A.D.H.S. Anhang 5

 

 

[Bertram von Zabern]

Teaching often means dealing with restless children. At least one child in every class takes up enormous energy by constant dis­traction, irritability and chaotic motion. News articles remind us that attention deficit-hyperactivity disorder (ADHD) has become America's number one childhood psychiatric disorder. At least 1.3 million school children in the US take the psychostimulant Ritalin regularly. Such popularity is astounding considering the list of adverse side-ef­fects including growth retardation, motor tics or Tourette's Syndrome and drug dependence. The manufacturer states that "...sufficient data on safety and efficacy of long-term use of Ritalin in children is not yet available." In fact decades of research show no proof of long-term efficacy of this drug.

Where Should We Start

One way of understanding childhood was taught by Rudolf Steiner who outlined three streams of influ­ence: The spiritual entelechy of the child, the bodily heritage of the parents which must be individualized, and the influences of the environment. Steiner left no doubt about the responsibility parents and educators have to provide an environment which will shape and nurture the helpless trust­ing child from birth on. "Whatever happens in the physical environment (during the first seven years) the child will imitate and, by imitation, the physical organs are poured into their permanent shape. "Environment" means all physical, aesthetic and ethical impressions a child receives; most powerfully the impressions of joy and love. "Such love, which permeates the physical environment, truly hatches the forms of the physical organs."

A lack of loving warmth during this formative period can cause lasting damage, giving rise to serious restlessness, to which boys (first-born) are more prone than girls. Although this condition may be obvious by age three, it is mostly diagnosed in the first years of school, when a comprehensive therapeutic approach becomes necessary,

as facilitated through a school care group.

If "nest warmth" was missing in the family, parents appreciate learning how to create the right atmosphere of daily rhythms, choice of clothing and proper biodynamic/organic nutrition with a minimum of meat and eggs.

Constitutional remedial treatment for restlessness mainly aims at restoring the harmony of function of kidneys and digestive tract. Even without symptoms of manifest illness, the soul-life of restless children is not well integrated into these functions when, for instance, emotional tension and lack of impulse control combine with bed wetting or chaotic eating habits, illustrating an uncomfortable connection with the lower body. For such children

I like to recommend Chamomilla Cupro culta D 2 w 10-15 drops 2x daily in water for 3 months or longer.

The above medication is supported by rubbing Cuprum praep.0.4% w in a circle (5 – 10x) over each kidney 2x a week (the down­ward motion always closest to the spine). The rubbing is done with a pea-size amount of ointment, slowly, with the palm rather than the fingers. Instead of two circles, the rubbing can be in a figure-eight motion. On the others days a parent can do a whole back rub with Blackthorn Body Oil wa. Besides its remedial effects, the prescribed back rub allows parent and child to restore physical closeness and warmth in their relationship.

The parent should be in­structed by a therapist how to perform these rubs. This is just one example of a constitutional therapy that can be individually expanded. Organic causes of restlessness can vary, and therapies would have to vary as well.

Other therapy can come from the realms of color, form drawing, music, speech, eurythmy, drama, and other artistic expression. It begins where the child is at, with movement, excitement and activity; then it will lead to the contemplative side. It must capture the imagination in joyful ways, bringing content to the empty movement energy.

In remedial work 3 we pursue long-range goals. The question is, what kind of person will we have by age twenty? Our priority is helping the child rebuild a shattered constitution and inner rhythm, and restoring a sense of heart­felt warmth and trust. These are children with a poor tolerance for the restlessness of our civilization.

They become our teachers when they demand that we change ourselves, accompanying them along the road to inner peace.

 

ZEIT ONLINE

Gesundheit

 

[Maik Herberhold, Jugendpsychiater in Bochum]

ADHSKranke Kinder oder kranke Gesellschaft?

Die Diagnose ADHS hat drastisch zugenommen. Liegt das am Leistungsdruck und an überforderten Eltern? Oder wurde die Erkrankung zu lange verkannt?

Die wichtigsten Fakten:

Sind in Deutschland wirklich immer mehr Kinder psychisch krank und leiden an einer ADHS? Oder ist unsere leistungsorientierte Gesellschaft vor allem mit lebhaften und unangepassten Jungen überfordert? Die einen sagen: Kinder werden medikamentös ruhig gestellt, damit sie in der Schule und zu Hause "funktionieren" und keine Probleme machen. Andere halten dagegen, dass es Kinder gebe, die dringend Medikamente gegen eine ADHS bräuchten. Die Erkrankung als bloßes Erziehungsproblem abzutun, greife zu kurz.

Ein neuer Bericht des Krankenversicherers Barmer GEK zur ADHS hat die Debatte wiederbelebt. Darin kommen die Autoren zum Ergebnis: Immer häufiger erhalten vor allem Jungen die Diagnose ADHS. Die Bundesärztekammer geht von 300.000 bis 500.000 Betroffenen aus. Fest steht auch, dass Ärzte Kindern deutlich häufiger Arzneimittel mit dem Wirkstoff Methylphenidat, bekannt als Ritalin, verschreiben. Die Barmer schätzt, dass 10% aller Jungen heutzutage mindestens einmal in ihrer Kindheit das Mittel bekommen. Zwar taugen die Zahlen der Krankenkasse nur bedingt dazu, valide Aussagen über die Entwicklung der ADHS in Deutschland zu treffen. Doch ist das Problem unbestritten.

ADHS, eine Mode-Diagnose?

Nur wenige Experten zweifeln daran, dass die ADHS eine psychische Erkrankung ist. Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung heißt sie offiziell. Ist die Diagnose eindeutig, werden Medikamente durchaus empfohlen – zusammen mit anderen Therapien, die den Kindern helfen, ihre Konzentration zu fokussieren, Aggressionen abzubauen und in der Familie mit der Erkrankung umzugehen. Die aktuellen Zahlen deuten allerdings darauf hin, dass Ärzte zu schnell an eine ADHS denken und Medikamente verschreiben, wenn Kinder in ihrer Entwicklung einfach etwas hinterher hinken, Lernschwierigkeiten haben, in der Schule oder zu Hause anecken und rastlos und aggressiv sind. Die feine Abgrenzung der normalen kindlichen Entwicklung zur ADHS ist oft schwer zu bestimmen.

Was ist die ADHS?

Der Vorderlappen im Gehirn von Menschen mit einer ADHS arbeitet bei Betroffenen schlechter. Der Botenstoff Dopamin, der normalerweise Informationen zwischen den Nervenzellen vermittelt, schafft es nicht, von einer Zelle in die nächste zu gelangen. Der Grund dafür ist, dass die Nervenzelle die Dopaminmoleküle, gleich nachdem sie sie freigesetzt hat, wieder einfängt. So ist die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen gehemmt, sie läuft auf Sparflamme. Reize und Informationen werden nicht optimal verarbeitet.

Um sich konzentrieren und leistungsfähig arbeiten zu können, braucht der Mensch aber einen aktiven Vorderlappen. Denn hier sitzt die Steuerzentrale, die zwischen wichtigen und unwichtigen Reizen unterscheidet. "Der Vorderlappen ist gewissermaßen der Chef im Denkbetrieb. Wenn der schläft, geht es drunter und drüber", sagt Maik Herberhold, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bochum. Das heißt: Die Betroffenen nehmen dauernd neue Eindrücke von außen auf, die sie nicht ignorieren können. So sind sie kaum in der Lage, einen Gedanken zu Ende zu führen, jemandem aufmerksam zuzuhören und Aufgaben geplant zu erledigen.

Eine ADHS fällt meist erst in der Grundschule auf

Die Anlage zur ADHS ist zumindest zum Teil in den Genen verankert und damit angeboren. Allerdings fällt die Krankheit meist erst auf, wenn Kindern die genannten Fertigkeiten abverlangt werden: in der Schule. Lernprobleme, Schwierigkeiten im Unterricht aufzupassen, Probleme beim Stillsitzen sind typische Anzeichen. Zum Arzt gehen Eltern meist, wenn sich Lehrer beschweren oder die Probleme zu Hause unlösbar erscheinen.

Eine ADHS zu diagnostizieren, sei keine leichte Aufgabe, sagt Herberhold. Die Symptome seien komplex und von Mensch zu Mensch verschieden. Seit 2010 dürfen in Deutschland daher nur noch Spezialisten Ritalin oder entsprechende Methylphenidat-Präparate verschreiben. Die Behandlung der Aufmerksamkeitsstörung darf nicht mit den Pillen beginnen. Zusätzlich müssen die Kinder von Psychologen betreut werden. Ein festgelegtes Diagnoseverfahren mit standardisierten Fragebögen und einer bestimmten psychologischen Interviewtechnik soll Fehldiagnosen möglichst vermeiden.

Viele Fachärzte testen zusätzlich die Konzentration und Wahrnehmung der Kinder. Im Wesentlichen soll das zeigen, ob das Kind die drei charakteristischen Kernsymptome von ADHS zeigt: Impulsivität, übersteigerter Bewegungsdrang und Konzentrationsschwäche. Entscheidend ist am Ende, dass diese Auffälligkeiten über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten und in verschiedenen Lebensbereichen auftreten. So wollen die Ärzte ausschließen, dass es nur bestimmte Umstände sind, die die Verhaltensstörungen bedingen.

ADHS-Tests untersuchen nur das Verhalten

Die Tests sind zwar wissenschaftlich anerkannt und entsprechen den Empfehlungen des Diagnostischen und Statistischen Handbuches Psychischer Störungen (DSM), das die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung herausgibt. Dennoch haben Testverfahren auch einen Schwachpunkt: Sie untersuchen nur das Verhalten der Kinder. Die biologischen Ursachen an denen man eine ADHS dingfest machen könnte, erkennen sie nicht. "Dafür gibt es zwar bereits bildgebende Verfahren. Allerdings sind diese sehr teuer und nicht ganz verlässlich", sagt Herberhold. Daher besteht trotz der sorgfältigen Diagnose ein Restrisiko, eine ADHS mit anderen Erkrankungen wie etwa Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörung zu verwechseln.

Medikamente gegen ADHS beeinflussen das Gehirn direkt. Der Wirkstoff Methylphenidat wirkt wie ein Aufputschmittel, indem er verhindert, dass die Nervenzellen im Vorderlappen das Dopamin nach der Abgabe wieder schlucken. Der Botenstoff Dopamin kann dann wieder von Zelle zu Zelle wanden. Die gehemmte Reizweiterleitung kommt wieder in Gang, die biologische Ursache einer ADHS wird ausgeglichen.

Umstritten ist Ritalin, weil befürchtet wird, dass es die kindliche Entwicklung hemmt, die Persönlichkeit verändert oder süchtig mache. Laut der Bundesärztekammer ist als Nebenwirkung aber lediglich belegt, dass Ritalin in den ersten Wochen den Appetit mindert und zu Schlafstörungen, leichtem Kopfweh und Bauchweh führt. Dennoch empfehlen Leitlinien, Ritalin nur bei ausgeprägten Symptomen und erst ab dem Alter von sechs Jahren einzusetzen. Manche Kinder berichten, dass sie sich durch das Medikament "wie mit Scheuklappen" gefühlt hätten und in ihren Gedanken eingeschränkt. Bei Kindern, deren Lebensalltag und Schulleistungen kaum durch die Krankheit beeinträchtigt ist, kann eine Kombination psychologischer Verhaltenstherapien ausreichen, heißt es in einer Informationsbroschüre der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung.

            ADHS ist kein Erziehungsproblem!

   

Auch Herberhold hat gute Erfahrungen mit Elterntrainings und Psychotherapien gemacht. Allerdings meist als Ergänzung zu Ritalin. "Die Kernsymptome verschwinden ohne Medikamente selten, aber man sollte sie niemals ohne Psychotherapie einsetzen", sagt er. Viele Eltern neigten dazu, dem Verhalten der Kinder mit strengeren Erziehungsmethoden entgegenwirken. Dabei sei Schimpfen und Streit gerade kontraproduktiv. "ADHS-Kinder saugen die aggressiven Äußerungen der Eltern auf und werden selbst noch unruhiger. Besser ist es, Ruhe in die Familie zu bringen", sagt er. Er hält richtig diagnostizierte ADHS keineswegs für Erziehungsprobleme. "So zu denken, ist ein Rückfall in die Struwwelpeter-Logik aus dem 19. Jahrhundert und bedenklich", sagt er.

Nicht minder bedenklich erscheinen jedoch die rasant steigenden Zahlen der Ritalin-Verordnungen: Laut dem Arzneiverordnungsreport wurden in Deutschland 2011 insgesamt 56 Millionen Tagesdosen Methylphenidat verschrieben, 2002 waren es noch 17 Millionen. Dass so viel mehr Kinder psychisch krank sind als früher, ist wenig plausibel. Wahrscheinlicher ist, dass zu häufig als ADHS abgestempelt wird, was in Wahrheit andere Ursachen hat und anders gelöst werden muss, als mit Medikamenten.

 

 

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