Vanilla planifolia Anhang

 

[Robert Müntz]

Meine Reise nach Madagaskar im Jahr 2000 brachte mich auch auf die Insel Saint Marie, die tatsächlich DIE Gewürzinsel schlechthin hist. Der erste Eindruck bei der Ankunft im Hafen ist ein sehr intensiver: Die Gerüche von Kaffe, Zimt, Vanille und vor allem Gewürznelken drängen sich auf. Assoziationen mit dem Apfelkompott unserer heimischen Küche, verfeinert mit Zitrone und Gewürznelken werden lebendig.

Vanille stammt ursprünglich von Mexiko und wird heute von den Hauptproduzenten Madagaskar, die Komoren und Réunion angebaut. Sie haben sich 1964 zur „Alliance de la Vanille" zusammengeschlossen und liefern 80% der Welthandelsproduktion. Sie wird weiters noch auf Java, Ceylon, Réunion, Mauritius, Seyschellen, Komoren Ostafrika und Tahiti kultiviert.

Sie ist die einzige der zahlreichen Orchideenarten, die dem Mensch als Nahrungsmittel dient. Ihr Name ist spanischen Ursprungs und bedeutet Schötchen oder Hülschen.

Die Befruchtung muß mangels der natürlichen Bestäuber (Kolibris, langrüsselige Insekten) künstlich erfolgen. Übrigens - Vanille ist ein wichtiger Bestandteil von Coca-Cola.

Auffallend ist in der Gruppe der Vanillinae das Vorkommen vieler saprophytisch wachsender Arten, also solcher Pflanzen, die durch den Abbau toter Organismen frei werdende organische Stoffe für ihren Aufbau assimilieren.

Vanilla besitzt eine weitere Eigenart, und zwar entwickeln einige Arten (Vanilla aphylla Bl., Vanilla humbolti u.a.) keine Blätter, sondern assimilieren mit den schlanken Stämmen und teilweise mit den stark ausgebildeten Luftwurzeln.

Beschreibung:

Eine Kletterpflanze mit fleischigen Stängeln und Luftwurzeln. Blätter fast zweizeilig abwechselnd, länglich oval, kurz gestielt. Blüten gründlich, traubenartig angeordnet.

Die Blüten sind etwa 10 cm groß; aus den weißlichgrünen Petalen und Sepalen ragt die gelblichgrüne Lippe hervor, die einen hochgelben Schlundfleck trägt.  

Die Frucht ist eine einhäutige, bei der Reife gelbe Kapsel. Wird befruchtet von Kolibries. Zur Vermehrung wird ein Rankenstück mit zwei Vegetationsknoten samt Blättern abgeschnitten. Das untere Blatt wird auf die Hälfte gekürzt, der gesamte untere Teil wird in lockeres Erdreich eingegraben, der oberirdische Teil wird an einer Kletterhilfe

mit einem Bindfaden vorsichtig befestigt.

Anbau

Die madegassische Anbauform von Vanille ist für unsere Augen merkwürdig anzusehen: In einer Art Gehege mit einem etwa 1,50cm hohem dichten Naturzaun stehen die Orchideen in Reih und Glied in einem Abstand von ca 2m. Jede Orchidee rankt sich an einer Stange mit einem einzigen Trieb empor und je nach Vegetationsperiode sind

die unscheinbar weißgrünen Blüten oder Schoten zu sehen. Es werden einige Blüten entfernt, um wenige, aber um so kräftigere Früchte zu erzielen. Zur Blütezeit müssen

die Pflanzen täglich auf ihren Zustand überprüft werden, damit der ideale Zeitpunkt für die künstliche Bestäubung durch die menschliche Hand nicht versäumt wird.

In Kulturen blühen und fruchten Vanille-Pflanzen erst nach etwa 8-10 Jahren an starken Trieben.

Gewinnung

Die grünen, geruch- und geschmacklosen Vanillefrüchte werden geerntet sobald sie beginnen gelb zu werden. Die schwarzbraune Farbe und das charakteristische Vanillearoma entstehen erst während eines umständlichen Fermentationsprozesses.

Bei der aus Madagaskar stammenden Bourbon-Vanille geht man dafür folgender maßen vor:

a)       Vernichtung der Keimfähigkeit durch 1 bis 2 Min. Eintauchen in Wasser von 60° C bis 70° C.

b)       Fermentation: Die noch heißen Früchte werden in wollene Decken eingerollt und in besonderen Kisten über Nacht einem Schwitzprozess unterworfen. Während der

            wärmsten Tageszeit (Ca. 10 bis 16h) werden sie an der Sonne ausgebreitet. Diese Behandlung wird 4 bis 8 Tage wiederholt, bis die Früchte ihre dunkelbraune Farbe

            angenommen haben.

c)       Das Trocknen der fermentierten Früchte in hellen, gut belüfteten Räumen dauert -je nach Witterungsbedingungen- 2 bis 3 Monate. Sobald die Früchte eine ganz

            bestimmte Geschmeidigkeit             aufweisen, werden sie zum

d)       Konditionieren in spezielle Kästen gebracht, in denen nach ca 2 bis 3 Monaten das Vanillearoma auftritt.

In jedem der 4 Präparationsabschnitte finden wesentliche enzymatische Reaktionen zur Ausbildung des Aromas statt, hauptsächlich während des Schwitzens, jedoch auch während des Konditionierens, d.h. in relativ wasserarmem Zustand. In diesem können noch Lagertemperatur, Lichteinwirkung und Sauerstoffgehalt der Atmosphäre die Aromabildung unterschiedlich beeinflussen. Während dieser Behandlung sinkt ihr Gewicht auf ein Viertel des ursprünglichen; sie erhalten dabei ihre dunkelbraune Farbe und überziehen sich mit einem schimmelähnlichen Belag feinster Vanillin-Kristalle.

Inhaltsstoffe

1,5 - 3% Vanillin, das sich erst durch Spaltung des Vanilloids (Vanillin-b-glucosid) während des Fermentationsprozesses bildet. Die Qualität der Vanillefrüchte beruht jedoch nicht allein auf ihrem Vanillingehalt. Weiters finden sich in geringer Menge Piperonal, Anaialkohol, Anisaldehyd, Anissäure. Das charakteristische Vanille-Aroma beruht neben dem Vanillingehalt auf dem Vorkommen zahlreicher Begleitstoffe, z.B. Vanillylalkohol und Zimtsäureester, die z.T nur in sehr geringen Mengen vorliegen.

 

Homöopathie

In William Boerickes Materia Medica aus dem Jahr 1927 findet man zu Vanilla aromatica folgenden Wirkungen:

„Eine ausgeprägte Hautreizung, wie sie durch den milchigen Saft des Sumach hervorgerufen wird; manchmal durch den Umgang mit den Schoten verursacht, auch durch lokale Anwendung eines Vanille-Auszugs im Haarwaschmittel“. Es wird angenommen, daß Vanille Gehirn und sexuelle Neigungen anregt. Nicht den synthetischen Vanilleextrakt verwenden. Bei Menschen, die mit Vanille arbeiten, werden verschiedenartige Beschwerden des Nervensystems und Blutkreislaufs erzeugt. Es ist ein menstruationsförderndes Mittel und ein Aphrodisiakum. Verlängert Menses.

Dosierung. - Die 6. bis 30. Potenz haben sich bei Hauterkrankungen als heilsam erwiesen."

Wm. Leggett schreibt 1914 im Homeopathic Recorder: „Vanilla as a Skin Irritant"

That Primula obconica and Rhus toxicodendron cause a very annoying form of dermatitis is well known, but less generally known is the fact that vanilla essence may,

in certain individuals, cause equally troublesome symptoms.

A perfectly healthy patient of mine, of an inquiring turn of mind, liking the smell of vanilla, added about one-half ounce of the essence to about 5 ounces of a hair lotion consisting of quinine, spirits of lavender, and rectified spirit (which he was in the habit of using). About 24 hours after its application intense itching of the scalp occurred, which gradually extended over the forehead, behind the ears, and down the neck. It did nit at first strike him that vanilla was to blame, and for a day he kept rubbing it

in the hope of „cooling" the part. as he expressed it. The result was that his eyes were opened metaphorically to the cause although practically they were almost closed

by the swelling which followed. Not content with this experience he performed a control experiment on the front of the forearm, because, as he said, it was difficult to

believe that vanilla, which he had frequently swallowed in the form of a flavoring agent with nothing but agreeable results, could irritate

the skin to such an extent without causing disastrous results to the more delicate mucous membranes. 24 hours afterwards the same intolerable itching occurred on the forearm with an eruption which, from his description, seems to have been of a close papular nature with no reddening of the skin. This soon faded, only to return every five or six hours, as did the eruption on the scalp and face.

This state of affairs continued for ten days in spite of constant washing with soft water and soap and other domestic remedies. He said he was compelled to seek advice,

as the itching remained intolerable at night an prevented sleep. When I saw him there were many excoriations an the scalp and face, and more on the arms, due to the scratching, and a papular eruption over the affected parts. There was still some oedema, but it evidently was much less than it had been, and he seemed do be getting well.

The condition was probably due to same alkaloid in the vanilla, and knowing that mercury iodide percipitaters most of the alkaloids.

I prescribed a lotion of rectified spirit and mercury iodide, 1 in 2000. This seemed to give relief, and the itching disappeared in two or three days.

The interesting points are:

·         The long time -14 days- the symptoms lasted, in spite of washing;

·         The intervals of freedom from irritation -about 6 hours- when it is remembered that the poison was purely irritant and not due to micro-organism;

·         the fact, as the patient points out, that the vanilla could be taken by the mouth without producing any irritation when the skin was so susceptible.

I am presuming that the irritation was not due to the action of micro-organisms owing to the fact the vanilla had been suspended in a strong spirit for over a year, and

there is no evidence that the irritation was merely of a mechanical nature.

Volksmedizin

Die Schoten werden auch als Bestandteil von aphrodisierenden „Liebestränken" verwendet, wofür folgende Rezeptur angegeben werden kann:

1 Flasche Weißwein (Sorte nach Geschmack)

28g Vanilleschoten

28g Zimtstangen

28g Rhabarberwurzel

28g Alraunenwurzel

Die Zutaten werden grob zerkleinert und für zwei Wochen mit Wein angesetzt. Möglichst täglich einmal schütteln. Dann wird die Flüssigkeit durch ein Sieb abgegossen und eventuell mit etwas Johanniskraut (Hyper.) oder Safran (Croc-s.) gefärbt; auch Süßen mit Honig (am besten in Verbindung mit Gelee Royal) ist möglich. Die Dosierung ist selbst herauszufinden.

Die venezoelanischen Chimó-Indianer verwenden Vanille als Zusatz für Tabak-Mischungen

In Madagaskar wird Cafe de Vanille serviert: Kaffeepulver wird gemeinsam mit zerkleinerten Vanilleschoten gekocht und abgeseiht, Zucker und Milch nach Geschmack.

 

[Stephanie Nile]

https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=463874600331849&id=134760739909905

Mind: mental power increased. Blissful feeling. Meditating deeply.

Sensitive. Horrible things affect her.

Tidy. Cleanliness, desires.

Joy in nature in.

Loves perfection and is quick to express her displeasure ...

Generous. Offended easily. Reproaching others.

A sensitive person, Can be upset by scary movies.

Ailments from emotional excitement such as bad news, worries, shock.

There is great emptiness and grief over separation from loved ones, the sensation of being excluded and left out ...

Ailments from death of love ones.

Yearns for kind people and love.

Grief, past and future. Forsaken feeling.

Estranged from self from, from society

Delusions, emptiness of. Unreal, everything seems.

Indifference. Everything seems dead. Joyless.

Communicative vs. Expressing cannot oneself

Terror. Fear sudden (panic attacks). Clinging: Wants to be carried.

Male/Female genitalia: sexual desire increased (or decreased).

Love - feelings coming from her. Exalted love.

Sexual thoughts intrude.

Therapeutics: Anemia. Similars: Tritic-vg.

Podo.: Ailments from death of loved ones, joyless, and reproaching others, alongside exalted love and communicativeness.

 

Cross kingdom comparison

a. How they cope with the situation

Love of nature suggests an artistic appreciation which is a feature of the Silver Series.

Vanilla has the feeling that the good times are over, very much like Antimony, which is a Stage 15 remedy. Like Arsenicum, know things are on the decline.

b. The expression and its modalities

Relationships and belonging are important issue for Vanilla and when they fail are full of grief. These are issues for both Muriaticums and Sulphuricums.

She is philosophical like the Sulphuricums but panic attacks are common in the Stage 17 remedies. Panics because feeling disconnected and unreal and wants

to cling to someone.

c. The mineral-salt combination

The Stage 15, Silver Series remedy. The combination of Ant-met. + Muriaticum?  (Ant-m.) would have similar characteristics to Vanilla...

"I feel afraid of disconnection and need your support and love".

 

Proving of Vanilla at C 18 = the closest approximation to the Flower Remedy Potencies. C 18 is an emotional potency. Going up to C 30 brings out more physical.

Before I took it I felt very emotional (reproachful/critical/sad) about being left alone in the house, "Its not fair, nobody bothers about ME". (Theme: Left out excluded).

Is it working? Am I actually getting the 'flavour' of Vanille? I am more sensitive to lighting actually. I am a bit more emotionally 'aware' - and becoming nostalgic too.

I also felt the sensuality of the remedy coming through a little.

I went through a patch of irritability - I kept to myself, the feeling was, that if I got involved in an argument I would be taking no prisoners.

The emotions gradually evaporated. Went to bed feeling quite peaceful and slept deeply till 5 h., when I woke out a “Daliesque?” dream with strange, woolly, symbolic shapes, representing immovable problems, emerging from a barren landscape.

Next day I felt the 'I must be getting on with something' feeling that other provers have recorded. It was a slightly unpleasant 'nervous' sensation.

I also noticed stinging sensations in my fingers (hopefully curative).

It seems to help restore a happy heart, especially self-doubts that arose from harsh criticism. I do not have to be such a perfectionist anymore (Theme: Perfectionism).

I'm Ok. I'll do as I am! (Curative). Perfectionism suggest some effort to 'cover-up faults' ... So Miasm = Sycotic?

Conclusion, Vanil. helps to put own happiness first by smoothing out any roughness. Words like 'Bland' or 'Normal' give the wrong impression. 'Smooth' would be a much better description. Its soft and smooth qualities noticeably > rough feelings. Vanil. is a very nice complimentary to the action of Sepia.

 

[Friedrich/Friedrich]

Vanilla planifolia ist die einzige unter den mehr als 30.000 weltweit verbreiteten Orchideenarten, die eine genießbare Frucht hervorbringt. Stellt für

ihr Wachstum hohe Ansprüche an ihre Umgebung, klettert in die Baumkronen tropischer Wälder empor und hält sich dort mit Haftwurzeln fest.

Die Pflanze bildet meterlange Lianen, lange elliptische Blätter, gelblichweiße duftende Blüten und letztendlich die begehrten Kapselfrüchte,

die bis zu 30 cm langen Vanillestangen, die büschelweise in den Blattachseln hängen und an Bohnen erinnern. Diese gedankliche Verknüpfung ist

vermutlich der Grund, weshalb die Früchte im Volksmund fälschlicherweise als Schoten bezeichnet werden. Die Gcwürzvanille ist in Mexiko beheimatet, wo sie im Reich

der Azteken von der privilegierten Gcsellschaftsschicht zum Aromatisieren von Kakao verwendet wurde. Ausgelöst durch die Eroberungszüge der Spanier gelangte mit den Kakaobohnen auch Vanille nach Europa, wo sie wertvoller als Gold gehandelt wurde. So wurde heiße Schokolade mit Vanille zum elitären Modegetränk an den Fürstenhöfen. Dort entdeckte man schließlich auch die erotisierende Wirkung der verführerischen Vanille und setzte sie als Aphrodisiakum ein.

Mittlerweile wird die Gewürzvanille in den gesamten Tropen auf komplizierte und aufwändige Weise kultiviert. Die Vanilleblüten können nur

dort auf natürlichem Weg bestäubt werden, wo es eine bestimmte Bienenart und Kolibris gibt, wie beispielsweise in Mexiko, dem ursprünglichen

Herkunftsland der Vanille. In den Kulturen müssen die Blüten in zeitraubender Präzisionsarbeit von Hand bestäubt wurden. Die Vanillestangen

werden geerntet, wenn sie vor der Reife stehen, also noch grün und ohne Aroma sind, und unterliegen danach einem komplizierten Trocknungs-

und Fermentationsprozess, dessen zahlreiche und unterschiedliche Arbeitsgänge eine Veredelung bewirken und gleichzeitig einen Schädlingsbefall verhindern. Erst durch die diversen Konzentrierungs-, Schrumpfungs- und Lagerungsvorgänge entsteht die glänzend schwarzbraune Färbung der Vanillestangen und ihr unvergleichlicher Duft.

 

AUFFALLENDES WÄHREND DER PRÜFUNG

Während des Priifungszeitraums ergab sich eine Häufung von Todesfällen im Familien- und Bekanntenkreis der Probanden. Zeitgleich forderte

aber auch das Weltgeschehen seine Todesopfer und stürzte die Menschen in einen kollektiven Schock. Während bei der Bluttat eines Amokschützen

in Erfurt 17 Menschen ums Leben kamen, kostete der Absturz einer Aeroflottmaschine am Bodensee zahlreichen Kindern das Leben.

EIGENE ERFAHRUNGEN RUND UM DIE PRÜFUNG

Eigentlich hatten wir die Absicht, zu diesem Zeitpunkt ein anderes Arzneimittel zu prüfen.

Jedoch liegt im Charakter von Vanilla offenbar eine so starke Anziehungskraft und Unumgänglichkeit, dass wir uns ab dem Moment nicht mehr entziehen konnten, als wir dieses Tropengewächs erstmalig für eine künftige Arzneimittelprüfung ins Auge gefasst hatten. Immer wieder wehte uns von irgendwoher ein verlockender und faszinierender Hauch von Vanillearoma entgegen. Wir fanden den betörenden und drogenartigen Vanillegeruch so häufig in Kerzen, Seifen, Duftsäckchen und Lampen, dass wir uns davon einnebeln und zuletzt ganz verführen ließen.

Die Vanille überrollte uns förmlich mit ihrem übermächtigen Aufforderungscharakter, weshalb es kaum möglich war, diesen Reizen zu trotzen.

Es war beinahe wie ein Zwang, endlich aufzudecken, was sich wohl hinter solch einlullendem und süchtig machendem Wohlgeruch zu verbergen suchte.

Wie durch einen Magneten wurden wir während des ganzen Prüfungszeitraums immer wieder von unseren Zielen und Plansetzungen abgezogen.

Konsequentes und strukturiertes Arbeiten war schwierig, denn wir fühlten uns häufig in nebulöse Zustände hineinversetzt. Wir wurden von Schwere, Lähmung und Betäubung befallen, so dass die Arbeit überaus schleppend voranging oder völlig stagnierte und abgebrochen wurde. Auf diese Weise hielten wir es für unmöglich, irgendwann ins Zentrum des Charakters vordringen zu können. Die Umstände erschienen uns gleichsam wie beim Erforschen des Inneren einer Pyramide, wo für die Atmung zu wenig Sauerstoff vorhanden ist. Je tiefer wir eindrangen, desto benebelter fühlten wir uns. Um den Charakter von Vanilla zu erspüren und zu erkennen, bedurfte es einer großen Anstrengung zur Überwindung der geistigen Lähmungstendenzen. Daher mussten wir unsere ganze Durchsetzungskraft und Entschlossenheit aufbieten, um uns nicht komplett aus der Bahn werfen zu lassen und das Begonnene auch konsequent zu Ende zu führen. Diese Aufgabe benötigte sowohl ausreichend Zeit als auch ein gehöriges Maß an Selbsterkenntnis. Somit erschien uns die Durchführung der Aufgabe mitunter ähnlich schwer wie das Lösen des Gordischen Knotens.

Aber so wie die Bearbeitung der Arzneimittelprüfung ein Kraftakt war, so ist auch das Leben im Vanilla-Zustand eine einzige Zerreißprobe.

Bereits eine Stunde nach dem erstmaligen Bearbeiten der Prüfungsaufzeichnungen lag beim Spaziergang ein toter Fuchs am Straßenrand.

Im Wald, wo sonst immerzu ein Bach plätscherte und gurgelte, herrschte aufgrund von Wassermangel geradezu eine Totenstille. Egal, wo wir in

dieser Zeit hinkamen, überall war es wie ausgestorben. Beinahe jeder aufgesuchte Ort schien verlassen, alles blieb still und stumm. Es war nicht nur menschenleer, sondern auch

der übliche Geräuschpegel existierte nicht. Kein Motorengeräusch, kein Hundegebell, kein Gackern, Krähen, Sehnattern. All das mutete nicht wie eine friedliche Idylle an, sondern wirkte eher geisterhaft und unheimlich. War es die Stunde Null? Befanden wir uns kurz vor oder schon nach der Apokalypse? War jegliche Existenz plötzlich erloschen? Es wurde in uns jedenfalls der Impuls geweckt, diese Plätze tunligst zu meiden und nach Hause zu flüchten.

Am zweiten Prüfungstag erreichte uns eine schreckliche Nachricht. Der 7-jährige Sohn einer Mitprüferin, der in seine bisher aktivste Lebensphase

eingetreten war und sich noch nie zuvor so auffallend gut gefühlt hatte, war plötzlich an einer akuten Krankheit gestorben. Diese Tatsache versetzte uns in einen seelischen Schock, und wir verstanden die Welt nicht mehr. Gegen diesen tragischen und überaus schmerzlichen Verlust waren die anderen Auflösungserscheinungen in Praxis und Haushalt relativ harmlos.

Die Materie um uns herum schien sich in nichts aufzulösen oder zumindest den Geist aufzugeben. Entweder die Dinge waren kurioserweise nicht mehr vorhanden oder sie gingen nacheinander allesamt kaputt. Stets waren irgendwelche Verluste und Einbußen zu beklagen. Einige Tage nach Beginn der Charakterisierungsarbeit an der Vanilla-Prüfung zerbrach die Verfasserin durch eine kleine Unachtsamkeit eine Marmorplatte, die zum bevorstehenden Einbau termingerecht angeliefert worden war.

Dagegen war das versehentliche Wegwerfen neuer Zeitschriften und das Aufbewahren der alten eher unspektakulär, obwohl auch das von Benebelung und geistigen Auflösungserscheinungen zeugte.

Unsere Telefonleitungen waren phasenweise wie tot, während die Praxis in Intervallen lahmgelegt schien und auszusterben drohte. Wer sich meldete, waren sogenannte „Kartei-Leichen", Patienten, die uns seit Jahren nicht mehr konsultiert hatten und deren Akten sich längst im Archiv befanden.

Diese Kontakte waren bereits abgestorben und ließen sich nicht ohne weiteres durch eine telefonische Konsultation wiederbeleben. Zwischen den letzten Informationen in der Kartei und dem aktuellen Geschehen gab es einen gravierenden Schnitt, eine Dunkelzone, die durch eine gründliche Neu-Anamnese beleuchtet werden musste.

Im aktuellen Krankheitsgeschehen der Patienten zeigte sich allmählich eine Konzentration auf ganz bestimmte Beschwerden. So häuften sich die Klagen von Patientinnen mit Hormonspiralen und Hormonimplantaten. Auch die „Pille danach" sorgte für Furore und für entsprechend langwierige Beeinträchtigungen. All diese Präparate richteten sich eindeutig gegen neu entstehendes Leben und sorgten für künstliche Totenstille im Unterleib.

Als Kuriosum zeigten sich die Wiederholungen von seltenen Erscheinungen und Vorkommnissen. Erklärungen, Namen, Bezeichnungen oder Objekte, die sonst selten erwähnt wurden oder kaum in Erscheinung traten, zeigten sich kurz hintereinander, oft noch am selben Tag, ein 2es Mal.

Diese Art der Wiederholungen und des doppelten Auftretens sorgte bei uns für eine gewisse Ratlosigkeit oder Irritation. Beispielsweise lasen wir in einem Naturführer erstmals über einen Tagfalter namens Taubenschwänzchen, und einige Stunden danach erklärte uns die Nachbarin, der vor uns scheinbar in der Luft stehende Schmetterling mit dem rasenden Flügelschlag sei ein Taubenschwänzchen. Wir hörten in den Nachrichten, dass wegen Niedrigwasser versenkte Panzer aus dem letzten Weltkrieg in der Donau sichtbar geworden seien und entdeckten wenige Minuten danach gleich um die Ecke einen Panzer, der sich zu unserem Befremden am Straßenrand postiert hatte.

Am Vormittag eröffnete uns beispielsweise das Lexikon den Einblick: Vanilla = vainilla, spanische Verkleinerungsform von Vaina (Hülse, Schale, Scheide) aus lat. vagina.

Am Nachmittag erschütterte uns diesbezüglich eine plötzliche Erkenntnis. Ein farbiges Patientenmädchen, mit getrennt lebenden Eltern, weißer Mutter und schwarzem Vater, sollte auf Drohungen des Vaters hin (angeblich nur zu Besuchszwecken) ganz allein nach Afrika zur völlig unbekannten Familie des Vaters fliegen. Sofort wurde uns klar, dass das Mädchen dort noch vor ihrer Geschlechtsreife beschnitten werden sollte. Auf dem schwarzen Kontinent wird die Beschneidung der Mädchen noch in vielen Ländern praktiziert, wobei die Klitoris und die kleinen Schamlippen abgeschnitten und der größte Teil der Scheide verschlossen wird. Die meisten Mädchen leiden danach an furchtbaren Schmerzen, von denen sie häufig in die Depression oder in den Wahnsinn getrieben werden, aber auch der Tod ist nach diesem Ritual keine Seltenheit.

Um das Mysterium von Vanilla zu lüften und die Tiefe des Charakters zu ergründen, ist es für jeden unerlässlich, die Prüfungsaufzeichnungen über

Gemüt und Träume zu lesen.

DIE PERSÖNLICHKEIT

Die Vanilla-Person wirkt ätherisch, durchlässig und hat dadurch das Problem, dass sie nicht deutlich genug wahrgenommen wird. Wirkt unauffällig und wird dadurch zeitweise leicht übersehen und Übergängen. Es scheint, als würde sie am Leben zeitweise genauso vorübergehen, wie sie zwischendurch auch knapp am Tod vorbeischrammt. Als sei sie nicht vorhanden, wird sie nicht gegrüßt, an Treffpunkten nicht entdeckt oder von fremden Menschen beinahe über den Haufen gefahren. Nicht nur, dass sie selbst phasenweise für andere inexistent ist, auch ihre Sachen verschwinden, als hätte es sie nie gegeben. Das führt zu Frust, Gefühlen von Einsamkeit und Isolierung.

Die Vanilla-Person ist empfindlich und zeigt eine starke Beeindruckbarkeit auf äußere Einflüsse. Gerade deswegen ist sie zu großer Freude und Euphorie, aber auch zu tiefem Schmerz fähig. Aufgrund ihrer Sensibilität wird sie von schrecklichen Ereignissen in ihrem nahen und weiten Umfeld besonders tief und nachhaltig ergriffen.

Im normalen Alltag ist sie ungeduldig, nervös, genervt, aufgedreht und leicht gereizt. Schnell ist sie durch Äußerlichkeiten aus ihrem Gleichgewicht zu bringen und verhält sich launisch und missmutig. Durch eine leichte Kritik ist sie schnell verärgert, bockig oder beleidigt. Wenn sie sich verletzt fühlt, zieht sie sich zurück, ist wortkarg, abweisend und ekelhaft. Entweder sie bricht in Tränen aus oder aber sie wird rebellisch und aggressiv. Dann schimpft und flucht sie und würde am liebsten um sich treten oder zuschlagen.

Wenn sie sich im tiefsten Stadium befindet, sieht sie faltig und auch trotz jugendlichem Alter schon betagt und grau aus. Sie wirkt kummervoll, überarbeitet oder gestresst.

Ihr Gesicht ist blass, verspannt, spitzig und eingefallen. Sie ist ernst, nachdenklich und schweigsam. Passend zu ihrem freudlosen Zustand ist sie dunkel, blau, lila oder schwarz gekleidet. Weiß trägt sie eher während ihrer Hochphase, aber sie kann auch während der Trauer Weiß tragen, weil sie in ihrem tiefen Kummer oft keinerlei Bezug mehr zu Äußerlichkeiten hat.

DROGENWIRKUNG - EXTREME HÖHEN UND TIEFEN

Der Kontrast der hellen, leuchtenden Vanilleblüte und schwarzen Fruchtkapsel wird auch im Charakter des Arzneimittels deutlich. Der Vanilla-Charakter kennt nur Extreme und beinhaltet kein Spektrum. Buntheit und Farben fehlen sowohl konkret als auch symbolisch, sind völlig aus dem Leben genommen, als existierten sie gar nicht. So hat die Vanilla-Person ein Faible für die Farbe Weiß, aber auch eine ebenso starke Affinität zu allem Schwarzen und Dunklen. Weiß und Schwarz sind keine Farben. Weiß ist identisch mit Licht, während Schwarz das absolute Fehlen von Licht symbolisiert.

Schwarz steht für das Nicht-Sichtbare, das Reich der Finsternis, und es ist die Farbe der Macht. In vorchristlicher Zeit galt Schwarz als Lebenssymbol,

während es in China die Farbe der Erlösung versinnbildlichte und das Ende eines Zyklus anzeigte, jene Stufe, die der Wiedergeburt vorausgeht.

Im extremen Arzneimittelbild von Vanilla begegnen sich Licht und Dunkelheit in einer ungeheuren Durchdringlichkeit. Die Schwarz-Weiß-Thematik tritt aber auch in der typischen Drogenwirkung von Vanilla zutage. Zeigten sich die Prüfer zuerst noch voller Euphorie, so sackten sie plötzlich ab in ein dunkles Loch. Zuerst high, in begeisterter Hochstimmung, dann down, ganz tief unten auf dem seelischen Tiefststand. Um die ersehnten euphorischen Phasen zu reproduzieren oder im seelischen Tief die Sinne zu betäuben, neigt die Vanilla-Person zu einem Suchtverhalten. Sie verlangt nach Stimulanzien, meist nach Alkohol, um das Bewusstsein zu verändern und der harten Realität zu entfliehen.

Auch der Film „Vanilla-Sky" zeigt ein Pendeln zwischen Illusion und Realität bis zum Wahnsinn.

Die Drogenwirkung von Vanilla ist zunächst überschäumend. Die Vanilla-Person hat die Vision, als ob alle Vorstellungen, Sehnsüchte und Wünsche von selbst ihrer Erfüllung und Vollendung zueilten. Sie fühlt sich, als ob sie eine leuchtende Kristallkugel in sich hätte. Eine Welt voller Schönheit und Harmonie lädt zum Genießen ein. Die Blumen sind herrlich, die Wolken wunderbar, der Vollmond phantastisch. Die Faszination der Natur führt zu einer überquellenden Begeisterung. Die Vanilla-Person ist positiv beeindruckt und überglücklich. Euphorisch, überdreht und sprudelnd vor Freude beobachtet sie zuckende Blitze am Himmel oder tanzende Schmetterlinge im Sonnenschein. Voller Optimismus nimmt sie Geschenke, Anerkennungen und Danksagungen entgegen. In solchen Momenten wünscht sie sich nur noch, dass auch alle anderen Menschen diese Freude und dieses endlose Glück erleben mögen.

Die Kehrseite jedoch sieht so aus, dass der Vanilla-Person jegliche Anerkennung verweigert wird. Sie bekommt nie das, was ihr zusteht oder was

sie erwartet. Andere bleiben ihr alles schuldig, Anerkennung, Dank und nicht selten auch Geld. Da nach ihrem Ermessen nichts zurückfließt, ist die

Situation unbefriedigend. Alle Quellen versiegen, alle Kreisläufe sind unterbrochen. Sie fühlt sich ausgenützt, hat das Gefühl, dass andere sich ihrer

bedienen und sie missbrauchen. Alles, was sie an Resonanz empfindet, ist Undankbarkeit, Unverständnis oder allenfalls noch Gleichgültigkeit.

Der Verlust der Illusionen tritt meist ganz plötzlich ein. Dann fühlt sich die Vanilla-Person am Rande eines Abgrunds, erschüttert von einem

wahnsinnigen seelischen Schmerz. Schlagartig fühlt sie sich vom Strom des Lebens und von bisher vertrauten Personen und Dingen abgeschnitten. Sein oder Nichtsein ist dann keine philosophische Frage mehr, sondern wird zur knallharten Realität. Wenngleich der Alltag der Vanilla-Person nicht solche spektakulären und dramatischen Auswirkungen kennt, so zeichnet sich doch darin ein ähnliches Bild ab. Während die Vanilla-Person einmal intensiv wahrgenommen wird, scheint sie beim nächsten Mal für andere überhaupt nicht zu existieren.

Die Prüfer erlebten Dasein und Nicht-Dasein nicht nur auf emotionalem Gebiet, sondern mitunter auch auf einer sehr profanen und alltäglichen Ebene, indem beispielsweise immer wieder die Stromzufuhr unterbrochen war. Und wie wichtig der Strom für den Haushalt oder für das Büro ist, wird erst bei seinem Fehlen vorstellbar und voll erlebbar. Strom bedeutet Energie, Fließen und Leben, während sein Fehlen uns Stillstand, Lahmlegung, Erstarrung oder Tod vermittelt.

Ein oft abruptes einschneidendes Erlebnis schlägt eine tiefe Schneise der Verwüstung in das Leben der Vanilla-Person. Die Krise ist so gewaltig, dass die Existenz der Vanilla-Person auf des Messers Schneide steht. So entscheidet sich tatsächlich, welche Wendung eintreten wird - Tod oder Leben. Das zeitweilige, aber doch totale Abschneiden vom Lebensfluss sorgt dafür, dass nach dem Überstehen der schwierigen Situation und nach einer gewissen zeitlichen Distanz mit Sicherheit von einem wichtigen Lebensabschnitt gesprochen werden wird. Die Vanilla-Person glaubt, dass sie im Leben ziemlich schlecht abschneidet, denn sie fühlt sich durch die Schärfe kantiger Ereignisse beschnitten und zurechtgestutzt. Ihr Leben wird verstümmelt, ihre Realität wird zu einem bedrückenden Albtraum, und übrig bleibt der amputierte Stumpf eines ungeliebten Daseins, mit dem sie sich nur ganz schwer arrangieren kann.

Nach den zuvor geschilderten belastenden Zuständen von anhaltender Überforderung und schwer auflösbarer seelischer Beeinträchtigung, erübrigt sich der Gedanke, potenziertes Vanilla als Droge einzunehmen, um eventuell ekstatische und halluzinationsartige Erscheinungen hervorzurufen.

Nach der ersehnten angenehmen Erstwirkung tritt zwangsläufig die ernüchternde und tiefgehende Zweitwirkung ein, die sich auf verdrängte, abgespaltene, schmerzhafte und angstbesetzte Bewusstseinsinhalte bezieht. Es ist zermürbend und aufreibend, diese neuen Erkenntnisse mental zuzulassen und die problematischen Bewusstseinsinhalte ohne sachkundige Hilfe zu verarbeiten.

BESCHWERDEN DURCH SEELISCHEN SCHOCK

Vanilla offenbarte sich uns als Arzneimittel bei seelischem Schock, ähnlich wie Ignatia, allerdings in noch viel stärkerer Intensität. Von einem Moment auf den anderen nimmt das Leben eine totale Wende und nichts ist mehr so, wie es zuvor gewesen war. Ein absoluter Umbruch wirft die Vanilla-person total zurück. Völlig unvorbereitet müssen außergewöhnliche Zustände durchlebt werden, und unversehens befindet sich die Vanilla-Person in der tiefsten Krise ihres Lebens.

Durch das seelische Trauma fällt sie in ein sogenanntes schwarzes Loch, in dem keinerlei emotionale Beschreibungen mehr möglich sind. Wenn sie noch fähig ist, ihren Zustand verbal zu vermitteln, so spricht sie von Fassungslosigkeit, Betroffenheit und Entsetzen.

Durch den gewaltsam erlebten seelischen Umbruch können sich aber auch schlagartig die Grenzen des bisherigen Bewusstseins auflösen und sich

bis dato völlig unbekannte Ebenen von Gewahrsein offenbaren. Auf diese Weise wird die Vanilla-Person unfreiwillig in eine neue Dimension hinein katapultiert, in ein anderes Spektrum der Realität geworfen, wie das beispielsweise bei Menschen geschieht, die durch einen Unfall plötzlich Hellsichtigkeit erlangen. Letzteres stellt sich selten als Segen, sondern als eine ungeheure Belastung heraus, da mit der plötzlichen Erkenntnisfähigkeit und den tiefen Einblicken nicht angemessen umgegangen werden kann.

Dem Beobachter mag die Vanilla-Person nach einem seelischen Schock überaus gefasst und erstaunlich stark erscheinen. Was jedoch fälschlicherweise als Stärke interpretiert wird, sind nur Auswirkungen des Schocks. Je tiefer das seelische Trauma, desto emotionsloser kann die Vanilla-Person zunächst wirken. Sie erscheint ohne Bezug zu ihrer Umwelt und starrt ins Leere. Der Schock macht sie anfangs unfähig, etwas zu spüren und ihre Emotionen auszudrücken. Sie empfindet eine emotionale Ohnmacht und Leere, fühlt sich wie betäubt und gelähmt. Wenn sie agiert, tut sie alles mechanisch oder wie in Trance, als sei sie in einer fremden Welt. Sie funktioniert irgendwie, aber es ist ein seelenloses, unbewusstes Handeln.

SCHWERMUT

Aufgrund schlechter Nachrichten, aber auch ohne erkennbaren Grund fühlt sich die Vanilla-Person freudlos und bedrückt. Sie ist ohne Lebendigkeit, leer und kaputt.

Sie fühlt sich allein, verlassen und untröstlich, auch wenn sie sich unter vielen Menschen aufhält. Der Kontakt zu anderen hebt ihre Einsamkeitsgefühle nicht auf.

Im Gegenteil, Gesellschaft raubt ihr den letzten Rest an verbliebener Energie, denn jede Unterhaltung ist ihr zu anstrengend. Sie verlangt nach Ruhe, kapselt sich ab, und wünscht bisweilen, dass sich jemand dezent um sie kümmert, ohne dass sie viel sprechen und erklären muss. Trost bessert im Allgemeinen nicht, es sei denn, er wird in allen Aspekten den hohen Ansprüchen der Vanilla-Person gerecht.

Sie hat an nichts mehr Interesse, ist apathisch und antriebslos. Zu erledigende Dinge schiebt sie vor sich her.

Sie muss sich zu allem zwingen, kann sich zu nichts motivieren. Müde liegt sie herum, will nur schlafen und im Bett bleiben. Am liebsten will sie in ihrer Einfallslosigkeit

nur fernsehen und sich berieseln lassen. Was wie Faulheit aussieht, ist jedoch ein Ausgebrannt sein. Die Vanilla-Person ist handlungsunfähig und wie ausgeschaltet.

Manchmal weint sie grundlos, oft aber wegen Überarbeitung, Traurigkeit, Angst und Verzweiflung. Sie spürt sich oft selbst nicht mehr, ist stumpf, emotionslos und wie tot. Alles erscheint sinnlos, und sie fühlt sich in ihrem Leben plötzlich weit zurückgeworfen. Sie glaubt, sich in einem dunklen Loch oder in einem tiefen Brunnenschacht zu befinden, aus dem sie nicht mehr herauskommen kann.

Eine Patientin äußerte, sie habe nur noch ein schwarzes Loch vor sich und keine Lebenskraft mehr. Aufgrund einer Erbsache waren für sie vernichtende Tatsachen ans Licht gekommen. Sie fühlte sich betrogen und wollte sich nur noch verkriechen.

Gegenüber allen Familienangehörigen spürte sie einen unüberwindlichen Graben. Sie hatte das Gefühl, dass in ihr bereits alles abgestorben sei und dass ihr für einen Neuanfang die Energie fehle. Nach Vanilla LM 30 gewann sie sowohl wieder Lebenskraft als auch Lebensmut zurück. Sie entdeckte von neuem die hellen Seiten im Leben und konnte langsam wieder erfreulichere Zukunftsperspektiven entwickeln.

Oft empfindet die Vanilla-Person eine tiefe Traurigkeit mit innerer Leere, aber in einer Intensität, als zerreiße es ihr das Herz. Im Zusammenhang mit der Schwermut tritt ein Zustand von großer emotionaler Erschöpfung und Schwäche ein. Von Prüfern erhielt dieser Zustand eine Bezeichnung mit „Doppelverstärkung", denn es war von „depressiver Schwermut" die Rede.

Eine Patientin erhielt von uns Vanilla LM 30, als sie erklärte, dass sie aus ihrer Schwermut nicht mehr herauskomme. Sie empfand das Leben überhaupt nicht lebenswert und wusste nicht, wozu sie morgens überhaupt noch aufstehen sollte. Nichts in ihrem Leben ging reibungslos, sogar von ihrem Arbeitgeber musste sie ihren Lohn eintreiben lassen. Sie hatte den Lebenskampf gründlich satt. Darüber hinaus teilte sie uns mit: „Ich weiß mit mir nichts anzufangen. Die heile Welt bleibt für mich Illusion. Ich komme mit der Realität nicht zurecht. Es gibt nichts, worauf ich mich noch einlassen möchte. Alles ist vergeudet. Ich habe keine Freude mehr. Es wäre gut, wenn ich nicht mehr da wäre."

Einen Monat später trat die Patientin erneut mit uns in Kontakt und erzählte, dass sie sich nach Vanilla schlagartig besser gefühlt habe. Seither hatte sie an emotionaler Stabilität gewonnen und fühlte sich innerlich fester und auch zufriedener. Sie wurde durch alltägliche Geschehnisse nicht mehr so aus ihrer Bahn geworfen und vor allen Dingen empfand sie, dass sie innerlich mehr Licht sehe.

Eine weitere Patientin erklärte uns, dass sie ganz tief unten sei und sich wie gelähmt fühle. Konnte einfach nicht loslassen und wurde nicht damit fertig, dass ihre mittlerweile erwachsenen Kinder sich anschickten, das Elternhaus zu verlassen. Während dieser schweren Zeit entging sie nur knapp einem Unfall, als sie beinahe von einem Auto überfahren wurde. Das löste zusätzlich einen Schock aus und trieb sie noch weiter in die Depression.

Sie schlief wie tot, erlebte negative Träume und erwachte geschockt aus dem Schlaf. Sie klagte über Unterleibsbeschwerden und auch über Herzbeschwerden, die durch eine Zahnbehandlung noch intensiviert worden waren.

Nachdem wir ihr Vanilla LM 30 verordnet hatten, traten als Heilreaktion frühere körperliche Beschwerden erneut auf, um endlich verarbeitet zu werden. Bereits 2 Wochen nach der Arzneimitteleinnahme zogen schließlich die Kinder aus. Diesbezüglich teilte sie uns kurz darauf mit, sie sei damit gut zurecht gekommen und habe sogar ein Familienfest in bester Form erlebt. Durch Vanilla war sie aus ihren Lähmungsgefühlen herausgekommen und hatte nun wieder begonnen, am Leben teilzunehmen.

Auch bei einer späteren Konsultation war von dem tiefen seelischen Zustand keine Rede mehr, vielmehr war die Patientin unruhig und überdreht, weil sie aufgrund ihrer neuen Lebensorientierung sehr viel zu tun hatte und eine Menge realistischer Aufgaben bewältigen musste.

In der schwermütigen Phase zieht die Vanilla-Person die Farben Schwarz, Blau und Lila in gehäuftem Maße an. Sogar im Schaufenster sieht sie noch schwarze Schaufensterpuppen oder sie begegnet schwarz verschleierten Frauen. Die Verschleierung passt zum Thema der mysteriösen Vanilla-Person, denn das Tragen von Schleiern macht es möglich sich zu verstecken, schützt vor durchdringenden Blicken und gewährt Intimität.

 

[SIRC]

Vanilla

In the early 1990s, perfume makers began to introduce vanilla as a significant note in their fragrances. Now, vanilla is a dominant ingredient in a large number of perfumes - and the Body Shop have recently launched a pure vanilla fragrance.

Various attempts have been made to explain the current unprecedented popularity of vanilla-based fragrances. Many have tended to focus on the pleasant childhood memories associated with the smell of vanilla, its comforting milky warmth. Others have noted the appropriateness of vanilla scents for the ‘softer, more caring’ zeitgeist of the 1990s -

as opposed to the thrusting, bullish 80s, when the fashion was for perfumes so overpowering that restaurants had to ban them because customers could not taste their food.

Both of these factors have clearly contributed to the vanilla-boom. Scientists have been studying the intimate connection between olfaction and memory for some time - and the power of scents to evoke vivid memories has long been a favourite device of novelists and poets. Proust’s Remembrance of Things Past opens with the most famous ‘olfactory flashback’ in literature, when the sweet aroma of a simple little cake releases several hundred pages of childhood memories - or what Proust calls ‘the vast structure of recollection’.

A recent experiment has shown that most of us, unlike Proust, have some difficulty in expressing this vast structure of recollection in words. Subjects were presented with visual (an object), lexical (the name of an object) and olfactory (the odour of an object) stimuli, and asked to write down whatever came into their heads. Written responses to the visual and lexical stimuli were much longer than those for the olfactory mode, but responses to the odours were far more emotive, and all referred to memories. Not all childhood memories are pleasant, of course, but those associated with vanilla are almost invariably positive - sweet treats and rewards, ice-cream holidays, innocent pleasures, etc. - which certainly helps to explain its popularity.

The 1990s-zeitgeist explanation also has its merits. Vanilla is associated not only with warmth, softness and caring, but also has connotations of purity and simplicity. The term ‘plain vanilla’, used by typesetters and graphic designers, means ‘untouched’ text - text in its natural, basic, original state, before designers have tarted up the headings, adjusted the margins, tinkered with typefaces, etc. This term is now often used outside the publishing world, and anything that is simple, pure, honest and unadulterated may be referred to as ‘plain vanilla’. The Body Shop’s vanilla fragrance, being pure vanilla with no other scents, is perhaps the most faithful expression of 1990s values.

Yet there is hard scientific evidence to indicate that the popularity of vanilla fragrances could be more enduring than these explanations suggest. The scent of vanilla has proven positive and beneficial effects which have nothing to do with current fashion, changing values or even childhood memories.

For example:

    Psychologists and medical researchers were aware of our positive reactions to the scent of vanilla long before perfume makers recognised its potential. In experiments where an odour universally regarded as ‘pleasant’ is required, vanillin has been a standard choice for decades.

    Medical experiments have shown that vanilla fragrance reduces stress and anxiety. Cancer patients undergoing Magnetic Resonance Imaging -a diagnostic procedure known to be stressful- reported a massive 63% less anxiety when heliotropin (a vanilla fragrance) was administered during the procedure.

    Vanilla fragrance makes you calmer. A study at Tubingen University in Germany showed that vanilla fragrance reduced the startle-reflex in both humans and animals.

The animal results indicate that the calming effects of vanilla may be due to some more essential property of the fragrance than the ‘positive childhood associations’ usually invoked to explain its universal popularity with humans.

It is important to remember that these effects have only been documented for pure vanilla fragrance - not perfumes containing a blend of vanilla and other notes.

 

 

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