Zur Bedeutung der Geschichte der Materia Medica für die zeitgenössiche Homöopathie

 

[Cand. med. André Röper]

Hierin bilden Vergiftungssymptome, die Hahnemann aus der ihm zugänglichen Literatur exzerpiert hatte, sowie IKNS-Symptome

aus seiner eigenen Praxis den Grundstein der neuen, verläßlichen Materia medica.

1805 kamen dann Arzneimittelprüfungen an Gesunden hinzu, niedergeschrieben in den „Fragmenta de viribus medicamentorum“, die dann in der „Reine Arzneimittellehre“ (1811-1821)

systematisch fortgeführt wurden.

Mittlerweile prüfte Hahnemann nicht nur an sich selbst und seiner Familie, sondern es hatten sich in seiner Leipziger Zeit (1811-1821) auch treue Schüler seiner neuen Heilkunst angeschlossen,

die ebenfalls mit großem Eifer an der Auffindung der Arzneikräfte beteiligt waren. 1822 wurde mit dem „Archiv für die homöopathische Heilkunst“, einer dreimal jährlich erscheinenden Zeitschrift,

gegründet von E. Stapf und G. W . Groß, ein Publikationsorgan geschaffen, um unter anderem vollzogene Mittelprüfungen der Ärzteschaft schneller und direkter zur Verfügung zu stellen.

Somit war der Weg für weitere Journale und Zeitschriftenreihen geebnet, die die Vergrößerung und Verbreitung der homöopathischen Materia medica vorantrieben. Es sollen nur einige der zahlreichen

Periodika erwähnt werden. Ab 1826 erschienen die „Praktischen Mitteilungen der correspondierenden Gesellschaft“,

1832 die „Annalen der homöopathischen Klinik“, berichtend aus Deutschlands erstem Homöopathischen Krankenhaus, 1832 gesellte sich die „Allgemeine homöopathische Zeitschrift“ hinzu, die

ununterbrochen bis zum heutigen Tage fortgeführt ist und damit die am zweitlängsten publizierte medizinische Zeitschrift der Welt darstellt, und 1835 das „Correspondenzblatt der homöopathischen Ärzte“.

Es liegt nahe, daß die Kollegen auch eine Fülle ihrer geheilten Fälle in diesen Zeitschriften publizierten, die einerseits die Prüfungssymptome verifizierten und andererseits, um sinngemäß mit den Worten

Georg von Kellers zu sprechen, dem an Gesunden gewonnenen Symptomen-Rohmaterial aus den Prüfungen die nötigen Konturen und den richtigen Schliff zu verpassen. Außerdem wurden auch

toxikologische Berichte aus den traditionellen medizinischen Zeitschriften beachtet und miteingebunden, da man um deren Wert als den Prüfungssymptomen gleichkommende wußte.

Unterdessen hatte Hahnemann seine „Chronischen Krankheiten (1828-1830)“ herausgegeben, in denen teilweise Mittel der „Reinen Arzneimittellehre“ in erweiterter Form und in Zeitschriften veröffentlichte Arzneimittelprüfungen integriert und gesammelt sind. Zeitgleich traten auch C. G. C. Hartlaub und C. F. Trinks mit einer „Reine Arzneimittellehre (1828-1830)“ in Erscheinung.

Weitere in Buchform veröffentlichte Arzneimittelprüfungen folgten, unter anderem „Die Muskatnuß“ (1833) von Helbig, die „Amerikanischen Arzneimittelprüfungen“ (1857) von Hering, „Homöopathische Erfahrungen“ (1862) von Wolf, „Der Phosphor“ (1862) von Sorge, die „Materia Medica of American Provings“ (1866) wiederum von Hering, „Materia Medica - Physiological and Applied“ (1884) von Drysdale

et al. und „A Materia Medica of Nosodes“ (1888) von Swan.

Leicht nachvollziehbar ist das bald entstandene Bedürfnis von Sammlungen des zahlreich Publizierten, um für den praktischen Gebrauch den Überblick über das zur Verfügung Stehende zu gewährleisten.

So kam es zu Werken wie der „Systematische Darstellung der reinen Arzneiwirkungen“ (1826) von C.G.H. Hartlaub, den „Materialien zu einer vergleichenden Arzneimittellehre (1826)“ von Schweikert

und dem „Ausführlicher Symptomen-Kodex“ der Homöopathischen Arzneimittellehre (1843) von G.H.G. Jahr.

Letzter sah bereits früh die Notwendigkeit, rein pathogenetische, verifizierte und rein klinische Symptome voneinander zu unterscheiden und optisch zu kennzeichnen.

Das erste größere „Mammut-Werk“ gelang T.F. Allen, der 1875-1879 die „Encyclopedia of Pure Materia Medica“ herausgab, die zehn Bände umfasst und die meisten Mittel beinhaltet, die bis zur damaligen

Zeit geprüft waren.

Ein anderer, der die Notwendigkeit sah, das enorm Angewachsene einmal zusammenzutragen und systematisch zu ordnen, „damit jeder in den Stand gesetzt wird, auf einen Blick (das Vermögen einer

Arznei) mehr zu sehen“ war kein geringerer als der große Hering. Er hatte, um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, bereits 1832 in seinem Beitrag „Ueber eine gemeinsame Aufgabe einer Arzneimittellehre“

zum Zusammenschluß der Kollegenschaft aufgerufen, da ihm bewußt war, dass die enorme Fülle schwer allein zu bewältigen sei. Letzten Endes mündete Herings verdienstvolles Schaffen in einem Werk, den zehnbändigen „Guiding Symptoms of Our Materia Medica“ (1879-1891), das nach seinem Tod 1880 seine Mitarbeiter Raue, Mohr und Knerr vollendeten.

Obwohl diese letztgenannten Standardwerke von großer Bedeutung und unschätzbarem Wert sind, waren sie bei ihrer Erscheinung bereits unvollständig und beinhalteten nicht ganz geringe Missstände.

Nun sind seit dieser Zeit weit mehr als 100 Jahre vergangen. Viele neue Beiträge haben die Literatur weiter bereichert. Etwa gegen Ende der Blütezeit der amerikanischen Homöopathie, d.h. etwa nach 1910,

haben die Arzneimittelprüfungen an Umfang und Qualität stark abgenommen. Bedeutende Werke, die Herings ursprüngliche Idee aufgreifen und alte und neue Quellen sowie klinische Symptome zu vereinen

und überschaubar zu machen sich bemühen, sucht man vergeblich. Einzige nennenswerte Ausnahme in Ansätzen bildete der Dreibänder „A Dictionary of Materia Medica“ (1900) von J. H. Clarke, der aber

auch nicht viel jünger ist als die beiden anderen Standardeditionen.

Erst der ehemals in Tübingen niedergelassene homöopathische Arzt Georg von Keller (1919-2003) sah als erster wieder die Notwendigkeit, die Materia medica zu revidieren.

So machte er es sich zur Aufgabe, seine private homöopathische Büchersammlung durch Zukäufe aus aller Welt aufzustocken. Über die Jahre erreichte dadurch seine Bibliothek einen beträchtlichen Umfang,

der schließlich dazu dienen konnte, die nun ihm zugängige Literatur nach Arzneimittelprüfungen, Kasuistiken und toxikologischen Berichten eines Mittels „abzugrasen“. Die dankenswerten Früchte seiner

Arbeit bilden 14 „Symptomensammlungen homöopathischer Arzneimittel“ (1973-1987), darunter Mittel wie Conium, Psorinum und Ignatia.

Leider wird die Notwendigkeit des Materia medica-Revision-Unternehmens noch nicht überall erkannt. Dennoch ist mit Vorliegen der ersten Bände der „Materia Medica Revisa Homoeopathiae

offensichtlich der Zeitpunkt gekommen, ein weiteres Kapitel der Geschichte der Materia medica zu schreiben.

 

I. Die Ausgangslage Es ist kein Geheimnis, daß der gegenwärtige Zustand der homöopathischen Materia medica längst nicht den Erfordernissen der Alltagspraxis gerecht wird. Die Mängel liegen, historisch

bedingt, in verschiedenen Bereichen, von denen hier nur einige erwähnt seien:

- Arzneimittelprüfungen, Nachprüfungen und Kasuistiken liegen über einen Zeitraum von 200 Jahren in internationalen Zeitschriften verstreut und sind den meisten homöopathischen Ärzten nicht zugänglich;

- die Materia medica ist nicht so klar gegliedert, daß gesuchte Symptome zügig an erwarteter Stelle aufgefunden werden können;

- die Repertorien geben die gewünschten Hinweise auf die Materia medica nur unscharf oder sogar falsch wieder;

- eine für die Repertorien ursprünglich geforderte Trennung von Arzneiprüfungs- und klinischen Symptomen ist durch die Gradeinteilungen nur mangelhaft erfolgt, womit der Wert eines Symptoms schwer einzuschätzen ist.

Die beiden letztgenannten Punkte seien hier noch einmal erläutert: In der Frühzeit der Homöopathie war eine Trennung zwischen den in den Arzneiprüfungen am Gesunden ermittelten und den am

Krankenbett geheilten Symptomen selbstverständlich. G.H.G. Jahr unterschied in seinem „Symptomen-Kodex“ die verifizierten Prüfungssymptome und die an Kranken geheilten, aber nicht in der Prüfung aufgetretenen Symptome

i, was C. Hering als Besonderheit des Jahrschen Werkes hervorhob

ii. J.T. Kent wiederum markierte die Symptome seiner geheilten Patienten sorgfältig in der Allenschen Enzyklopädie

iii und gedachte, neben den Prüfungssymptomen nur diese Verifikationen in seinem Repertorium zu berücksichtigen, wobei er den Prüfungen widersprechende klinische Symptome verwarf.

iv Eine derartige Unterscheidung der Symptomenherkunft wurde aber in der weiteren Entwicklung der Homöopathie vernachlässigt. Die Gradeinteilungen lassen uns leider oft im Stich, und die arzneilichen Verordnungen sind allzu häufig auf Sand gebaut, wenn wir uns bei der Arzneiwahl lediglich auf die Repertorien verlassen.

II. Ein Beispiel

Ein Fall aus der täglichen Praxis soll diesen problematischen Sachverhalt beleuchten: Ein 12-jähriger Junge mit seit Jahren in regelmäßigen Abständen auftretenden Migräneanfällen wird von der Mutter zur Erstanamnese begleitet. Schon bei der fernmündlichen Terminvereinbarung hatte die Mutter des Patienten die unerklärliche Abneigung gegen Butter angesprochen, die ihr Sohn in letzter Zeit entwickelt habe.

Die spätere Repertorisation der Symptome führt zur Differentialdiagnose von Magnesia carbonica und Sanguinaria. Beim Nachschlagen in der Quellenliteratur fällt bei Mag-c. auf, daß hier offensichtlich ein Bedeutungswandel bezüglich der Affinität zu „Butter“ statt gefunden hat. Hahnemann änderte geringfügig das Symptom von Hartlaub und Trinks:

„Warmes Essen schmeckt ihr nicht, zu Butter und Brod hat sie Neigung“

v zu: „Warmes Essen schmeckt nicht, sie will nur Butter und Brod (Htb. u.Tr.).“

vi In der Allenschen Enzyklopädie allerdings findet sich:

„She does not relish warm food, has no inclination for bread and butter“

vii was auf einem Übersetzungsfehler beruht und wohl den fehlerhaften Eintrag im Kentschen Repertorium erklärt („Butter“ steht nun übrigens bei „Abneigung“ und „Verlangen“), der in den zeitgenössischen

Repertorien wie „Synthesis“ und „Complete“ leider persistiert. Nebenbei sei bemerkt, daß Mag-c. in der anderen repertorialen Linie über Bönninghausen und Boger korrekt eingetragen ist: „Appetit, Neigung zu Butter“

viii und: „Appetite, desire for butter“.

Da das Symptom bei Mag-c. in der Prüfung, soweit bekannt, nicht aufgetreten war, erhielt der junge Patient Sang.

x was sich als hilfreiches Arzneimittel erwies. Dies kann bedeuten, daß auch nach sorgfältiger Anamnese und korrekter Symptomengewichtung der therapeutische Erfolg allein aufgrund der mangelhaften Qualität unseres Handwerkszeugs ausbleibt. Trotz zahlreicher Publikationen und inflationärer homöopathischer Sekundärliteratur in den letzten beiden Jahrzehnten ist die wesentliche Grundlage der homöopathischen Praxis, die Arzneimittelprüfung, in den Repertorien nicht zufriedenstellend gespiegelt.

III. Einarbeitung in die Literatur

Ist die Notwendigkeit der Materia-medica-Revision einmal erkannt, bedarf es eines Zugangs zur Primärliteratur sowie einer Anleitung zur Auswertung dieser Quellen. Die im Jahre 2004 gegründete „Gleeser Akademie homöopathischer Ärzte“, die sich als wissenschaftliche Forschungs- und Ausbildungsstätte versteht, verfügt über die weltweit umfangreichste Bibliothek homöopathischer Literatur, besonders nach Eingliederung

der von G.v . Keller (1919-2003) hinterlassenen Buch- und Zeitschriftensammlung. Um diesen außergewöhnlichen literarischen Fundus hat sich ein Stab homöopathischer Kolleginnen und Kollegen gruppiert,

der sich die Auswertung dieser Sammlung zum Ziel gesetzt hat und mit gebotener Konsequenz das Werk unter Anleitung des Herausgebers, Dr. med. K.-H. Gypser, der die Revision seit vielen Jahren vorbereitete, begonnen hat.

Warum könnte es nützlich sein, sich einmal mehr die Geschichte bzw. die Entwicklung der homöopathischen Materia medica zu vergegenwärtigen? W elche Erkenntnisse und Handlungskonsequenzen ließen sich

aus deren Betrachtung für den heutigen Homöopathen gewinnen?

Macht es denn überhaupt noch Sinn, dem Alten anzuhängen und nachzugehen, wo doch zum Beispiel die traditionelle Medizin auf den Fortschritt baut, der das Wissen von gestern schnell hinfällig und meist unbrauchbar werden läßt und man in dem „zukünftig eventuell Möglichen“ das Heil für die Kranken erhofft? Sollte denn auch in dieser Hinsicht die Homöopathie eine Sonderstellung einnehmen und mit dem

Pflegen des Gewesenen gut bedient sein? Ganz gewiß!

So ist es ein wahrer Segen, daß die Homöopathie nicht dem Wechselspiel irgendwelcher sich ständig ändernder Lehrmeinungen unterliegt und der verordnende Arzt auch keine Bedenken zu haben braucht, daß

das dem Kranken verabreichte Medikament, welches vor kurzem noch hochgepriesen wurde, nun nach neuesten Untersuchungen als zu toxisch vom Markt genommen wird, und der Patient nur noch damit

getröstet werden kann, dass man es damals eben noch nicht besser wußte.

In der Homöopathie darf sich der Arzt aus einem 200 Jahre alten Erfahrungsschatz bedienen, den schon viele Praktiker über Generationen hin mit beachtenswerten, teils an Wunder grenzende Heilungen bestätigt haben und immer wieder bestätigen werden.

Dies rührt daher, daß das Wissen um die kurativen Möglichkeiten der Arzneien eben nicht aus Versuchen an Tieren stammt oder auf bloßen Vermutungen basiert, die sich ständig ändern, sondern durch die Prüfung am gesunden Menschen in Erfahrung gebracht wurde. Die Arzneikräfte sind sozusagen auf redliche Art und Weise „aus der Natur vernommen worden“.

Die Tatsache, daß Arzneien in den für die homöopathischen Arzneiprüfungen üblichen „niedrigen“ Dosen Krankheitssymptome hervorrufen, wird oftmals angezweifelt und nicht geglaubt. In dieser Frage sollte

aber nicht der Glaube entscheiden, sondern wie Hahnemann schon seinen Kritikern empfahl, die eigene Erfahrung. Durchweg ist es so geschehen, daß diejenigen, die Hahnemann beim Wort nahmen und seinen

Rat befolgten, von allem Zweifel befreit sich bestens überzeugten.

Um hierfür nur eins der vielen Beispiele zu liefern, sei auf den Verein homöopathischer Ärzte Österreichs für physiologische Arzneimittelprüfungen verwiesen, dessen Gründungsmitgliedern die Qualität der Hahnemannschen Prüfungen nicht ohne weiteres für wahr halten wollten, Nachprüfungen unternahmen und von allem Zweifel bekehrt, sich fortan weiter in den Dienst der Homöopathie stellten und der

Materia medica zuarbeiteten.

Nach diesem Versuch, den beständigen Charakter der Grundlagen der Homöopathie anzudeuten, der zugleich die Eingangsfrage mitbeantwortet, soll nun die Geschichte der Materia medica das weitere

Thema bilden.

Angefangen hatte alles mit Hahnemanns Aufsatz „Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen“, veröffentlicht 1796 in Hufelands Journal, der damals führenden

medizinischem Fachzeitschrift. Hierin bilden Vergiftungssymptome, die Hahnemann aus der ihm zugänglichen Literatur exzerpiert hatte, sowie IKNS-Symptome aus seiner eigenen Praxis den Grundstein

der neuen, verläßlichen Materia medica.

1805 kamen dann Arzneimittelprüfungen an Gesunden hinzu, niedergeschrieben in den „Fragmenta de viribus medicamentorum“, die dann in der „Reine Arzneimittellehre“ (1811-1821) systematisch

fortgeführt wurden.

 

Mittlerweile prüfte Hahnemann nicht nur an sich selbst und seiner Familie, sondern es hatten sich in seiner Leipziger Zeit (1811-1821) auch treue Schüler seiner neuen Heilkunst angeschlossen, die

ebenfalls mit großem Eifer an der Auffindung der Arzneikräfte beteiligt waren. 1822 wurde mit dem „Archiv für die homöopathische Heilkunst“, einer dreimal jährlich erscheinenden Zeitschrift, gegründet

von E. Stapf und G.W . Groß, ein Publikationsorgan geschaffen, um unter anderem vollzogene Mittelprüfungen der Ärzteschaft schneller und direkter zur Verfügung zu stellen.

Somit war der Weg für weitere Journale und Zeitschriftenreihen geebnet, die die Vergrößerung und Verbreitung der homöopathischen Materia Medica vorantrieben. Es sollen nur einige der zahlreichen

Periodika erwähnt werden. Ab 1826 erschienen die „Praktischen Mitteilungen der correspondierenden Gesellschaft“, 1832 die „Annalen der homöopathischen Klinik“, berichtend aus Deutschlands

erstem Homöopathischen Krankenhaus, 1832 gesellte sich die „Allgemeine homöopathische Zeitschrift“ hinzu, die ununterbrochen bis zum heutigen Tage fortgeführt ist und damit die am zweitlängsten

publizierte medizinische Zeitschrift der Welt darstellt, und 1835 das „Correspondenzblatt der homöopathischen Ärzte“.

Es liegt nahe, daß die Kollegen auch eine Fülle ihrer geheilten Fälle in diesen Zeitschriften publizierten, die einerseits die Prüfungssymptome verifizierten und andererseits, um sinngemäß mit den Worten

Georg von Kellers zu sprechen, dem an Gesunden gewonnenen Symptomen-Rohmaterial aus den Prüfungen die nötigen Konturen und den richtigen Schliff zu verpassen.

Auch wurden toxikologische Berichte aus den traditionellen medizinischen Zeitschriften beachtet und miteingebunden, da man um deren Wert als den Prüfungssymptomen gleichkommende wußte.

Unterdessen hatte Hahnemann seine „Chronischen Krankheiten(1828-1830)“ herausgegeben, in denen teilweise Mittel der „Reinen Arzneimittellehre“ in erweiterter Form und in Zeitschriften veröffentlichte Arzneimittelprüfungen integriert und gesammelt sind. Zeitgleich traten auch C.G.C. Hartlaub und C.F. Trinks mit einer „Reine Arzneimittellehre (1828-1830)“ in Erscheinung.

Weitere in Buchform veröffentlichte Arzneimittelprüfungen folgten, unter anderem „Die Muskatnuß“ (1833) von Helbig, die „Amerikanischen Arzneimittelprüfungen“ (1857) von Hering, „Homöopathische Erfahrungen“ (1862) von Wolf, „Der Phosphor“ (1862) von Sorge, die „Materia Medica of American Provings“ (1866) wiederum von Hering, „Materia Medica - Physiological and Applied“ (1884) von

Drysdale et al. und „A Materia Medica of Nosodes“ (1888) von Swan.

Leicht nachvollziehbar ist das bald entstandene Bedürfnis von Sammlungen des zahlreich Publizierten, um für den praktischen Gebrauch den Überblick über das zur V erfügung Stehende zu gewährleisten.

So kam es zu Werken wie der „Systematische Darstellung der reinen Arzneiwirkungen“ (1826) von C.G.H. Hartlaub, den „Materialien zu einer vergleichenden Arzneimittellehre (1826)“ von Schweikert

und dem „Ausführlicher Symptomen-Kodex“ der Homöopathischen Arzneimittellehre (1843) von G.H.G. Jahr .

Letzter sah bereits früh die Notwendigkeit, rein pathogenetische, verifizierte und rein klinische Symptome voneinander zu unterscheiden und optisch zu kennzeichnen.

Das erste größere „Mammut-Werk“ gelang T.F. Allen, der 1875-1879 die „Encyclopedia of Pure Materia Medica“ herausgab, die zehn Bände umfasst und die meisten Mittel beinhaltet, die bis zur damaligen

Zeit geprüft waren.

Ein anderer, der die Notwendigkeit sah, das enorm Angewachsene einmal zusammenzutragen und systematisch zu ordnen, „damit jeder in den Stand gesetzt wird, auf einen Blick (das Vermögen einer

Arznei) mehr zu sehen“ war kein geringerer als der große Hering. Er hatte, um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, bereits 1832 in seinem Beitrag „Ueber eine gemeinsame Aufgabe einer Arzneimittellehre“

zum Zusammenschluß der Kollegenschaft aufgerufen, da ihm bewußt war, dass die enorme Fülle schwer allein zu bewältigen sei. Letzten Endes mündete Herings verdienstvolles Schaffen in einem Werk,

den zehnbändigen „Guiding Symptoms of Our Materia Medica“ (1879-1891), das nach seinem Tod 1880 seine Mitarbeiter Raue, Mohr und Knerr vollendeten.

Obwohl diese letztgenannten Standardwerke von großer Bedeutung und unschätzbarem Wert sind, waren sie bei ihrer Erscheinung bereits unvollständig und beinhalteten nicht ganz geringe Missstände.

Nun sind seit dieser Zeit weit mehr als 100 Jahre vergangen. Viele neue Beiträge haben die Literatur weiter bereichert. Etwa gegen Ende der Blütezeit der amerikanischen Homöopathie, d.h. etwa nach

1910, haben die Arzneimittelprüfungen an Umfang und Qualität stark abgenommen. Bedeutende Werke, die Herings ursprüngliche Idee aufgreifen und alte und neue Quellen sowie klinische Symptome zu

vereinen und überschaubar zu machen sich bemühen, sucht man vergeblich. Einzige nennenswerte Ausnahme in Ansätzen bildete der Dreibänder „A Dictionary of Materia Medica“ (1900) von J.H. Clarke,

der aber auch nicht viel jünger ist als die beiden anderen Standardeditionen.

Erst der ehemals in Tübingen niedergelassene homöopathische Arzt Georg von Keller (1919-2003) sah als erster wieder die Notwendigkeit, die Materia medica zu revidieren.

So machte er es sich zur Aufgabe, seine private homöopathische Büchersammlung durch Zukäufe aus aller Welt aufzustocken. Über die Jahre erreichte dadurch seine Bibliothek einen beträchtlichen Umfang,

der schließlich dazu dienen konnte, die nun ihm zugängige Literatur nach Arzneimittelprüfungen, Kasuistiken und toxikologischen Berichten eines Mittels „abzugrasen“. Die dankenswerten Früchte seiner

Arbeit bilden 14 „Symptomensammlungen homöopathischer Arzneimittel“ (1973-1987), darunter Mittel wie Conium, Psorinum und Ignatia.

Leider wird die Notwendigkeit des Materia medica-Revision-Unternehmens noch nicht überall erkannt. Dennoch ist mit Vorliegen der ersten Bände der „Materia Medica Revisa Homoeopathiae

offensichtlich der Zeitpunkt gekommen, ein weiteres Kapitel der Geschichte der Materia medica zu schreiben.

 

[Farokh Master]

Metamorphosis of Homoeopathic Posology during Hahnemannian Era

The understanding of homoeopathic posology came to Hahnemann many years after he discovered the law of cure, in fact it was a slow progressive metamorphosis.

Hahnemann’s view in relation to posology are important as they relate to how homoeopathy was developed and later how people have viewed and interpreted his teachings in the various editions of

Chronic Disease and Organon of Medicine.

From 1784 - 1796 this is the period which represents the medical career of Dr. Samuel Hahnemann. Before discovering the law of similars Hahnemann medical practice was similar to any other

allopathic physician of that time.

His prescriptions were basically similar in composition weight and quantities with those of his contemporaries.

Previous to 1796 he used remedies like Mercury, Arsenic, Belladona, Opium etc. it was only when he started doing medical translation that he started gathering knowledge on many new

botanical and chemical therapeutic hints. He started experiments on what knowledge that he had gathered and this helped him to know that exact effect of drugs on human body in health and disease.

Hahnemann always argued his point by giving lots of bibliographic references or case example from his practice; hence he was not only an mechanical translator but an active experimentator.

Let’s review some of his publication:

In 1784 he published an article on ‘Direction of the Cure of Old Sores and Ulcers’. In this he advises Antimony and Jalapa and he uses the dose of 5 - 50 grams of Antimony and 20 - 70 grams of Jalapa.

In 1789 he wrote an article on ‘Treatise on Venereal diseases’ where he advises the use of soluble mercury in the dose 1 - 6 - grams.

In 1796 he wrote an article on ‘Curative Power of Drugs’ where he describes Arnica powder for a 4 years old child everyday 4 grams, for a 6 years old child 6 grams and for a 9 months old child 2 grams.

In 1784 he decides to restrict the strong dose because of its toxic effect on human organism.

For many years he followed this principle only in very acute case he will use a drug in a crude form in a very small and minute dose.

In 1790 Hahnemann while translating Cullen’s Materia Medica, he made a historic discovery of law of similars by experimenting on himself the effects of Cinchona bark. H. wrote “Surely toxicity is

nothing but the violent manifestation of the extremely powerful agent applied in too higher dose and in the wrong place”.

Slowly Hahnemann was getting an idea that a method should be invented where the toxicity of dose should be reduced to affect a cure.

In 1796 he made known the principle of homoeopathy in Hufeland’s journal and the publication of essay on the ‘New Principle for Ascertaining the Curative Power of Drugs and Some Examinations of

the Previous Principles’.

In this essay he made reference to the use of small doses “but did not clarify what he meant by small”. He started to select his remedies on the basis of law of similars but administered crude toxic doses.

He observed that in many cases cure was associated with aggravation causing more discomfort and suffering to the patient. Slowly Hahnemann learned to reduce the quantity and hence reduce the toxic

effects.

1797 - 1801: In 1797 in Hufeland’s journal he wrote “may I confess it that for several years since I never administered anything else but single remedy at a time and at once and that I never have repeated

it until the action of formal dose has expired”. The prescription of diluted medicine invited huge criticism from his colleagues in an article “What can 1/1000000 grain of Belladonna do?”

Hahnemann responded with an article “on the power of small doses of medicine in general in of Belladonna in particular” in 1801.

As he discovered that medicine acted better in minute dose than in crude form, he continued to reduce the size of the dose. His main aim was always to cure with minimum dose.

Let’s enumerate some articles: In 1797, in a case of colic he gives 4 grams of Veratrum album, in case of asthma he gives 4 grams of Nux vomica, in a case of remittent fever he gives 6 grams of Ledum

and in a case of Scarlatina he gives 1/400th grain of Belladonna.

1802 - 1812: During the above period Hahnemann started mixing and vigorously shaking the medicine for a minute or so, so that the substance of medicinal value gets dispersed in the dilution medium.

Reference to Hahnemann’s case records point revealed that he was already using small doses of frequently used medicine.

He uses different terminology in same or different books under the name of dilution or subdivision and attenuation.

1813 - 1819: In 1813 Hahnemann published in an article on “Spirit of Homoeopathic Doctrine of Medicine”.

In this article Hahnemann describes the psycho chemical properties of drugs by virtue of which they possess a quality to produce qualitative changes in sensations and functions of the human being, he

considers this as a dynamic derangement of vital character, he further clarifies that that it’s not only the physical and chemical properties of the substance that is important to study but more than that it

is the dynamic influence of the drug on the human body that alters the sensation in a very unique manner.

He adds further by saying that by diluting and shaking the mixture in a bottle for few minutes helps to liberate the hidden energy that was lying dormant in the drug this is the crux of his dynamic

theory of what later Hahnemann calls it as theory of dynamasization.

Hahnemann felt that not only the property of drugs is liberated by process of dilution or attenuation but also by friction of the drug with the inert vehicle, by the process of succussion and trituration.

This vital observation of Hahnemann helped him to introduce drugs like Common salt, Lycopodium, charcoal, lime who in natural state are quite inert but when dynamised or potentized with sugar of milk

or alcohol become one of the best life saving drugs in Homoeopathy.

In subsequent volume of Materia Medica Pura published from 1816 - 1819, there was a good deal of variation of doses and dilution suggesting experimentation to discover an optimal dose for each

remedy and condition under treatment.

Spirit of Homoeopathic Doctrine of Medicine, he talks about dilution and friction liberates pharmacodynaemic  properties of the drug.

1814: Treatment of Typhus - Bryonia and Rhus tox, doses serially diluted one drop to 6 grams, 12 times shaken for 3 minutes at each step and use a dose of one drop.

1815: He uses Bryonia root, one drop of the pure juice.

1816: Materia Medica Pura 2nd volume - Causticum one drop of original.

1817: Materia Medica Pura 3rd volume - He talks about Ferrum 1/100 and 1/1000.

1820 - 1828: During this period of Hahnemann’s career the dose of medicine varied.

He yet many times used drugs in crude form strictly depending on character of the drug, disease and the patient.

In 1825 Hahnemann’s infinitesimal dilutions were attacked by an article; Hahnemann refuted this in detail “Information for truth seeker”.

He stated “by trituration the latent medicinal power is wonderfully liberated and vitalized as if, once freed from the fetters of matter, it could act upon the human organism more insistently and fully”.

He very clearly in this article mentions that a inert substance found in nature enters into a dynamic reaction by the method of trituration and succussions can bring remarkable changes in the drug

by producing superficial and deep signs and symptoms.

1827: This is represented in the article “How can small doses of such attenuated medicine as homoeopathy employs still possess great power”

1828: In introduction of Chronic Disease volume 1 he wrote that he began with small doses of 1 grain in the 2nd and the 3rd trituration but experience taught him to give preference to higher potencies.

Up to this time Hahnemann had made use of the most varied degree of dilution from the original tincture or the vicious juice up to 30th centesimal potency.

1829 - 1837: In the 5th edition of Organon in 1833 Hahnemann wrote about the superior efficacy of 30C. He fell only a little bit short of recommending 30C as a standard. Some of Hahnemanns

followers were exploring high potencies, example:

Dr. Gross in Juterbogk; Dr. Schreter in Lemberg; Korsakoff in Russia; and Jenichen in Wismar.

Korsakoff potentised up to 1,500 centesimal, Jenichen up to 16,000 centesimal potency.

Hahnemann felt in 1829 the urgent need to limit the potency to 30C.

But he himself had exceeded the limit in 1825 when he recommended Thuja for gonorrhoea in the 60th potency. This suggestion of 30th C standard for potentization produced violent criticisms

amongst his students.

In 1832 Hahnemann began experimenting with olfaction of remedies, having the patient smell a moistened pellet as a dose. He described this in his preface to “Boenninghausen's List of Symptoms of the

Antipsoric Medicines” and in the 5th edition of the Organon in 1833.

For several years Hahnemann employed this process for all his patients without exception. It was only towards the end of his life that he gave up the practice of olfaction.

In the 5th edition of Organon Hahnemann clearly detailed the concept of potentization in aphorism 269. He provided specific instruction on dynamization in aphorism 270 - 271.

He also advocated that provings can be carried out in 30C. A detail description of the process of trituration for the first three centesimal potencies was also given in part 2 of the 1st edition of Chronic

diseases in 1835. Also about this time Hahnemann began experiments giving the dose in solutions rather than a dry pellet.

In the Organon 5th edition, aphorism no. 286 - 287, he describes an increase in the medical action of the dose where it is fully dispersed in medical solution.

In 1835 Hahnemann wrote Hering suggesting him the split dose method which he found very useful this is achieved by dissolving the medicated pellet in a volume of water, this reduce dose allowed for

more frequent repetitions during the gradual amelioration of chronic disease.

1837: He wrote more detailed instruction on this approach in the preface to part 3 of the 2nd edition of Chronic Disease. In my practice I have adapted this over a decade and I can only say it works wonders.

As regard to alter the number of succussion he changed his opinion frequently. In the preface to 3rd part of the 2nd edition of Chronic Disease in 1837 he mentioned that he found it beneficial to increase

the number of succussion at each step back to ten he experimented with even greater number of succussions over the following years in the preface to volume 5 of the Chronic Disease published in 1839,

he used 10, 20, 50 and even more succussions.

 

 

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