Schriftgruppe Kind Anhang

 

[Parvin Sadigh]

Schreibschrift: Schnörkel gegen den Kulturverfall

Eltern und Lehrer sind verunsichert. Lernen Grundschüler keine Schreibschrift mehr? Machen Häkchen und verbundene Buchstaben schlauer?

Schreibschrift: Schreiben lernen mit der Vereinfachten Ausgangsschrift. Sie wurde 1972 in der Bundesrepublik eingeführt - als vereinfachte Form der Lateinischen Ausgangsschrift.

Schreiben lernen mit der Vereinfachten Ausgangsschrift. Sie wurde 1972 in der Bundesrepublik eingeführt – als vereinfachte Form der Lateinischen Ausgangsschrift.

Nur zwei Vorgaben müssen Lehrer überall in Deutschland erfüllen, wenn sie Kindern das Schreiben beibringen: Die Schüler üben zuerst Druckbuchstaben und am Ende der 4en Klasse sollen sie

eine individuelle Handschrift gefunden haben, die sie flüssig und leserlich schreiben können. So steht es in den Bildungsstandards für die Grundschule, die seit 2004 bundesweit gelten. Wie die Kinder zur eigenen Handschrift kommen, ist Länder- oder manchmal sogar Lehrersache – und darüber tobt ein erbitterter Streit.

Schreibschrift: Die Lateinische Ausgangsschrift wurde 1953 in Deutschland eingeführt.

In Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein müssen alle Kinder nach der Druckschrift eine verbundene Schreibschrift lernen. Das heißt, sie üben eine von

3 üblichen Schriften mit Schleifen und Häkchen, in der alle Buchstaben in einem Wort miteinander verbunden werden. In Bayern wählen die Lehrer schon im zweiten Halbjahr der ersten Klasse zwischen Vereinfachter Ausgangsschrift und Schulausgangsschrift.

Schreibschrift: Die Schulausgangsschrift, 1968 in der DDR eingeführt. Sie wird auch in vielen westlichen Bundesländern verwendet.

In den meisten anderen Bundesländern geht es mit der Schreibschrift in der zweiten Klasse los, oft erst dann, wenn die Druckbuchstaben wirklich beherrscht werden. In Baden-Württemberg lernen

Schüler die Lateinische Ausgangsschrift oder die Vereinfachte Ausgangsschrift. Schüler aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen etwa schreiben meist die Schulausgangsschrift, die in der DDR entwickelt wurde. Oft haben die Schulen aber völlige Freiheit, zwischen den dreien zu entscheiden.

Schwung in die Druckbuchstaben

Neben diesem Wirrwarr der drei Ausgangsschriften ist mancherorts noch die sogenannte Grundschrift erlaubt. In Hamburg etwa wurde sie schon 2011 alternativ zur Schulausgangsschrift eingeführt.

In Bremen haben seit 2016 49 von 75 Grundschulen die Grundschrift gewählt. Auch in Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz oder im Saarland wird sie teilweise unterrichtet.

Das heißt, die Schüler müssen keine der drei gebundenen Schriften mehr lernen. Sie bringen stattdessen Schwung in die Druckbuchstaben und üben, zwischen ihnen Verbindungen herzustellen.

Nicht alle Buchstaben müssen ineinander fließen, wie in den Ausgangsschriften, Luftsprünge sind erlaubt. Bei manchen Buchstabenfolgen bietet sich dieses schwungvolles Ineinander an, etwa bei el

oder ch, aber jedes Kind entscheidet am Ende selbst, welche Schwünge und Verbindungen es verwendet. Die Grundschrift ist eine Orientierungshilfe, um eine eigene Handschrift zu entwickeln, keine genormte Schrift. Und hier beginnt die Aufregung.

Schreibschrift: Aus Druckbuchstaben wird eine Grundschrift.

Den Verlust einer Kulturtechnik oder gar der Identität, Schaden für das Denken und das Gedächtnis, prognostizieren die Kritiker, etwa die ehemalige Lehrerin und Schreibtrainerin Ute Andresen oder die Kinderbuchautorin Cornelia Funke, die von einem tieferen Bewusstseinsprozess spricht. "Im Schreiben drückt sich unsere Persönlichkeit aus", sagt sie. Auch der Vorsitzende des Philologenverbands Heinz-Peter Meidinger sagt: Eine gebundene Handschrift zu erlernen, sei ein elementarer individueller Lernprozess für jedes Kind. Es fördere den Gedankenfluss.

Manche Lehrer nennen die Grundschrift Stotterschrift. Druckbuchstaben könne man nicht flüssig schreiben, argumentieren sie, die Schüler seien deshalb zu langsam und angestrengt. Und ihre

Ideen würden sie unterwegs wieder vergessen.

Tatsächlich weisen US-amerikanische und kanadische Studien darauf hin, dass Menschen, die viel und flüssig mit der Hand schreiben, feinmotorisch versierter sind und Texte besser aufbauen.

Im Gegensatz zu denen, die alles gleich in eine Computer- oder Smartphonetastatur tippen, merken sie sich das Notierte auch besser.

Infolge dieser Alarmmeldungen sind viele Eltern und Lehrer verunsichert. Kürzlich haben mehrere Organisationen über 17.000 Unterschriften unter dem Motto "Rettet die Schreibschrift" gesammelt

und der Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) Susanne Eisenmann überreicht. Baden-Württemberg hat inzwischen seinen Schulversuch mit der Grundschrift wieder beendet. "Im Ergebnis haben die Befunde -unter anderem mit Blick auf das Schreibtempo und das Verbinden einzelner Buchstaben- nicht für eine flächendeckende Einführung des Modellkonzepts gesprochen", heißt es aus dem Kultusministerium. Schleswig-Holstein hat sogar im Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass die Kinder wieder eine verbundene Schreibschrift lernen müssen. Ist das nun sinnvoll oder Aktionismus?

Erika Brinkmann, Mitentwicklerin der Grundschrift und im Vorstand des Grundschulverbandes, sagt, die Erprobungsschulen in Baden-Württemberg hätten dem Ministerium Dokumente über die positiven Schriftentwicklungen der Kinder vorgelegt. "Sowohl die Lehrerinnen in den Grundschulen, die Eltern und die Kolleginnen in den weiterführenden Schulen haben sich vom Konzept der Grundschrift überzeugen lassen." Das Kultusministerium gestattet den Schulen, die damit experimentiert haben, damit weiterzumachen.

Buchstaben müssen nicht alle verbunden sein

Der Grundschulverband will mit der Grundschrift explizit die Schreibschrift erhalten – nur die Schnörkel der Ausgangsschriften nicht. Brinkmann findet es auch sinnvoll, sich beim Lernen Notizen

in einer persönlichen, flüssigen Handschrift zu machen. Das unterstütze das Gedächtnis. Nur müssen ihrer Ansicht nach die Buchstaben dafür nicht alle verbunden werden. Vielschreibende Erwachsene setzten auch nach drei bis vier Buchstaben den Stift häufig kurz ab. Eine winzige Lücke entsteht in der Schrift. Untersuchungen zur Schreibmotorik bestätigten, dass dieses kurze Absetzen die Hand entlastet und ein flüssigeres Schreiben mit weniger Druck ermöglicht.

Brinkmann glaubt wie Funke, dass die Handschrift ein Stück Identität sein kann, wenn es gelingt, sie zu etwas Persönlichem zu machen. Dafür experimentierten Kinder und Jugendliche bewusst, bis

sie mit dem Ergebnis zufrieden seien. Die Ausgangsschriften seien jedoch genauso wenig persönliche Handschriften wie die Druckschrift. Denn hier schrieben die Kinder nur normierte Buchstaben ab. Danach bekämen sie dann keine Unterstützung mehr dabei, ihre eigene Handschrift zu entwickeln. Da sei also die Grundschrift im Vorteil.

Grundschrift für die Leistungsschwachen?

Allerdings müssen sich die Lehrer auch die Zeit dafür nehmen. Sie müssen die Buchstabenverbindungen zum Thema zu machen und üben. Es geht also nicht darum, die Zeit zum Schreiben lernen einzusparen, um sie dann zum Beispiel dafür zu nutzen, am Computer schreiben zu üben. 

Grundschriftvertreter und ihre Gegner behaupten gleichermaßen, den Kindern beizustehen, die sich mit dem Schreiben lernen schwer tun. Die Gegner der Grundschrift sagen, es brauche das konsequente normierte Schleifen- und Häkchen-Üben, um motorisch befähigt zu werden, eine flüssige Handschrift zu schreiben. Die leistungsschwachen  Schüler seien zudem überfordert damit,

sich selbstständig für die Verbindungen zwischen den Buchstaben zu entscheiden. Brinkmann sagt: Die Unterstellung, die Kinder würden allein gelassen, geht am Grundschrift-Konzept vorbei.

Tatsächlich weisen US-amerikanische und kanadische Studien darauf hin, dass Menschen, die viel und flüssig mit der Hand schreiben, feinmotorisch versierter sind und Texte besser aufbauen.

Im Gegensatz zu denen, die alles gleich in eine Computer- oder Smartphonetastatur tippen, merken sie sich das Notierte auch besser.

Infolge dieser Alarmmeldungen sind viele Eltern und Lehrer verunsichert. Kürzlich haben mehrere Organisationen über 17.000 Unterschriften unter dem Motto "Rettet die Schreibschrift" gesammelt und der Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) Susanne Eisenmann überreicht. Baden-Württemberg hat inzwischen seinen Schulversuch mit der Grundschrift wieder beendet. "Im Ergebnis haben die Befunde – unter anderem mit Blick auf das Schreibtempo und das Verbinden einzelner Buchstaben – nicht für eine flächendeckende Einführung des Modellkonzepts gesprochen", heißt es aus dem Kultusministerium. Schleswig-Holstein hat sogar im Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass die Kinder wieder eine verbundene Schreibschrift lernen müssen. Ist das nun sinnvoll oder Aktionismus?

Erika Brinkmann, Mitentwicklerin der Grundschrift und im Vorstand des Grundschulverbandes, sagt, die Erprobungsschulen in Baden-Württemberg hätten dem Ministerium Dokumente über die

positiven Schriftentwicklungen der Kinder vorgelegt. "Sowohl die Lehrerinnen in den Grundschulen, die Eltern und die Kolleginnen in den weiterführenden Schulen haben sich vom Konzept der Grundschrift überzeugen lassen." Das Kultusministerium gestattet den Schulen, die damit experimentiert haben, damit weiterzumachen.

Buchstaben müssen nicht alle verbunden sein

Der Grundschulverband will mit der Grundschrift explizit die Schreibschrift erhalten – nur die Schnörkel der Ausgangsschriften nicht. Brinkmann findet es auch sinnvoll, sich beim Lernen Notizen in

einer persönlichen, flüssigen Handschrift zu machen. Das unterstütze das Gedächtnis. Nur müssen ihrer Ansicht nach die Buchstaben dafür nicht alle verbunden werden. Vielschreibende Erwachsene setzten auch nach drei bis vier Buchstaben den Stift häufig kurz ab. Eine winzige Lücke entsteht in der Schrift. Untersuchungen zur Schreibmotorik bestätigten, dass dieses kurze Absetzen die Hand entlastet und ein flüssigeres Schreiben mit weniger Druck ermöglicht.

Brinkmann glaubt wie Funke, dass die Handschrift ein Stück Identität sein kann, wenn es gelingt, sie zu etwas Persönlichem zu machen. Dafür experimentierten Kinder und Jugendliche bewusst, bis

sie mit dem Ergebnis zufrieden seien. Die Ausgangsschriften seien jedoch genauso wenig persönliche Handschriften wie die Druckschrift. Denn hier schrieben die Kinder nur normierte Buchstaben ab. Danach bekämen sie dann keine Unterstützung mehr dabei, ihre eigene Handschrift zu entwickeln. Da sei also die Grundschrift im Vorteil.

Grundschrift für die Leistungsschwachen?

Allerdings müssen sich die Lehrer auch die Zeit dafür nehmen. Sie müssen die Buchstabenverbindungen zum Thema zu machen und üben. Es geht also nicht darum, die Zeit zum Schreiben lernen einzusparen, um sie dann zum Beispiel dafür zu nutzen, am Computer schreiben zu üben. 

Grundschriftvertreter und ihre Gegner behaupten gleichermaßen, den Kindern beizustehen, die sich mit dem Schreiben lernen schwer tun. Die Gegner der Grundschrift sagen, es brauche das konsequente normierte Schleifen- und Häkchen-Üben, um motorisch befähigt zu werden, eine flüssige Handschrift zu schreiben. Die leistungsschwachen  Schüler seien zudem überfordert damit, sich selbstständig für die Verbindungen zwischen den Buchstaben zu entscheiden. Brinkmann sagt: Die Unterstellung, die Kinder würden allein gelassen, geht am Grundschrift-Konzept vorbei.

 

[Lara Malberger]

Wir verlernen die Handschrift

Seit Jahrhunderten schreiben wir mit der Hand. Smartphone und Computer machen das überflüssig. Manche warnen nun davor, dass Kinder sich schlechter entwickeln. Zu Recht?

14. April 2018, 20:00 Uhr 320 Kommentare

Schreiben schult die Feinmotorik und fordert das ganze Gehirn.

Die Handschrift ist eine der größten kulturellen Errungenschaften der Menschheit: Dank ihr konnten Menschen ihr Wissen konservieren. Schrift ermöglichte es, komplexe Gedanken und Ideen unabhängig von Zeit und Raum an andere Menschen weiterzugeben. Und dank der Handschrift wissen wir bis heute, was Platon und Sokrates lehrten (Unter anderem, dass das Schreiben eine Bedrohung für das Gedächtnis der Menschen sei). Aber während derartige Gedanken früher auf Steintafeln, Papyrus und später auf Papier notiert wurden, löst sich die Schrift heute immer mehr

von ihrer physischen Grundlage. Heute schreiben und speichern wir vieles nur noch auf unseren Smartphones und Computern und laden es in die Cloud hoch. Immer seltener greifen wir zum Stift, immer häufiger tippen wir auf Displays und Tastaturen herum. Oft findet sich die Handschrift nur noch in Notizen oder auf Grußkarten.

Bildungsforscher sehen sie deshalb in höchster Gefahr. Und sie scheinen recht zu haben: Eine Umfrage unter 1.900 Lehrerinnen und Lehrern ergab, dass 30% aller Mädchen und 50% aller Jungen Probleme damit haben, flüssig Schreiben zu lernen. In der weiterführenden Schule seien gar 40 % der Schüler nicht in der Lage, eine halbe Stunde ohne Probleme durchzuschreiben. (Neuroscience and Education: Marquardt et al., 2016).

Die Lehrer wurden auch gefragt, was sie glauben, woran das liegt: Immerhin 53 % sahen die "fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation" als Grund. Aber sorgen Tablets in der Schule und WhatsApp-Nachrichten am Nachmittag wirklich dafür, dass Kinder nicht mehr richtig schreiben lernen? Dafür, dass eine uralte Kulturtechnik wie die Handschrift verloren geht? Und was bedeutet das für die Entwicklung der Kinder?

Keine Beweise dafür, dass die Digitalisierung Schuld ist

Wissenschaftliche Beweise dafür, dass die Digitalisierung die Ursache der Schreibprobleme ist, gibt es nicht. Die meisten Erkenntnisse beruhen auf Beobachtungen von Lehrern und Eltern. Eigentlich ist noch nicht einmal klar, ob es Schülern wirklich schwerer fällt als früher, Schreiben zu lernen, oder ob es ihnen schon immer schwergefallen ist. "Uns fehlen Vergleichswerte", gibt auch der Psychologe und Bewegungswissenschaftler Christian Marquardt zu, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigt und die Lehrerumfrage für das Schreibmotorik-Institut durchgeführt hat, einer Forschungseinrichtung, die sich vor allem für den Erhalt der Handschrift einsetzt.

Auch der Neurologe Christian Kell ist skeptisch: "Wenn die Befragten schon vorher eine gefestigte Meinung haben, kann das die Ergebnisse verzerren." Trotzdem glaubt Kell, der an der Uni Frankfurt zum Thema Sprachverarbeitung forscht, an den Wert der Handschrift. "Schreiben ist eine Meisterleistung des Gehirns", sagt er. Schon das Lesen sei eine hochkomplexe Fertigkeit. Wir lernen, einzelne Buchstaben mit Lauten in Verbindung zu bringen und schließlich, diese zu Worten zu verbinden. Mit der Zeit verliert der einzelne Buchstabe an Bedeutung, wir scannen ganze Wörter auf einen Blick und interpretieren sie im Kontext des Satzes: „“Acuh wnen Bchustben vetruasht snid köenenn wri desien Staz zmu Bspieel preobmllos lseen“„. Das liegt unter anderem an einem Areal im visuellen System unseres Hirns. Es kann ganze Worte spezifisch erkennen und steht im regen Austausch mit dem Sprachsystem.

Und beim Schreiben mit der Hand passiert noch mehr als beim Lesen: Wir wandeln einen Laut oder ein Wort in eine feine, sehr präzise Handbewegung um. Hier kommt das motorische System des Hirns ins Spiel, das unsere Bewegungen steuert. Wer schreibt, aktiviert also verschiedenste Areale seines Gehirns.

Schreiben ist ein evolutionäres Nebenprodukt

Dabei sei die Veranlagungen zum Schreiben zwar angeboren, erklärt Christian Kell, anders als das Sprechen sei das Schreiben aber wenig intuitiv. Deshalb müssten wir es auch so mühsam erlernen. Etwas, das sich evolutionär erklären lasse: Das Sprechen hat sich als einzelne Fähigkeit entwickelt, wir Menschen sprechen seit mindestens 50.000 bis 100.000 Jahren, vielleicht sogar seit einer halben Million Jahren (Frontiers in Psychology: Dediu & Levinson, 2013). Das Schreiben hingegen ist evolutionär eher ein Nebenprodukt besserer motorischer Fähigkeiten, wie sie beispielsweise auch beim Herstellen von Werkzeugen gebraucht wurden. "Die Fähigkeit zu schreiben ist deshalb noch nicht derart stark in unser Erbgut eingebaut wie das Sprechen", sagt Kell.

Schriftzeichen kennen wir erst seit 5.000 bis 6.000 Jahren: Damals entwickelten die Sumerer im heutigen Irak die sumerische Keilschrift. Eine Bilderschrift mit knapp 2.000 Zeichen, die dazu diente, den Handel zu verwalten. Die Sumerer ritzten sie mit Holzstäbchen in Lehmplatten. Über die Jahrhunderte entwickelte sich aus dieser Schrift unser heutiges Alphabet.

Während sich das Sprechen von Anfang an alle Menschen aneigneten, war das Schreiben lange Zeit nur einer Minderheit vorbehalten. Nur Händler, Adlige und Geistliche lernten es. Auch in Deutschland ist es erst knapp 100 Jahre her, dass wirklich jeder das Schreiben lernt: 1919 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Noch heute können 7,5 Millionen Menschen in Deutschland nicht oder nur unzureichend lesen und schreiben. Weltweit sind es knapp 750 Millionen. Kell glaubt deshalb: "Es würde den Menschen sicher nicht von Grund auf verändern, wenn er nicht mehr mit der Hand schreiben würde."

 

 

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