Kind Anhang

 

http://www.gottiswelt.de/liedgut/kinderlieder.htm#Der_Mond_ist_so_rund

 

[Birgit Laue: Kinderwelt Weleda Heft 2, Herbst 2003]

Der Tastsinn: Wie lernt ein Kind die Welt kennen?

Berührung geht unter die Haut

Der Laufstall

In der vergangenen Woche war Sarah bei mir. Sie kann noch nicht laufen, aber sie rudert auf ihrem Windelpaket flink und zielsicher durch das Zimmer, indem sie sich mit einer Hand abstößt. Geschickt zieht sie sich am Rand des Wohnzimmertisches hoch, packt das Holzauto, das da liegen geblieben ist, und schlägt damit kräftig auf die Platte. Dann geht es Richtung Treppe. Sie ist intensiv beschäftigt, denn vieles muss entdeckt werden. Die Dinge werden betastet, beleckt, auf ihre Festigkeit, auf ihren Umfang geprüft.

Ein glatter, runder Stein wird unzählige Male in ein Schächtelchen gesteckt und wieder herausgeschüttet.

Ab und zu blickt sie auf, als wollte sie fragen: Darf ich das? – Sie darf vieles. Manchmal aber muss ihrem Entdeckungsdrang Einhalt geboten werden, weil er uns beide ermüdet. Dann kommt sie in das Laufställchen, wo sie nach kurzem Protest ihre Puppe begrüßt. Oder ich lege sie für ein Mittagsschläfchen in ihr Reisebett.

Berühren und selbst berührt werden, den Unterschied zwischen Innen und Außen erleben, zwischen offener Weite und begrenzter Enge, zwischen Hart und Weich, das alles sind Erfahrungen, die uns ein unentbehrliches Organ vermittelt: der Tastsinn. Durch ihn entdeckt das Kind, dass es einen eigenen Leib hat, mit dem es alles erfühlen kann. Lässt man es seine leiblichen Grenzen erfahren, schafft es sich damit ein Fundament, das ihm später hilft, seine eigenen Gefühle besser zu verstehen.

Durch den Tastsinn erfährt es auch, dass sich Waldboden anders anfühlt als trockener Sand. Er bewirkt, dass es seine Umwelt in all ihren Erscheinungsformen kennen lernt.

Als Eltern können wir unsere Kinder auf dieser Entdeckungsreise begleiten. Anregungen dazu will Ihnen diese zweite Ausgabe von KinderWelt geben.

Petra Weeda

Jörg ist gerade zwei Jahre alt geworden. Wenn man ihn anschaut, fällt vor allem sein ziemlich großer, unförmiger Kopf auf. An ihm hängt ein Körperchen, das recht ungeschickt ist. Er stolpert über seine eigenen Beinchen und wenn er einen Becher Milch vom Tisch nehmen will, greift er daneben. Schaut er einen an, so sieht man einen verwunderten, aber auch etwas misstrauischen Blick. Man möchte ihn eigentlich am liebsten in den Arm nehmen, aber sobald man sich ihm nähert, kratzt er einen ins Gesicht. Es ist, als sei er sich seines Köpfchens nicht bewusst und als tue es ihm weh, wenn man ihn da berühren will.

Tast-Spielchen

Jörg sitzt viel und ist schwer in Bewegung zu bringen. Dass seine Beinchen Teil seines Körpers

sind, mit denen er vieles unternehmen könnte, z.B. zu seiner eigenen Sicherheit den Boden unter seinen Füßen abtasten, dessen ist er sich noch nicht bewusst. Das wird sich erst ändern, wenn er seinen Leib besser kennen gelernt hat. Dafür muss er seinen Tastsinn entwickeln, den Sinn, durch den man die eigenen Leibesgrenzen wahrnimmt und der sich über die ganze Haut erstreckt.

Bei Jörg hat man den Eindruck, als habe sich alle Empfindung für die Umgebung vollständig in seinen Kopf zurückgezogen.

Tastsinn

Wie lernt ein Kind die Welt kennen?

Der Tastsinn befindet sich nicht nur in unseren Fingerspitzen, sondern in der gesamten Hautfläche unseres Leibes. Indem das Baby lernt, mit all den Wahrnehmungen umzugehen, die es über seine Haut macht, lernt es allmählich auch seinen eigenen Leib kennen. Denn dass ein im Blickfeld erscheinendes Händchen zu ihm selber gehört, lernt es erst, wenn es etwas berührt. Die Kindertherapeutin Joyce Honing erzählt, wie Eltern die Entwicklung dieses einzigartigen

Sinnesorgans begleiten können.

Jörg trägt schöne, aber meist zu enge Kleidung.

Selbst seine Schuhe sind etwas zu klein, was er selbst nicht merkt und sich daher auch nicht dagegen wehrt. Das Erste, wozu ich den Eltern rate, ist, dem Jungen weitere Kleidung zu kaufen, sodass er sich eher veranlasst sieht, sich zu bewegen. Wir beginnen auch Spielchen zu machen, bei denen vor allem seine Füße und Beine beteiligt sind. So lasse ich ihn seine Füße abwechselnd in eine Schüssel mit warmem und kaltem Wasser stellen, in eine Schüssel mit Sand und Kies. So kann er die verschiedenen Wahrnehmungen empfinden und erfahren, dass seine Füßchen zu ihm gehören und dass er mit ihnen allerhand ertasten kann.

Ich frage nach seinem Tageslauf, denn Rhythmus spielt eine große Rolle bei der Entwicklung des Tastsinns. Erfährt das Kind eine deutliche Einteilung des Tages, so kann es gleichsam den Tag abtasten und seine biologische Uhr darauf einstellen. Jörgs Eltern sind begeistert von der Wirkung, die diese Maßnahmen auf ihren Sohn haben. Der Vater bemerkt, dass Jörg viele Dinge plötzlich besser begreift. Das ist nicht erstaunlich, denn ein Kind, das wach in seinem Kopf ist, wird mehr von seiner Umgebung begreifen, sobald es bis in die Zehenspitzen in seinem Körper zu Hause ist und mit der Welt umgehen kann. Es muss festen Boden unter den Füßen haben, um der Welt vertrauensvoll entgegentreten zu können.

Umarmen und berühren

Das Baby kann die Umwelt nicht kennen lernen, solange es im Bauch der Mutter ist. Dieser Prozess beginnt erst, wenn es durch die Geburt aus dem Wasser der Gebärmutter

heraus in die Schwerkraft der Außenwelt hineingestellt wird. Nun ist es die Aufgabe der Eltern, ihrem Baby das Erlebnis seines Leibes zu vermitteln, und das am besten so, dass es sich in ihm wohl aufgenommen fühlt. Der Tastsinn ist dabei das wichtigste Instrument. Nur dadurch, dass das Baby immer wieder auf wohltuende Art berührt wird, entwickelt sich in ihm das Gefühl, dass sein Leib wirklich zu ihm gehört. Ein Baby in den ersten Lebenswochen, in dessen Blickfeld plötzlich ein Händchen erscheint, weiß noch nicht, dass dieses Händchen zu ihm gehört. Erst wenn wir es berühren, wenn es selbst danach greift oder wenn es zufällig an die Stäbe des Bettes stößt, erwacht allmählich dieses Bewusstsein.

Dieser Tastsinn entwickelt sich, wenn wir das Baby versorgen, liebkosen, im Arm halten, streicheln, es an den Fußsohlen kitzeln, seine Zehen anfassen und z.B.: »Kommt ein Mäuschen in mein Häuschen...« spielen.

Babys finden es herrlich, ihren Körper auf diese Weise zu spüren. Viele Säuglinge kriechen in der Wiege bis ans Kopfende oder liegen quer, sodass sie mit Kopf und Füßen die Seitenwände berühren. Es ist, als wollten sie durch diesen Gegendruck fortwährend spüren, wo ihr Körper beginnt und endet.

Bei der täglichen Pflege des Kindes bieten sich viele Gelegenheiten, bei denen es auf natürliche Weise seinen Körper kennen lernt. Mit kleinen Liedern und Spielen, die dazu einladen, Beinchen, Zehen, Wangen, Finger, Näschen oder Kinn zu berühren, Wenn das Kind in diesem behutsamen Prozess des Ertastens und Erfühlens seinen Leib kennen lernt, dann wird es sich in ihm auch heimisch fühlen. Das vollzieht sich nicht in wenigen Monaten, sondern es ist ein jahrelanger Prozess. Wenn zur Zeit der Schulreife ein Bewusstsein für den Leib als ein sicheres Haus erwacht ist, wird das Kind auf eigenen Beinen stehen können. Dann wird sein Selbstempfinden auch nicht mehr so leicht erschüttert werden können, denn ein Kind, das sich in seiner Haut wohl fühlt, kann die Eindrücke von außen auch sicherer verarbeiten.

Offenheit und Verletzlichkeit

Wenn ein Kind jedoch sehr empfindlich und offen gegenüber den Eindrücken der Außenwelt ist, dann wird es ihm schwer fallen, sich in seinem Leib wohl zu fühlen. Dann muss dem Tastsinn besondere Aufmerksamkeit zugewendet werden, um dem Kind zu

helfen, sich vor den Reizen zu schützen, die durch seine Dünnhäutigkeit so direkt und kräftig in es eindringen. – so wie bei Boris, ein reizendes Kerlchen von drei Jahren.

Er hat eine zarte, helle Haut und große, dunkelblaue Augen. Er hört, sieht und riecht alles. Wenn ein neues Kind zu mir in die Praxis kommt, mache ich mich stets etwas kleiner, indem ich in die Hocke gehe, wenn ich es begrüße. Doch Boris dreht mir sofort die Schulter zu und wendet sich ab. Er schreckt vor einer Berührung zurück. Das ist für mich das Signal, dass ich mich diesem Kind sehr behutsam nähern muss. Ich bemerke, dass er vor allem bei Eindrücken von vorne besonders verletzlich ist. Also stelle ich mich an seine Seite. Das gefällt ihm besser. Er ist wie ein kleiner Krebs, der sich allem am liebsten ganz vorsichtig von der Seite her nähert.

Boris‘ Mutter macht sich Sorgen, weil ihr Kind so ängstlich ist und schlecht schläft.

Sie selbst leidet unter Ängsten und weiß, dass dies eine schlechte Voraussetzung ist, um Boris davor zu schützen. Um ihm besondere Zuwendung zu geben, stillt sie ihn immer noch. Nachts darf Boris bei seinen Eltern im Bett liegen und seine Mutter streichelt

ihn jeden Abend oft mehr als eine Stunde lang, bis er einschläft. Durch diese Art der Zuwendung nimmt sie ihn gleichsam wieder in ihren Mutterleib auf. Aber damit nimmt sie Boris die Möglichkeit zu erleben und zu entdecken, dass sein Körper ein abgeschlossenes Ganzes ist, das nur ihm gehört. Und gerade dies bräuchte er so nötig. Denn wer sich nicht in seinen eigenen Leib zurückzuziehen wagt, weil der zu ungeschützt und offen ist, der kann auch nicht einschlafen. Eigentlich fordert Boris von seinen Eltern das Gegenteil dessen, was sie tun. Er will, dass sie ihm sagen: Da ist dein Bettchen, da ist es gut und warm, da kannst du sicher mit dir allein sein und wir werden dir helfen, dass du das so erleben

kannst.

Einreibungen mit Hautöl

In einem Fall wie diesem, aber auch bei Neugeborenen,

die schreckhaft auf Geräusche und Bewegungen reagieren, oder wenn ein Kind leicht außer sich gerät bei Geburtstagen oder anderen Ereignissen außerhalb des gewohnten Tagesrhythmus, können wir helfen, indem wir das Kind täglich morgens und abends von Kopf bis Fuß mit einem wärmenden Öl einreiben, z.B. mit Calendula-Babyöl oder Lavendel-Pflegeöl w. Eigentlich sind Einreibungen immer zu empfehlen, wenn ein Kind besonderen Schutz vor Eindrücken braucht. Mit ihnen wirkt man in zweifacher Hinsicht heilsam. Indem wir seinen Bauch, den Rücken, die Kniekehlen, die Zehen, jeden Fleck seines kleinen Körpers mit Öl einreiben, ziehen wir ihm gewissermaßen ein besonderes, genau passendes Kleid an. Das Kind spürt danach die Peripherie seines Leibes. Und wenn wir die Zeit und die Zuwendung aufbringen, lassen wir das Kind darüber hinaus spüren: Dein Körperchen ist es wert, dass ich es schön warm mache, wenn du das selbst noch nicht so gut kannst. Denn nur wenn es warm ist, kannst du dich darin sicher fühlen.

Respekt und Grenzen

Eine tägliche und selbstverständliche Begegnung mit seinem eigenen Körper erfährt das Kind natürlich dadurch, dass es in den Arm genommen, gekost, gestreichelt wird. Geschieht dies aber zu häufig und zu intensiv, dann kann dies wiederum die Empfindung beeinträchtigen, die das Kind für seine eigenen leiblichen Grenzen zu entwickeln beginnt.

Bei normaler Entwicklung holt sich ein Kind, wenn es etwas älter geworden ist, die Zärtlichkeiten von sich aus dann, wenn es ihrer bedarf. Hat es genug davon, springt es vom Schoß und spielt weiter. Man nimmt sein Kind natürlich in den Arm, weil man es liebt. Aber man sollte die eigenen Gefühle doch dem unterordnen, was das Kind wirklich braucht.

Ähnlich ist es mit dem ›Küsschen geben‹. Wenn ein Kind sich weigert, einer Tante, der Oma oder der Nachbarin einen Kuss zu geben, dann verdient das, respektiert zu werden.

Ein gut entwickelter Tastsinn führt schließlich dazu, dass das Kind unterscheidet, was zu ihm passt und was nicht. Es lernt die eigenen Grenzen und die der anderen zu respektieren.

 

Zurzeit bietet der Blick aus meinem Fenster ein köstliches Schauspiel: Fünf quirlige Katzenkinder, die die Nachbarskatze kürzlich geworfen hat, balgen sich übermütig, aber ganz dicht bei der Mutter. Diese ›putzt‹ und säugt sie vom Augenblick der Geburt an fast unermüdlich. Es ist rührend, zu sehen, wie sie ihre tapsigen Jungen liebevoll und ausgiebig leckt. Pausen sind dabei selten, und nur, wenn die kleinen Wollknäuel allzu fordernd werden, macht sie ihrem Unmut darüber mit einem kräftigen Nasenstüber Luft.

Das instinktive Lecken der Jungen dient in der Tierwelt aber nicht in erster Linie der Reinigung, sondern hat bei Säugern einen viel wichtigeren, einen lebenserhaltenden Sinn: Es stimuliert über den Hautkontakt lebensnotwendige Organfunktionen wie Atmung, Verdauung, Kreislauf, Drüsentätigkeit, Ausscheidung und Nervenfunktion. Die Berührung über die Haut, taktile Stimulation genannt, ist bei Säugetieren sowohl für eine gesunde körperliche als auch für eine ungestörte Verhaltensentwicklung unentbehrlich.

Kein Wunder also, dass so viele Haustiere sich gern und dankbar von uns streicheln lassen. Wie aber verhält es sich bei uns Menschen?

Im Vergleich zu den Säugetieren haben kleine Menschenkinder es noch viel nötiger, umsorgt zu werden. Sie werden unreifer geboren und entwickeln sich wesentlich langsamer zur Selbstständigkeit als jedes andere Lebewesen auf unserer Erde. Fehlt unseren Kindern also die für ihre Entwicklung notwendige taktile Stimulation?

Berührung geht unter die Haut Birgit Laue Hebamme

Anregung des Tastsinns und lebenswichtige Berührung erfährt ein Kind nicht erst nach seiner Geburt – wie wir vielleicht denken. Vor allem das Überwinden des engen Geburtskanals ist ein wesentliches Tasterlebnis. Nein, zum Glück profitieren wir Menschen einmal mehr von der Weisheit der Natur: Wir werden auf das Leben außerhalb des Mutterleibes im Normalfall viel länger und intensiver vorbereitet als Tierkinder, nämlich durch die Wehen, die Kontraktionen der mütterlichen Gebärmutter während der Geburt.

Bei Tieren sind die kurzen Wehen und die meist ebenso kurze Geburtsdauer nicht ausreichend, um ihre Lebensprozesse ausreichend zu aktivieren. Deshalb setzen Säugetiermütter diese Funktionen instinktiv durch das Lecken in Gang.

›Tasten‹ im Mutterleib

Beim Menschen, der nicht mehr instinktgebunden? ist, ist das jedoch anders. Bereits ab dem 2en Schwangerschaftsdrittel zieht der Uterus sich hin und wieder zusammen,

die Gebärmutter ›übt‹ sozusagen schon ein bisschen. Besonders in Phasen der Ruhe spüren werdende Mütter öfter einmal ein Hartwerden des Bauches oder ein leichtes Ziehen im Rücken. Das ist auch vor dem erwarteten Geburtstermin völlig normal und nicht bedenklich, solange die Wehentätigkeit nicht länger anhält oder regelmäßig wird. Der dabei entstehende leichte Druckanstieg im Inneren der Gebärmutter wird durch die physikalischen Eigenschaften des Fruchtwassers noch verstärkt und die Haut des ungeborenen Kindes somit sanft massiert. Diese physiologische Form der ›Massage‹ unterstützt die körper.

Was ist eigentlich …

… ein primärer Kaiserschnitt? Wird eine Schnittentbindung vor Einsetzen der Wehentätigkeit oder dem Sprung der Fruchtblase durchgeführt, spricht man von einem primären Kaiserschnitt.

… pucken? Die meisten Babys fühlen sich geborgen wie in Mamas Bauch, wenn sie samt Armen eng in ein Woll- oder Moltontuch gewickelt werden: mit genügend Platz zum Strampeln, aber doch in spürbaren Grenzen, die ihnen eine vertraute Sicherheit vermitteln. Lassen Sie sich die Technik einfach von Ihrer Hebamme oder einer Kinderkrankenschwester zeigen oder kaufen Sie einen Pucksack im Fachhandel. Am besten ein Modell aus atmungsaktivem Naturmaterial, das sich zum Wickeln seitlich öffnen lässt. Weil gepuckte Kinder einen stabileren Wärmehaushalt haben, bekommen

sie übrigens seltener Blähungen, schreien weniger und schlafen besser.

… die Känguruh-Methode? Diese Methode hat ihren Namen von dem perfekten Vorbild in der Tierwelt. Nach ca. 30 – 40 Tagen Tragzeit in der Gebärmutter kriecht der meist nur ca. 100 g schwere Känguruh-Embryo, vom Geruchssinn geleitet, selbstständig in den Beutel der Mutter. Dort bleibt er etwa 235 Tage und ist dann zwischen 2 und 4 kg schwer. Man bezeichnet deshalb mit ›känguruhen‹ den Haut-zu-Haut Kontakt zwischen einem Frühgeborenen und seinen Eltern. Die Kinder werden eine bis mehrere Stunden täglich nackt auf die unbekleidete Haut der Eltern gelegt, warm zugedeckt und eventuell mit einem Mützchen bekleidet. Körperkontakt, Streicheln und die Ansprache wirken stabilisierend auf die Atmung des Kindes, sodass oft sogar Inkubatoren und Beatmungsgeräte unnötig werden. ›Känguruhen‹ fördert die Eltern-Kind-Bindung und regt alle Sinne des Frühgeborenen an. Außerdem gibt es den Eltern Selbstvertrauen, ohne Angst für ihr Kind zu sorgen und für es da zu sein.

tems an. Auf dem Weg durch den engen Geburtskanal wird durch den starken Druck zudem noch vorhandenes Fruchtwasser aus den Atmungsorganen herausgepresst. Dadurch kann sich die Lunge beim ersten Atemzug besser entfalten, Grundbedingung für das selbstständige Atmen eines Neugeborenen. So wird das ungeborene Kind bereits im Mutterleib optimal auf die lebensnotwendige Umstellung seiner wichtigsten Körperfunktionen, wie Atmung, Wärmeregulation, Verdauung etc., vorbereitet.

Untersuchungen an Kindern, die diese Stimulation unter der Geburt nicht erleben (z.B. bei einem primären Kaiserschnitt oder einer Frühgeburt), zeigen, dass diese Neugeborenen

doppelt so häufig Schwierigkeit Weleda

liche und seelisch-geistige Entwicklung des Ungeborenen, indem sie die sensorischen Nerven der Haut anregt. Über diese wiederum

werden die Nerven in den Organsystemen

aktiviert. Auch ist gegen Ende der Schwangerschaft das Kind so groß geworden,

dass es überall im Gebärmutterinneren anstößt und dadurch ebenfalls eine ständige

Stimulation erfährt.

Wehen als Tasterlebnis

Die wichtigste und stärkste Anregung über seine Haut erfährt das Kind allerdings bei der Geburt. Kräftige, geburtswirksame Wehen

über viele Stunden regen nachweislich z.B. die Funktion des kindlichen Immunsystem.

2. Schorf

Wenn sich auf der Kopfhaut des Kindes eine weißliche, feste Schicht, der so genannte Milchschorf zeigt, sollte man das Köpfchen täglich mit Calendula-Babyöl einreiben. Der Schorf weicht dadurch auf und verschwindet.

Durch tägliches Kuscheln, Schmusen und Streicheln bekommt das Kleinkind auf die selbstverständlichste und beste Weise ein Gefühl für den eigenen Körper. Wenn wir seine zarte Haut dabei ab und zu behutsam mit Calendula-Babyöl massieren, schenken wir ihm zusätzlich eine besonders wärmende und schützende Hülle. Wie können wir das Öl anwenden?

4. Massage

Die meisten Babys und Kleinkinder lieben es, ab und zu massiert zu werden. Auf unruhige Kinder kann das entspannend und beruhigend

wirken. Calendula-Babyöl lässt sich leicht auftragen und wirkt stark wärmend durch das feine Öl aus sonnengereiften Sesam-Samen. Die Berührungen lassen das Kind die Grenzen seines Leibes erfahren. Dies erzeugt ein angenehmes, beruhigendes Gefühl und sorgt dafür, dass sich das Kind in seinem Körper wohl fühlt. Außerdem stärkt eine Massage den kindlichen Organismus.

Der Laufstall Noor Prent, Ärztin

Isabels Sohn Jens ist acht Monate alt, ein kräftiger Bub, dessen Augen lieb und doch auch energisch in die Welt blicken. Jens entwickelt sich prächtig. Er schläft gut, kann schon den Löffel selber zum Mund führen, gibt Blubber- und Blasgeräusche von sich, reagiert begeistert auf sein Schwesterchen und lacht viel. Auf meine Frage, wie viel Zeit er im Laufstall liege, antwortet Isabel, das sei in letzter Zeit nicht mehr so angesagt. »Denn«, so erzählt sie, »im Laufstall ist seine Stimmung meist ganz anders, als wenn er auf dem Teppich liegt und sich da herumrollen und voranschieben kann. Entweder ganz bedächtig oder auch sehr energisch und temperamentvoll. Ich glaube, dass der Stall nicht mehr das Richtige ist.«

Sicherheit und Ruhe

Für den Säugling ist das Ställchen ein Ort, an dem er ruhig liegen und die Farben, Gerüche und Geräusche in der Wohnung in sich aufnehmen. Unter einem warmen Tuch und eventuell mit einem dünnen Mützchen liegt er behaglich in ihm. Durch die Offenheit

des Ställchens können allerdings, vor allem bei sehr kleinen und unruhigen Babys, zu viele Sinneseindrücke auf das Kind einwirken.

Dem können wir begegnen, indem

Der Laufstall bietet durch seine festen Abmessungen und seine Geschlossenheit

einen sicheren Spielraum für das Kleinkind. Wenn wir es richtig anzuwenden

wissen, wandelt sich die Funktion des Ställchens mit dem Heranwachsen des Kindes. Dann kann es eine wertvolle Hilfe dazu sein, einen sinnvollen Tagesrhythmus zu finden.

wir drei Seiten und eventuell auch die Hälfte der Oberseite mit einem Tuch abdecken.

Rosa Farbtöne sind dafür sehr geeignet, weil sie eine ruhige und sichere Stimmung erzeugen.

Mit ungefähr sechs Monaten kann das Baby die Eindrücke schon besser verarbeiten.

Wir können das Tuch dann entfernen. Es beginnt nun aktiv auf alles zu reagieren, was es sieht und hört, es ergreift und betastet Spielzeug, steckt es in den Mund und schlägt damit drauflos. Es entwickelt eine stets größere Skala an Lauten und wir können schon Späßchen mit ihm machen oder kleine Gespräche führen. Vorläufig ist es noch zufrieden mit dem Ställchen als seinem Entdeckungsfeld.

Entdecken

Wenn das Baby in seine Roll-Phase kommt, wirkt es anregend, wenn wir es ab und zu auf eine Decke auf den Zimmerboden legen. Es wird dann herumrollend oder auf dem Bauch krabbelnd Stück für Stück den Raum außerhalb der Unterlage entdecken. In dieser Phase wechseln aktive Zeiten mit kleinen Ruhepausen. Manche Kinder zeigen von sich aus, dass sie einen begrenzteren Raum brauchen, um zu sich selbst zu kommen: Sie liegen still und ›genießen nach‹, was sie getan haben. Die meisten Kinder aber kennen ihre eigenen Grenzen dabei (noch) nicht. Sie sind so begeistert in ihrem Entdecken der Welt, dass sie gar nicht aufhören können. Nun erhält das Ställchen eine neue Bedeutung. Der vertraute, sichere Ort, an den das Kind von der Babyzeit an gewöhnt ist, wird nun der Raum, in dem es zur Ruhe kommt und die Eindrücke verarbeiten kann. Hier erfährt es, wie wohltuend eine Ruhepause ist, und lernt in Geborgenheit mit sich allein zu sein.

Keine Lust mehr

Das klingt alles recht schön; aber dann stellt sich heraus, dass das Kind sich gerade jetzt gegen das Laufställchen wehrt. Wie schaffen wir es, nicht nachzugeben, wenn unser Schlingel im Ställchen steht und auf unmissverständliche Art kundtut, dass er heraus will? Das gelingt nur, wenn wir von der positiven pädagogischen Wirkung überzeugt sind und diese Sicherheit auch ausstrahlen. Ein Küchenwecker kann uns sehr helfen, diese Sicherheit zu erlangen. Wir stellen 2 – 3x am Tag zu festen ›Stallzeiten‹ den Wecker auf bestimmte Zeiten ein, z.B. auf 20 Minuten. Wir bringen das Kind in sein Ställchen, geben ihm Spielzeug und sagen ihm ruhig, dass es da nun spielen darf, bis es klingelt und wir es wieder herausholen. (Letzteres vor allem zur Bestätigung unserer eigenen Vorsätze!)

Dann gehen wir singend oder pfeifend unseren eigenen Tätigkeiten nach, lassen aber möglichst hören, dass wir in der Nähe bleiben. Wenn der Wecker klingelt, holen wir das Kind dann auch wirklich heraus, auch wenn es in diesem Augenblick völlig zufrieden ist. Die Tatsache, dass wir uns an die Regeln halten, gibt ihm ein Gefühl der Sicherheit.

Seine biologische Uhr stellt sich auf die Rhythmen ein und es wird immer problemloser die zwanzig Minuten überbrücken.

Zeit für sich selber

Die täglichen zwei oder drei ›Stallzeiten‹ können wir für uns selbst nutzen, ohne dabei das Gefühl zu haben, dem Kind unsere Aufmerksamkeit zu entziehen. Ideal ist es, wenn wir diesen Rhythmus einhalten können, bis das Kind ungefähr eineinhalb Jahre alt ist. Gerade in dieser außerordentlich dynamischen Zeit, in der das Kind vom Krabbeln zum Stehen und zum Gehen und an alles herankommt, kann das Ställchen eine Wohltat sein. Die Welt wird nun sehr groß und spannend für den Kleinen. Ist es uns gelungen, zu bestimmten Zeiten Ruhemomente einzubauen, dann haben wir und unser kleiner Entdeckungsreisender davon beträchtlichen Nutzen. Nach 11/2 Jahren bemerken wir dann meist, dass der Laufstall seine Dienste getan hat. Ist er ein wirklich beliebtes Fleckchen geworden, können wir ihn noch in Ehren halten, indem wir ihn etwas umbauen. Wenn wir einige Stäbe herausnehmen und vielleicht mit ein paar Brettchen und Scharnieren ein Türchen einbauen, dann kann es selbst beschließen, wann es in sein ›Häuschen‹ gehen oder es verlassen möchte. Einige Kissen darin machen es zu einer gemütlichen Spielecke, die neue Möglichkeiten bietet. So behält das Kind schöne Erinnerungen an sein Ställchen.

Überempfindliche Haut

Berina M.: »Eine Freundin erzählte mir, dass ihre einjährige Tochter eine überempfindliche Haut habe. Auf ihren Ärmchen bildeten sich rote Flecken, die sehr juckten. Ich habe meiner Freundin geraten, Mandel-Gesichtscreme auf diese Stellen aufzutragen und die Haut beim Baden durch Calendula-Baby-Cremebad rückzufetten. Das wirkte: Die Haut sah schnell wieder gut aus.«

Geröteter Po

Grete K.: »Seit mein Töchterchen Zähne bekommt, isst sie abwechslungsreichere Mahlzeiten, bekommt davon aber offensichtlich einen geröteten Po. Ich habe einiges dagegen zu tun versucht und entdeckt, dass die Rötung am schnellsten verschwindet, wenn ich anstelle eines gewöhnlichen Waschlappens beim Reinigen ein Papiertuch mit etwas Calendula-Babyöl befeuchte und danach Calendula-Babycreme auftrage. Diese Kombination hilft fantastisch!«

Wirkung auf das Kind haben. Auch die Kinder, die eine direkte Berührung nicht tolerieren, für sie gibt es Spiele, die der Erwachsene zunächst an der eigenen Hand durchführen kann, um später vielleicht das Kind erst zart und dann auch etwas kräftiger zu berühren. Geschieht diese Berührung in innerer Ruhe und ohne Absicht, so Wilma Ellersiek, dann hilft sie dem Kind, Vertrauen in sich und die Welt zu erlangen.

Von den ganz einfachen, kleinen Spielen, die nur die Hand betreffen, geht es weiter über solche, die auch weitere Körperteile einbeziehen, bis zu einem »Trocken-Reiben«-Spiel, bei dem auch mal kräftig gerubbelt werden darf. Dabei wird immer wieder auf unterschiedliche Voraussetzungen und Bedürfnise der Kinder, wie z.B. bei Behinderung

oder Autismus, eingegangen.

Weleda KinderWelt Heft 2, Herbst/Winter 2003 F

Friederike, 31 Jahre alt, hat sich zur Eltern-Fortbildung angemeldet – ratlos, mit den Nerven am Ende.

Eigentlich könnte alles sehr schön sein. Sie lebt mit ihrem Mann und dem fünfjährigen Sohn in einer großzügigen 4-Zimmer-Wohnung

und alle freuen sich auf das Baby, das im Herbst auf die Welt kommen soll. Philipp, der Sohn, geht gern in den Kindergarten und ist ein gesundes, selbstbewusstes, zufriedenes

Kind – tagsüber. Aber Nacht für Nacht beginnt ein Alptraum für die ganze Familie. Philipp wacht schreiend auf, ruft panisch nach seiner Mutter, ist kaum zu beruhigen. Nach kurzer Zeit wiederholt sich das Ganze und Philipp findet erst dann richtig in den Schlaf, wenn er in Mamas Bett liegt. Philipp scheint in Not zu sein und keiner weiß warum. Mittlerweile sind auch die Eltern in Not – aus Sorge um das Kind und aus akutem Schlafmangel.

Die Eltern haben sich den Kopf zerbrochen, einige Erziehungsratgeber gewälzt, allerlei Strategien ausprobiert, jedoch ohne Erfolg. Langsam wächst die Unruhe, Nachts weint Philipp nicht mehr – oder:

7 Tage später ... Philipp weint nachts nicht mehr – friedliche Nachtruhe in der Familie. Was ist passiert? Im Fortbildungs-Seminar hörte Friederike gemeinsam mit anderen Müttern ein Referat zum Thema: »Von der Hülle zur Bindung«. Anschließend hatten alle Gelegenheit -jede für sich- in einer so genannten Einzelreflexion innezuhalten, eine ganz konkrete Konfliktsituation in Ruhe anzuschauen.

Nach einer gemütlichen Kaffeepause brachte Friederike in einer Team-Beratung ihre brennende Erziehungsfrage ein. Alle Teilnehmerinnen waren jetzt als Expertinnen gefragt.

In einer liebevollen, konzentrierten Arbeitsatmosphäre schauten wir alle zuerst auf das Kind, fragten nach möglichen Motiven für sein Handeln, nach dem Wesen des Kindes, seinen Begabungen und Stärken. Dann konzentrierten wir uns auf die Mutter mit der gleichen Fragestellung. So entstand ein buntes, vielschichtiges Bild von der Situation und wir fingen gemeinsam an, mögliche Gründe zu suchen, Lösungsvorschläge zu machen und Ideen einzubringen:

Querdenken, Fantasie, Kreativität und Humor waren gefragt. Es wurde keine Bewertung

vorgenommen, aber viel gelacht. Friederike hörte zu und griff einige Ideen auf, die ihr passend erschienen. Diese wurden dann lebhaft diskutiert und ausgearbeitet.

Eine Idee war, dem Kleinen eine ›Not-Matratze‹ neben Mamas Bett zu legen. Mit Philipp sollten die Eltern ausmachen, dass er ins elterliche Schlafzimmer kommen darf, wenn er nachts aufwacht und nicht allein sein mag. Er soll dann ganz leise sein und sich auf die Matratze neben Mama legen und die Eltern nicht wecken.

Am Ende des Vormittags erzählte Friederike uns, dass sie sich erleichtert und gestärkt fühlte. Sie ging mit neuem Mut nach Hause.

Beim nächsten Elternseminar berichtete sie, dass sie diese Idee mit Erfolg ausprobiert hätte. Nun weint Philipp nachts nicht mehr. Sie haben eine Lösung gefunden, mit der alle für eine gewisse Zeit leben können.

            Spezielle Fähigkeiten entwickeln

Es erstaunt, dass ein Problem, das über Wochen eskaliert ist, innerhalb von ein paar Tagen so einfach gelöst werden konnte. Im Nachhinein ist nicht zu erkennen, welcher Aspekt es nun war, der zur Lösung und Entspannung geführt hat. Man kann aber vermuten, dass es hauptsächlich die veränderte Haltung der Mutter war, die dazu beigetragen hat. Was hat sie gemacht? Sie hat gut für sich gesorgt und trotzdem die Bedürfnisse ihres Kindes nicht aus dem Blick verloren. Sie konnte die Situation als Phase begreifen, was ihr mehr Gelassenheit gab.

Im Schutz der Gruppe war es Friederike möglich, ihre Situation in einem neuen Licht zu sehen, sich selbst und ihr Kind wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Sie hatte die Möglichkeit, sich in einem strukturierten Rahmen auszutauschen. Dort konnte sie erleben, dass sie nicht die einzige ist, die Probleme und Fragen hat. Es wurde deutlich, dass ihre Schwierigkeiten damit zusammenhängen, dass Kindererziehung heutzutage ein Kunststück ist – eine Arbeit, für die späzielle Fähigkeiten entwickelt werden müssen.

Diese so genannten Familienkompetenzen sind die Voraussetzung dafür, dass Kindererziehung gelingt, d.h. dass aus den Kindern selbstbewusste und sozialfähige Erwachsene werden.

Zurück zu Friederike. Zwar weiß sie bis heute nicht, warum ihr Sohn nachts geweint hat, aber sie ist jetzt nicht mehr mit den Nerven am Ende und sie hat an Selbstbewusstsein gewonnen.

 

 

Vorwort/Suchen                                Zeichen/Abkürzungen                                   Impressum