verbrennung brachte. Die Königin, erschöpft durch das Leiden, erkannte den König nicht sofort. Er sah dreckig aus, hatte matte Haare und Gewicht verloren. Überwältigt von Trauer um ihren toten Sohn, sannen der König und die Königin darüber nach sich selbst in das lodernde Feuer ihres geliebten Sohnes zu werfen.

Während das Paar noch nachdachte, erschienen die Götter. Lord Dharma, Indra und alle anderen, und der Weise Vishvamitra erklärten dem König, dass sie über seine gezeigte Geduld, seine  Selbstbeherrschung und seine Tugendhaftigkeit hoch erfreut seien. Sie ließen Nektar vom Himmel regnen, der sofort Leben in den toten Körper ihres Sohnes brachte. Er entstieg den Flammen in perfekter Gesundheit. Außerdem boten sie dem König und seiner Familie ein Leben im dritten Himmel als Belohnung für sein Pflichtbewusstsein an. Doch der König wollte das burning ghat nicht verlassen ohne seinen vorherigen Meister, den niedrigkastigen Chandala entschädigt zu haben. Daraufhin gab sich Chandala als Lord Dharma zu erkennen. Er hatte diese Form angenommen um den König zu testen.

Da der König alles zu ihrer Zufriedenheit erledigt hatte, boten sie ihm an mit ihnen im Himmel zu leben und erlösten sich selbst von den Fesseln ihrer Existenz.

Viele Mythen und Märchen handeln von einem Köing, der Weisheit und Herrschaft Symbolisiert. Er herrscht über eine Gemeinschaft, sein Volk und steht somit für das kollektive Bewusstsein.

L.Reiter spricht vom König als „Träger von Projektionen, die die Menschen mit ihrer Ganzheit und ihrem Selbst in Verbindung bringen.“ (2010:196 f.)

Im Harishchandram-Mythos muss der König Opferbeiträge leisten um seinen Lehrer zu „bezahlen“. In den verschiedensten Religionen dienen Opfer dazu, eine Verbindung zwischen dem Menschen und der Gottheit herzustellen oder zu erneuern. Opfern bedeutet etwas hergeben, was einem sehr wertvoll ist, eine kultische Handlung als Symbol des Verzichtes und der Hingabe an die Götter.

Der König in diesem Mythos ist jedoch nicht wie in so vielen Märchen schwach, krank oder alt, sondern er wird geprüft und einer Belohnung für würdig befunden. Die Belohnung besteht in einer Wiederauferstehung des Sohnes, einer Verwandlung der ganzen Familie mit der Aussicht auf ein Leben im Himmel.

Im Zentrum dieser Mythologie steht die Aufgabe aller materiellen Fesseln, Opferbereitschaft und Hingabe in der Hoffnung auf eine Befreiung der Seele. So begegnet die hinduistische Kultur dem Tod in einer bejahenden Weise, indem er nicht als das Ende einer Existenz betrachtet wird, sondern als Übergang.

C. v. Barloewen (2000:31) findet folgende Worte dafür: „Der menschlichen Sterblichkeit ihre Symbolische Ordnung zu verleihen und den Individuen beizustehen, mit dem Tod umzugehen, ist eine grundlegende Errungenschaft der zivilisierten Gesellschaft.“

 

Aqua Ganga Varanasi

„Nur selten schicken wir unser Bewusstsein auf eine Reise und träumen uns für einige Zeit in die Welt der Phantasie, in der Tod und Leben eins sind und das Ende die Quelle eines neuen Anfangs, so wie wir es früher taten, als wir noch nichts von dem Glauben der Erwachsenen ahnten.“

Joachim Faulstich

„Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß die katastrophalen Folgen einer Verdrängung des Todes weit über das Individuum hinausreichen: Sie betreffen den ganzen Planeten.“

Sogyal Rinpoche

„Der Tod ist eine Erneuerung, eine Mutation, bei der das Denken nicht in Funktion tritt, weil es dem Vergangenen angehört. Wo der Tod ist, entsteht etwas völlig Neues. Freiheit von dem Bekannten ist Tod, und dann leben Sie wirklich.“

Jiddu Krishnamurti

Entnahmestelle:

Direkt unterhalb des Hauptverbrennungs-Ghat, des Harishchandra Ghat

An dieser Prüfung nahmen wesentlich weniger PrüferInnen teil, da die Herkunft des Mittels bekannt war und wohl entsprechend abschreckend wirkte. Doch bietet eine Arzneimittelprüfung generell die Möglichkeit einer persönlichen Bereicherung und kann in einer umfassenderen Selbsterkenntnis münden.

Zwei Frauen und 6 Männer (7 mit Mitteleinnahme C30, 1 mit Mittelkontakt) führten die Prüfung durch.

Schon vor der eigentlichen Mitteleinnahme (einen Tag vorher) zeigt sich einer PrüferIn ein klares Bild:

„Die Elemente Feuer und Wasser, eigentlich sehr gegensätzlich, gehen ineinander über, verschmelzen, tauschen ihre Farben, die Flamme wird zur Welle und die Bewegung des Wassers gleicht einer züngelnden Flamme.“ PrüferIn 2

In Varanasi werden die Leichen verbrannt, ihre Asche wird der Göttin Ganga übergeben, dadurch werden die menschlichen Seelen erlöst. Das Feuer ist ein Element der Wandlung, die Materie wird zerstört und ihre innewohnende Energie wird freigesetzt, zurück bleibt die „geläuterte“ Asche. (L. Reiter)

In einigen Kulturen wird auch heute noch das Feuer als heilig angesehen, da es reinigend und erneuernd mit Geburt und Wiedergeburt in Verbindung gebracht wird.

Aqua Varanasi hat durch den doppelten Reinigungseffekt (Feuer und heiliges Wasser) eine Tiefenreinigung zur Folge einen Erlösungscharakter, Wiedergeburt auf einer höheren Ebene.

Zentrale Themen :

1. Sterben von überkommenen Persönlichkeitsanteilen / Thema Tod / Stadium 15

Unsere Todesvorstellungen sind kulturell bedingte, nicht vererbte, sondern erlernte Auffassungen und kommen in den Hoffnungen und Orientierungen, Sprachen und Künsten, Mythen, sowie in den religiösen Begräbnisritualen zum Ausdruck.

Der Tod wird in unserer heutigen, hoch industrialisierten Welt ausgebürgert. Ph. Ariès beschreibt diese Entwicklung folgendermaßen: „Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist in einigen der am stärksten industrialisierten, am weitesten urbanisierten und technisierten Bereichen der westlichen Welt eine völlig neue Art und Weise des Sterbens hervorgetreten – und was wir sehen, sind fraglos erst die Anfänge... die Gesellschaft hat den Tod ausgebürgert, ausgenommen den Tod großer Staatsmänner.... Die Gesellschaft legt keine Pause mehr ein. Das Verschwinden eines einzelnen unterbricht nicht mehr ihren kontinuierlichen Gang. Das Leben der Großstadt wirkt so, als ob niemand mehr stürbe.“ (2009:716) Der Tod, so scheint es, hat die Sexualität als gesellschaftliches Tabu abgelöst. Umso erstaunlicher ist die häufige und intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Tod in dieser Prüfung.

Doch was stirbt? Es ist ein Sterben von einzelnen, überkommenen Persönlichkeitsanteilen weil nach Mooren „dies der einzige Weg für Leben ist, alte unnütz gewordene Formen loszuwerden und sich für neue zu befreien. Die alten Formen, deren Bestimmung erschöpft ist, werden durch den Tod vernichtet, und so tut sich der Weg zu neuer Geburt, zur Wiedergeburt (rebirth) auf.“ (1995:110)

Gereinigt durch Feuer:

Ein Traum:

- „Arbeiter turnen durch die Bäume und entfernen Lianen aus ihnen, diese werden verbrannt. Ich schaufle runde, zylindrische Gefäße voll mit Asche. Die Arbeiter werden nach Gewicht bezahlt. Ich meine es gut mit den Arbeitern und schaue, dass möglichst viel in die Behältnisse kommt.“ - - - -

PrüferIn 1

Die Lianen können als die Verschlingungen des Lebens angesehen werden (karmische Verstrickungen). Sie werden von artistischen Arbeitern (PrüferInnen) aus den Bäumen, dem Dschungel gerissen (aus dem Unbewussten hervorgeholt) und im Feuer (Ganga Varanasi)

Jan Scholten: Stadium 15

Übergeben/Verlust/Bankrott/Sterben/Überflüssig/Unnötig/Weitergeben/Opfer/Vergeben/Gift/Überkommen/Unvorhergesehen/Weigern/Quer/Über-/Entverbrannt, und dadurch ins Bewusstsein geholt.

Die Lianen bzw. die Asche der Lianen wird gewogen. Die Asche ist der Verbrennungsrückstand des Feuers, gereinigte Materie und ein Sinnbild für eine Tiefenreinigung: die Auflösung von Karma?

- Traum:

„Bin mit einem Freund in einem Baum ungefähr 10 m hoch. Er lässt sich am Ast hinab, möchte er runter? Er kann sich nicht mehr halten und stürzt zu Boden. Er verletzt sich, kann nicht aufstehen und kippt rückwärts in einen Fluss. Im Fluss ist ein Kanal, in den das Wasser ganz stark hineinfließt. Er wird da hineingezogen, kämpft dagegen an, schafft es aber nicht, verschwindet in dem Loch – ist

tot .“ PrüferIn 1

xxxx

PrüferIn 1

In der Besprechung mit dieser PrüferIn stellt sich heraus, dass seine Orientierung an dem starken, unverwüstlichen Freund „gestorben“ ist. Er orientiert sich nun mehr an sich selber.

„Ich möchte mit Freunden Schafkopfen und frage, ob ein Freund auch kommt. Sie sehen mich ganz bestürzt an und fragen mich, ob ich es denn noch nicht wüsste, er sei gestorben. Ich bin überrascht und bestürzt, was er tot? Woran ist er denn gestorben? Blasenkrebs! Er wurde daran doch schon mal operiert.“ PrüferIn 1

Dieser Freund war der Inbegriff des Mitgefühls, hat sich immer um andere gekümmert, war für andere immer da. Wie dieser Prüfer mitteilte, sei sein „Immer für andere dasein“ gestorben.

„Ich bin nicht mehr so ein Kümmerer.“

Auch Zweifel sterben:

- „Alle Zweifel, die ich in den letzten zwei Jahren mit mir rum getragen habe, ob die Entscheidung, den Doktor zu machen, richtig waren, waren weg“ PrüferIn 8

Wie im Mythos stirbt in diesem Traum der Sohn:

- „Traum mein Sohn ist tot, hat mich emotional nicht berührt. Habe mir gedacht, jetzt kann ich den Garten, in dem das Gras und das Unkraut über einen Meter hoch steht, mit Unkrautvernichter behandeln, da ich mir wegen meinem Sohn keine Gedanken machen brauche. Habe mich dann später auf die Couch gelegt und versucht zu weinen – Mein Sohn ist zur Zeit die wichtigste Person in meinem Leben -

weshalb berührt mich das nicht?“ - - - -  PrüferIn 7

Weitere Todesthemen, dabei ist (keine) Angst ein Thema:

- „Keine Angst vor dem Tod, kann das ganze Leben akzeptieren.“ PrüferIn 1

- „Keinen Einfluss auf die Dinge des Lebens zu haben, macht mir Angst.“ PrüferIn 1

- „Kurzzeitig Angst, den Kontakt zur Realität zu verlieren.“ PrüferIn 1

- „Leichte Bedenken, meinen Körper zu verlieren“ PrüferIn 2

Traum:

 „Ich gestehe mir ein, dass ich Angst habe, mein Ich zu verlieren, zu sterben – dieses Geständnis beruhigt mich, ich lege mich hin und ruhe.“ - - - - PrüferIn 3:

- „Erste Anzeichen von Unruhe und Angst waren zu erkennen.“ PrüferIn 5

- „Angstgefühle und Unruhe machen sich breit. Ich begann meine gesamte Arbeit zu hinterfragen. Alle Zweifel stürmten auf mich ein und schienen mich zu erdrücken.“ PrüferIn 5

 

2. Bewusstwerdung / Bewusstseinsprozess

Fokus (Kashi/Licht)

Der Unterschied von Ganges im mittleren und unteren Bereich zu anderen Flüssen ist der hohe Grad an materieller Verschmutzung. Eine mögliche Wirkweise könnte also auch die Konfrontation mit dem eigenen Schmutz, also negativen Seiten, nicht so bewussten, unbewussten, verdrängten Schattenseiten sein. Aqua Varansi fokussiert und belichtet diese Themen.

- „Ein Traum: Ich bin mit einer anderen Frau in einer Stadt auf einer Konferenz. Dort lernen wir den Schauspieler aus: Der mit dem Wolf tanzt kennen. Wir unterhalten uns und gehen gemeinsam irgendwo hin. Er erzählt, dass er gerade einen Film zu Ende gebracht habe und ganz leer sei. Außerdem habe er immer mit Identitäts- und Rollenkonflikten nach einem Film zu tun. Ich gebe ihm zu verstehen,

dass sich meine Arbeit mit etwas Ähnlichem befasst. Für einen kurzen Moment blinkt folgende Möglichkeit auf: Ich sehe mich an der Seite von diesem attraktiven Mann in modischen Klamotten, hochhackigen Schuhen, gestylten Haaren, geschminkt, einfach super aussehend ....... Dies nur als Möglichkeit, die für mich nicht in Betracht kommt. Am nächsten Tag kommt er uns besuchen. An den Beinen Eiterbeulen (er trägt Shorts) und überhupt ganz schön krank und kaputt. Ich sage zu ihm, dass ihn seine Fans so wohl nicht mehr erkennen würden... - - - - (PrüferIn 3)

Zwei Seiten einer Medaille werden beleuchtet: schön versus häßlich, gesund versus krank, glamoröser Schauspieler versus Verfall, Krankheit und Leere. Beide Seiten stehen gleichzeitig nebeneinander.

- „Jetzt Arbeitswut und Ärger über den ganzen Scheiß, die Welt, was man alles tun und erledigen muss. Mit dem Gefühl eh nicht darum herum zu kommen. Starke Klarheit darüber, kann mich selber nicht belügen.“ PrüferIn 1

- „Gefühl bei Varanasi sind die Schattenthemen klar, am stärksten wahrzunehmen in seiner Tiefe und Breite.“ PrüferIn 1

- „Klarheit bekommen wollen, Altes anpacken.“ PrüferIn 1

- „Ich arbeite wie verrückt an meinen Aufsätzen, da ich das Bedrüfnis habe mir Klarheit zu verschaffen über eine mir wichtige Sache in meinem Leben.“ PrüferIn 5

3. Altes Erledigen / Reinigung

(Tiefen-)Reinigung = Erlösung (siehe Mythos)

„Das Niederschreiben tut gut. Auch vom Tod lesen tut gut. Veräußerung/Katharsis

sind Arten der Reinigung. Reinigung von schlechten Gefühlen mir und anderen

gegenüber.“

Prüfer 3

Auf einer Ferienhütte den Kulturbeutel vergessen:

„Äußerliche Reinigung gestaltet sich somit etwas schwieriger als sonst. Flexibilität ist gefragt.“ PrüferIn 3

- „... seine eigene Identität, sich besser kennen zu lernen, Einsicht in die Gefühle, die Innenwelt, oberflächliche Wünsche versus innere Werte: Wer bin ich?

Was kann ich verbessern? Verständnis gleich Reinigung.“ PrüferIn 3

- „Lange aufgeschobene Sachen wurden erledigt, auch Dinge, die mich sonst sehr nerven (Bürokram generell).“ PrüferIn 5

- „Diffuses Schuldgefühl, dass ich nicht mehr haben will, Reinigung von Schuldgefühlen und Altlasten.“ PrüferIn 1

Reinigung leitet sich vom Adjektiv rein ab. Rein bedeutete ursprünglich geschieden, gesichtet, gesiebt. Etwas, das geschieden oder gesiebt wurde, ist auf eine Art getrennt worden. Die verschiedenen Teile wurden gesichtet und dann in die einzelnen Teile getrennt, z.B. Gutes vom Bösen. Im heutigen Sprachgebrauch benutzen wir rein im Sinne von nicht schmutzig, nicht befleckt, sauber.

Unter Aqua Varanasi bedeutet Reinigung eine Tiefenreinigung, eine Auflösung von Zweifeln, Unverständnis und anderen negativen Emotionen oder „Altlasten“ eine Bewusstwerdung.

Feuer und Wasser sind die hervorstechendesten Elemente der hinduistischen Kosmologie.

Sie Symbolisieren den zyklischen Akt von Schöpfung und Vernichtung. Auch in der Mythologie zur Herkunft der Ganga vernichtet das Feuer die Lebewesen, und das Wasser befruchtet die Asche und schafft damit neues Leben. Während das Feuer die toten Körper verzehrt, reinigt das Gangeswasser die sterblichen Überreste und erfüllt sie mit „neuem Leben“. Varanasi reflektiert die Dynamik von Leben und Tod.

Zusammengefasste Körpersymptome

- 4 h. erwachen

- energiegeladen, Schlappheitsgefühl, 2 Stunden wie tot gelegen

- gereizt

- schlecht gelaunt

- Kopfschmerz, vom Nacken her

- sehe sehr schlecht

- Geruchsinn verstärkt

- linkes Ohr, Ohrenschmalz, spüren, bohre darin herum

- Lunge und Brustkorb fühlen sich frei und leicht (3 Tage)

- Stuhl sehr stinkend, leichter Durchfall

- Libido gleich null, Schwanz wie tot, Prostataprobleme (AS), Erektion

- Kälte im Bett morgens

- Juckreiz

- Duschen wichtig, Reinigung

 

Aqua Ganga Sagar Beach

„Vielleicht wird es gelingen zu zeigen, dass jenseits der kindlichen Hoffnung auf einen Vater oder eine Mutter, die aus der unsichtbaren Welt unsere Geschicke leiten, aber auch jenseits des trotzigen  Glaubens an die Sinnlosigkeit der Welt Möglichkeiten existieren, die Bedeutung des Seins zu fühlen.“

Joachim Faulstich

Geografische Lage

Ganga Sagar Beach liegt im Mündungsdelta des Ganges. Ein Flussdelta entsteht durch die Ablagerung von Sedimenten, die vom Fluss transportiert werden. Durch die abnehmende Fließkraft des Wassers im Bereich der Mündung schüttet der Fluss Material auf, gröbere Sedimente in Flussnähe, feinere weiter draußen. So entstehen Schlick- und Sandbänke, die den Fluss zwingen, die Ablagerungen zu umfließen und sich aufzuspalten um später wieder zusammenzufließen, sich im Meer zu treffen.

Das Gangesdelta ist mit einer Fläche von 105.640 km² das weltweit größte Flussdelta. Es besteht aus ca. 240 Flüssen. Seine Hauptflüsse sind Brahmaputra, Meghna und Ganges und sie münden in den Golf von Bengalen. In der Mitte des Golfs bilden die Mangrovenwälder der Sundarbans, wilde Sümpfe, schmale Flüsse, Inseln und Buchten und damit einen der wenigen verbleibenden Schutzräume Indiens. Sie sind Heimat des königlichen Bengal-Tigers. Das Ganges-Delta ist trotz der hohen Risiken durch Überschwemmungen und Zyklonen mit über 143 Millionen Menschen sehr stark besiedelt.

Ganga Sagar Island liegt ca. 150 km südlich von Kolcatta und gehört zum Bundesstaat Bengalen. Ganga Sagar Beach ist eine Pilgerstätte, da hier die heilige Ganga ins Meer mündet. Jedes Jahr Mitte Januar findet an diesem Ort ein großes Fest mit tausenden von gläubigen Hindus statt. Sie tauchen am Zusammenfluss von Ganga und dem Meer ins Wasser ein und zelebrieren ein Opfer im Kapil Muni Tempel.

Mythologie

Rishi Kapil Muni sitzt in tiefer Meditation vor seinem Ashram, als König Sagars 60.000 Söhne bei ihm auf der Suche nach dem Pferd ihres Vaters bei ihm vorbei kommen. Sie finden das Pferd in seiner Nähe angebunden an einem Baum. Daher denken sie, er hätte es gestohlen. Lauthals beginnen sie ihn zu beschimpfen. Daraufhin öffnet er die Augen und sein Meditationsfeuer, Agni, verbrennt alle zu Asche. Der Enkel König Sagars, Anshumaan, macht sich auf die Suche nach seinen 60.000 Onkeln.

Er spürt ihre Überreste an Kapil Munils Ashram auf. Dort erblickt er einen Hügel Asche und wird vom Rishi über das Schicksal seiner Vorfahren aufgeklärt. Doch wie könnten sie erlöst werden? Durch die Herabkunft der Göttin Ganga aus dem Himmel. Ganga kommt auf die Erde nicht nur als Strafe für ungehöriges Benehmen (siehe Mythologie zur Herabkunft der Ganga), sondern auch auf die inständige Bitte Anshumaans, die Asche seiner Vorfahren zu erlösen. So benetzt Ganga die sterblichen Überreste König Sagars Söhne bevor sie ins Meer fließt und erlöst damit ihre Seelen für immer und ewig.

Seither steht an dieser Stelle, an der sich Ganga in hundert Ströme teilt und ins Meer fließt, an der Stelle, an der Kapil Munis Feuer die Söhne und Soldaten König Sagars verbrannte und an dieser Stelle ihre Asche durch das Wasser von Ganga erlöst wurde, ein Tempel mit Namen Kapil Muni Tempel. Die Ganga Sagar Mela ist die größte jährlich stattfindende Versammlung von Gläubigen in Indien.

 

Arzneimittelprüfung Aqua Ganga Sagar Beach

Entnahmestelle:

Am Strand von Ganga Sagar Island, eine der letzten Inseln im Mündungsdelta, an der Ganga ins Meer fließt, vor dem Kapil Muni Tempel

An der Prüfung haben 6 PrüferInnen teilgenommen, davon 2 Frauen.

Stadium 18

Am Ganga Sagar Beach trifft der Ganges auf den Golf von Bengalen, auf den Indischen Ozean. Das Süßwasser des Flusses strömt in das salzige Wasser des Meeres. Es findet ein Übergang von Süß- ins Salzwasser statt, der auch mit einem Wandel der Bewusstseinsebene korreliert. Die Wahrnehmung erweitert sich und tritt in eine andere Ebene ein. Dies ist das Ende eines Lebensabschnittes und der Beginn des Nächsten. Diese Besonderheit spiegelt sich im Erleben der Mittelprüfung wieder.

1. Öffung, Übergang, Wechsel, neue Dimensionen

- „ich staune, weil es mir gut tut, mal eine andere Tür geöffnet zu haben, die gewohnte „Rückzugstür ist derzeit keine Alternative“ PrüferIn 2

- „Energie, die mich vorwärts „spült“, vorwärts drängt“ PrüferIn 4

- „Phase des Übergangs, Menopause, Wechsel“ PrüferIn 4

- „Gefühl von Gleich-Gültigkeit, verbinde mich mit den Menschen um mich herum, harmonisiere mich mit meiner Umgebung.“ - „Gefühl ich lasse nicht nur die letzten 50 Jahre hinter mir, (gebe sie nicht auf, sondern baue darauf auf), sondern befinde mich mit vielen Menschen um mich herum auf dem Weg in ein neues Zeitalter.“

Jan Scholten: Stadium 18 oder Stadium 0: Zwischenstadium

Ruhe/Untätig/Exerzitien/Interniert/Eingeschlossen/Verleugnen/Transformation/Übergang/Frei/Ungebunden/Verwirrung/Un-/Sondern

„Übergang sowohl auf der persönlichen, als auch auf der gemeinschaftlichen Ebene“ PrüferIn 4

- „als ob eine Öffnung meinerseits zu einer großen geistigen Dimension sichtbar sei“ PrüferIn 5

- „Gefühl zweigeteilt zu sein: Zum Einen der schwere Körper, zum Anderen ein Energiefeld, das immer leichter und lichter wird“ PrüferIn 6

-“Stark geträumt. Diese Nacht musste ich lernen wie ich mein Radio (Sender und Empfänger) funktioniert. Erst wurde es mir zusammengebaut, dann musste ich es lernen selber zu tun. Mir wurde gezeigt, dass wenn es manchmal etwas schwieriger geht, bzw klemmt ich etwas mehr Kraft aufwenden muß, um die Teile dort hin zu bekommen wo sie hingehören.“ PrüferIn 6

-Traum:

Eine Motorriksha ist kaputt und wird geschoben zu einem Platz, der gut zum Anfahren ist. Ich soll sie starten. Wenn sie in Schwung kommt, soll ich den 2. Gang einlegen. Plötzlich stelle ich fest, sie fährt ohne Motor, sie fährt von selbst. - - - - PrüferIn 1

Diese Träume und inneren Bilder des homöopathischen Mittels Ganga Sagar Beach korrelieren mit der Energie des Mündungsdeltas, wo sich das angereicherte Flusswasser mit dem salzigen Meerwasser verbindet, in es eindringt, sanft, aber unaufhörlich sich vermischt, bis es ein stabiles Gleichgewicht findet. „Die Vereinigung der Urpolaritäten war als Heilige Hochzeit der bewegende Höhepunkt antiker Mysterien und magischer Fruchtbarkeitsrituale.“ (Akron, Banzaff. 1992: 188) Symbolisch betrachtet geht das Individuelle im Universellen auf. Die PrüferInnen vernehmen wertvolle Impulse durch einen

geöffneten Zugang zum Unbewussten. Ganga Sagar Beach ist eine Tirtha, eine Übergangsstelle, die eine Verbindung zur nächsten Dimension herstellt, damit das Göttliche sich manifestieren kann.

Doch dazu ist ein starkes Ich erforderlich, da dieser Prozess die Ich-Abwehr schwächen kann um Verhärtungen und Verkrustungen aufzulösen. Solche Prozesse verlaufen nicht immer angenehm, sondern können regelrecht Angst auslösen.

- Traum:

Ich habe viele Wohnungssuchanzeigen in Zeitungen aufgegeben. - - - - PrüferIn 5

- Gefühl von Heimatlosigkeit, nicht von Freiheit. Ein Gefühl von Nicht-Geborgenheit, das Haus und Zimmer kam mir unwirklich vor. PrüferIn 5

Die Öffnung, der Übergang und Wechsel wird mit Heimatlosigkeit assoziiert und macht Angst. Akron und Banzaff führen dazu aus: „Der Weg zur Ich-Überwindung setzt eine Ich-Entfaltung voraus. ... Wenn aber ein zu schwaches Ich mit dem Göttlichen Selbst in Berührung kommt, geschieht ein Unglück. Es folgt eine Ich-Inflation oder eine tiefe Verletzung“ (1992:54) Verschiedene  Daseinszustände können Angst verursachen. Stellt man sich der Angst, dann ist es auch möglich sie zu überwinden. - PrüferIn 2:

Am Sonntag schaue ich nur noch zu was geschieht, wehre mich nicht mehr. Alles geht seinen Weg. Ich dachte, die Globuli führen mich auf einen unausweichlichen Weg. Wie als würde ich mitgenommen, durch die eine Tür zu gehen, in die Weite, in die Verbindung, in den Kontakt. ... Zwischendurch war mir dieser Prozess zu heftig und am liebsten hätte ich sie wieder rausgetan, die Globuli und ich dachte, dass ich sie nie verschrieben bekommen möchte.

- Ich träumte, dass in unserem Haus ganz viele Leute waren. Morgens in der S-Bahn hatte ich eine eigenartige Vision: Ich sah die Leute plötzlich „mit ganz anderen Augen“. Ich sah sie, als ob ich auch nicht von dieser Welt sei und da so eigenartige Wesen sehe, die auf 2 Beinen herumhüpfen und die ein Gefühl der Lächerlichkeit in mir wecken.  - - - - PrüferIn 5

- Gedanken zur Prüfung von PrüferIn 5:

Bei dieser Prüfung sind eigenartige Dinge geschehen, die einen durchaus ängstigen können, vor allem wenn man sowieso etwas „durchlässig“ ist für andere Dimensionen. Ich denke da etwa an die Vision mit den hüpfenden Wesen. Ich denke, bei Patienten mit PSymptomchosen sollte man mit dieser Art von Potenzen sehr vorsichtig sein, sie vielleicht, wie ich es getan habe, erst einmal längere Zeit in der Hand halten lassen. Ich weiß nicht, ob ich das Mittel noch einmal nehmen möchte. Man hat zwar irdische Wurzeln, kommt aber in eine andere Dimension, kommuniziert auch in dieser, ohne aber zu verstehen, was wirklich abläuft. .... dass sich allerhand aus anderen Dimensionen an mich drangehängt hat, das ich nicht einordnen konnte. Diese Bilder erinnern an eine psychedelische Erfahrung, die nicht zu wiederrufen ist, da der Prozess durchläuft. Ein Vergleich mit einer spirituellen Krise liegt nahe, eine Schwächung der psychischen Abwehrfunktion geschieht, die den unbewussten Dynamiken ermöglicht ins Bewusstsein zu dringen.

2. Harmonie versus Streit, Trennung

Harmoniebestreben und -gefühl versus Streit ist eine Konsequenz aus dem Finden des eigenen Weges, analog zu dem Aufspalten des Ganges in das Delta und ein Resultat aus der Öffnung. Aus dem Impuls, der Vorwärtsbewegung auf seinem eigenen Weg/Fluss strömen die PrüferInnen der „Vollendung“ entgegen.

Streit und Trennung

Ein Phänomen während der Verreibung war Folgendes: Eine TeilnehmerIn der Verreibungsgruppe wollte die anderen energisch dazu anhalten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, doch keiner beachtete ihn, niemand schenkte ihm Aufmerksamkeit, es kam zur Trennung in der Verreibungsgruppe.

Auch gegen Ende der Arzneimittelselbsterfahrung kam es in der Gruppe der PrüferInnen zur Auseinandersetzung und daraufhin zur Trennung eines Mitgliedes der Gruppe.

Wie im Flussdelta sich der Fluss in verschiedene Arme aufzweigt, bevor er ins Meer mündet, so zeigte sich auch bei den PrüferInnen u.a. eine Aufspaltung.

- „heftiger Streit mit Tochter“ PrüferIn 3

- Traum:

„lebte in einer Gruppe Ausgestoßener in Ruinen. Wir lebten nur das, was für uns richtig und wichtig war. Wir hatten einen Verräter unter uns, der uns an die „anderen“ verriet. Viele von uns wurden wegen unseres „anders seins“ getötet, ich nicht, unsere restliche Gruppe wurde danach allerdings in alle Winde zerstreut.“ - - - - PrüferIn 6

- „Wieder stark geträumt. War mit meiner Familie irgendwo im „Osten“ im Urlaub. Wollten zum Baden fahren. An allen Seen war niemand, außer dem Wachpersonal für die Parkplätze. Die    Parkplatzgebühren waren extrem hoch. Immer wenn wir an einem der Seen waren, war die Sonne weg, bzw. auf der anderen Seeseite. – Waren dann in einer Stadt, die von Kanälen durchzogen war. Sind mit anderen Menschen auf der Kaimauer spazieren gewesen, wieder waren wir im Schatten. Ein paar Segelboote waren auf dem Wasser in der Sonne zu sehen. Diesmal habe ich mich einfach ins Wasser fallen lassen in der Hoffnung, zur Sonne zu gelangen.“ - - - - PrüferIn 6

Harmonie

Doch auch Harmonie war ein Thema. Der Übergang, die Tirtha schuf eine Vermittlung zwischen den Welten.

- „Drang zur Harmonie“ PrüferIn 3

- „Tieferes Erkennen der Facetten meines Selbst führt zu innerem Frieden. Frieden im Sinne von Harmonie der widerstreitenden Kräfte. Gleichklang. Habe jedoch auch immer wieder kurze Augenblicke des Getrenntseins, des Nichtwissens, des Nichtzusammenfühlens“ PrüferIn 4

- „wohl aufgehoben in mir selbst, in der Mitte, im Fluss“, „fühle mich verbundener mit meiner realen Welt, habe jedoch auch Kontakt mit anderen Welten“ PrüferIn 4

3. Neues Selbst-Bewusstsein, Resultat: Akzeptanz seiner Selbst (seiner verschiedenen Persönlichkeitsanteile)

In den folgenden PrüferInnen-Kommentaren geht es um das Ausschöpfen des eigenen individuellen Potenzials. Die beschriebene Persönlichkeitsverfestigung kann als Analogie bzw. als Bild vom Ganges-Delta mit der Ablagerung von Sedimenten und dadurch die Entstehung von Land verstanden werden.

- „mehr inkarniert, mehr Ich“ PrüferIn 1

- „selbstbewusster meine Ansichten klar dargestellt“, „expressiver, nicht so versteckt“, „Selbstausdruck ist verstärkt“, „zeige mich mehr, sage mehr, was ich denke“, „ich akzeptiere mich mehr, kann mich mehr so nehmen wie ich bin, „traue mich mehr, mich auSchmerzudrücken, PrüferIn 1

Inkarnation (lat. incarnatio) bedeutet „Fleischwerdung“ und bezeichnet im religiösen Sinn die Verstofflichung von etwas Göttlichem, einer Gottheit. Hier findet eine Einswerdung mit den inneren Bildern statt, ein gestärktes Selbstbewusstsein geht aus diesem Prozess hervor hin zu einem Leben mit erhöhtem Maß an Selbstbestimmtheit.

- „ich schaue nur noch zu und wehre mich nicht mehr, alles geht seinen Weg“ PrüferIn 2

- „erstaunlich selbstbewusst“ PrüferIn 3

Traum Prüfer 1:

„Viele Leute sitzen da, es geht um Homöopathie, der Leiter stellt einen Fall vor und fragt dann, was für ein Arzneimittel in Frage käme. In dem Fall handelt es sich um einen Saddhu, ich sage so nebenbei: Naja tripudians. Der Leiter kommt, mit einer verspiegelten Sonnenbrille auf der Nase und gratuliert mir. Die ganze Menschenmenge klatscht.“ - - - -  PrüferIn 1

- Alles erscheint surreal, nicht echt, wie im Film, fühle mich als Aussenstehende, kann mir zuschauen. Zum Beispiel Samstag Abend im Zug: Stehe im Speisewagen und trinke ein Fläschchen Rotwein und lese in einem Buch. Ein Polizist mittleren Alters steht am Stehtisch mit gegenüber. Wir haben Blickkontakt. Ich stelle mir ein sexuelles Abenteuer mit ihm vor. Er steigt aus. Ein Fahrgast mittleren Alters,

in Lederjacke und Silberring am Finger hat keinen Fahrschein, der Schaffner holt einen Polizisten, da der Fahrgast sich nicht ausweisen kann, also möchte er ihn mit auf die Wache nehmen. Der Fahrgast und ich haben öfters Blickkontakt. Ich stelle mir ein sexuelles Abenteuer mit ihm vor. Die beiden steigen aus. Ein Althippie mit langen fettigen Haaren und Bart läuft ein paar Mal an mir vorbei. Wir haben Blickkontakt und beim nächsten Vorbeilaufen spricht er mich an, was ich denn da lese usw. Ich stelle mir ein sexuelles Abenteuer mit ihm vor.

Bei allen drei Männern habe ich das fiktive sexuelle Erlebnis genossen und hatte keine moralischen Bedenken, ist ja nur im Kopf passiert, hatte kein schlechtes Gewissen, im Gegenteil, habe mich sehr attraktiv gefühlt. PrüferIn 4

Die Vereinigung der Polaritäten Feuer und Wasser, Süßwasser und Salzwasser schaffen auch eine Vereingung von bewusster und unbewusster Einstellung. Das Lösen vom Idealismus (u.a. Hydrogenium) ruft mehr Selbstsicherheit durch mehr Realitätssinn hervor, mehr Vertrauen in sich selbst. Es findet ein Lösen von Naivität durch Auflösung vom „Idealismus“ statt, wie z.B. auch bei folgenden PrüferInnen:

- „Habe am 10. Tag nochmal Aqua Ganga Sagar Beach genommen und seither ist meine Melancholie fast gänzlich verschwunden. Nur der Kopf denkt manchmal „Hey, die Welt ist schlecht. Aber dann hör ich einfach nicht hin ;-)„ PrüferIn 3

- „Bin nüchterner und realistischer, das entsteht aus einer Distanz heraus – die Distanz der Tiefe und Weite, von tief innen drinnen (nicht abgehoben sein, bzw. weit weg sein)“ PrüferIn 1

 

4. Eigener Weg, Resultat Lösungen und Wege

Insgesamt können wir in dieser Arzneimittelselbsterfahrung von einem achimistischen Prozess ausgehen, einer Purifikation, Transmutation, Symbol der Erneuerung der inneren Einstellung einer Erlösung. Die Prüfer erfahren Dharma, ihren Weg, ein Suchen und Finden des eigenen Platzes in der Welt, erringen einen „Sieg“ über sich selber.

Doch der eigene Weg wird nicht aus einer Ich-Entsscheidung gewählt, sondern diese eigenen Wege ergeben sich von selbst aus der Energie der Ganga, die ins Meer strömt, sie entstehen aus dem Unbewussten, tauchen auf. In Analogie zum Tao geht es darum, nicht den eigenen Weg zu gehen, sondern dem eigenen Weg zu folgen.

Das ist gar nicht so einfach, denn wie Marie-Louise von Franz ausführt: „Irgendwo weiß man ja zuunterst in der Seele meistens schon, wohin es geht, aber sehr oft macht der Hanswurst, den wir Ich nennen, einen solchen Lärm, daß die innere Stimme nicht hörbar ist.“ (1990)

Aus dem Rückzug, aus dem in-sich-Gehen tauchen Lösungen auf:

- „Lösungen tauchen auf“, „kann besser meinen eigenen Weg gehen“, „Lösungsmittel, gleich-gültig, Akzeptanz, freier, gelöster“PrüferIn 1

- Traum: „Eine Situation, aus der ich auf verschiedenen Wegen versuche herauSchmerzukommen; wie mehrere Wege zu Türen, hinter denen Zimmer liegen; jedes Zimmer für einen anderen Ausgang der Situation. Trotz der vielen Ausgänge/Möglichkeiten ist es so, dass auf verschlungenen Wegen nur ein Ausgang möglich ist/der richtige ist. - Es bahnt sich ein Weg -“ PrüferIn 2

- „will mich gar nicht in Streitereien oder Ähnlichem begeben, da ich spüre, dass es nicht gut für mich ist = sozusagen ein manifestierender Lerneffekt“ Prüfer 3

- „wer bin ich? = ich bin, ich lebe, ich erkenne mich, ich werde erkannt, ich werde anerkannt, Lösungen tauchen in mir auf“ PrüferIn 4

- „Vertiefung meiner „Selbst“, nicht so eine Soße, ich bin ein klar abgetrenntes eigenes Individuum, daraus folgt, jeder kann machen was er will“ PrüferIn 1

 

5. Verbindung, das große Ganze, Auftauchen des Selbst

Durch die innere Verwandlung der PrüferInnen, durch das Folgen des eigenen Weges wird die Verbindung mit dem großen Ganzen spürbar, die Erfahrung des kollektiven Unbewussten, und führt schlussendlich zu Bhrama, zum Tao.

- „Verbindung mit dem großen Ganzen“ PrüferIn 1

- „ Wieder gehe ich in Gespräche, durch Mauern, durch Türen. In mir drin ist ein Spiegel zersprungen in viele kleine Scherben – dahinter ist ein Kristall“ PrüferIn 2

- „ Heute war ich im Garten und habe diesen etwas anders wahrgenommen als sonst. Wir Menschen sind zuviel „Macher“ und „wollen immer etwas gestalten“, anstatt uns in die Natur einzufügen und mit ihr zu leben.“ PrüferIn 5

Der Spiegel ist eine Metapher für die innere Selbstbetrachtung und Selbsterkenntnis. Bevor es Spiegel gab, schaute man auf eine stille Wasseroberfläche um sein Gesicht mit seinem eigenen Ausdruck reflektiert zu bekommen. Der Spiegel steht somit für eine reflektierte Selbstbeobachtung. Der kaputte Spiegel zeigt die Facetten unserer sogenannten Realität. Dann taucht ein Kristall auf. Kristall geht auf griechisch krýstallos zurück und bedeutet Eis.

Der Kristall ist ein Symbol für Reinheit und Klarheit, der geistigen Vollkommenheit und legt die Vermutung nahe, dass es sich nach Jungscher Terminologie um das Auftauchen des Seelenkerns, dem Auftauchen des Selbst handelt. Weiterhin steht der Kristall für Beständigkeit und Unvergänglichkeit.

- Traum:

„Ich lese eine steinerne Gedenktafel ab, auf der folgendes steht: .....

Alle strampeln wie wild in die Zukunft als ob es eine Zukunft gäbe.

Alles bleibt, wie es ist.

Was wie eine Prophezeiung begann, hat ein ernüchterndes Ende. Ich bin verblüfft.

Wie bitte?“ - - - - PrüferIn 4

Auch in diesem Traum bezeugt die steinerne Gedenktafel eine Verbindung zum göttlichen und geistigen Wissen, da Sprache und Schrift früher als gottgegeben angesehen wurden. Ein Wort auf Stein ist  wie ein heiliges Wort, indisch Bhraman. Wie in dem vorherigen Traum beschreibt auch in diesem Traum die Stele aus Stein etwas Unvergängliches und Ewiges.

Das Unvergängliche bleibt wie es ist, Selbst. Leonhard Reiter führt dazu aus: „Das in Stein gemeißelte Wort steht für eine absolute und unzerstörbare Wahrheit. Es erhöht das gesprochene Wort zum Gesetz und bildet mit der Art des Steins, in den es geschrieben wurde, einen Verbund. Die christlich-jüdische Vorstellung sieht dies in Moses, der die 10 Gebote auf Steintafeln vom Berg Sinai mitbrachte. Sie bilden den Grundstein der biblischen Moralvorstellungen.“ (2010:423)

Das Selbst, alles bleibt wie es ist. Das Wesen der Veränderung, der Fluss, das Wasser, der Regen, das Eis, schlussendlich bleibt es wie es ist. Ganga kann als Symbol der Unvergänglichkeit in allen Verwandlungen und Veränderungen angesehen werden.

Zusammengefasste Körpersymptome

- Vitalitätshoch, müde, starke Müdigkeit, energielos

- gereizt, aggressiv

- benommen

- Kopfschmerzen / Backenschmerzen, steifer Nacken, linker Nacken, linke Schulter schmerzhaft

- Herzschmerzen

- Magenkrämpfe, Übelkeit, Hunger, Verlangen süß und Alkohol, Appetit vermindert

- Hitzewallungen in der Menopause verschwunden (geheiltes Symptom),

Schwangerschaftsgefühl

- häufiges Urinieren, Urinstrahl schwach am Morgen

- Fußsohlen schmerzen, linkes Fußgewölbe ohne Schmerz (geheiltes Symptommptom)

- starker Schweißgeruch

- weniger kälteempfindlich

- häufig aufgewacht, 3 Uhr aufgewacht, schlechter Schlaf

- Träume, starke sexuell, auch tagsüber

Ganga ist ein Fluss der Mythen und Geschichten. Existentielle Inhalte werden darin vermittelt, die uns auch heute betreffen, die uns die jetzige Zeit erklären können. Durch die Arzneimittelselbsterfahrung wurde es den PrüferInnen möglich ihre Intuition, ihre eigene innere Stimme zu vernehmen. Ein ahnendes Erfassen des eigenen Platzes in der Welt. Ganga beschreibt einen kompletten Lebenszyklus vom Beginn, der Geburt, der Quelle Gaumukh, über die angenommne Mitte Varanasi, dem Sterben, bis zum Ende Ganga Sagar Beach, dem Großen Ganzen, dem Meer, um dann zu verdunsten und im Himalaya als Schnee wieder von vorne zu beginnen. Ein ewiger Kreislauf, das Rad des Lebens. Ganga ist ein Fluss sowohl im spirituellen Sinn, als auch im realen Leben. Denn er fließt durch das Land und in uns gleichermaßen.

 

Verschreibungen

Alle drei Mittel sollten hintereinander genommen werden

Verschreibungsmöglichkeiten:

Die europäische Kultur legt uns ein materielles Verhaltensmuster auf. Ganga Aqua ist daher für Menschen gut, die auf der Sinnsuche sind.

Unterstützung des Individuationsprozesses

Vor einer Prüfung (Rede- und Schreibfluss) Scheint nicht sinnvoll, es ist dann nicht mehr möglich die geprüfte Symptome vonn Ganga und das neu zu püfene Mittel zu unterscheiden!!!!!

Anstoßen eines Bewusstseinsprozesses

Ermöglichung von vielen Träumen, das Unbewusste erscheint als Lehrer bzw. als Möglichkeit, sich über bestimmte Thematiken bewusst zu werden Zitat eines Patienten nach einer Verschreibung:

„Ein Gefühl, dass im Inneren etwas angestoßen wird. Ein Gefühl der Bewegung – es fließt.

Das Vertrauen in sich und der Glaube an die eigene Wahrheit und Wirklichkeit wächst.“

Im Folgenden stellen wir exemplarisch den gesamten Bericht einer Selbst-Verschreibung dar (die aus einem persönlichen Gespräch über das Ganga-Projekt resultierte), da er alle Themen, die wir in

der Arzneimittelselbsterfahrung herausgearbeitet haben, behandelt.

Nämlich:

Projektverwirklichung, Individuation, Lerneffekt, Lösung von Blockaden, Sterben von alten Persönlichkeitsanteilen, Vereinigung, Streit, seinen eigenen Weg finden.

I. Ganga Gaumukh

Grundsätzlich geht es mir um meine persönliche Entwicklung und um die mögliche Verwirklichung eines Internationalen Kultur- und KommunikationSchmerzentrums, das mich gedanklich sehr stark beschäftigt, auch in den Träumen - ohne dass ich es konkret gesehen hätte.

Ein anderes Thema ist die Verlogenheit in unserer Umwelt, die ich z.B. bei der IHK durch die Sekretärin erfahre, obwohl sie mir ihren Job verdankt. dies kränkt und enttäuscht mich immer wieder.

Andererseits bin ich mit einem spirituellen Menschen in Kontakt, der in seinen Schrift immer wieder betont, dass wir unser gesamtes Leben unseren eigenen Gedanken "verdanken" - und das gibt dann zu denken.

1. Tag starke Blähungen.

Fahrt nach M., um Frau K. und Frau H. wg. des Migrantenprojekts zu treffen. Sie haben ebenfalls vor mit Migrantinnen zu arbeiten, um deren Probleme der Isolation zu bearbeiten.

2. Tag völlig absorbiert von der Entwicklung meiner 3 Kurse für ausländische Studenten, daher keine Beobachtung meiner körperlichen Symptommptome, sind aber offenbar nicht vorhanden.

Visite von Fa. M. wegen Sprachprojektes mit M. V. von F. Ich habe mich grundsätzlich zurück gehalten, aber das was ich gesagt habe, war offenbar taktisch unklug - die offene Kritik von M. hinterher tat erst weh, hat bei mir aber gleich einen Lerneffekt ausgelöst. Wir haben offen darüber gesprochen, das ist mir lieber als hinten herum. Nur so kann ich etwas lernen!

Die erste Botschaft: ich bin immer wieder zu ehrlich, direkt, naiv, zu wenig geldorientiert-----Ziel etwas mehr Diplomatie (sprich Unehrlichkeit!) ist manchmal notwendig.

Die zweite: ich muss ein dickeres Fell bekommen und nicht immer alles zu persönlich nehmen bzw. gegen mich gerichtet interpretieren.

3. Tag Dritte Botschaft: klarer strukturieren und führen - ggfs. auch härter sein, um mehr Respekt zu erhalten. Die zu große Nachgiebigkeit (um des lieben Friedens willen) ist nicht immer die beste Strategie!

Dazu gehören auch klarere Strukturen bei B.= E. ist überfordert mit der Kursplanung, schreibt keine Rechnungen, d.h. unser Cashflow funktioniert nicht. Daher werde ich das Rechnungswesen - mit ihrem Einverständnis - auslagern. Ist schon passiert. Die Angst vor den Kosten darf nicht überwiegen. Das bessere Cashflow-Management reduziert auch unsere Kosten.

5. Tag bei I. ziehe ich die Engel-Karte: Die FÜLLE der SCHÖPFUNG möchte sich auf DICH ERGIEßEN - ÖFFNE DICH! Welche Kraft kommt aus diesen Worten und zum richtigen Zeitpunkt!!!!!!!!!!

6.Tag Ein Traum: Wir sind in den Bergen, unten ist das Meer und Strand. Hinter mir ist eine Gruppe von Menschen, ich gehe voraus und steige über unwegsame Gelände, Gestrüpp, Wälle - aber es geht ganz leicht. ich lasse mich ein steiles Stück hinunter fallen und ermutige die anderen, es auch zu tun, es sei einfach. Meine Beine manchen mir keine Probleme und ich bin glücklich darüber. Dann sind wir am Wasser und alles ist schön. Ich wache auf und freue mich über diesen Traum, da ich immer wieder Träume hatte in denen ich in den Bergen meistens mit Schnee und Eis kämpfen musste und sehr viel Angst hatte.

8. Tag Immer wieder Hitzewallungen, fühle mich müde, mache eine lange Siesta, die mich erholt.

9. Tag Geburtstag feiere ich mit einer Freundin - wir haben ein sehr schönes Gespräch. Das genügt mir - es ist besser als jede Irgendwie-Feier.

10. Tag mein Geburtstagsgeschenk für mich ist ein Besuch bei A. H. in der Nähe von Passau, der mir mit Hilfe der Quantensprung-Behandlung mein Projekt als ernst zu nehmende Vision aufzeigt.

Die Überzeugung, dass er wirklich mehr "weiß", wird erhärtet, als er mir etwas sagt, was niemand wissen kann! Das gibt mir mehr Gelassenheit und Sicherheit, mich wirklich auf diese große Aufgabe einzulassen.!!!!!!!!!!!

11. Tag Konflikt mit M. (einem Dozenten, der mir eine sehr fordernde Mail schreibt) und einem Freund, der bei mir wohnt. Beiden setze ich ihre Grenzen, aber ich schlafe schlecht.

12. Tag Ich fühle mich zerschlagen - aber mental besser. Setze mich gegenüber dem Besuch mehr durch und setze ihn am 15. Tag vor die Tür, da ich weiß, dass er sich gerne wie ein Parasit bei mir eingenistet hätte. Ich fühle mich danach klar, stark und besser in jeder Beziehung.

Die Botschaft: ich muss klarer und eindeutiger sein, nicht den Anderen immer Gefallen tun, nur um nicht zu verletzen - damit verletze ich mich ja selbst!!!!!!! Das lasse ich nicht mehr zu!!!!

II. Varanasi eingenommen

Jetzt ist wohl mein Thema: Die Spreu vom Weizen trennen = die Menschen anziehen, die mir gut tun, die wahrhaftig und nicht geldgierig sind. Hier muss ich mich von meinem Gefühl leiten lassen, auch wenn es mich manchmal getrogen hat! Ich vertraue auf die immer stärkere spirituelle Klarheit - siehe oben A. H.

5. Tag Ein Traum: ich bin in einem Schneefeld: es liegt hell leuchtend von der Sonne beschienen vor mir: Plötzlich läuft ein rosa Schweinchen über den Hang. Ich sage: das soll mir Glück bringen.

Dieser Traum ist eine Fortsetzung der Schneeträume (s.o.), die immer unangenehm, angstbesetzt und mit großen Herausforderungen verbunden waren: Jetzt ist offenbar die Herausforderung überwunden, alles wird leichter, freundlich, hell! Herrlich! - - - -

Ich hatte aber noch einen Traum - weiß nicht mehr wann. Da sah ich eine Landschaft mit braunen brokkoli-ähnlichen Bäumen, die etwas Fauliges ausstrahlten. mehr weiß ich aber nicht.

 

III. Sagar Beach eingenommen

Die dritte Phase hat offenbar das Thema: Gemeinsam sind wir stark. Es hat sich ja für mich einfach so ergeben, dass ich mit E., den ich kaum kenne, durch die Unterbringung der Malaysier im Studienseminar St. E., das geschlossen werden soll, jetzt plötzlich das Gästehaus young meets young eröffne und dann mit ihm den nächsten Schritt plane.... da bin ich einfach so reingerutscht, aber es scheint zu stimmen, d.h. stimmig zu sein. Wir ergänzen uns mit unseren Tätigkeitsbereichen und Kontakten. Ich lasse mich also einfach darauf ein.

4. Tag Ein Traum. Ein junger Mann und eine Frau sind zusammen und er ist sehr liebevoll zu ihr. Ich sehe es und freue mich für die junge Frau.

15. Tag Seit Sonntag wohnt ein junger Amerikaner bei mir, der es bei seiner Schwester nicht mehr ausgehalten hat. Da lerne ich wieder ganz viel, denn ich merke, dass er sich sehr eigenwillig verhält, indem er sich einfach das nimmt, was er mag und die Regeln in meinem Hause nicht respektiert. Also muss ich ihm diese vermitteln - auch auf die Gefahr hin, dass ich in dieselbe Rolle gerate wie seine Schwester, bei der er sich offenbar ganz ähnlich verhielt, dies aber nicht so sah. Also musste ich ihm sein Verhalten aufzeigen. Er wollte es erst nicht akzeptieren und ist in die Opfer-Rolle geschlüpft, womit ich die Böse war, die ihm das antut, aber ich habe es nicht mitgemacht und wir hatten eine deutliche Auseinandersetzung, die aber im Guten endete.

Ich habe ihm dann am nächsten Tag gesagt: ich helfe dir auf die Füße, aber du musst ansonsten lernen allein fertig zu werden und dich nicht von den anderen abhängig zu machen, was du dir und denen dann übel nimmst. Du musst Respekt vor dir selbst lernen und dann kannst du die anderen auch besser akzeptieren. Das war harter Tobak für mich - aber ich habe mich gut gefühlt und er hat es dann genauso gesehen.

Natürlich ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen bzw. es ist immer wieder ein Auf und Ab - aber ich möchte nicht immer nur in mir die Schuldige sehen - was ich von zu Hause als Botschaft mitbekommen habe.

Und die ultimative Herausforderung wird dann das (Er)Leben einer Liebesbeziehung sein, die mir immer noch wünsche und die kommen wird, wenn ich dazu bereit bin.

 

DD.:    Hydrogenium

Acidums

Lanthaniden

Vögel

Cannabis indica / Drogen, psychedelisch

 

Und zum Schluss:

...

„Hörst du?“, fragte Vasudevas stummer Blick. Siddhartha nickte.

„Höre besser!“, flüsterte Vasudeva.

Siddhartha bemühte sich, besser zu hören. Das Bild des Vaters, sein eigenes Bild, das Bild des Sohnes flossen ineinander, auch Kamalas Bild erschien und zerfloß, und das Bild Govindas, und

andere Bilder, und flossen ineinander über, wurden alle zum Fluß, strebten alle als Fluß dem Ziele zu, sehnlich, begehrend, leidend, und des Flusses Stimme klang voll Sehnsucht, voll von

brennendem Weh, voll von unstillbarem Verlangen. Zum Ziel strebte der Fluß, der aus ihm und den Seinen und aus allen Menschen bestand, die er je gesehen hatte, alle die Wellen und Wasser eilten,

leidend, Zielen zu, vielen Zielen, dem Wasserfall, dem See, der Stromschnelle, dem Meere, und alle Ziele wurden erreicht, und jedem folgte ein neues, und aus dem Wasser ward Dampf und stieg in

den Himmel, ward Regen und stürzte aus dem Himmel herab, ward Quelle, ward Bach, ward Fluß, strebte aufs neue, floß aufs neue. Aber die sehnliche Stimme hatte sich verändert. Noch tönte sie,

leidvoll, suchend, aber andre Stimmen gesellten sich zu ihr, Stimmen der Freude und des Leides, gute und böse Stimmen, lachende und trauernde, hundert Stimmen, tausend Stimmen.

Siddhartha lauschte. Er war nun ganz Lauscher, ganz ins Zuhören vertieft, ganz leer, ganz einsaugend, er fühlte, daß er nun das Lauschen zu Ende gelernt habe. Oft schon hatte er all dies

gehört, diese vielen Stimmen im Fluß, heute klang es neu. Schon konnte er die vielen Stimmen nicht mehr unterscheiden, nicht frohe von weinenden, nicht kindliche von männlichen, sie gehörten alle

zusammen, alle Stimmen, alle Ziele, alles Sehnen, alle Leiden, alle Lust, alles Gute und Böse, alles zusammen war die Welt. Alles zusammen war der Fluß des Geschehens, war die Musik des Lebens.

Und wenn Siddhartha aufmerksam diesem Fluß, diesem tausendstimmigen Liede lauschte, wenn er nicht auf das Leid noch auf das Lachen hörte, wenn er seine Seele nicht an irgendeine Stimme band

und mit seinem Ich in sie einging, sondern alles hörte, das Ganze, die Einheit vernahm, dann bestand das große Lied der tausend Stimmen aus einem einzigen Worte, das hieß Om: die Vollendung.

...

Hermann Hesse - Siddhartha

 

 

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