A.D.H.S. Anhang 5

 

 

[Bertram von Zabern]

Teaching often means dealing with restless children. At least one child in every class takes up enormous energy by constant dis­traction, irritability and chaotic motion. News articles remind us that attention deficit-hyperactivity disorder (ADHD) has become America's number one childhood psychiatric disorder. At least 1.3 million school children in the US take the psychostimulant Ritalin regularly. Such popularity is astounding considering the list of adverse side-ef­fects including growth retardation, motor tics or Tourette's Syndrome and drug dependence. The manufacturer states that "...sufficient data on safety and efficacy of long-term use of Ritalin in children is not yet available." In fact decades of research show no proof of long-term efficacy of this drug.

Where Should We Start

One way of understanding childhood was taught by Rudolf Steiner who outlined three streams of influ­ence: The spiritual entelechy of the child, the bodily heritage of the parents which must be individualized, and the influences of the environment. Steiner left no doubt about the responsibility parents and educators have to provide an environment which will shape and nurture the helpless trust­ing child from birth on. "Whatever happens in the physical environment (during the first seven years) the child will imitate and, by imitation, the physical organs are poured into their permanent shape. "Environment" means all physical, aesthetic and ethical impressions a child receives; most powerfully the impressions of joy and love. "Such love, which permeates the physical environment, truly hatches the forms of the physical organs."

A lack of loving warmth during this formative period can cause lasting damage, giving rise to serious restlessness, to which boys (first-born) are more prone than girls. Although this condition may be obvious by age three, it is mostly diagnosed in the first years of school, when a comprehensive therapeutic approach becomes necessary,

as facilitated through a school care group.

If "nest warmth" was missing in the family, parents appreciate learning how to create the right atmosphere of daily rhythms, choice of clothing and proper biodynamic/organic nutrition with a minimum of meat and eggs.

Constitutional remedial treatment for restlessness mainly aims at restoring the harmony of function of kidneys and digestive tract. Even without symptoms of manifest illness, the soul-life of restless children is not well integrated into these functions when, for instance, emotional tension and lack of impulse control combine with bed wetting or chaotic eating habits, illustrating an uncomfortable connection with the lower body. For such children

I like to recommend Chamomilla Cupro culta D 2 w 10-15 drops 2x daily in water for 3 months or longer.

The above medication is supported by rubbing Cuprum praep.0.4% w in a circle (5 – 10x) over each kidney 2x a week (the down­ward motion always closest to the spine). The rubbing is done with a pea-size amount of ointment, slowly, with the palm rather than the fingers. Instead of two circles, the rubbing can be in a figure-eight motion. On the others days a parent can do a whole back rub with Blackthorn Body Oil wa. Besides its remedial effects, the prescribed back rub allows parent and child to restore physical closeness and warmth in their relationship.

The parent should be in­structed by a therapist how to perform these rubs. This is just one example of a constitutional therapy that can be individually expanded. Organic causes of restlessness can vary, and therapies would have to vary as well.

Other therapy can come from the realms of color, form drawing, music, speech, eurythmy, drama, and other artistic expression. It begins where the child is at, with movement, excitement and activity; then it will lead to the contemplative side. It must capture the imagination in joyful ways, bringing content to the empty movement energy.

In remedial work 3 we pursue long-range goals. The question is, what kind of person will we have by age twenty? Our priority is helping the child rebuild a shattered constitution and inner rhythm, and restoring a sense of heart­felt warmth and trust. These are children with a poor tolerance for the restlessness of our civilization.

They become our teachers when they demand that we change ourselves, accompanying them along the road to inner peace.

 

ZEIT ONLINE

Gesundheit

 

[Maik Herberhold, Jugendpsychiater in Bochum]

ADHSKranke Kinder oder kranke Gesellschaft?

Die Diagnose ADHS hat drastisch zugenommen. Liegt das am Leistungsdruck und an überforderten Eltern? Oder wurde die Erkrankung zu lange verkannt?

Die wichtigsten Fakten:

Sind in Deutschland wirklich immer mehr Kinder psychisch krank und leiden an einer ADHS? Oder ist unsere leistungsorientierte Gesellschaft vor allem mit lebhaften und unangepassten Jungen überfordert? Die einen sagen: Kinder werden medikamentös ruhig gestellt, damit sie in der Schule und zu Hause "funktionieren" und keine Probleme machen. Andere halten dagegen, dass es Kinder gebe, die dringend Medikamente gegen eine ADHS bräuchten. Die Erkrankung als bloßes Erziehungsproblem abzutun, greife zu kurz.

Ein neuer Bericht des Krankenversicherers Barmer GEK zur ADHS hat die Debatte wiederbelebt. Darin kommen die Autoren zum Ergebnis: Immer häufiger erhalten vor allem Jungen die Diagnose ADHS. Die Bundesärztekammer geht von 300.000 bis 500.000 Betroffenen aus. Fest steht auch, dass Ärzte Kindern deutlich häufiger Arzneimittel mit dem Wirkstoff Methylphenidat, bekannt als Ritalin, verschreiben. Die Barmer schätzt, dass 10% aller Jungen heutzutage mindestens einmal in ihrer Kindheit das Mittel bekommen. Zwar taugen die Zahlen der Krankenkasse nur bedingt dazu, valide Aussagen über die Entwicklung der ADHS in Deutschland zu treffen. Doch ist das Problem unbestritten.

ADHS, eine Mode-Diagnose?

Nur wenige Experten zweifeln daran, dass die ADHS eine psychische Erkrankung ist. Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung heißt sie offiziell. Ist die Diagnose eindeutig, werden Medikamente durchaus empfohlen – zusammen mit anderen Therapien, die den Kindern helfen, ihre Konzentration zu fokussieren, Aggressionen abzubauen und in der Familie mit der Erkrankung umzugehen. Die aktuellen Zahlen deuten allerdings darauf hin, dass Ärzte zu schnell an eine ADHS denken und Medikamente verschreiben, wenn Kinder in ihrer Entwicklung einfach etwas hinterher hinken, Lernschwierigkeiten haben, in der Schule oder zu Hause anecken und rastlos und aggressiv sind. Die feine Abgrenzung der normalen kindlichen Entwicklung zur ADHS ist oft schwer zu bestimmen.

Was ist die ADHS?

Der Vorderlappen im Gehirn von Menschen mit einer ADHS arbeitet bei Betroffenen schlechter. Der Botenstoff Dopamin, der normalerweise Informationen zwischen den Nervenzellen vermittelt, schafft es nicht, von einer Zelle in die nächste zu gelangen. Der Grund dafür ist, dass die Nervenzelle die Dopaminmoleküle, gleich nachdem sie sie freigesetzt hat, wieder einfängt. So ist die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen gehemmt, sie läuft auf Sparflamme. Reize und Informationen werden nicht optimal verarbeitet.

Um sich konzentrieren und leistungsfähig arbeiten zu können, braucht der Mensch aber einen aktiven Vorderlappen. Denn hier sitzt die Steuerzentrale, die zwischen wichtigen und unwichtigen Reizen unterscheidet. "Der Vorderlappen ist gewissermaßen der Chef im Denkbetrieb. Wenn der schläft, geht es drunter und drüber", sagt Maik Herberhold, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bochum. Das heißt: Die Betroffenen nehmen dauernd neue Eindrücke von außen auf, die sie nicht ignorieren können. So sind sie kaum in der Lage, einen Gedanken zu Ende zu führen, jemandem aufmerksam zuzuhören und Aufgaben geplant zu erledigen.

Eine ADHS fällt meist erst in der Grundschule auf

Die Anlage zur ADHS ist zumindest zum Teil in den Genen verankert und damit angeboren. Allerdings fällt die Krankheit meist erst auf, wenn Kindern die genannten Fertigkeiten abverlangt werden: in der Schule. Lernprobleme, Schwierigkeiten im Unterricht aufzupassen, Probleme beim Stillsitzen sind typische Anzeichen. Zum Arzt gehen Eltern meist, wenn sich Lehrer beschweren oder die Probleme zu Hause unlösbar erscheinen.

Eine ADHS zu diagnostizieren, sei keine leichte Aufgabe, sagt Herberhold. Die Symptome seien komplex und von Mensch zu Mensch verschieden. Seit 2010 dürfen in Deutschland daher nur noch Spezialisten Ritalin oder entsprechende Methylphenidat-Präparate verschreiben. Die Behandlung der Aufmerksamkeitsstörung darf nicht mit den Pillen beginnen. Zusätzlich müssen die Kinder von Psychologen betreut werden. Ein festgelegtes Diagnoseverfahren mit standardisierten Fragebögen und einer bestimmten psychologischen Interviewtechnik soll Fehldiagnosen möglichst vermeiden.

Viele Fachärzte testen zusätzlich die Konzentration und Wahrnehmung der Kinder. Im Wesentlichen soll das zeigen, ob das Kind die drei charakteristischen Kernsymptome von ADHS zeigt: Impulsivität, übersteigerter Bewegungsdrang und Konzentrationsschwäche. Entscheidend ist am Ende, dass diese Auffälligkeiten über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten und in verschiedenen Lebensbereichen auftreten. So wollen die Ärzte ausschließen, dass es nur bestimmte Umstände sind, die die Verhaltensstörungen bedingen.

ADHS-Tests untersuchen nur das Verhalten

Die Tests sind zwar wissenschaftlich anerkannt und entsprechen den Empfehlungen des Diagnostischen und Statistischen Handbuches Psychischer Störungen (DSM), das die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung herausgibt. Dennoch haben Testverfahren auch einen Schwachpunkt: Sie untersuchen nur das Verhalten der Kinder. Die biologischen Ursachen an denen man eine ADHS dingfest machen könnte, erkennen sie nicht. "Dafür gibt es zwar bereits bildgebende Verfahren. Allerdings sind diese sehr teuer und nicht ganz verlässlich", sagt Herberhold. Daher besteht trotz der sorgfältigen Diagnose ein Restrisiko, eine ADHS mit anderen Erkrankungen wie etwa Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörung zu verwechseln.

Medikamente gegen ADHS beeinflussen das Gehirn direkt. Der Wirkstoff Methylphenidat wirkt wie ein Aufputschmittel, indem er verhindert, dass die Nervenzellen im Vorderlappen das Dopamin nach der Abgabe wieder schlucken. Der Botenstoff Dopamin kann dann wieder von Zelle zu Zelle wanden. Die gehemmte Reizweiterleitung kommt wieder in Gang, die biologische Ursache einer ADHS wird ausgeglichen.

Umstritten ist Ritalin, weil befürchtet wird, dass es die kindliche Entwicklung hemmt, die Persönlichkeit verändert oder süchtig mache. Laut der Bundesärztekammer ist als Nebenwirkung aber lediglich belegt, dass Ritalin in den ersten Wochen den Appetit mindert und zu Schlafstörungen, leichtem Kopfweh und Bauchweh führt. Dennoch empfehlen Leitlinien, Ritalin nur bei ausgeprägten Symptomen und erst ab dem Alter von sechs Jahren einzusetzen. Manche Kinder berichten, dass sie sich durch das Medikament "wie mit Scheuklappen" gefühlt hätten und in ihren Gedanken eingeschränkt. Bei Kindern, deren Lebensalltag und Schulleistungen kaum durch die Krankheit beeinträchtigt ist, kann eine Kombination psychologischer Verhaltenstherapien ausreichen, heißt es in einer Informationsbroschüre der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung.

            ADHS ist kein Erziehungsproblem!

 

Auch Herberhold hat gute Erfahrungen mit Elterntrainings und Psychotherapien gemacht. Allerdings meist als Ergänzung zu Ritalin. "Die Kernsymptome verschwinden ohne Medikamente selten, aber man sollte sie niemals ohne Psychotherapie einsetzen", sagt er. Viele Eltern neigten dazu, dem Verhalten der Kinder mit strengeren Erziehungsmethoden entgegenwirken. Dabei sei Schimpfen und Streit gerade kontraproduktiv. "ADHS-Kinder saugen die aggressiven Äußerungen der Eltern auf und werden selbst noch unruhiger. Besser ist es, Ruhe in die Familie zu bringen", sagt er. Er hält richtig diagnostizierte ADHS keineswegs für Erziehungsprobleme. "So zu denken, ist ein Rückfall in die Struwwelpeter-Logik aus dem 19. Jahrhundert und bedenklich", sagt er.

Nicht minder bedenklich erscheinen jedoch die rasant steigenden Zahlen der Ritalin-Verordnungen: Laut dem Arzneiverordnungsreport wurden in Deutschland 2011 insgesamt 56 Millionen Tagesdosen Methylphenidat verschrieben, 2002 waren es noch 17 Millionen. Dass so viel mehr Kinder psychisch krank sind als früher, ist wenig plausibel. Wahrscheinlicher ist, dass zu häufig als ADHS abgestempelt wird, was in Wahrheit andere Ursachen hat und anders gelöst werden muss, als mit Medikamenten.

 

 

ZEIT ONLINE

Schule Jahrgang: Nº 32/201416. August 2014  20:01 Uhr 

Ein Gespräch mit der Erziehungswissenschaftlerin Nicole Becker von Margarete Moulin

ADHS - Entspannt euch!

Unruhige Schüler? In solchen Fällen stellen Lehrer oft die Diagnose ADHS. Zu oft?

DIE ZEIT: Frau Becker, sind die Lehrer schuld daran, dass so viele gesunde Kinder als krankhaft hyperaktiv abgestempelt werden?

Nicole Becker: In meiner Studie war es tatsächlich so, dass der erste Verdacht auf die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung ADHS häufig von Lehrern geäußert wurde. Manchmal kam er auch von Erzieherinnen und Sozialpädagoginnen. Das Problem ist, dass den Pädagogen häufig einzelne Verhaltensweisen an Kindern auffallen, die zwar auf den ersten Blick "ADHS-typisch" aussehen mögen, die aber, für sich genommen, nicht ausreichen, um die Diagnose zu stellen. Darüber hinaus bringen Lehrer Probleme mit ADHS in Verbindung, die nicht zum Störungsbild gehören, zum Beispiel, wenn es mit einem Kind viele Konflikte und Spannungen gibt.

 

ZEIT: Woran liegt das?

Becker: Lehrer sind medizinische Laien. Sie beobachten, dass sich ein Kind schlecht konzentrieren kann, Mitschüler stört, im Unterricht dazwischenruft. Das interpretieren sie dann als Symptom von ADHS, weil sie gelesen oder gehört haben, dass das zum Störungsbild gehört. Und dann wenden sie sich mit ihrem Verdacht an die Eltern und sagen denen, dass die etwas unternehmen sollen. Es gibt aber selbst innerhalb der Medizin starke Kontroversen über die ADHS-Diagnostik. Viele Kinder verhalten sich von Zeit zu Zeit hyperaktiv, aber deshalb leiden sie nicht gleich unter einer Aufmerksamkeitsstörung.

 

ZEIT: Täuschen sich die Lehrer oft?

Becker: Von den 21 Kindern in meiner Studie lief die diagnostische Abklärung nur in vier Fällen auf eine ADHS hinaus. Die meisten hatten andere Probleme, wie etwa emotionale Störungen oder Störungen des Sozialverhaltens. Es gab aber auch Kinder, bei denen gar keine klinisch relevanten Auffälligkeiten festgestellt wurden.

 

ZEIT: Werden diese Erkenntnisse durch andere Forschungen gestützt?

Becker: In einer älteren Studie haben Grundschullehrer angegeben, bei etwa 18 Prozent ihrer Schüler ADHS-Symptome zu erkennen. Die aktuellen Diagnoseraten liegen bundesweit aber bei 12 Prozent für Jungen und 4,4 Prozent bei Mädchen. Auch da zeigt sich eine Diskrepanz.

 

ZEIT: Nach welchen Kriterien haben Sie die Eltern ausgewählt?

Becker: Ich habe mit Eltern gesprochen, die ihr Kind zur diagnostischen Klärung in der Ambulanz einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie angemeldet hatten. Finanziell und sozial gut abgesicherte Akademiker kommen ebenso zu Wort wie alleinerziehende Mütter, die in prekären Situationen leben. Auch das Spektrum der Probleme ist groß, wobei die Schule ein zentrales Thema ist – und sei es in der Form, dass die Kinder den Schulbesuch schlicht verweigern.

 

ZEIT: Es heißt ja immer, dass in bildungsfernen Familien die Kinder schneller auf Ritalin gesetzt würden.

Becker: Stark belastete Mütter waren schneller bereit, Medikamente zu akzeptieren. Das stimmt. Sie fühlen sich wenig unterstützt, erleben die Rückmeldungen der Schule als ständige Gängelei und suchen verzweifelt nach einem Ausweg. Aber auch sozial eingebundene und gutsituierte Eltern, die zunächst auf alternative Therapien setzen, sind letztlich bereit, ihr Kind mit Stimulanzien zu behandeln.

 

ZEIT: Wieso?

Becker: Sie wollen den schulischen Abstieg des Kindes verhindern – mit allen Mitteln. Da macht es am Ende keinen Unterschied, ob die Eltern einen Hochschulabschluss oder einen Hauptschulabschluss haben. Dass sich die Verdachtsfälle auf ADHS häufen, wenn der Übertritt in die weiterführende Schule naht, passt genau ins Bild.

 

ZEIT: Trotzdem könnten sich Eltern mehr auf ihr eigenes Urteilsvermögen verlassen und weniger auf die Meinung der Lehrer.

Becker: Eltern empfinden die Schule als ein System, das auf das Leben ihrer Kinder enormen Einfluss hat, das sie selbst aber kaum beeinflussen können. Diese Situation hat etwas Bedrohliches. Und wenn dann von der Schule ständig Beschwerden kommen und die Eltern zum Handeln aufgefordert werden, bleibt ihnen nach dieser Logik gar nichts anderes übrig, als bei ihrem Kind anzusetzen.

 

ZEIT: In Ihrer Studie fragen Sie, ob nicht die Schulen selbst die Schwierigkeiten mit den Kindern produzieren. Wie meinen Sie das?

Becker: Zwischen 2006 und 2011 haben sich die Diagnoseraten in Deutschland fast verdoppelt. Es ist unwahrscheinlich, dass der Anstieg auf eine verbesserte Diagnostik zurückzuführen ist. Und die genetischen Voraussetzungen, also die Gehirne der Kinder, werden sich wohl kaum geändert haben – ich sage das deshalb, weil immer hervorgehoben wird, dass ADHS eine genetisch bedingte Hirnstoffwechselstörung sei. Dann müssten aber die Diagnoseraten stabiler sein. Was sich hingegen ändert, sind die Rahmenbedingungen in vielen Schulen.

 

ZEIT: Die Schulen achten doch mehr als je zuvor auf die Bedürfnisse der Schüler.

 

Becker: Mag sein. Aber schülerzentrierte Unterrichtskonzepte sind fordernd. Zum Beispiel brauchen die Kinder früh ein hohes Maß an Selbstständigkeit. Schon Grundschüler sollen sich ihre Zeit selbst einteilen und mit Wochenplänen arbeiten. Sicher profitieren einige Kinder in solchen Lernumgebungen, aber für andere können sie eine Überforderung sein. Die müssten zunächst mal lernen, sich zu organisieren und zu konzentrieren. Auch so etwas kann dazu führen, dass Kinder sich ausklinken und lieber mit etwas anderem beschäftigen.

 

ZEIT: Und was empfehlen Sie den Eltern, denen ein Lehrer sagt, dass ihr Kind ADHS hat?

Becker: Erst einmal Ruhe bewahren. Wichtig ist: Wenn sich die Probleme allein auf den schulischen Bereich konzentrieren, dann ist das eigentlich ein Ausschlusskriterium für ADHS, und man sollte andere Ursachen in Betracht ziehen. Erhärtet sich hingegen ein Verdacht, weil es auch in anderen Situationen Probleme gibt, sollten sich Eltern an einen Facharzt oder an eine Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie wenden.

 

ZEIT: Was außer ADHS oder einer Verhaltensstörung kann denn noch hinter einem auffälligen Verhalten stecken?

Becker: Da gibt es verschiedene Hypothesen. Vor zwei Jahren hat eine kanadische Studie einen Effekt des Einschulungsalters nachgewiesen. Jüngere Kinder hatten eine deutlich größere Wahrscheinlichkeit, mit ADHS diagnostiziert zu werden, als ältere. Die Forscher haben das so interpretiert, dass ein Verhalten, das möglicherweise aus einer Unreife resultiert, für ADHS gehalten wird. Eine andere Hypothese bezieht sich auf Schlafstörungen. Übermüdete Kinder geraten oft außer Rand und Band. Und dann gibt es auch Kritik am erhöhten Medienkonsum, der angeblich dazu führt, dass die Kinder nur noch kurze Aufmerksamkeitsspannen trainieren. Aber dafür gibt es bisher zu wenige empirische Belege.

 

ZEIT: Was müsste erforscht werden?

Becker: Derzeit wird zu wenig auf das pädagogische Setting geachtet. Welche Situationen sind das, die Kinder so nervös machen, dass sie sich schlecht konzentrieren können? Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen meiner Untersuchung ist, dass es letztlich oft gar nicht um ADHS geht. Der Verdacht ist Ausdruck von Inklusionsproblemen, die das Erziehungssystem – und in manchen Fällen auch die Familie – nicht mehr bewältigen kann. Die Frage ist doch: Warum ist das so?

 

ZEIT: Also alles Hysterie?

Becker: Ich sage nicht, dass es ADHS nicht gibt, sondern bloß, dass viel weniger Kinder davon betroffen sind, als angenommen wird. Man kann pädagogische Probleme nun mal nicht lösen, indem man sie an die Medizin delegiert. Die Ursachenforschung muss dort ansetzen, wo die Probleme auftauchen.

 

Leserkommentare

flawless

16. August 2014 20:38 Uhr

1. Danke für den letzten Absatz.

Ohne den hätte mein Kommentar anders ausgesehen. Genau das ist es nämlich: so viele Kinder bekommen als Ausrede ADHS diagnostiziert, damit kann man die Schuld fürs eigene Versagen so schön abgeben. Doch nur die wenigsten ADHS gebrandmarkten Kinder, die dann teilweise noch mit Ritalin vollgestopft werden, haben wirklich ADHS. Vieles lässt sich auch einfach ganz polemisch lösen: mit Erziehung, die Konsequenz und Regeln und vor allem die vermittelt, dass Eltern Eltern und keine Gleichrangigen sind, beinhaltet.

Erschreckend, dass es wirklich so viele Lehrer zu geben scheint, die keine Ahnung von ADHS haben. Ist es denn wirklich so schwer sich mal den ICD 10 anzuschauen und festzustellen, dass das so schwammige Kriterien sind, dass man mit solchen Verdachtsmoment sehr sehr vorsichtig sein sollte?

Ich als Lehrer kann mich trotzdem nicht entspannen, denn ob mit oder ohne Diagnose: ich nehme gehäuft Kinder mit problematischen Elternhäusern wahr und vielleicht sollte man daran mal arbeiten.

Hier müssen alle Eltern und Institutionen an einem Strang ziehen, denn ich kann mich noch gut daran erinnern, wie eine Erzieherin aus einem Kindergarten mal zu mir sagte: "Wir versuchen was wir können, doch die Eltern ziehen nicht mit. Das Kind kommt bald in die Schule - sollen die sich damit rumschlagen. Wir sind ihn los." Und dann brauche ich mich als Gymnasiallehrer nicht wundern, wenn solche Kinder in meinen Klassen sitzen - natürlich durch die Bank weg hochbegabt. ;)

 

Rursus

16. August 2014 20:44 Uhr

2. Mir war so...

...als ob das verstärkte In-Erscheinung-Treten der Diagnose "ADHS" einher ging mit einem verstärkten PR-Aufgebot der Pharmavertreter Ende der 90er Jahre.

Mal schauen ob ich den Link noch in den Tiefen meiner Verlaufsliste wieder finde...

 

Xenophanes

16. August 2014 20:46 Uhr

3. Steht auf der Tafel....

dass eine Funktion eine Zuordnungsvorschrift ist?

Wenn ja, bin ich froh, mit diesem Irrenhaus "Schule" nichts mehr zu tun zu haben!

Zuordnungsvorschrift!

 

Banane74

16. August 2014 20:55 Uhr

4. Lehrer sind keine Mediziner...

... Erziehungswissenschaftlerinnen wie die Interviewte aber auch nicht ;-) Trotzdem hat sie in der Summe Recht. ADHS ist einerseits zur Ausrede für Eltern geworden, die ihrem Sprössling nicht mehr Herr werden (wollen?) und in Teilen auch für Lehrer/innen, die eine schnelle "Diagnose" für das Schüler/innen-Verhalten in ihren Klassen brauchen.

Dabei wäre es so einfach: Vernünftigen Unterricht gestalten, der nicht nur auf Gruppenarbeiten, Lerntheken, Lernzirkeln usw. beruht (da kann man ja so schön bei korrigieren...), sondern als Lehrkraft den Unterricht leiten und rhythmisieren. Oft ist der frontale Unterricht gar nicht schlecht, wenn man diesen dann nicht mit Lehrervortrag verwechselt.

Selbst habe ich seit 15 Jahren oftmals klassenübergreifende Unterrichtsgruppen. Man kann gar nicht glauben, wie unterschiedlich Schüler/innen allein durch das Verhalten der Klasslehrkraft geprägt sind und sich in einer anderen Lernumgebung völlig anders verhalten. Wobei auch das mit Entspannung dann nicht immer etwas zu tun haben muss.

Ja. Es gibt ADHS. Aber bestimmt nicht in dem Maß, in dem es diagnostiziert wird (und das sind dann nun mal die Mediziner und nicht die Lehrer).

 

Kybernetik

16. August 2014 20:59 Uhr

5. Schulprojekte für...

... Lehrer, SchülerInnen und Eltern mit z.B. mit Krisen-Erfahrenen oder hier mit ADHS-Erfahrenen könnten hier eine Möglichkeit sein, damit hier wirklich unterschieden werden kann. Wenn man den Menschen zuhört, die tatsächlich von der Problematik betroffen sind und was das für sie im Alltag bedeutet, könnte das Verständnis dafür fördern und die undifferenzierte Laiendiagnostik ersetzen.

Wie es zum Beispiel in Hamburg schon seit einigen Jahren durchgeführt wird.

http://www.irremenschlich...

 

Antwort auf "Danke für den letzten Absatz."

Moutzel

16. August 2014 21:01 Uhr

6. Und ganz

oft geht es schlicht darum, dass junge Lehrer niemals damit konfrontiert wurden, dass Kinder eine eigene Meinung besitzen und diese äußern.

Ohne Obrigkeitsdenken - einfach so ...

 

krapplack

16. August 2014 21:02 Uhr

7. Schule generiert Verhaltensauffälligkeiten

Wie ein Schweizer Wissenschaftler im Hinblick auf die Inklusion feststellte. Es wird immer Kinder geben, die nicht IN der Schule auffällig sind, sondern die WEGEN der Schule auffällig sind. In diesen Situationen ist es gefährlich, davon auszugehen, dass in der Schule alles getan wird, aber die Eltern nicht mitziehen, weil die Eltern an den Strukturen der Schule wenig ändern können. Und Zusammenarbeitet bedeutet nicht, wie das häufig von Lehrern gesehen wird, dass man im Elterngespräch erst mal klärt, was zu Hause schief läuft, und dann anordnet, was die Eltern jetzt anders machen sollen, denn in den meisten Fällen wird diese Vorgehensweise zu nichts führen.

Antwort auf "Danke für den letzten Absatz."

 

pauker vom land

16. August 2014 21:04 Uhr

8. Liegt die Auffmerksamkeitsstörung nicht vielleicht bei

den Erwachsenen?

Wenn ich meinem Schüler (und die Eltern ihrem Kind) mehr Aufmerksamkeit schenke, dann ist meistens schon viel geholfen.

Meine Erfahrung.

Pensionierter Lehrer vom Land

 

Banane74

16. August 2014 21:07 Uhr

9. Zuordnungsvorschrift

Sicherlich habe Sie Recht, dass der Begriff für eine Funktion eher weniger mathematisch ist. Nur müsste man im Hinblick auf das Tafelbild wissen, an welchem Schultyp und in welcher Jahrgangsstufe hier unterricht wurde. Das gesprochene Wort wäre dazu auch interessant.

Und dass eine Funktion sehr vereinfacht gesagt einzelnen Elementen einer Menge jeweils ein Element einer anderen Menge ZUORDNET ist ja nun nicht soooo falsch.

Antwort auf "Steht auf der Tafel...."

 

zeta1

16. August 2014 21:33 Uhr

10. " In solchen Fällen stellen Lehrer oft die Diagnose ADHS."

Seit wann stellen Lehrer Diagnosen??

 

Gutsokake1

16. August 2014 22:17 Uhr

11. Mit dem Verbot der Prügelstrafe

in Schule und Familie hat sich das Benehmen der Schüler dramatisch verschlechtert und ADHS, was es früher kaum gegeben hat , hat zugenommen.

 

randbemerker

16. August 2014 22:19 Uhr

12. Wenn der Stoff nicht mehr rein passt, geht das Zappeln los

Die ADHS-Diagnose ist zweifellos eine sehr ernste Angelegenheit, denn wer könnte den nervtötenden Tausch von Ursache und Wirkung je wieder in Ordnung bringen, der sich in dieser Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung manifestiert hat? Das zeigt sich zunächst in der quälenden Erscheinung, die umschrieben wird mit: "und der Lehrer schauet stumm in der ganzen Klass' herum". Es kann auch sein, dass bei ihm der Faden reißt und ein Donnerwetter bricht über ein hippeliges Kind herein. Es wäre zweifellos zuviel verlangt, dass der Lehrer die Anforderungen speziell an den Zappelphilipp soweit absenkt, dass der Ursache, Lerndefizit oder Konzentrationsschwäche, mit der Wirkung, Zappeln und Ruhestörung, adäquat begegnet wird und es dadurch zu einem wunderhübschen Ausgleich kommt und alle wären selig in einer wiedergefundenen Ruhe. Aber nein, so läuft das nicht, denn die Phalanx der Elternschaft fordert speziell für Zappelphilipp und gelegentlich auch für Zappelphilippine einen Sonderstatus. Die Lehrerschaft muss noch froh sein, wenn ihr nicht irgendeine Genialität bei dem hippeligen Kind um die Ohren gehauen wird oder ihr gar mit einer Erziehungswissenschaftlerin gedroht wird und wenn es ganz hart kommt, wird noch ein Kultusmysterium alias Ministerium ins Feld geführt, das so ein Problem bei Uneinsichtigkeit zu richten in Gang kommt.

 

markus.L

16. August 2014 22:26 Uhr

13. Geschlechtergemauschel

Leider wird hier nicht zwischen Jungen und Mädchen unterschieden. Statistik ist, dass weit mehr Jungen als Mädchen Auffälligkeiten entwickeln. Man müht sich ab, Krankheiten als gegeben auszudeuteln als Ursachen zu diskutieren. Wie schon in dem Buch "Der ungezähmten Mann" festgestellt, ist für viele Kinder im heutigen Schulsysteme das wesentliche Problem darin zu sehen, dass sie männlich sind.

 

TardisHQ

16. August 2014 22:28 Uhr

14. Rezept

Lehrer haben zwar eine kurze diagnostische Ausblidung hinter sich, aber es sind keine Mediziner. Es sind die Ärzte, die die Diagnose stellen und dann irgendwelche Medikamente verschreiben. Lehrer dürfen maximal den Verdacht äußern. Jedenfalls wurde mir das so in der Uni beigebracht.

Aber generell gebe ich dem recht: viele ADHS Kinder sind keine. Den Kindern wird jede Form des Austobens und Energieablassens genommen, sie werden genormt und wenn sie sich ausleben wollen, Grenzen austesten oder einfach mal Kind sein wollen, dann wird ihnen gleich der Stempel der Krankheit ausgedrückt. Mit ein paar Tabletten macht man es sich zu einfach.

 

manchmalschon

16. August 2014 23:49 Uhr

15. Ich habe ein "echtes" ADHS.....

... Kind in der Klasse. Es scheitert daran dass ich ganz einfache Sachen nicht darf. Zum Beispiel den Kleinen eine schnelle Runde auf dem Hof drehen lassen wenn ich merke dass es dafür Zeit wird. Aufsichtspflicht und so.

Hinzu kommt dass die Eltern versuchen die Situation zu kontrollieren. Was ein 12-jähriger darüber denkt kann sich der Leser sicher denken. Spätestens nächstes Jahr zeigt er zu Hause, und in folge Dessen auch mir den Mittelfinger.

Wir können noch so viele Mini-Konferenzen abhalten, Sozialarbeiter und Psychologen bemühen, es scheitert dann doch an der Überregulierung und dem Unwillen der Eltern einfach mal loszulassen, bzw. ihrer Angst vor der Realschule. Als ob das etwas Schlimmes wäre.

 

Antiautor

17. August 2014 0:06 Uhr

16. An- Archie

"(...) dass Kinder eine eigene Meinung besitzen und diese äußern.

Ohne Obrigkeitsdenken - einfach so ..."

Obrigkeitsdenken hat viele Gesichter- oder sollte man Fratzen sagen? Obrigkeitsdenken ist das Gegenteil davon, jemanden neben sich wachsen zu lassen. Auf Obrigkeitsdenken beruht die Annahme, dass man ein Kind "erziehen" muss. Muss man nicht, die schauen sich eh alles von den Alten ab. Es ist unnötig, an den Blättern einer Blüte zu ziehen wenn sie sich entfaltet. Wer es doch tut zeigt damit nur, dass er einem Irrtum aufgesessen ist.

Wer's nicht glaubt- ich hab's ausprobiert. Es funktioniert.

Antwort auf "Und ganz"

 

Antiautor

17. August 2014 0:13 Uhr

17. Ein Prügelpädagoge?

"Mit dem Verbot der Prügelstrafe in Schule und Familie hat sich das Benehmen der Schüler dramatisch verschlechtert und ADHS, was es früher kaum gegeben hat , hat zugenommen."

Hoffentlich haben Sie das nicht so gemeint wie es rüberkommt, ansonsten müsste ich Ihnen mal ganz gepflegt an die Gurgel fahren.

Anmerkung: Bitte formulieren Sie auch Kritik sachlich. Die Redaktion/lh

Antwort auf "Mit dem Verbot der Prügelstrafe"

 

Veräntergung

17. August 2014 1:28 Uhr

18. Wird immer noch Ritalin verschrieben?

Ich kenne jemanden, dem Ritalin gegeben wurde, aber die eigentliche Problematik lag in einem zerrütteten Elternhaus.

Die meisten Probleme auch "Hyperaktivität", Aggressivität ebenso wie Passivität (wie bei mir) liegen an einem zerstörten und gestörten sozialen Umfeld.

Die Eltern müssten medizinisch NEIN! Psychologisch betreut werden. Aber das kommt nicht in Frage, die Eltern stecken mit den Lehrern weitgehend unter einer Decke. GEGEN DAS KIND.

Ich weiss nicht wie es heute in den Schulen aussieht, aber in meiner Generation, Schlulabschluss 1990, waren die Lehrer FEHL AM PLATZ und nicht für den Beruf im Umgang mit Kindern (Lebewesen) geeignet.

Da muss vielleicht an der Uni was geschehen. Der Kontakt mit Kindern findet zu spät statt, die Lehrer sind überfordert von der Wut in den Klassenräumen. Vielleicht ist auch das Schulsystem falsch: Rumsitzen bis der Arzt kommt.

Die ganze Schule penetriert den Bewegungsdrang, wenn die Kinder dann in die Pause gehen oder Schulschluss haben, wird die ganze aufgestaute Aktivitätslust unkontrolliert freigegeben, bis hin zu Prügellust.

Es mag den einen oder anderen kranken unter den Kindern geben, ich habe drei Schulen durchgemacht und nicht einen in Erinnerung, aber jede Menge "potentielle Syndrome", Symptome, die man gut und gerne als AD-Dingsda abgestempelt hätte, wenn man nur danach gesucht hätte.

 

Veräntergung

17. August 2014 1:34 Uhr

19. 1990 noch aktuell:Ohrfeigen

Eine Ohrfeige weil ich dasselbe gesagt habe, wie alle meine Mitschüler, die ihre Hausaufgaben vergessen haben.

"Weisst du, warum du die jetzt bekommen hast?"

"Nein" Heul

"Weil du dasselbe gesagt hast".

Ey, die sind total frustriert die Lehrer, und sehen sich in Frage gestellt, wenn die Kinder ihnen nicht - ich erspare mir hier gewisse Worte.

1980: Ohrenziehen.

Also wie sieht das heute aus?

An einer Schule gibt s sicher irgendeinen, der das noch tut. Aber die VERBALE GEWALT ausgehend vom Lehrer ist auch sicher heute noch anzutreffen aus Hilflosigkeit gegenüber der wilden Bande.

Die Lehrer können ihre Autorität meist nur noch durch Autorität und nicht Wissen oder vorbildhaftes Wirken ausüben. Die sanfte Pädagogik, die Gespräche, gelten wohl als zu eitel. Für das geschundene Selbstbild der Lehrer.

Ich will nicht sagen, dass Schule und Lehrer alles schlecht ist, aber meine Erfahrung besagt das. Ich meine, vielleicht gibt es da und dort noch geschickte, autarke, selbstbewusste Lehrer, die verbale Gewalt nicht nötig haben. Aber sie sind wohl selten.

Antwort auf "Ein Prügelpädagoge?"

 

intheair

17. August 2014 1:43 Uhr

20. Irgendwann müssen die Diagnosen gestellt werden!

Auf dem Dorf hinken die Diagnosen ein wenig hinterher. Theoretisch muss es mehr ADHS Kinder auf dem Dorf geben. Die Statistik lügt da nicht.

Bei uns in Hamburg kann das zum Glück nicht mehr so passieren. Wir haben zum Glück mehr Kinderärzte und Psychologen. Wobei es auch bei uns Stadtteile gibt, in denen die ADHS-Diagnosen unter dem statistischem Mittelwert liegen. Da müsste man langsam mal anfangen gegenzusteuern - vielleicht durch mobile Kinderarztpraxen?

Auf dem Dorf und in den Kleinstädten gibt es weniger Kinderärzte und Psychologen.

Da wird so manche ADHS Diagnose leider nicht gestellt. Ich finde das einen Skandal.

Ich bin für mehr Kinderärzte und Psychologen auf dem Land. Eine nicht erkannte ADHS-Diagnose, die nicht medikamentös behandelt wird, können wir uns als Gesellschaft nicht mehr erlauben.

Unsere Kinder müssen eine faire Chance auf eine ADHS Diagnose bekommen. Man darf ja auch nicht den genetischen Faktor vergessen. Wir sind schließlich für diese Faktor mitverantwortlich.

--------------------------------------------------------

Mich gruseln diese ganzen ADHS-Diagnosen und jeder Kinderarzt, der dies medikamentös behandeln lässt.

 

grübelitis

17. August 2014 5:21 Uhr

21. Für Diagnose ist ausschließlich

der Arzt zuständig! Nur er verschreibt bei Indikation vielleicht Medikamente! Dass Lehrkräfte in einem verantwortlichen Beratungsgespräch eventuell auch anregen, neben anderen Untersuchungen, auch diese Hypothese zu prüfen, mag ja sein, aber sie sind nicht für medizinische Diagnostik zuständig. Viel häufiger formulieren doch Eltern solche Vermutungen. Lasst doch das Lehrer-Bashing! Wieso vermag übrigens die Erziehungswissenschaftlerin Becker solch eindeutige Diagnosen zu stellen, ADHS liege nicht vor? Ist sie nebenbei auch noch Kinderärztin oder Neurologin?

 

Lamproly

17. August 2014 7:17 Uhr

23. Aufmerksamkeit der Erwachsenen

Ich gebe Ihnen recht. Jedenfalls, was fehldiagnostizierte Kinder betrifft.

Ich habe in meiner Schullaufbahn nur wenige Lehrer getroffen, die sich wirklich für ihre Schüler interessiert haben.

Nicht jeder Lehrer ist als Pädagoge geboren, das bringen manche Interessensfelder/Fächer nun mal mit sich. Dennoch gibt es die, die sich ihre Kinder ansehen, mit ihnen unter vier Augen sprechen oder mit den Eltern reden. Ich denke, dass es vielen Kindern helfen würde.

Antwort auf "Liegt die Auffmerksamkeitsstörung nicht vielleicht bei "

 

Lamproly

17. August 2014 7:36 Uhr

24. Regulierung der Schulen

ist tatsächlich ein Problem. Mehr Selbstbestimmung/Verantwortung meine ich damit nicht (nicht falsch verstehen), sondern eher, was manchmalschon angesprochen hat.

Für die wirklich diagnostizierten (wie einer meiner Brüder) ist Vertrauen, Zuspruch und eine Einschätzung der Werte ohne den ADHS-Faktor wichtig.

Da er oft überreagierte, ist er mit vielen Lehrern aneinandergeraten und die Schule hat eine Zusammenarbeit mit der Familie sehr erschwert. Meist wurde er auf diese Probleme reduziert und von einem Übertritt aufs Gymnasium wurde dringend abgeraten. Durch Vertrauen und Unterstützung seines (eigens gesteckten) Zieles hat er sich ins Zeug gelegt und fühlt sich in der neuen Umgebung pudelwohl.

Letztendlich war laissez-faire mit Einschränkungen doch die beste Lösung. ADHS-Kinder lassen sich nur führen, wenn der Wille vorhanden ist. Da ist Manipulation vielleicht der bessere Weg als Kontrolle.

Streitpunkte wegen versicherungstechnischer oder anderer Regeln gab und gibt es immer wieder, sind aber im bürokratischen Deutschland unumgänglich.

Ich glaube trotzdem, dass man eher an dem System etwas ändern muss, als Kinder mit Tabletten vollzupumpen. Abgesehen von den Nebenwirkungen ist es nie gut, die Ursache gegenüber der Wirkung zu vernachlässigen.

Danke für diesen Artikel!

Antwort auf "Ich habe ein "echtes" ADHS....."

 

 

Veräntergung

17. August 2014 1:28 Uhr

18. Wird immer noch Ritalin verschrieben?

Ich kenne jemanden, dem Ritalin gegeben wurde, aber die eigentliche Problematik lag in einem zerrütteten Elternhaus.

Die meisten Probleme auch "Hyperaktivität", Aggressivität ebenso wie Passivität (wie bei mir) liegen an einem zerstörten und gestörten sozialen Umfeld.

Die Eltern müssten medizinisch NEIN! Psychologisch betreut werden. Aber das kommt nicht in Frage, die Eltern stecken mit den Lehrern weitgehend unter einer Decke. GEGEN DAS KIND.

Ich weiss nicht wie es heute in den Schulen aussieht, aber in meiner Generation, Schluabschluss 1990, waren die Lehrer FEHL AM PLATZ und nicht für den Beruf im Umgang mit Kindern (Lebewesen) geeignet.

Da muss vielleicht an der Uni was geschehen. Der Kontakt mit Kindern findet zu spät statt, die Lehrer sind überfordert von der Wut in den Klassenräumen. Vielleicht ist auch das Schulsystem falsch: Rumsitzen bis der Arzt kommt.

Die ganze Schule penetriert den Bewegunsgdrang, wenn die Kinder dann in die Pause gehen oder Schluschluss haben, wird die ganze aufgestaute Aktivitätslust unkontrolliert freigegeben, bis hin zu Prügellust.

Es mag den einen oder anderen kranken unter den Kindern geben, ich habe drei Schulen durchgemacht und nicht einen in Erinnerung, aber jede Menge "potentielle Syndrome", Symptome, die man gut und gerne als AD-Dingsda abgestempelt hätte, wenn man nur danach gesucht hätte.

 

Veräntergung

17. August 2014 1:34 Uhr

19. 1990 noch aktuell: Ohrfeigen

Eine Ohrfeige weil ich dasselbe gesagt habe, wie alle meine Mitschüler, die ihre Hausaufgaben vergessen haben.

"Weisst du, warum du die jetzt bekommen hast?"

"Nein" Heul

"Weil du dasselbe gesagt hast".

Ey, die sind total frustriert die Lehrer, und sehen sich in Frage gestellt, wenn die Kinder ihnen nicht - ich erspare mir hier gewisse Worte.

1980: Ohrenziehen.

Also wie sieht das heute aus?

An einer Schule gibt s sicher irgendeinen, der das noch tut. Aber die VERBALE GEWALT ausgehend vom Lehrer ist auch sicher heute noch anzutreffen aus Hilflosigkeit gegenüber der wilden Bande.

Die Lehrer können ihre Autorität meist nur noch durch Autorität und nicht Wissen oder vorbildhaftes Wirken ausüben. Die sanfte Pädagogik, die Gespräche, gelten wohl als zu eitel. Für das geschundene Selbstbild der Lehrer.

Ich will nicht sagen, dass Schule und Lehrer alles schlecht ist, aber meine Erfahrung besagt das. Ich meine, vielleicht gibt es da und dort noch geschickte, autarke, selbstbewusste Lehrer, die verbale Gewalt nicht nötig haben. Aber sie sind wohl selten.

Antwort auf "Ein Prügelpädagoge?"

 

intheair

17. August 2014 1:43 Uhr

20. Irgendwann müssen die Diagnosen gestellt werden!

Auf dem Dorf hinken die Diagnosen ein wenig hinterher. Theoretisch muss es mehr ADHS Kinder auf dem Dorf geben. Die Statistik lügt da nicht.

Bei uns in Hamburg kann das zum Glück nicht mehr so passieren. Wir haben zum Glück mehr Kinderärzte und Psychologen. Wobei es auch bei uns Stadtteile gibt, in denen die ADHS-Diagnosen unter dem statistischem Mittelwert liegen. Da müsste man langsam mal anfangen gegenzusteuern - vielleicht durch mobile Kinderarztpraxen?

Auf dem Dorf und in den Kleinstädten gibt es weniger Kinderärzte und Psychologen.

Da wird so manche ADHS Diagnose leider nicht gestellt. Ich finde das einen Skandal.

Ich bin für mehr Kinderärzte und Psychologen auf dem Land. Eine nicht erkannte ADHS-Diagnose, die nicht medikamentös behandelt wird, können wir uns als Gesellschaft nicht mehr erlauben.

Unsere Kinder müssen eine faire Chance auf eine ADHS Diagnose bekommen. Man darf ja auch nicht den genetischen Faktor vergessen. Wir sind schließlich für diese Faktor mitverantwortlich.

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Mich gruseln diese ganzen ADHS-Diagnosen und jeder Kinderarzt, der dies medikamentös behandeln lässt.

 

grübelitis

17. August 2014 5:21 Uhr

21. Für Diagnose ist ausschließlich

der Arzt zuständig! Nur er verschreibt bei Indikation vielleicht Medikamente! Dass Lehrkräfte in einem verantwortlichen Beratungsgespräch eventuell auch anregen, neben anderen Untersuchungen, auch diese Hypothese zu prüfen, mag ja sein, aber sie sind nicht für medizinische Diagnostik zuständig. Viel häufiger formulieren doch Eltern solche Vermutungen. Lasst doch das Lehrer-Bashing! Wieso vermag übrigens die Erziehungswissenschaftlerin Becker solch eindeutige Diagnosen zu stellen, ADHS liege nicht vor? Ist sie nebenbei auch noch Kinderärztin oder Neurologin?

 

Jetie

17. August 2014 6:22 Uhr

22. [...]

Entfernt. Bitte nutzen Sie Ihr Userprofil, um auf Ihr privates Blog aufmerksam zu machen. Der Kommentarbereich ist für die Diskussion des Artikels vorgesehen. Die Redaktion/lh

 

Lamproly

17. August 2014 7:17 Uhr

23. Aufmerksamkeit der Erwachsenen

Ich gebe Ihnen recht. Jedenfalls, was fehl diagnostizierte Kinder betrifft.

Ich habe in meiner Schullaufbahn nur wenige Lehrer getroffen, die sich wirklich für ihre Schüler interessiert haben.

Nicht jeder Lehrer ist als Pädagoge geboren, das bringen manche Interessensfelder/Fächer nun mal mit sich. Dennoch gibt es die, die sich ihre Kinder ansehen, mit ihnen unter vier Augen sprechen oder mit den Eltern reden. Ich denke, dass es vielen Kindern helfen würde.

Antwort auf "Liegt die Auffmerksamkeitsstörung nicht vielleicht bei "

 

Lamproly

17. August 2014 7:36 Uhr

24. Regulierung der Schulen

ist tatsächlich ein Problem. Mehr Selbstbestimmung/Verantwortung meine ich damit nicht (nicht falsch verstehen), sondern eher, was manchmalschon angesprochen hat.

Für die wirklich diagnostizierten (wie einer meiner Brüder) ist Vertrauen, Zuspruch und eine Einschätzung der Werte ohne den ADHS-Faktor wichtig.

Da er oft überreagierte, ist er mit vielen Lehrern aneinandergeraten und die Schule hat eine Zusammenarbeit mit der Familie sehr erschwert. Meist wurde er auf diese Probleme reduziert und von einem Übertritt aufs Gymnasium wurde dringend abgeraten. Durch Vertrauen und Unterstützung seines (eigens gesteckten) Zieles hat er sich ins Zeug gelegt und fühlt sich in der neuen Umgebung pudelwohl.

Letztendlich war laissez-faire mit Einschränkungen doch die beste Lösung. ADHS-Kinder lassen sich nur führen, wenn der Wille vorhanden ist. Da ist Manipulation vielleicht der bessere Weg als Kontrolle.

Streitpunkte wegen versicherungstechnischer oder anderer Regeln gab und gibt es immer wieder, sind aber im bürokratischen Deutschland unumgänglich.

Ich glaube trotzdem, dass man eher an dem System etwas ändern muss, als Kinder mit Tabletten vollzupumpen. Abgesehen von den Nebenwirkungen ist es nie gut, die Ursache gegenüber der Wirkung zu vernachlässigen.

Danke für diesen Artikel!

Antwort auf "Ich habe ein "echtes" ADHS....."

 

Nordlicht-MV

17. August 2014 7:39 Uhr

25. Tolle Diagnose aus dem Elfenbeinturm

Es unbestritten, dass die ADHS-Diagnosen in den letzten Jahren erheblich zugenommen haben. Aber die Diagnose stellen eben nicht die Lehrer, sondern die Diagnose stellen die Psychologen.

Daher ist die Überschrift mehr als dumm. Die Schüler haben sich in den letzten Jahren geändert. Viele haben zu Hause nicht gelernt, sich über längere Zeit zu konzentrieren. Als Nichtpädagoge gefällt mir gar nicht, dass bei allen Defizite, die zu Hause entstehen, erwartet wird, dass die Schule sie reparieren muss. Was uns zu denken geben muss, dass ist, dass vor allem Jungs von der Diagnose und der Fehldiagnose ADHS betroffen sind. Es wäre besser, wenn sich Frau Becker mal diesen Thema widmen würde.

 

 

Hollenfels

17. August 2014 7:45 Uhr

27. Begriffe und Skalen

ADHS ist doch nur ein erfundener Begriff, damit wir unser Schachteldenken aufrechterhalten können. Es gibt immer Leute die weniger aufmerksam sind und dann setzt euch eine Skala.

Das beste Mittel gegen das erfundenen ADHS ist immer noch Liebe, so dämlich es auch klingt!

 

politspotter

17. August 2014 7:58 Uhr

28. Lehrer - Diagnostiker

Seit es den Schwachsinn mit der Definition von Kompetenzen anstatt von Lehr- und Lernzielen gibt. Es gibt ein Geschäftsfeld für Diagnosebögen. Unglaublich, aber wahr. Seit die Schulpolitik von der Industrie und der Personalentwicklung dank neoliberaler Vorbilder, die von der Bertelsmann-Stiftung protegiert werden, abgeschrieben hat, ist das so. Nur: In der Personalentwicklung sind die Psychologen (und dazu noch spezialisiert) und nicht die Pädagogen am Ruder. Der pädagogische Pflichtteil an der Uni ist gering, das fachwissenschaftliche Studium steht im Mittelpunkt. Der Glaube der Entscheider für Schulpolitik in den Parteien ist naiv, Systeme aus der Wirtschaftswelt auf die Schule zu übertragen.

Antwort auf "" In solchen Fällen stellen Lehrer oft die Diagnose ADHS.""

 

politspotter

17. August 2014 8:10 Uhr

29. Diagnose fängt zu Hause an

Kinder, die mit Spielsachen überhäuft werden, haben am Ende in der Schule massive Konzentrationsschwieriigkeiten. Kinder, deren -Eltern nicht mit den Kindern spielen und diese Spiele zu Ende führen, auch wenn das Kind verliert, werden ebenfalls Probleme haben, sich "zu focussieren". Kinder, die zu Hause - ja, was ist ein "zu Hause?" - keine Beachtung, keine Zuwendung erhalten, entgeht das "soziale Lernen", das "emotionale Lernen", Umgang mit Frustrationen, das Aushalten dieser ohne auszurasten usw. Es leider uncool, auf die Ursachen dieser "familiären Defizite" hinzuweisen und noch uncooler, auf die kollektive Selbstbelügerei mit der Sozialisierung der Erziehungsfunktion auf die Öffentlichkeit. Am Ende diagnostiziert sich die Gesellschaft selbst - an Zahlen, Daten, Fakten mangelt es nicht.

Antwort auf "Irgendwann müssen die Diagnosen gestellt werden!"

 

politspotter

17. August 2014 8:31 Uhr

30. Zappelphilipp 1845 - heute sediert

Und die Mutter blicket stumm - Das überlesen viele, schon damals hatte die Frau nichts zu sagen, war stumm. Heute wirft sie dem Philipp Pillen rein, hat sie selber in Disco auch gemacht, da war sie noch nicht Mutter. Und als sie den Prüfungsstress kommen sah, griff sie auch zu Ritalin. Hat geholfen. Für jedes Problem hat sie heute ihr Pillchen und der Kleine bekommt halt Ritalin, da stört er nicht so.

Nur Abtreibung ist schlimmer, aber ultimativ. Die Entsorgung kann aber auch sozialisiert werden: Kind weggeben an irgendwelche öffentliche Institutionen. Dann ist sie den Störenfried auf sozial akzeptierte Weise los. Der Mann muss ja - körperlich - arbeiten, und wenn er kein Essen mehr bekommt, wird es allen in der Familie schlecht gehen. Heute ist das zum Glück anders, der Philipp zappelt nicht, weil er sediert wird.

 

liquimoly

17. August 2014 8:58 Uhr

31. Übermensch Lehrer

Was Lehrer sich seit Jahrhunderten anmaßen, zeugt von Kleingeist und Größenwahn.

Mittlerweile sehen sie sich als Hobbyärzte, die, wie selbst erlebt, Diagnosen wie ADHS, Adperger-Syndrom, suizidale Tendenzen am laufenden Band stellen.

Ihre Kenntnisse entstammen dabei dem Focus oder Fernsehserien wie "Big Bang Theory".

Der auf dem Foto dieses Artikels typischerweise dargestellte "Leerkörper" ist leider das, was den Kindern heutzutage 40 Stunden pro Woche typischerweise zugemutet wird:

Eine gänzlich unemphatische Schlaftablette nuschelt an der Tafel vor sich hin, die Schüler fühlen sich in keinster Weise angesprochen.

Würde ein Buch oder eine politische/naturwisenschaftliche Radio- oder Fernsehsendung derart unprofessionell produziert, bekäme sie keinen Sendeplatz, da der Medienkonsument sofort weiterschalten würde.

Für den Lehrerberuf sollten endlich dieselben Anforderungen gelten wie in der Wirtschaft. Dort entscheiden die sogenannten Softskills gleichrangig mit der fachlichen Qualifikation über die Stellenvergabe.

 

Anja66

17. August 2014 9:29 Uhr

32. Richtig

"...Den Kindern wird jede Form des Austobens und Energieablassens genommen..." es wird ihnen zusätzlich jedes Selbständigwerden genommen indem sie z.B. nicht nur die ersten paar Tage/Wochen in die 1.(!) Klasse sondern jahrelang in die Schule begleitet oder, schlimmer noch, gefahren werden.

Die paar Stunden Schule (und bei G8 sind auch das vielleicht etwas viele) pro Tag sind allenfalls bei wirklichen schwereren ADHS Fällen ein Problem, das Problem ist, dass sie den ganzen(!) Tag nicht mehr ohne Aufsicht alleine oder mit Freunden unterwegs sein dürfen.

Anschauungsmaterial http://www.heise.de/tp/ar...

in dem Artikel geht es vor allem um Übergewicht und die Studie wurde nicht in Deutschland gemacht, aber lässt sich übertragen - insbesondere der letzte Punkt.

Antwort auf "Rezept"

 

Jef77

17. August 2014 9:51 Uhr

33. Pharma-Industrie

Wer glaubt, dass es der Pharma-Industrie darum geht den Leuten langfristig zu helfen und nicht darum, langfristig ihren Absatz an Medikamenten zu halten, der macht sich doch was vor...

Webung für Medikamente (genauso wie für Zigaretten und Alkohl) sollte folglich viel stärker eingeschränkt oder sogar verboten werden um eine Beeinflussung von dieser Seite zu verhindern.

Antwort auf "Mir war so..."

 

flawless

17. August 2014 9:51 Uhr

34. Ja genau alle Lehrer hassen ihren Job

und machen ihn nur wegen des Geldes.

Grundsätzlich sind sowieso alle Lehrer GEGEN DAS KIND. Genau so wie die Eltern, die sind am allermeisten GEGEN DAS KIND.

Ernsthaft, lesen Sie sich manchmal eigentlich durch, was Sie so vom Stapel lassen!?

Antwort auf "Wird immer noch Ritalin verschrieben?"

 

karoo

17. August 2014 10:07 Uhr

35. Wenig Ruhe, wenig Selbstbestimmung

Ich weiß nicht, wie ich mich verändern würde, wenn ich 7/8 Std täglich in einem Gebäude mit 500 anderen Kindern verbringen müsste. Der Lärmpegel ist teilweise extrem hoch. Mahlzeiten sind wenig selbstbestimmt, Massenware und werden in großen Gruppen eingenommen. Danach geht das vorbestimmte Programm weiter. Wer würde da nicht rebellieren? Ich halte die Kasernierung der Kinder, egal wie sehr man sie polstert, für höchst problematisch.

 

caziba

17. August 2014 10:11 Uhr

36. Diagnosegesellschaft

Im Prinzip halte ich es nicht für falsch, wenn Lehrer, die einen wesentlichen Teil des Tages mit den Kindern verbringen, eine Rückmeldung über Verhaltensbeobachtung geben. Unsinnig ist, wenn dies in Form von Diagnosen erfolgt.

Es scheint aber generell heutzutage in zu sein, auffälliges Verhalten nicht per se zu benennen, sondern es unter einer Diagnose zusammenzufassen. So ist der Chef nicht mehr ein selbstverliebtes ***, sondern leidet sicher an einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Der Kollege, der seinen Schreibtisch immer aufräumt, ist zwangsgestört und die Exfrau, die einen Rosenkrieg veranstaltet, ist Borderlinerin. Und Kinder haben eben ADHS, wenn sie nicht ruhig sind.

Übrigens ist Ritalin kein Mittel zum Ruhigstellen. Ganz im Gegenteil ist es ein Amphetamin, das dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt, eine Aufputschdroge. Sonst würde es ja keinen Sinn ergeben, dies im Studium/Job zu missbrauchen. Bei Kindern, die kein ADHS haben, aber auch bei einem hohen Prozentsatz mit ADHS wirkt das Medikament nicht bzw. hat einen gegenteiligen Effekt, mitsamt erheblicher Nebenwirkungen.

Ich habe noch nicht EINEN Menschen gehört, der im Rückblick mit seiner Medikation mit Ritalin oder ähnlichen Substanzen glücklich gewesen ist. In der Regel verweigern die Jugendlichen die Einnahme, sobald sie dazu in der Lage sind.

 

Antiautor

17. August 2014 11:07 Uhr

37. Ein Held

"Eine runtergehauen habe ich neulich meinem Enkel... "

Soso, und darauf sind Sie auch noch stolz, wie es scheint. Schwächere schlagen wenn ihr Verhalten nicht den eigenen Maßstäben genügt ... eine echte Heldentat!

Nehmen Sie sich die Zeit, diesem Gedanken zu folgen:

Ihr Enkel lernt nicht nur, dass er von Opa eine gesemmelt kriegt wenn ihm zappelig zuwege ist, sondern mehr. Er lernt nämlich, wie Opa Leute die auf sein Wohlwollen angewiesen sind behandelt, wenn sie sich seiner Meinung nach ins Unrecht setzen.

Vielleicht werden Sie ja mal pflegebedürftig. Wollen Sie dann eine gesemmelt kriegen, wenn Sie zur Unzeit in die Windel strunzen? Vielleicht haben Sie noch genug Gelegenheit darüber nachzudenken, welche Saat man mit sowas sät.

Und wenn Ihr Enkel das nächste Mal zappelig ist, dann befreien Sie ihn aus seiner Situation. Nehmen Sie einen Ball und gehen raus mit dem Kind statt ihm eine runterzuhauen. Denken Sie einfach einen Schritt weiter.

Ich hoffe dass Ihr Enkel alt genug ist um Ihr Fehlverhalten emotional einzuordnen. Sie sollten mit ihm darüber reden bevor Sie auf dem Sterbebett liegen. Das hilft dem menschlichen Miteinander.

Antwort auf "[...]"

 

janz.ralf

17. August 2014 17:40 Uhr

38. Ihnen ist schon bewusst...

... dass Sie damit in einem oeffentlichen Forum eine Tat zugegeben haben, die nach BGB § 1631 und StGB § 225 verboten und strafbar ist?

Ich habe mir erlaubt einen Screenshot zu machen, bevor ich Ihren Kommentar dem ZEIT-Forumsteam melde und werde Anzeige erstatten.

Antwort auf "[...]"

 

TardisHQ

18. August 2014 1:38 Uhr

39. Lehrerbild

Was haben Sie nur für ein unreflektiertes Lehrerbild?

Dass, was Sie da zeichnen zeugt nur davon, dass sie schon lange nicht mehr in einer modernen Schule waren. Und ihr Vorschlag, sich an der Wirtschaft zu orientieren ist - mit Verlaub - Schwachsinn. Wir haben es bei Schülern mit Menschen zu tun und nicht mit Humanressourcen, die einem Leistungsprinzip folgend optimiert werden müssen. Menschen, die so denken, haben uns erst in diese Situation gebracht, dass der einst als ehrbar angesehene Beruf zum Prügelknaben der Nation wurde.

Na, nur gut, dass wir Lehrer das wertvollste Gut der Gesellschaft zur Aufsicht und Erziehung von den Eltern bekommen: ihre Kinder (und damit die Zukunft).

Antwort auf "Übermensch Lehrer"

 

Antiautor

18. August 2014 21:52 Uhr

40. Steht HQ für high quality?

"Na, nur gut, dass wir Lehrer das wertvollste Gut der Gesellschaft zur Aufsicht und Erziehung von den Eltern bekommen: ihre Kinder (und damit die Zukunft)."

Also, bis zum "wertvollsten Gut der Gesellschaft" gehe ich noch mit Ihnen konform, aber bei "Aufsicht und Erziehung" kommen mir Zweifel. Aufsicht vielleicht noch, aber die Erziehung eines Kindes ist das Beispiel der Eltern, der menschliche Umgang in der Familie in den frühen Lebensjahren des Kindes. Wenn die Kids als Erstklässler an ihre Lehrer geraten, ist der Drops längst gelutscht. Was folgt ist nur noch das Abspulen der jeweils eigenen Reaktionsmuster, was sowohl theoretisch wie praktisch in einem Machtkampf endet, den der Schüler aus Lehrersicht gefälligst zu verlieren hat.

Das kann man mit Erziehung verwechseln, muss man aber nicht.

Antwort auf "Lehrerbild"

 

TardisHQ

18. August 2014 23:44 Uhr

41. Eben nicht

Das ist ein Trugschluss. Erziehung findet auch und gerade in der Schule statt und Sie würden sich wundern, wieviel man an den jungen Menschen noch "richten" kann. Erziehung ist eben nicht alleinige Aufgabe der Eltern, sondern aller sozialer Gruppen, in der sich das Individuum bewegt. Mit Beginn der Schule ist die Erziehung des Kindes noch lange nicht abgeschlossen, der "Drops ist" eben nicht "gelutscht", wie Sie das so schön ausdrücken. Es wird immer schwerer, mit zunehmenden Alter Verhaltensmuster zu manipulieren und korrigieren, aber bei Weitem nicht so unmöglich wie Sie das darstellen.

Auf den "Machtkampf" in der Schule kann sich der Lehrer einlassen, muss er aber nicht. Ich erlebe es ja jeden Tag selbst: die Schüler wollen Grenzen austesten, eigene Erfahrungen sammeln, schauen, wie weit sie gehen können. Ich kann es zulassen, sie in die Schranken weisen oder anleiten, selbst zu erkennen, wann es reicht. Sie würden staunen, was alles möglich ist, wenn die Lehrperson sich eingesteht, dass es im Klassenzimmer nicht darum geht, Macht auszuüben, sondern Schüler auf Leben vorzubreiten (und damit meine ich nicht den Schulstoff aus den Rahmenlehrplänen - das ist ein eigenes Thema)

Antwort auf "Steht HQ für high quality?"

 

smoke_bob

19. August 2014 13:28 Uhr

42. Langeweile.

Vielleicht ist den Kids nur langweilig oder die kommen mit dem System nicht klar!? Kinder unterscheiden sich in ihrer Persönlichkeit. Ich habe Schule immer gehasst. Lange, ruhig sitzen und immer schön still arbeiten war nicht mein Ding und idR auch überflüssig. Erwachsene akzeptieren Unterschiede und feilen an individuellen Modellen. Kinder werden in ein starres gepresst. Absurd und sehr ungerecht.

 

axolotl123

19. August 2014 14:14 Uhr

43. Ihre Logik erschließt sich mir nicht.

Denken Sie eine ADHS-Diagnose ist eine Art Strafe? Wenn man die Diagnose bekommt, bekommt man auch Hilfe. Das ist also keine Strafe sondern ganz im Gegenteil. Man fängt eine Therapie an, die ihm/ihr sehr helfen kann: Ob die Lernschwierigkeiten durch ADHS verursacht wurden, oder nicht, spielt bei der Verhaltenstherapie keine Rolle. Medikamente "muss" man nicht schlucken.

Mädchen werden seltener diagnostiziert, weil sie sich mehr Mühe geben. Das wird auch von ihnen erwartet. Jungs haben mehr Freiheit: Boys will be boys, halt.

Als eine Frau, die erst mit 30 Jahren, nach der Promotion (sowie Jahren von Depressionen, Burn-Out und extrem chaotischem Privatleben) diagnostiziert wurde, kann ich Ihnen sagen: Eine ADHS-Diagnose kann ein Life Saver sein. Leider sind Mädchen häufig zu unauffällig um Hilfe zu kriegen und Lehrer können die Symptome bei Frauen nicht so gut erkennen. Das Problem ist also nicht, dass ein Junge Hilfe erhält obwohl er sie gar nicht braucht, sondern dass Mädchen sie nicht bekommen.

 

Axolotl [bin keine Muttersprachlerin]

Antwort auf "Geschlechtergemauschel"

 

Antiautor

20. August 2014 21:05 Uhr

44. Oft genug eben doch.

"Erziehung findet auch und gerade in der Schule statt und Sie würden sich wundern, wieviel man an den jungen Menschen noch "richten" kann."

Da fängt's doch eigentlich schon an. Und was ist mit Kindern, die gar keine Korrektur benötigen? Meine Kinder sind in ihrer Schullaufbahn z.B. DREI mal durch die Anti- Nazi- Mühle gedreht worden. Die Beiden sind so überhaupt nicht in der Gefahr, rechtem Gedankengut zu verfallen, das können die vom Wesen her gar nicht. Unser Sohn war da robuster, aber unsere Tochter hat das Leid das da verursacht wurde VERSTANDEN. Beim Besuch des KZ Bullenhuser Damm hat sie 'nen Strahl gekotzt und ist mit einem vernichtenden Migräneanfall zusammengebrochen. Die war drei Wochen lang völlig von der Rolle und ich darf Ihnen sagen, dass mir das Vaterherz geblutet hat sowas mit ansehen zu müssen. Auch Lehrer liegen verdammt oft daneben, bilden Sie sich da bloß nichts ein. Es ist dem Menschen eigen daneben zu liegen, damit muss aber jeder für sich selbst fertig werden...

Antwort auf "Eben nicht "

 

Antiautor

20. August 2014 21:06 Uhr

45. Fortsetzung

So geschehen im Musikunterricht meiner Tochter. Ihre Aufforderung an die Lehrerin, ihr einmal den Zusammenhang zwischen dem Punkt da auf den fünf Linien und der Taste die sie auf dem Keyboard drücken soll zu erklären führte dazu, dass sie an die Triangel gesetzt wurde. Sie spielt inzwischen seit acht Jahren Schlagzeug und sogar einen recht respektablen Bass, wobei sich beim Schlagzeug eine Mischung aus Billy Cobham und Dirk Sengotta abzeichnet. Wenige Jahre noch, dann dürfen sich die Herren warm anziehen, würde ich sagen.

Unfehlbar ist niemand und manchmal geht's halt voll in die Büx.

Antwort auf "Oft genug eben doch."

 

web4health

29. August 2014 22:17 Uhr

46. [...] bei Frau Becker ?

Ich würde eher von [...] sprechen, wenn eine Frau sich anmasst, aus 21 Beobachtungen eine Studie zu machen, die sie so auswertet.

Eine Störung des Sozialverhaltens beispielsweise ist nicht identisch mit ADHS. Aber es ist quasi die dramatische Form davon. Mit ähnlicher Grundlage, aber eben ungünstigeren psycho-sozialen Rahmenbedingungen.

Daraus dann abzuleiten, dass es nichts mit ADHS zu tun hat, lässt auf eine vorgefasste Auffassung bzw. eben eine tendenzielle Auswertung im Sinne schwerer wissenschaftlicher Mängel bzw. möglicherweise [...] von Frau Nicole Becker schliessen. Seriöse Wissenschaftler würden genau solche Aussagen sicher nicht in der Öffentlichkeit machen.

Es wäre an der Zeit, dass wir [...] eben nicht das Gehör geben. Sondern uns an Wissenschaftler halten, die sich wirklich mit dem Thema lange auseinander setzen.

Da ist längst bewiesen, welchen Stellenwert und welche Häufigkeit ADHS hat. Und derartige Artikel schüren halt immer und immer wieder Zweifel, die eigentlich gar nicht berechtigt sind.

Es gibt also 21 Kinder, die möglicherweise nach der subjektiven Auffassung von Becker.....

Ach schön...

[...] Gekürzt. Bitte unterlassen Sie persönliche Beleidigungen. Danke, die Redaktion/at

 

 

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