Pubertät - wie war das eigentlich früher?

 

Juvenile Rheumatoid Arthritis.

Kind.

Krebs.

http://www.arte.tv/guide/de/052699-001/kleine-grosse-helden

 

Ägyptischer Priester vor 4000 Jahren: Mit unserer Welt ist es in den letzten Jahren bergab gegangen. Die Kinder hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.

Babylonische Tontafel vor 3000 Jahren: Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher, es wird ihr niemals gelingen,

unsere Kultur zu erhalten.

Hesiod, 700 v. Chr.: Ich habe keine Hoffnung mehr für die Zukunft unseres Volkes, wenn sie von der leichtfertigen Jugend von heute abhängig sein soll. Als ich noch jung war, lehrte man uns

gutes Benehmen und Respekt vor den Eltern. Aber die Jugend von heute will alles besser wissen.

Sokrates: Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, legen die Beine übereinander und tyrannisieren die Lehrer.

Ein Schulmeister, 18. Jh. nach Chr.: Der Sittenverderb unserer heutigen Jugend ist so groß, dass ich es unmöglich länger bei derselben aushalten kann.

Offensichtlich stimmt das also gar nicht, früher die brave Jugend, heute die aufmüpfigen Pubertierenden. Und das ist auch irgendwie tröstlich!

Pubertät mit ihren verschiedenen Erscheinungsformen hat es immer schon gegeben. Wenn es auch im Laufe der historischen Entwicklung zu gewaltigen Veränderungen dessen gekommen ist,

was man unter dem Begriff Jugend zusammenfasst.

 

Pubertät in anderen Kulturen:

In der vorindustriellen Gesellschaft ist die Übergangszeit zwischen Kindheit und Erwachsen sein auf sehr kurze Zeit beschränkt, oft nur auf ein paar Tage. In diesen wenigen Tagen finden deutlich

vom Alltag abgegrenzte Pubertäts- und Initiationsriten statt. Es handelt sich dabei um Gruppenfeiern die nur alle paar Jahre abgehalten werden. Es gibt kollektive Feiern, oft aber werden sie z.B.

zum Zeitpunkt der ersten Periode individuell in die Erwachsenenwelt eingeführt.

Laut Ethnologen vollziehen sich solche Rituale in drei Stufen:

1. Die Trennungsphase, in der die Loslösung von der Kindheit stattfindet - durch räumliche Isolation, durch Abgabe aller Besitztümer, durch das Ablegen alter Kleider, durch das Schneiden der Haare

2. Die Phase des Überganges, der in der Regel mehrere Tage dauert und in der dieser Wendepunkt exzessiv gefeiert wird.

3. Phase der Eingliederung, in der die Jugendlichen symbolisch mit ihren neuen Rechten und Pflichten vertraut, mit differenzierten Rollen bedacht und vor versammelter Gesellschaft zu vollwertigen Erwachsenen erklärt werden.

Vielerorts sind solche Zeremonien außerordentlich drastisch. Aus psychologischer Sicht kann dies so gedeutet werden: nur durch derart extreme Maßnahmen ist es möglich, die Kinder von ihren Eltern zu lösen und in den Zustand des Erwachsenseins überzuführen.

Beispiele:

Massai: Werden nackt durch die Savanne getrieben, hämisch umtanzt, ausgelacht, beschimpft, ein Stück der Penishaut wird mit dem Messer abgetrennt.

Ziel: Müssen Mut beweisen - dann werden sie feierlich in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen.

Neuguinea: Den jungen werden Muster in die Haut eingeschnitten die vernarben.

Wayapi Indianer: Ameisen beißen Wunden in die Haut der Stirn.

Vanuatu/Südwestlicher Pazifik: Junge Männer stürzen sich jedes Jahr von 30 m Höhe in die Tiefe. An den Füßen der jungen Männer sind dehnbare Lianen befestigt. Wer die Mutprobe besteht gilt als ganzer Mann.

Buddhisten: Scheren der Kopfhaare.

Afrika: Beschneidung Penis/Klitoris.

Pubertät heute: Die Welt, in der die Jugendlichen heute leben, hat sich gewaltig verändert. Durch die langen Pflichtschulzeiten, beginnt das Leben des Erwachsenen frühestens mit 15, oft aber erst weit ab 20 Jahren. Film, Fernsehen, surfen, chatten im Internet,…. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten der Zerstreuung und Selbstverwirklichung.

Es beeinflusst jugendliches Verhalten und Bewusstsein stark. Und es verunsichert. Dazu kommt, dass traditionelle Werte und Institutionen wie die Kirche zunehmend skeptisch gesehen werden.

In unserer modernen westlichen Gesellschaft fehlen eindeutig, anerkannte Pubertätsriten. Bräuche wie Mutproben zum Lehrabschluss, o. Gelage als Beweiß der Trinkfestigkeit versuchen derartige Riten zu ersetzen.

Sind für den heutigen Jugendlichen, der oft unter Orientierungslosigkeit und Ziellosigkeit leidet, diese Rituale tatsächlich überflüssig? (früher – Firmung).

Heutige Initiationsformen, Schulwechsel, Militär, ritualisierte Einschnitte wie z.B. der erste Ferienjob, das erste Rauchen, das erste Besäufnis, Piercing, Tätowierungen, Kleidung, Körperausdruck, etc. markieren ihre Distanz gegenüber der Erwachsenenwelt und ihrer Szenenzugehörigkeit.

Der Familie kommt heute also eine ganz andere Funktion zu als früher. Zum einen stellt sie eine gefühlsmäßige Stütze für die jungen Leute dar, die diese bitter nötig haben.

Zum anderen birgt diese intensive Gefühlsbindung, auch Gefahren für die Jugendlichen – nämlich dann, wenn Familienbindungen derart stark aufrechterhalten werden, dass sie die Entwicklung

einer selbständigen Persönlichkeit behindern. Gerade heute, wo die Eltern jugendlich bis ins hohe Alter bleiben, wo die Trennung von den Eltern sehr spät erfolgt, wo die wirtschaftliche Unabhängigkeit erst dann erreicht wird, wenn ehemalige Privilegien des Erwachsenseins längst zur Selbstverständlichkeit geworden sind! Das Erwachsen werden in unserer Gesellschaft ist also

zu einem hochkomplexen Prozess geworden!

Biologische Vorgänge in der Pubertät:

Mädchen: Ausschüttung der Östrogene

Brüste, Scheide, Scham- und Achselbehaarung wachsen, der Körper streckt sich und bildet Fettgewebe, was zur typisch weiblichen Körperform führt. Erste

Monatsblutung, Zeitpunkt der Geschlechtsreife.

            Jungen: Ausschüttung der Testosterone

                                   Vergrößerung von Hoden und Penis, Scham- und Achselbehaarung. Körper schießt in die Höhe, breitere Schultern, Muskeln entwickeln sich, Kehlkopf wächst, Stimmbruch.

Ab ca. 13 Jahren erste Samenergüsse (meist im Schlaf), Zeitpunkt der Geschlechtsreife. Ab ca. 15-16 Jahren: Bartwuchs.

            Beide Geschlechter: Androgene und Adrenalin

Im mitteleuropäischen Raum, fällt bei Mädchen durchschnittlich mit 10 – 11 Jahren und bei Jungen mit etwa 12 Jahren durch Vorgänge im Zwischenhirn der Startschuss.

Die Pubertierenden, vor allem Jungen, wachsen manchmal innerhalb eines Jahres um mehr als 10 cm. Meist unregelmäßig: Oft Hände und Füße zuerst,….

Die Gesamtproportion des Körpers ist eine Weile nicht im Lot – Neigung zum Schlaksigen und Ungeschicklichkeit.

Das Gesicht verliert die kindliche Rundlichkeit, die Nase wächst, Pickel,…

Jugendliche, denen gerade in diesem Alter gutes Aussehen wichtig ist, sind mit ihren Äußeren alles andere als zufrieden.

Die körperlichen Vorgänge und Eigenheiten machen ihnen zu schaffen: Ist es normal, wie ich bin, wie ich aussehe? Mache ich mich vielleicht lächerlich? Tuscheln die anderen über mich?

Penis / Brüste zu klein?

Das Gehirn der Pubertierenden:

            Nicht nur die Hormone lassen das Leben der Pubertierenden so aus den Fugen geraten, sondern auch das Gehirn ist ein Auslöser dieses Phänomens.

Bis jetzt ist man davon ausgegangen, dass das Hirn etwa zwischen dem 8 und 12 Jahr voll entwickelt ist.

Nun wissen wir aber:

            Besonders die Hirnregionen, die für soziale Kontaktfähigkeit, Gefühle und Urteilsvermögen zuständig sind, entwickeln sich weiter bis der Mensch über 20 ist.

            Erst dann ist der Nervenstrang, der die rechte mit der linken Hirnhälfte verbindet, voll ausgebildet. Dieser Nervenstrang gilt unter anderem als zuständig für Intelligenz, Bewusstsein und Selbstwahrnehmung.

Der frontale Hirnlappen verändert sich während der Pubertät entscheidend. Dieses Zentrum für Selbstkontrolle, Gefühle, Organisations- und Planungsfähigkeit, ist demnach in der Pubertät noch unterentwickelt, was gewisse Defizite der Pubertierenden erklären kann.

Klartext heißt das aber auch, dass entgegen bisheriger Erkenntnisse nicht nur die frühe Kindheit, sondern auch die Pubertät eine entscheidende Entwicklungsphase darstellt, die die Strukturierung des Gehirns beeinflusst.

Die Art, wie sich die Vernetzung und damit die Nutzung des Gehirns vollzieht, hängt davon ab, wie die Jugendlichen sich zu diesem Zeitpunkt beschäftigen: Musik, Sport, geistige Aktivitäten, Kreativität.

Schlafverhalten der Pubertierenden:

Gerade in der Vorpubertät brauchen die jungen Menschen wieder mehr Schlaf – 9 ½ Stunden durchschnittlich. Kaum ein Pubertierender kommt auf dieses Pensum. Die Meinung der Erwachsenen: Die Jugendlichen sind selbst schuld, sie gehen zu spät ins Bett.

Schlafmanko geht aber auf die biologische Entwicklung zurück. Die innere Uhr tickt plötzlich anders, sie werden später müde. Das Schlafhormon Melatonin, wird auf einmal später in der Nacht ausgeschüttet (später als in der Kindheit und später als bei Erwachsenen). Der so wichtige Schlaf verschiebt sich in die Morgenstunden!

Da unsere Heranwachsenden früh zur Schule müssen, führt dies zu Schlafdefiziten – Einschränkung der Leistungsfähigkeit, verlangsamter Wachstumsprozess, mangelnder Stressabbau.

Als Lösung wird von den Schlafforschern ein späterer Schulanfang empfohlen.

Risikobereitschaft der Pubertierenden:

Vorgänge im Gehirn (Nucleus accumbens – Zellensammlung: Liegt tief im Gehirn hinter den Schläfen) sind an der Steuerung des Strebens nach Belohnung beteiligt, wie man heute weiß, ist dies bei Jugendlichen weniger aktiv als bei Erwachsenen. Das heißt, dass Teenager von einer höheren Klippe springen müssen, um einen gleich starken Kick zu spüren. Heranwachsende jagen dem Risiko hinterher, können es aber schlecht einschätzen.

Kein Wunder, dass es damit zu Unfällen kommt. Der Adoleszente will existentiellen Herausforderungen nachspüren, durch die er seine Kräfte, Ängste, Hoffnungen, Sehnsüchte und Grenzen erfährt.

            Schulische Leistungen der Pubertierenden:

Deborah Todd (Leiterin des National Institute of Mental Health):“Ich glaube das der Frontallappen bei Teenagern nicht immer voll funktioniert. Deshalb denken Jugendliche nicht über die Konsequenzen ihres Tuns nach und handeln nach unserer Einschätzung impulsiver“.

Wenn sich die schulischen Leistungen plötzlich rapide verändern, sind viele Eltern plötzlich vor den Kopf gestoßen. 2/3 aller Klassenwiederholungen passieren zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr.

 

Auszug aus einem Vortrag von Jan Uwe Rogge: Quelle: „Nervenprobe Pubertät“

Für Eltern heißt das: Wer sein Kind zum zügigen Erledigen seiner Hausaufgabe bewegen will, sollte weiniger die abstrakten, in ferner Zukunft liegenden Nachteile (so kriegst du später nie einen Job!) als die greifbaren

Vorteile (für eine 2 in Mathe, spendiere ich dir eine neue CD) betonen.

Zum Loslassen gehört, sich nicht ewig verantwortlich fühlen für das, was Kinder machen. Mit dem älter werden müssen sie einfach die Verantwortung für sich selbst übernehmen.

Weitere Kennzeichen der Pubertät:

Auch im Seelenleben vollzieht sich ein enormer Wandel. Meist wachsen Körper, Seele und Geist verschieden schnell, was logischerweise zu Problemen führt.

Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit - Angst vor allem Neuen und Unbekannten, Hinwendung zur Zeit des geborgenen Kinderlebens.

Die Jugendlich fühlen sich hin- und hergerissen zwischen diesen Polen.

Die starken körperlichen Veränderungen machen sie sehr verletzlich. Immer wieder fragen sie sich: Wer bin ich? Was soll ich? Wozu bin ich da? Bin ich attraktiv genug? Zu keiner Zeit beschäftigen sich die Menschen

so sehr mit moralischen Werten und existenziellen Grundsatzfragen. Der Lebensstil der Erwachsenen wird einer scharfen Kritik unterworfen. Gesellschaftliche Normen und Werte abgelehnt.

Die Jugendlichen nehmen eine oppositionelle Haltung der Erwachsenenwelt gegenüber ein. Diese verlangen nicht nur die Hormone, in der Phase der Ablösung müssen sie weg vom Kind -Sein und von der Eltern- Abhängigkeit, sie müssen eine eigenständige Persönlichkeit entwickeln.

In dieser Phase werden Freundschaften, Gruppen, Cliquen o. Banden immer wichtiger.

Das Leben der Jugendlichen ist auch stark von der Wahrnehmung ihrer eigenen sexuellen Bedürfnisse geprägt (Selbstbefriedigung, erste Liebesbeziehungen, erste sexuelle Kontakte). Homoerotische Wunschvorstellungen o. Kontakte treten auf, was aber nichts über die lebenslangen Neigungen aussagen muss.

Der körperliche, seelische und geistige Wandel verläuft nicht bei allen Menschen gleich. Die Pubertät wird verschieden lang und verschieden intensiv erlebt.

Was nicht vergessen werden darf:

Gerade in dieser Phase, die oft geprägt ist von Müdigkeit, niederen Blutdruck, Glieder- und Gelenksschmerzen, aber auch von depressiven Verstimmungen und Lustlosigkeit, wird von den Jugendlichen ein sehr hohes Maß an schulischen Leistungen gefordert.

Das Gefühlschaos, das von Eltern o. Lehrpersonen häufig nicht erkannt o. ernst genommen wird, kann in extremsten Fällen zu Suizidfantasien führen. Aber auch psychische- und psychosomatische Auffälligkeiten (Magersucht/Bulimie/Bettnässen) treten gehäuft auf.

Psychische Unausgeglichenheit führt zu einer stärkeren Neigung sich Alkohol und anderen Drogen o. auch Sekten und radikalen Jugendgruppen zuzuwenden.

            Sowohl die verfrühte Pubertät sowie die verzögerte Pubertät stellen für Jungen und Mädchen große Belastungen dar. Für Eltern betroffener Kinder kann dies nur heißen:

Verständnis zeigen, in Ruhe lassen, kein Spott!

Und auf jeden Fall sicherstellen, dass das Kind sexuell aufgeklärt ist!

Nach den Phasen der Vorpubertät, der eigentlichen Pubertät und der Nachpubertät beginnt sich die Lage zu normalisieren. Die Beziehung zu den Eltern erfährt eine neue, freundschaftliche Basis.

Nervenkiller in der Pubertät:

 

Hitliste der Eltern:

- Schlechte schulische Leistungen

- Schlampigkeit

- Mangelnde Mithilfe im Haushalt und Nicht – Erledigung von Pflichten

- Verletzendes Benehmen, Verschlossenheit

- Debatten um Kleidung und Äußeres

- Zu langes Telefonieren

- Übertriebener Fernsehkonsum

- Probleme rund um den Freundeskreis

- Ausgeh-Taschengeldforderungen

- Rauchen, Alkohol, Drogen

- Zu früher Sex

Stoßseufzer im Originalton:

„….zu beschreiben, wie es hinter dieser Türe aussieht, verbietet mir die Scham. Schließlich bin ich mit dem Verursacher des Chaos verwandt. Ich bin seine Mutter…“

„….was hat es mich für Mühe gekostet, ihm die paar elementaren Bestandteile des Wortschatzes beizubringen. „Guten Morgen“, „Bitte“ , „Danke“, …. Sie sind wie weggepustet aus seinem Gehirn, das einfach

nicht mitwachsen wollte, als der restliche Körper in die Höhe schoss…“.

„…. In keinem Buch stand, dass sich die Pubertät auf fast ein Jahrzehnt erstreckt…“

„…. Heute mit meiner 15 jährigen fühle ich mich so unsicher wie noch nie…“.

„…. Bei keiner Entscheidung bin ich mir sicher, dass ich sie richtig getroffen habe - Jedes mal habe ich das Gefühl, die Konsequenzen wirken sich aufs ganze Leben aus…“.

„…. Es ist wichtig, das Kind nicht jedes Mal spüren zu lassen, wie gekränkt man ist. Es bringt aber auch nichts, wortlos darüber hinweg zu gehen. Richtig beleidigen lasse ich mich nicht, aber kleine Sticheleien ignoriere ich…“

 

Nicht nur die Eltern sind genervt - wie es die Jugendlichen sehen:

Was sie in ihrer Situation als negativ empfinden:

- Schulstress – Leistungsdruck

- Stress mit Eltern

- Abhängigkeit von Erwachsenen -zu wenig Rechte- zu wenig Freiheit

- Probleme mit Geschwistern

- Stress mit FreundIn

- Sich unverstanden fühlen -das Gefühl haben, nicht gemocht zu werden- Außenseiter sein

- Zu wenig Freizeit

- Zu wenig Geld

- Sorge um die Zukunft

 

Was sie an ihren Eltern stört:

- Sie sind zu streng - sie erlauben zu wenig und verbieten zu viel

- Sie sind nicht locker genug

- Sie regen sich zu leicht auf

- Sie sind spießig

- Sie streiten ständig mit mir

- Sie verstehen mich nicht

- Sie haben an allem etwas auszusetzen (Geld, Klamotten, Lebensstil)

- Sie haben kein Vertrauen zu mir – sie trauen mir zu wenig zu – sie lassen mich nichts alleine machen – sie sind zu besorgt

- Sie bestimmen über mich – sie behandeln mich wie ein Kind

- Sie wissen alles besser

- Sie sind zu neugierig

- Sie bevorzugen Geschwister

- Sie drängen immer nur zur schulischen Leistung

- Sie benehmen sich peinlich (zu laut, zu cool, zu jugendlich)

- Sie sind geizig

- Sie legen zu viel Wert auf Ordnung und Sauberkeit

- Sie sitzen nur vorm Fernseher

 

Was Fachleute raten:

Wenn sich Eltern mit diesem Thema beschäftigen, werden sie mit einer Fülle von Meinungen konfrontiert. Haben sie sich gerade mühsam dazu durchgerungen, die Leine locker zu lassen, treffen

sie auf einen Satz wie:

„Setzen sie Grenzen! Ziehen sie die Zügle straff!“

Umgekehrt fehlt es nicht an Beispielen, die zeigen, dass jugendliche Wesen gerade wegen der Strenge der Eltern über die Stränge schlagen.

Es gibt Momente da hat man das Gefühl: Wie man es macht ist es verkehrt.

Was Mutter und Vater X für ihren Sprössling als Lösung gefunden haben, ist für Mutter und Vater Y noch nicht einmal diskutabel. Einfach weil sie bis zum Einsetzen der Pubertät so ganz anders erzogen haben.

Eines ist unbestritten: Wer nicht nur beständig im eigenen Saft schmort, wer bereit ist, die Erfahrungen und Meinungen anderer zur Kenntnis zu nehmen, sich mit diesen auseinanderzusetzen, der erfährt wertvolle Denkanregungen. Denkanregungen, die ihn weiterbringen können auf seinem ganz persönlichen Weg.

Die Gegenüberstellung folgender Ansätze will dies ebenfalls. Jeder Ansatz wird von uns nur kurz angerissen. Wer sich genauer informieren möchte, sollte in den erwähnten Buchtiteln nachlesen:

 

Dr. Jan Uwe Rogge: Familienberater, Kommunikationstrainer „Pubertät – Loslassen und Halt geben“

Er formuliert, was Bezugspersonen Pubertierender leisten sollten:

- Halt geben.

- Sich für den Heranwachsenden mit all seinen Interessen und Bedürfnissen interessieren.

- In ihrem Verhalten durchsichtig und verlässlich sein.

- Den Heranwachsenden respektieren, aber auch Respekt von ihm einfordern.

- Den Heranwachsenden so annehmen, wie er ist.

- Konsequent, verlässlich und vorhersagbar handeln.

- Die Persönlichkeit des Jugendlichen nicht durch den Einsatz von Strafe und Willkür missachten.

Rogge weist darauf hin, dass Pubertät sich immer anders zeigt, als Eltern es sich denken. Dass Pubertätsverläufe Typen– und temperamentsbedingt höchst verscheiden sein können.

Jugendliche negativ abzustempeln ist genauso falsch, wie für jede Grenzverletzung Nachsicht entgegen zu bringen. Man muss sich teils in ihre unverständlichen Aktivitäten hineinversetzen und diese manchmal als Ausdruck von Pubertätskrisen deuten. Überaus wichtig ist es, die persönliche Würde des jungen Menschen zu respektieren. Erwachsene sollen in Konfliktfällen zu verstehen geben: Dich mag ich. Aber dein Handeln fand ich nicht in Ordnung.

Rogge plädiert dafür, den Jugendliche Vertrauen entgegen zu bringen, ihnen Mut zu machen, eigene Wege zu finden. Er hält es für wichtig, ihnen Grenzen zu setzen. Grenzen, die nichts mit Einengung, Bevormundung, Macht und Willkür zu tun haben, sondern Grenzen, die der Orientierung des Jgdl. dienen, an denen er sich reiben kann. Da dieses Sich-Reiben auch mit Zorn und Streit einhergehen kann, zögern viele Eltern heutzutage, eine klare Haltung einzunehmen. Sie sehen partnerschaftliche Erziehung und das Setzen von Grenzen als Widerspruch, womit das Bedürfnis des Jgdl. nach Halt aber nicht befriedigt wird. Meist sind die Folgen gerade dann endloses Gerede o. auch beleidigtes Schweigen.

 

Drei Grundgedanken ziehen sich durch Rogges Buch:

- Alle Erwachsenen, die mit Pubertierenden zu tun haben, sollten sich um eine Erziehungsbeziehung zu diesen bemühen, sollten sich nicht aus dieser zurückziehen, denn dieses hieße die Jgdl. allein zu lassen.

- Auch wenn sich die Kommunikation als noch so schwierig erweist, sollte man im Gespräch bleiben, sollten Erwachsene versuchen, Normen und Werte zu vermitteln. Oberstes Gebot: gegenseitiger Respekt!

- Während der Pubertät sind auch die Eltern in Bewegung, ja, das gesamte Familiensystem pubertiert

Und ein vierter noch: Humor ist wichtig und kommt in der Erziehung oft zu kurz!

 

Eltern, die Angst vor Erziehungsfehlern haben, spricht er doppelt Trost zu: Nach Rogges Ansicht wirken sie sich nur schädlich aus, wenn sie -in Missachtung der Bedürfnisse der Heranwachsenden- auf Dauer und gleich bleibend begangen werden. Zum anderen bieten Fehler, zu denen sich die Eltern bekennen, den Pubertierenden die Chance, am Beispiel ihrer nicht perfekten Eltern zu erleben, wie man aus Fehlern lernen kann.

 

Jesper Juul: Familientherapeut „Das kompetente Kind“

Ursache der Konflikte, ist laut Juul nicht die Pubertät selbst, sondern die fehlende Fähigkeit und der mangelnde Wille der Eltern, ihrem Kind als dem einzigartigen und selbständigen Menschen zu begegnen der es zu werden beginnt – dem einzigartigen und selbständigen Menschen, wie er sich aus der DNA – Struktur plus den familiären und kulturellen Einwirkungen entwickelt hat.

Juul interpretiert Erziehung immer als kontrollierend, regulierend und besserwisserisch. Er räumt ein, dass kleine Kinder daraus sehr wohl Geborgenheit und Sicherheit gewinnen. Heranwachsende aber erleben genau dies als unangebrachte Einmischung, als Kritik und Unterschätzung, kurz: als Entmündigung.

Nach seiner Ansicht ist es in der Pubertät schlicht zu spät Kinder zu erziehen. Wenn Jugendliche signalisieren „Halt dich da raus!“, tun sie dies nicht mit dem Ziel der Revolte, sondern um zu zeigen, dass jetzt Zeit für die Eltern ist, sich zurückzuziehen.

Was Jugendliche so empört auf besserwisserische Erziehungsversuche reagieren lässt, sind folgende zwei Botschaften, die in diesen enthalten sind:

- erste Botschaft: Ich weiß, was gut für dich ist.

- zweite Botschaft: Ich bin nicht zufrieden mit dir, wie du bist.

Juuls Rat deshalb ganz radikal: Zu diesem Zeitpunkt ist es das Beste, was Eltern für sich selbst, für andere und für die Jugendlichen tun können, sich zurück zu lehnen und das Resultat der Anstrengungen der vergangenen Jahre zu genießen. Uns sollten sie nicht ganz von dem begeistert sein, was sie sehen und erleben, so müssen sie dennoch versuchen, es zu genießen!

Laut dem Familientherapeuten brauchen Jugendliche weiterhin und für den Rest ihres Lebens Eltern, die voll und ganz hinter dem Versuch ihrer Kinder stehen, sie selbst zu werden und sich selbst kennen zu lernen.

Dass viele Eltern genau zu diesem Zeitpunkt ihre Erziehungsbemühungen intensivieren, stellt für ihn den unsinnigen Versuch einer Last Minute Erziehung dar. Sie sind so sehr daran gewöhnt, von sich selbst Aktivität zu verlangen, dass es ihnen unverantwortlich erscheint, sich zurück zu lehnen und sich an dem jungen Menschen im Guten wie im Bösen zu erfreuen.

Auf ein Übel weist er besonders hin: Die Sprache der Eltern ihren Kindern gegenüber!

Juul rät den Eltern: Wenn ich diesen Konflikt mit meinem/r besten FreundIn hätte, wie würde ich mich dann ausdrücken. Dahinter steht: prinzipiell Respekt vor der Souveränität eines anderen Menschen auszudrücken und die 10 Sekunde Pause in den Dialog einzubauen, die oftmals entscheiden, ob die Initiative als Kränkung erlebt wird o. als Einladung zu einem Dialog.

Für den Schmerz der Eltern hat er durchaus Verständnis. Immerhin erleben sie einen herben Verlust gleich mehrerer Dinge: Verlust von Nähe, Verlust von Macht und Kontrolle, Verlust von Vertrautheit. Anstatt dagegen anzukämpfen, sollten die Erziehenden sich damit arrangieren, in Zukunft als „Eltern im Hinterland“ zur Verfügung zu stehen: nicht mehr als erziehende und kontrollierende Eltern, sondern als liebvolle und fürsorgliche Zeugen des Lebens ihrer Sprösslinge!

Das zu lernen, dauert für gewöhnlich einige Jahre, dafür braucht man das auch in den nächsten 40 Jahren.

Eltern sind so etwas wie die Kapitäne eines Schiffes: Ob sie sicher in den Hafen gelangen und einer Meuterei entgehen, hängt davon ab, wie verantwortlich sie ihre Macht ausüben und wie willig sie sind, Tempo und Kurs zu korrigieren, je nach Beschaffenheit von Wind und Besatzung.

 

Dr. Jirina Prekop - Psychologin

Aus einem Vortrag: „Wie begleite ich mein Kind in schwierigen Phasen, im Trotzalter, in der Pubertät“

Die drei großen V`s:

- Vorbild

- Verständnis

- Vertrauen

Für sie ist das große Thema des Jugendlichen:

Wer bin ich eigentlich - und wer seid ihr?

Das Vorbild wird auf den Kopf gestellt und das muss laut Prekop so sein!

Nur dann kann ein eigenes Selbst – und Weltbild aufgebaut werden, wenn das Selbst- und Weltbild der Eltern angezweifelt wird. Prekop rät: Jetzt die Erziehung auf ein Minimum zu reduzieren! Das Kind wird sonst das

Gegenteil dessen tun, was man erreichen will.

Was ihnen nicht gefällt, sollten die Eltern ihrem Kind schon sagen. Die Jugendlichen sollen den Widerstand spüren, aber sie sollen nicht gegen das Kind kämpfen. Motto: Ich halte es mit dir durch, wenn es dir gefällt. (!)

Wichtig in dieser Phase:

Den Humor nicht verlieren, aber das Kind nicht auslachen!

Prekops Fazit: Was Eltern bis zur Pubertät erzieherisch nicht erreicht haben, können sie bleiben lassen! Sie können nur warten und beten dass alles gut geht.

Einen Päventivtipp hat Prekop für die Eltern, die die Pubertät ihrer Kinder noch vor sich haben: Da das Vorbild der Eltern in der Pubertät nicht mehr wirkt, sollten Eltern rechtzeitig für andere Vorbilder sorgen, z. B.

Trainer, Gruppenleiter,…

Wobei mit Vorbildern hier keine fehlerlosen Menschen gemeint sind, sondern Menschen, die gute Eigenschaften haben, die sich bemühen, die nicht aufgeben, die sozial sind.

Das Kind wird jetzt auch von anderen erzogen, was laut Prekop wichtig und richtig ist.

Für äußerst wichtig hält sie, dass Eltern Verständnis haben:

„Du machst ein schwieriges Alter durch. Du wirst sicher Fehler machen. Das gehört dazu. Du gehst deine eigenen neuen Wege. Aber du darfst immer zu mir kommen. Ich werde zu dir halten, du kannst bei mir Kraft

tanken. Ich werde dich unterstützen und beraten“.

Wenn ein Kind z. B. beim Ladendiebstahl mit Freunden erwischt wird, ist es grundfalsch, wenn Vater o. Mutter zu ihm sagen: „Ich habe dir schon immer gesagt, dass deine Freunde nichts taugen. Du hörst nie auf mich.

Jetzt hast du es“.

Wenn sich Eltern so über ihr Kind erheben, es klein machen, es quasi auslachen, verlieren sie sein Vertrauen.

Auch wenn sie den Ladendiebstahl selbstverständlich nicht gutheißen können, müssen sie sich einfühlen und ihm dies auch zeigen: „ Ich sehe selber, dass es dir leid tut und du dich schämst. Es ist ja auch etwas Schlimmes passiert. Aber ich weiß, du wirst es nicht noch einmal machen. Das Vertrauen gebe ich dir“.

Eltern müssen Vertrauen also im Voraus schenken. Wenn sie sagen: „Ich schäme mich für dich. Jetzt bist du ein Dieb“, dann bleibt es das Kind auch. Die Eltern müssen an den guten Kern in ihrem Kind glauben. Sie sollten sagen: „Auch ich mache Fehler, auch mit dir mache ich Fehler. Selbstverständlich darfst auch du Fehler machen. Ich achte mich trotz der Fehler ja auch, also achte ich dich ebenfalls. Ohne Fehler geht’s nun mal nicht“.

 

Jirina Prekop zieht den Schluss: Je mehr Eltern erziehen, umso mehr spornen sie ihr Kind zu Widerstand an. Sie sollten sich die Nerven sparen. Irgendwann wird das Kind – gewissermaßen nach einer Zeit der Gärung – vernünftiger und achtet die Eltern wieder.

 

Cheryl Bernard und Edit Schaffer: - Sozialwissenschaftlerinnen in Wien „Einsame Cowboys – Jungen in der Pubertät“

Sie beklagen in ihrem Buch, dass Jungen viel zu früh sich selbst überlassen und vor allem von den weiblichen Erziehenden quasi im Stich gelassen werden – aus Angst, die Söhne zu verweichlichen.

Auch männliche Erzieher ziehen sich emotional von den heranwachsenden Jungen zurück. Dabei – so die Ansicht der beiden Autorinnen – bräuchten gerade auch Jungen Unterstützung beim Thema „Gefühle und Ausdrucksmöglichkeiten“. Der herrschenden Meinung, in der Pubertät bräuchten Jungen besonders männliche Erzieher, widersprechen sie vehement. Gerade heute seien Frauen sehr wohl in der Lage, männliche Wesen zu erziehen. Sie können gerade dafür sorgen, dass aus den jungen männlichen Wesen keine Machos werden, sondern dass sie ihrer Persönlichkeit treu und auch als Erwachsenen weich und menschlich zugänglich bleiben, kurz: dass sie zu beziehungsfähigen Männern werden.

 

Dr. Max H. Friedrich - Kinder- und Jugendneuropsychiater aus Wien „Irrgarten Pubertät – Elternängste“

Für ihn ist das Jugendlichenalter ein einziger großer Suchprozess, das Betreten eines Irrgartens, in dem viele Wege und Umwege beschritten werden, bis schließlich der Ausgang gefunden wird.

Zu den Unsicherheiten, Ängsten und Schuldgefühlen, mit denen sich die Eltern Pubertierender häufig herumschlagen, schreibt Friedrich etwas sehr Tröstliches: „Aus meiner jahrzehntenlangen Arbeit mit Kinder und

Jugendlichen und deren Eltern wage ich zu behaupten, dass Eltern grundsätzlich an Fehlverhalten von Kindern nicht Schuld tragen. Die Gesellschaft macht es sich mit derartigen Schuldzuweisungen oft zu leicht.

Dabei wird meist von einem vorsätzlichen Fehlverhalten der Eltern ausgegangen. Ich selbst hab nie erlebt, dass Eltern ihre Kinder vorsätzlich und bewusst geschädigt haben, in dem sie absichtlich negative Einflüsse auf ihr Kind ausübten. Ich habe ungeschickte, fehl- und irregeleitete Eltern kennen gelernt. Ich habe unflexible, extrem autoritäre, in ihrer Erziehungshaltung starre Eltern erlebt. Bewusst verletzende, planvoll zerstörende habe ich nie getroffen. Jene Eltern die ihre Kinder negativen Einflüssen aussetzen, folgen letzten nur jenen Erziehungsstilen, die ihnen selbst vorgegeben wurden, sei es auf Grund ihrer eigenen Erziehung o. ihrer Ohnmacht, die es verhindert, sich angemessen orientieren zu können“.

Vieles, was Eltern als Katastrophe ansehen, ist halb so schlimm. „Es gibt sich“, wie man so schön sagt.

Manchmal wird tatsächlich übersehen, dass sich da etwas in die falsche Richtung entwickelt, dass etwas schief gelaufen ist. Auch wenn Eltern zu dieser ernüchternden Erkenntnis kommen, besteht kein Grund zu verzweifeln. Wirklich zu spät ist es (fast) nie.

Wenn Eltern merken, dass etwas schief gelaufen ist:

Das Ruder doch noch herumzureißen, gelingt allerdings nur dann, wenn Eltern ihre Augen nicht verschließen. Wenn sie sich eingestehen, wie die Lage ist, ohne sie vor sich selbst o. anderen schön zu reden.

Wenn sie also sagen: „Ja, mein Kind ist nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen“. O.: „Ja, mein Kind hat sich zum Tyrann entwickelt“. O.: „Ja, mein Kind ist in Gefahr, seelisch krank o. drogenabhängig o. kriminell zu werden. So weh mir das tut, ich sehe es, und ich versuche etwas dagegen zu unternehmen. Ich bin aus diesem Grund auch bereit, an mir selbst und meinem Verhalten zu arbeiten. Und ich bin bereit, professionelle Hilfe anzunehmen, wenn ich selbst nicht mehr weiter weiß“.

Wenn Eltern in dieser Art guten Willen zeigen, haben sie echte Chancen auf Erfolg.

Wenn Heranwachsende keine Verantwortung übernehmen:

 

Artikel: „Teenager in der Familie – die Verantwortung der Kinder“ aus der Zeitschrift „Mit Kindern wachsen“

Jesper Juul: Wenn der pubertierende Sprössling nicht bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, dann deshalb, weil es die Eltern all die Jahre nicht zugelassen haben, dass das Kind sie übernimmt, weil sie ihnen die

Verantwortung abgenommen haben. Wenn es soweit gekommen ist, dass der Teenager seine Hausaufgaben nicht eigenverantwortlich erledigt, sein Zimmer nicht eigenverantwortlich in Ordnung hält, nicht eigenverantwortlich zu Bett geht und morgens aufsteht, dann … nein, dann ist es nicht zu spät. Aber nun ist die letzte Chance daran etwas zu ändern. Juul rät, dem Heranwachsenden klar und deutlich zu sagen:

„Wir, die Eltern haben den Fehler gemacht, in all den vergangen Jahren die Verantwortung für dich und deine Angelegenheiten zu übernehmen. Wir sehen jetzt ein, dass das falsch war und werden damit aufhören. Wir wissen, dass es für dich schwierig sein wird, aber wir glauben, dass du es schaffen wirst. Wir werden vermutlich immer wieder rückfällig werden und uns in deine Belange einmischen. Sei dann bitte nachsichtig mit uns. Für uns ist es vermutlich noch schwieriger als für dich“.

Juul betont, dass Eltern ihre eigenen Worte finden müssen – und dass sie dem Kind keine Schuld an der Misere geben dürfen. In dem sie auf diese Weise die Verantwortung auf sich nehmen, tun sie gleich etwas, was in der Erziehung überaus wichtig ist: Nämlich ein gutes Vorbild sein!

Wenn Heranwachsende ihre Umgebung terrorisieren:

„Endstation Schlaraffenland – Was tun, wenn Jugendliche ihre Eltern terrorisieren“

 

Holger Wyrwa, Erziehungswissenschaftler, beschreibt, dass Jugendliche, die sozusagen als Schlaraffenlandkinder groß geworden sind, gerade in der Pubertät dazu neigen, ihre Eltern gnadenlos zu terrorisieren. Und zwar gerade dann, wenn die Eltern ihre Kinder sehr lieben und deshalb bereit sind, sehr viel in Kauf zu nehmen. Laut dem Kinder- und Jugendpsychotherapeut ist das Selbstbild der Schlaraffenlandjugendlichen folgendes:

- Ich bin mehr wert als meine Mutter, mein Vater, andere Menschen

- Mein Vater, meine Mutter aber auch andere müssen immer Rücksicht auf mich nehmen.

- Ich selbst brauche auf niemanden Rücksicht nehmen.

- Ich bekomme alles was ich will.

- Ich muss mich nicht anstrengen, um etwas zu bekommen.

- Ich bin mächtig.

Diese Mentalität ist nicht für Eltern schwer bis gar nicht zu ertragen, sondern treibt auch die Jugendlichen selbst in die Sackgasse, lässt sie geradezu scheitern. Sichtbar kann dieses Scheitern in Form von

Konzentrationsschwäche, Gleichgültig-/Verantwortungslosig-/Rücksichtslosig-/Bequemlichkeit/Egoismus werden.

Da dies bereits in der Persönlichkeitsstruktur verankert ist, ist es schwer gegen diese Mentalität etwas auszurichten – aber durchaus möglich.

Er empfiehlt ein Sieben-Punkte-Programm zur Einstellungsveränderung der Eltern, daran anschließend den Weg der Kooperation und -wenn dieser Weg nichts nützt- den Weg der Konfrontation. Einige grundlegende

Thesen von Wyrwa, die sich speziell an Mütter richten:

- Lieben sie ihr Kind bedingungslos, aber nicht grenzenlos.

Knüpfen sie an ihre Liebe keine Bedingungen, aber erlauben sie ihren Kindern nicht sie als Dienstmarkt zu missbrauchen. Setzen sie klare Grenzen. Kinder können und müssen mit der Begrenzung ihres Handelns leben. Gegenseitige Rücksichtnahme ist eine wichtige Voraussetzung für das Zusammenleben zwischen Menschen.

- Kinder sind nicht hilflos, aber sie erscheinen oft so, wenn sie an bestimmten Dingen kein Interesse haben. Kinder wissen ganz genau, dass sie sich nur ungeschickt anstellen müssen, damit die

Mutter alles für sie erledigt.

- Lassen sie sich nicht von ihrem Kind beleidigen und demütigen, nur weil sie fälschlicherweise denken, dass sie es nicht so meinen. Kinder wissen schon sehr früh, was eine Beleidigung ist und

wie sehr eine solche verletzt. Drohen sie ihnen Konsequenzen an, wenn sie sie weiter beleidigen. Sie dürfen sich ein solches Verhalten nicht bieten lassen.

- Zeigen sie ihren Kindern gegenüber ein durchgehend konsequentes Verhalten. Wenn sie eine Entscheidung getroffen haben, bleiben sie dabei. Nehmen sie eine Entscheidung nicht zurück.

Dies macht sie unglaubwürdig und ihr Kind lernt daraus, dass man sie lediglich nur unter Druck setzen braucht, um doch den eigenen Willen durchzusetzen.

- Achten sie auf ihre eigene Lebensqualität. Sie tun ihrem Kind nichts Gutes, wenn sie ihnen fast jeden Wunsch erfüllen. Auch sie haben ein Recht auf die Befriedigung ihrer Bedürfnisse.

Nur so lernen Kinder, dass Mütter nicht ihre Bediensteten sind, sondern Menschen, denen man mit Respekt begegnen muss.

Wenn Jugendliche nicht bereit sind, Rücksicht auf die Bedürfnisse der Eltern zu nehmen und sie zu respektieren, wird geraten, ihnen – nach einem letzten Gesprächsversuch – gezielt Vergünstigungen zu entziehen und nichts mehr für die Kinder zu übernehmen, was diese selbst erledigen können (Telefon sperren, nicht mehr zu Orten führen, welche die Kinder selbst erreichen können, …). Nur wenn Jugendliche ganz konkret die Erfahrung machen, dass sie ihre Eltern nicht ausnutzen können, ohne dafür Konsequenzen zu erleiden, werden sie auf Dauer ihre rücksichtslose Haltung verändern.

Veränderung braucht Zeit. Manchmal kann es Wochen o. Monate dauern, bis sich ein Verhalten positiv verändert. Einmalige Aktionen o. nur halbherziges Vorgehen haben keine Wirkung.

 

Kriminalität, Drogenmissbrauch und Ähnliches:

Jesper Juul: „ Das kompetente Kind“

Drei Dinge rät er betroffenen Eltern:

- Die Jgdl. mit Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen und Vorwürfen nicht behelligen, sondern diese Gefühle miteinander und mit anderen Erwachsenen teilen und sie so weit wie möglich ausräumen.

- So direkt und persönlich sein, wie es zu diesem Zeitpunkt möglich ist, und auf keinen Fall die Rolle des Therapeuten, der Polizei, des Richters o. Pfarrers übernehmen.

- Die Verantwortung übernehmen, dass die ganze Familie Hilfe erhält, sei es durch einen guten Freund, durch einen Lehrer, Pfarrer o. professionellen Familien- o. Drogentherapeuten.

Eltern sind nicht in der Lage, zu über- o. zu durchschauen, welche destruktiven Prozesse in ihrer eigenen Familie ablaufen o. abgelaufen sind. Dabei ist es enorm wichtig, die Verantwortung zum einen für das Vorhanden sein dieser destruktiven Prozesse zu übernehmen, zum anderen aber auch für eine konstruktive Veränderung.

Ein einfaches Rezept, sichere Ratschläge – so etwas gibt es NICHT. „Ratschläge sind auch Schläge“

Was man aber sagen kann: In dem Moment, wo der Eigensinn des Menschen, der eigene Sinn also, aus Rücksicht auf andere zurückgestellt wird, besteht die Gefahr einer ungesunden Entwicklung. Wenn ein Mensch seinem eigenen Sinn nicht mehr trauen darf, führt dies zu verzerrten Wahrnehmungen, die das Risiko des Pathologischen deutlich. Zu krankhaften Erscheinungsformen kommt es, wenn beiden Seiten das Zuhören verlernt haben, wenn die familiäre Kommunikation gestört ist.

 

Gespräche mit Mitarbeitern von Jugendämtern ergaben folgendes Bild:

- Viele Jugendliche zwischen 14 und 18 trinken regelmäßig Alkohol.

- Insgesamt probiert wohl jeder zweite Jgdl. Drogen.

- Jugendliche neigen heute allgemein dazu, sehr vieles auszuprobieren.

- Sie leben zur Teil in einer Welt, die ihren Eltern fremd ist.

- Sie tricksen ihre Eltern aus, spielen zu Hause den braven Sprössling und lassen es draußen krachen.

Rat an die Eltern: Professionelle Hilfe annehmen, wenn sie sich selbst hilflos fühlen.

 

Die Nervenprobe bestehen….

„Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst frühzeitig zu machen.

Winston Churchill

Hast du einen jungen Menschen davor bewahrt, Fehler zu machen, dann hast du ihn auch davor bewahrt, Entschlüsse zu fassen.

John Erskine

Man liebt einen Menschen nicht wegen seiner Stärken, sondern trotz seiner Schwächen.

Volksgut

Jedes Kind, das etwas taugt, wird mehr durch Auflehnung als durch Gehorsam.

            Sir Peter Ustinov

Wer in der Jugend nicht revolutionär, im Erwachsenenalter nicht evolutionär ist – der kann o. will nichts verbessern.

Willy Brandt

Jungen Leuten ist Freude und Ergötzen so vonnöten wie Essen und Trinken.

Jugend ist wie ein Most. Der lässt sich nicht halten. Er muss vergären und überlaufen.

            Martin Luther

Eine gewisse Reibung zwischen den Generationen ist unvermeidlich, denn die Jugend und die Alten wähnen sich im Besitz der Antworten, und das Mittelalter hat die Fragen am Hals.

            Aus den USA

Die Jugend will, dass man ihr befiehlt, damit sie die Möglichkeit hat, nicht zu gehorchen.

Sartre

Ein paar kluge und wohltuende Ansichten von Fachleuten:

Um unabhängig und selbständig zu werden, muss sich der Jugendliche von den Eltern als seinen wichtigsten Liebesobjekten lösen…

Demonstrative Aufsässigkeit und Rebellion gegen die bisherigen Normen kann vorkommen und ist als „gesund“ einzuschätzen…

Grundsätzlich gilt: Je enger das Verhältnis zwischen Kind und Eltern war, desto stürmischer der Trennungskampf…

Dr. Ingomar D. Mutz und Dr. Peter J. Scheer

Das Schlimmste für ein Kind wären total perfekte Eltern. Eltern die nie Fehler machen, die „heilig“ sind. Das Kind könnte keinen Widerstand leisten. Es könnte sich nie verstanden fühlen von seinen Eltern.

Jirina Prekop

 

Wenn sie ihr Kind mit dem anderer Eltern vergleichen und vielleicht den Schluss ziehen, die hätten ihrs viel besser hingekriegt, bedenken sie folgendes:

Jede Familie, die von Zuwendung und gutem Bemühen getragen wird, ringt um die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit, Anpassung an die Familienwerte und Selbstbestimmung. Wenn die mehr auf liberale,

partnerschaftliche Erziehung setzen, wenn sie also seitens ihrer Kinder Eigenständigkeit höher als Gehorsam schätzen, dann kann es zwar passieren, dass die Kinder während der Pubertät überfordert sind, dass es Krisen gibt, aber langfristig gesehen haben solche Kinder weitaus mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten. Wenn Eltern stark lenken, einschränken, nur ihre Wertvorstellungen gelten lassen, dann wirken die Kinder zwar während der Pubertät sehr gefestigt, sehr stabil, aber ihre Möglichkeiten, sich zu entwickeln, sind beschränkt. Überanpassung und Identitätsverlust können zu einem Verlust persönlicher Freiheit führen.

            Mary Pipher

 

Und noch ein paar Tipps von Eltern:

„Mir hilft, wenn ich mal wieder in einer solch negativen Stimmung bin, alte Kinderfotos meines Sohnes anzusehen. Dann spüre ich wieder, wie lieb ich ihn habe und dass er mich auch jetzt noch braucht - auch wenn er das vermutlich nie so zugeben würde…“.

„Ich sage mir halt zum Trost und um mich selber aufzubauen: Es liegt nicht an mir. Es sind die Hormone. Es wird schon vorbeigehen.

Und außerdem:

Ich gebe mein Bestes. Wenn das nicht gut genug ist, kann ich auch nichts machen, so leid es mir tut“.

„Wenn ich mir meinen Sohn und einige seiner Freunde so ansehe, denke ich immer wieder:

Gerade jetzt wo sie vor Kraft strotzen und diese viel lieber in körperliche als in geistige Arbeit stecken würden, werden so hohe geistige Anforderungen seitens der Schule an sie gestellt.

Wie schön wäre es, sie könnten erst einmal arbeiten, bis sie geistig und seelisch wieder in der Lage sind, die Schule zu bewältigen. Wie schön wäre es, sie könnten dies tun, ohne gleich ihre

schulische Laufbahn damit zu gefährden…“

„Was mir in all den schwierigen Jahren wirklich geholfen hat, war der Kontakt und Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern, die mit ihren Kindern ähnliche Probleme hatten wie ich. Nicht allein

mit meinen Sorgen dazustehen, tat einfach gut und gab mir das Gefühl, vielleicht doch nicht alles falsch gemacht zu haben. Eltern mit Vorzeigekindern, bei denen alles klappte, habe ich in dieser

Zeit eher gemieden. Es hat mir damals einfach zu weh getan, immer wieder daran erinnert zu werden, dass Jugendliche auch durch die Pubertät gehen können, ohne ihren Eltern Probleme zu

bereiten. Solche Eltern strahlen ja oft eine gewisse Selbstzufriedenheit aus, so nach dem Motto:

< Wenn man die jungen Herrschaften nur richtig erzieht, dann klappt das auch>. Rückblickend betrachtet, hat sich das mit diesen Kindern oft gar nicht so toll weiterentwickelt. Aber wenn man drin steckt, fehlt einem halt der Überblick…“

 

Grundsätzliches

Was will das Jugendschutzgesetz?

Das Jugendschutzgesetz bestimmt nicht nur deine Rechte und Pflichten als junger Mensch. Es bestimmt auch die Verantwortlichkeit von Eltern und Erziehungsberechtigten sowie von UnternehmerInnen und VeranstalterInnen.

Es legt Grenzen fest, an denen sich ALLE, ob Jugendliche o. Erwachsene, orientieren müssen. Es bestimmt auch die Verantwortlichkeit von Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten. Innerhalb dieses Rahmens sollst du als junger Mensch unter 18 dir deine Regeln mit den Erwachsenen aushandeln, Vereinbarungen treffen, deine eigenen Entscheidungen fällen und selbstbestimmt handeln.

Begriffsbestimmungen

Das Jugendschutzgesetz betrifft junge Menschen bis zum 18. Geburtstag. Wenn du verheiratet, Zivildiener o. Angehörige/r des Bundesheeres bist, gilt für dich dieses Gesetz nicht - mit Ausnahme der Bestimmungen über Rausch- und Suchtmittel bis zum 18. Geburtstag, außer du bist schon verheiratet, beim Bundesheer. Erziehungsberechtigte sind Eltern sowie sonstige Personen und Institutionen wie etwa Jugendorganisationen die die Aufsichtspflicht haben. Begleitpersonen sind Erziehungsberechtigte o. Personen über 18 Jahre, denen die Aufsicht über junge Menschen

von den Erziehungsberechtigten fallweise anvertraut o. übertragen wurde, sowie Personen, denen im Rahmen einer Jugendorganisation junge Menschen anvertraut worden sind (Rote Falken, Jungschar, Pfadfinder, etc.). Allgemein zugängliche Orte sind insbesondere öffentliche Straßen, Plätze und öffentliche Verkehrsmittel (z.B. Straßenbahn) sowie Gaststätten und sonstige Lokale, sofern für deren Besuch nach diesem Gesetz nicht spezielle Vorschriften gelten. Öffentliche Veranstaltungen sind Veranstaltungen, die allgemein zugänglich sind und nicht von vornherein auf

einen in sich geschlossenen und nach außen abgegrenzten Personenkreis beschränkt sind. Nicht als öffentliche Veranstaltungen gelten die der Religionsausübung dienenden Handlungen.

 

Altersnachweis

Es ist wichtig, dass du einen Lichtbildausweis - auch zu deinem Schutz - bei dir hast, um ihn der Polizei o. bei Veranstaltungen o. beim Kauf von bestimmten Dingen vorweisen zu können.

Dafür eignet sich ein Personalausweis o. ein Schülerausweis.

Ausgehzeiten

Bis zu deinem 14. Geburtstag darfst du zwischen 5 und 22 h. unterwegs sein und Veranstaltungen besuchen. Vom 14. bis zum 16. Geburtstag zwischen 17 und 1 h.

Außerhalb dieser Zeiten darfst du mit einer Begleitperson unterwegs sein, o. wenn du einen triftigen Grund angeben kannst (Heimweg). Ab deinem 16 Geburtstag gibt es keine gesetzliche Beschränkung, aber bis zu deinem 18 Geburtstag dürfen dir deine Eltern o. Erziehungsberechtigten vorschreiben, wann du heim kommen sollst. Das Gesetz setzt hier Maximalgrenzen fest.

Innerhalb dieser Grenzen kannst du mit dir selbst o. mit deinen Erziehungsberechtigten individuell Regelungen treffen. Was für dich o.k. ist, sollten nur du und deine Eltern/Erziehungsberechtigten miteinander klären

 

Alkohol, Tabak und andere Rausch- und Suchtmittel

Tabakwaren - also auch Zigaretten - und Alkohol darfst du erst ab deinem 16. Geburtstag konsumieren. Im Gesetz sind also auch hier absolute Grenzen festgelegt, die aber sicher nicht bedeuten,

dass du schon mit 16 Alkohol trinken o. rauchen sollst.

Alkohol und Nikotin sind zweifelsohne Suchtmittel, deren Konsum körperlich und psychisch riskant sein kann. Überlege dir also genau ob du Alkohol und Tabak überhaupt konsumieren willst

und wenn ja, in welchen Situationen, wie viel davon, weshalb und mit wem. Unabhängig von deinem Alter ist natürlich auch der Erwerb und Besitz (egal ob gekauft, getauscht, geschenkt o. gefunden) von illegalen Drogen gesetzlich verboten.

Zu den illegalen Drogen zählt auch Cannabis (Haschisch und Marihuana). Du verstößt also auch beim Besitz kleinster Mengen (z.B. 0,1 g Cannabis) gegen das Gesetz und kannst dadurch in

große Schwierigkeiten und unangenehme Situationen geraten.

 

Verbotene Orte

Sexlokale, Peepshows und Swinger-Klubs darfst du nicht betreten. Hier will das Gesetz, dass du deine persönlichen Wege zur Sexualität selbst finden kannst.

Auch Branntweinschänken, Wettbüros und reine Glücksspiellokale, wo Geld als Gewinn ausbezahlt wird, darfst du nicht betreten.

Erst ab deinem 14. Geburtstag darfst du dich in Spielhallen aufhalten, in denen mehr als zwei Glücksspielapparate aufgestellt sind. An Glücksspielautomaten darfst du nicht spielen, egal wo sie stehen. Glücksspielautomaten sind solche, bei denen du Geld gewinnen kannst.

Spielsucht ist eine unbemerkt weitverbreitete Krankheit, die deine Existenz gefährden kann. Daher schützt dich das Gesetz vor jenen, die daraus Profit schlagen wollen.

 

Jugendgefährdende Medien, Datenträger, Gegenstände und Veranstaltungen

Medien, Datenträger, Gegenstände die besonders brutal, rassistisch o. pornografisch sind darfst du nicht erwerben, besitzen, verwenden und weitergeben und sie dürfen dir auch nicht angeboten werden.

Das gleiche gilt auch für Veranstaltungen dieser Art. Das Gesetz will dir Zeit verschaffen, um zu erkennen, wie soziales Zusammenleben unter Wahrung der Menschenrechte stattfinden kann. Es will vermeiden, dass du dich an falschen Vorbildern orientierst. Auch hier schützt es dich vor jenen, die aus diesen Produkten Profit schlagen.

 

Strafen und sonstige Maßnahmen

Alle Verantwortlichen, also du, deine Erziehungsberechtigten und Begleitpersonen, UnternehmerInnen und VeranstalterInnen sowie die zuständige Behörde müssen dafür sorgen, dass das Jugendschutzgesetz eingehalten wird. Innerhalb dieser Grenzen kannst du dir mit deinen Erziehungsberechtigten o. Begleitpersonen deine persönlichen Regelungen vereinbaren. Wo dir keine engeren Grenzen gesetzt werden, da entscheide selbst, was für dich gut ist.

Wenn du als junger Mensch bis zum Alter von 18 Jahren das JSG übertrittst dann:

• kannst du verwarnt werden

• zu einem Informationsgespräch aufs Jugendamt geladen werden.

• Wenn das alles noch immer nichts nützt wirst du zur Kassa gebeten: bis zu 200 Euro

Wenn UnternehmerInnen das JSG übertreten dann:

• können sie verwarnt werden

• müssen sie bis zu 15.000 Euro Strafe zahlen.

• Zahlen sie nicht, müssen sie Ersatzhaft antreten.

Erziehungsberechtigte und Begleitpersonen können:

• verwarnt werden

• bis zu 700 Euro Strafe zahlen

• Zahlen sie nicht, müssen sie Ersatzhaft antreten.

Zuständigkeit

Das JSG wird von der Polizei überwacht. Strafen werden vom Bezirksamt ausgesprochen.

 

[Sigrid Neudecker]

Was können wir nie wieder so gut wie in der Pubertät?

Erwachsenwerden ist ein Kinderspiel: Wer rebelliert, entwickelt Strategien, die das wechselhafte Leben leichter werden lassen.

Erwachsenwerden: Pubertät = Jedes kleine Verknalltsein wird sofort zur größten Liebe aller Zeiten, bei jedem Liebeskummer sind wir sicher, dass wir ihn nicht überleben werden.

Pubertät = Jedes kleine Verknalltsein wird sofort zur größten Liebe aller Zeiten, bei jedem Liebeskummer sind wir sicher, dass wir ihn nicht überleben werden.

Wer als Kind in die Welt der Erwachsenen übersetzt, bei dem verändert sich plötzlich alles, und nichts passt mehr zueinander. Und das ist eigentlich großartig: Denn wir zeigen in dieser Lebensphase

Fähigkeiten und Eigenschaften, von denen wir uns manche für das spätere Erwachsenenleben bewahren sollten. In der Pubertät erfinden wir uns alle paar Wochen neu: heute Revoluzzer, morgen

Philosoph. Wir werden nie wieder eine solche Entdeckungsfreude an den Tag legen. Wir probieren alles Mögliche aus, am häufigsten uns selbst. Und wir kümmern uns sehr viel weniger darum, was andere darüber denken. Als Kind wollten wir noch von allen gemocht werden, als Pubertierender spornen uns irritierte Blicke nur an. Als Erwachsener werden wir dann die Kunst des Kompromisses gelernt haben und sogar zu jenen Menschen freundlich sein, die wir eigentlich gar nicht mögen.

In der Pubertät lernen wir, mutig zu sein. Wir setzen den tapfersten Schritt unseres Lebens: jenen heraus aus dem Urschutz der elterlichen Geborgenheit. Bis dahin waren wir automatisch Teil einer Familie, jetzt können wir uns erstmals ein Leben als Individuum vorstellen. Im selben Atemzug beginnen wir, Autoritäten infrage zu stellen. Wissen unsere Eltern wirklich alles besser? Haben die Lehrer tatsächlich immer recht? In deren Augen erscheint unser Verhalten oft als stures Widersprechen aus Prinzip.

"Das Moment des Widerspenstigen, Rebellischen, des gesteigerten Oppositionsgeistes der Pubertierenden wird in zwei Variationen zum Ausdruck gebracht", sagt Rolf Göppel von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, der mehrere Bücher über die Pubertät geschrieben hat. "Einmal durchaus im Sinne der kritischen Hinterfragung von Prinzipien, Regeln, Standpunkten, also im Sinne einer mutigen und notwendigen offenen Auseinandersetzung mit der Frage, wie gut die bestehenden Ordnungen und Einrichtungen begründet sind." Zum anderen würden Pubertierende auch eine gewisse Lust an der Provokation an den

Tag legen, um Grenzen auszutesten, meint Göppel. Wann, wenn nicht jetzt? In diesem angeblich schwierigen Alter kann man noch mit Nachsicht rechnen, egal, ob man seine Umgebung mit seiner schlechten Laune nervt oder tatsächlich etwas anstellt. Als Erwachsener geht man lieber auf Nummer sicher und verhält sich sozial verträglich.

In der Pubertät lässt man sich von seinen Gefühlen noch völlig ungehemmt mitreißen, von den negativen genauso wie von den positiven. Jedes kleine Verknallt sein wird sofort zur größten Liebe

aller Zeiten, bei jedem Liebeskummer sind wir sicher, dass wir ihn nicht überleben werden. Wir können uns über gesellschaftliche Ungerechtigkeiten zutiefst empören und würden am liebsten

sofort losstürmen, um sie zu bekämpfen. Wir glauben noch fest an das Gute im Menschen und an die Möglichkeit, die Welt zu verbessern. Erst später beginnt der Kopf, die Ratio, solche Gefühlsaufwallungen vorsorglich runterzupegeln. "

Daran kannst du ohnehin nichts ändern", denken wir dann immer öfter. Oder auch: "Wer weiß, ob er es ernst mit dir meint. Lieber vorsichtig sein!"

Was wir aber am allerbesten können, ist Herumalbern. Wir machen uns über Rituale oder Konventionen lustig und kichern umso haltloser, je ernsthafter eine Zeremonie ist. Teils aus Übermut,

teils weil wir den Sinn dahinter nicht erkennen können. "Das gehört sich so", ist in diesem Alter eben noch kein ausreichendes Argument. An diese Leichtigkeit des Seins erinnern wir uns sogar

als Erwachsene gern zurück.

 

 

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