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Gesundheit

Kliniken operieren zu häufig, weil es sich lohnt

Patienten landen oft zu rasch in deutschen Operationssälen. Lukrative Eingriffe an Wirbelsäulen und mit Prothesen steigen. Ob das Patientenwohl Vorrang hat, ist fraglich.

7. Dezember 2012  15:26 Uhr  65 Kommentare

In Deutschland werden Patienten schnell und häufig operiert – und viele von ihnen unnötig. Wie das wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in seinem Krankenhaus-Report kritisiert, wurden nie zuvor so viele Menschen in deutschen Kliniken stationär behandelt wie 2011. Seit sieben Jahren steigt die Zahl stetig an. 18,3 Millionen Fälle zählte das statistische Bundesamt . Es gebe besonders dort starke Zuwächse, wo die Eingriffe Krankenhäusern Gewinn versprächen, sagte WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber. Dabei sei nur ein Drittel des Anstiegs auf älter werdende Patienten zurückzuführen.

Allein Operationen an der Wirbelsäule haben sich seit 2005 mehr als verdoppelt, konstatiert Fritz Uwe Niethard. So bringe eine typische Wirbelsäulen-OP einer Klinik 12.000 Euro ein, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie während der Vorstellung des Reports. Dafür könnten 100 Jahre Behandlung ohne OP bezahlt werden.

Auch bei Herzschrittmachern ist die Zahl der Eingriffe laut der Studie zwischen 2008 und 2010 um ein Viertel gestiegen. Der demografische Wandel trägt nur minimal dazu bei. Weltweiter Spitzenreiter sind die deutschen Kliniken gar, wenn es darum geht künstliche Hüft- und Kniegelenke zu verpflanzen.  Auf 100.000 Einwohner kommen in Deutschland im Schnitt 296 Hüft- und 213 Knie-OP. Damit liegen deutsche Chirurgen noch vor ihren Kollegen aus den USA .

"Mehr Menge bedeutet nicht zwangsläufig mehr Nutzen für die Patienten", sagte AOK-Vorstand Uwe Deh. Niemand dürfe "unnötig operiert werden". Gerade bei lukrativen und planbaren Eingriffen wie einer Wirbelsäulenoperation oder bei Untersuchungen mit Herzkathetern könnten die steigenden Zahlen "nachweislich nicht damit erklärt werden, dass sich der medizinische Bedarf entsprechend entwickelt hat".

Der Orthopäde Niethard warnt vor einer Über- und Fehlversorgung: Sie sei genauso problematisch wie eine mögliche Unterversorgung. "Jede Operation ist auch ein erhebliches Gesundheitsrisiko für den einzelnen Patienten." Für den Krankenhausreport wurden Daten von AOK-Patienten ausgewertet, die in rund 1.600 der insgesamt etwa 2.000 Kliniken im Land behandelt worden waren.

Krankenhäuser wehren sich

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) streiten die Vorwürfen der Studie ab. Sie geht davon aus, dass der starke Anstieg von Operationen von der Zunahme älterer Patienten rühre und vom medizinischen Fortschritt. Die Betreiber von Krankenhäusern leugnen nicht, dass der Kostendruck für sie enorm ist . Doch sie wehren sich dagegen, Operationen willkürlich angeordnet zu habe. Das Deutsche Krankenhausinstitut hat eine eigene Untersuchung gemacht und fürchtet nun "eine generelle Diffamierung der Krankenhausmitarbeiter".

Auch "in den viel zitierten Leistungsbereichen Hüft- und Knieersatz stagnieren die Leistungsentwicklungen seit einigen Jahren. Gemessen an der heute viel größeren Zahl älterer Menschen ist die Häufigkeit dieser Leistungen sogar rückläufig", sagt der DKG-Präsident Alfred Dänzer.

Die Autoren des Krankenhausreports widersprechen. Krankenhäuser würden sich konsequent gewinnmaximierend verhalten. Nicht nur stiegen die Zahlen der Eingriffe, die mit hohen Fallpauschalen vergütet werden, sondern seien sie auch regional äußerst unterschiedlich verteilt. In Schleswig-Holstein , Bayern und Hessen operieren Mediziner etwa am häufigsten an der Wirbelsäule. Auch zeigen sich große Unterschiede auf Kreisebene, wenn es um implantierte Herzschrittmacher geht. Selbst wenn man die unterschiedliche Anzahl alter Patienten in den Regionen Deutschlands berücksichtigt, bleiben die Abweichungen deutlich. Während im Jahr 2010 etwa im Kreis Höxter ( Nordrhein-Westfalen ) 807 Defibrillatoren je eine Million Einwohner verpflanzt wurden, waren es im bayerischen Nürnberg gerade einmal 202.

Auch in der Qualität der Versorgung gibt es offenbar deutliche Unterschiede in den Kliniken. Der Krankenhausreport verglich Komplikationen nach einer Herzkatheter-OP in 614 Kliniken deutschlandweit. In 74 Häusern traten bei weniger als 5% der Patienten Probleme auf, allerdings lag die Rate in 37 Kliniken bei mehr als 15%.

 

Lesekommentare:

nilszbzb

07. Dezember 2012 15:31 Uhr

1. Ein grundsätzlich systemisches Problem

So lange Anreize für Ärzte geschaffen werden, die nicht auf das Patientenwohl ausgerichtet sind, hat man als Patient das Problem, nicht wissen zu können, ob man eine Behandlung wirklich braucht, oder der Arzt ein neues Auto kaufen will.

Wer kam nochmal auf die unheimlich tolle Idee, Krankenversorgung zu privatisieren?

 

Jan Reiter

07. Dezember 2012 15:34 Uhr

2. Menschen werden anspruchsvoller

Noch vor 20 Jahren hat kaum ein Krebspatient im Alter von 80 Jahren eine Chemotherapie bekommen. Heute ist das Standard. Auch viele über 80-jährige Patienten werden mit teuren Biologicals behandelt, auch wenn die Lebenserwartung dadurch nur 2-3 Monate steigt. Die Therapie mit Biologicals ist teuer - und kann schon mal 1300 Euro kosten - pro Woche ! (Nur Kosten für ein Medikament !)

 

tolerant

07. Dezember 2012 15:35 Uhr

3. ich habe es erfolgreich

verhindert meinen Bandscheibenvorfall operieren zu lassen, was mir allerdings die Folgebehandlung zu eigenen Kosten verschafft hat, die übernehme ich einfach und spare mir einen Urlaub.

Ein Dank der Veröffentlichung des Operationsthemas das wohl daraus resultiert das die Krankenhäuser nur noch so heißen und so ausschauen aber in Wirklichkeit Filialen von Konzernen sind die ihre Lobyisten überall erfolgreich verteilt haben.

Hoffentllich droht denen bei anständiger Arbeit ohne unnötige Operationen nicht ein aus da die Controller das so nicht vorgegeben haben und wie bei Schlecker sonst kann der Steuerzahler die Gesundheit wieder doppelt finanzieren.

 

Kritischer_Geist

07. Dezember 2012 15:42 Uhr

4. Die Ökonomisierung der Medizin widert mich an!

Jedem Arzt, der unnütz operiert, sollte eigentlich sofort die Approbation entzogen werden. - Leider ist das einfacher gesagt als getan und man darf auch nicht die Augen vor der ökonomischen Wirklichkeit verschließen bzw. man muss sich auch bewusst machen, welcher finanzielle Druck manchmal auf den einzelnen Ärzten, aber auch bei den Krankenhausleitungen liegt.

Das Schizophrene ist ja, dass offensichtlich genug Geld im Gesundheitssystem da ist. Leider scheint dieses zum einen nur falsch verteilt zu sein und zum anderen scheint es überflüssig zum Fenster hinausgeschmissen zu werden, wie nicht zuletzt die zahlreichen überflüssigen Operationen zeigen.

Es ist einfach pervers, dass man heutzutage nicht einmal mehr seinem Hausarzt trauen kann. - Er könnte einem ja eine unnütze IGEL-(L)eistung aufdrängen.

Die Probleme sind seit Jahren bekannt. Die Lösungsmöglichkeiten auch.

 

thomascap

07. Dezember 2012 15:44 Uhr

5. "Viele Kliniken operieren auch, weil es sich lohnt"

Unglaubliche Erkenntnis... das nennt man übrigens Marktwirtschaft, soviel verkaufen wie möglich zu höchstmöglichen Preis, bei niedrigsten Kosten.

Der leidtragende ist übrigens immer- und überall der Bürger.

 

cafedelsur

07. Dezember 2012 15:44 Uhr

6. Verantwortungslos

Im Artikel heißt es:

- Operationen an der Wirbelsäule haben sich seit 2005 mehr als verdoppelt

- Wirbelsäulen-OPs sind besonders lukrativ und bringen einer Klinik 12.000 Euro ein

- jede Operation ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken für den jeweiligen Patienten verbunden

Wie soll man einem solchen System noch vertrauen?

 

Suryo

07. Dezember 2012 15:45 Uhr

7. Wo mehr Patienten, da auch mehr Überweisungen...

Wenn man Allgemeinärzte fragt, sagen die aber auch alle, daß heute sehr viel mehr Menschen wegen lächerlicher Wehwehchen in die Praxis kommen. Wo mehr Patienten, da auch mehr Überweisungen...

 

seitenstiche

07. Dezember 2012 15:45 Uhr

8. Nur die Spitze des Eisbergs

Überflüssige OP's sind nur ein Teil des völlig aus dem Ruder gelaufenen Gesundheitssytems. Welchen Anreiz (außer dem finanziellen) hat den z.B. ein Pflegeheim bei einem Patienten der Pflegestufe 3, dass er wieder mobiler wird und in Pflegestufe 2 oder 1 wechselt (wofür es dann weniger Geld gibt)?

 

einsdreissig

07. Dezember 2012 15:48 Uhr

9. Man fragt sich doch hier

mit welchem sonstigen Verbrechen man das gleichsetzen kann: Bankraub? Schwerer Betrug? Wer sinnlos in der Gegend herum operiert um das eigene Konto oder das seines Krankenhauses zu füllen, dann noch einer Klasse angehört, die dringend auf Vertrauen angewiesen ist sollte auch ernsthafte Konsequenzen spüren. Da kommt man sich ja fast vor wie in einer Hinterhof-Autowerkstatt, die einem alles Unnötige andrehen, weil es angeblich kaputt ist. Dass Ärzte keine Heiligen sind, weiß man inzwischen. Aber sich soweit entfernen von einem positiven Heilerdmythos? Das ist zu banal, das darf nicht wahr sein...

 

thomascap

07. Dezember 2012 15:49 Uhr

10. "Wer kam nochmal auf die unheimlich tolle Idee..."

Privatisierung ist nicht der wesentliche Grund, es ist mehr die Marktwirtschaft, die man überall einführen möchte... auch Kommunale und Kirchliche Krankenhäuser versuchen sich in Marktwirtschaft. Das Ergebnis kennen wir bei Bahn, Post, sozialer Wohnungsbau und jetzt auch im Gesundheitswesen. Hohe Preise, bzw. viel Leistungen und möglichst dicke Gewinne.

Antwort auf "Ein grundsätzlich systemisches Problem"

 

nureinGedanke

07. Dezember 2012 15:50 Uhr

11. So ist es halt, wenn "falsche" Anreize gesetzt werden.

Die Lehren aus der Vergangenheit: Sparen ist einfach. Sparen am falschen Ende, kostet viel Geld oder schlimmer die Gesundheit. Wenn statt Effektivität die Effizienz medizinischer Maßnahmen in den Vordergrund gestellt wird, braucht man sich nicht zu wundern, wenn Maßnahmen im Krankenhaus in diese Richtung "optimiert" werden. Es ist Zeit für eine Kehrtwende.

 

thomascap

07. Dezember 2012 15:52 Uhr

12. Jeder der das kritisiert...

sollte sich an seine Politiker wenden... Die "tönen" doch ständig auf die wundersamen Erfolge der "Marktwirtschaft", kein Bürger hat je darüber abgestimmt, aber die Politiker ziehen das überall durch.

 

sitzplatzaus

07. Dezember 2012 15:54 Uhr

13. Verständigung und Propaganda

Nach dem Artikel kommt die AOK zu dem Ergebnis, 'Niemand dürfe "unnötig operiert werden"' unterstützt vom Orthopäden Niethard der 'warnt vor einer Über- und Fehlversorgung'. Und der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie stimmt mit ein, dass für OP-Kosten '100 Jahre Behandlung ohne OP bezahlt werden' könnten. Demnach geht es um die Frage, ob das Machbare auch das Notwendige ist.

Prompt reagieren die Krankenhausgesellschaft mit 'sie wehren sich dagegen, Operationen willkürlich angeordnet zu haben' und und fürchten '"eine generelle Diffamierung der Krankenhausmitarbeiter"'.

Offenbar sachliche Argumente, die darauf hinweisen, dass das Machbare mit dem Notwendigen nicht zu verwechseln sei, werden propagandistisch zru Willkür und Diffamierung uminterpretiert. Natürlich haben die Krankenhäuser davon auszugehen, dass hinter dem Report der AOK herbe Kritik steht. Diese Kritik müssen sie sich aber gefallen lassen, erst recht, wenn der Report demografische Gründe berücksichtigt hat und ausschließen konnte.

 

Hinterfrager

07. Dezember 2012 16:01 Uhr

14. 120 Euro / Jahr für konservative Behandlung...

...eines Bandscheibenvorfalls?

In den Träumen der AOK, vielleicht!

 

Antwort auf "Verständigung und Propaganda"

wadenzwicker

07. Dezember 2012 16:01 Uhr

15. Hauptsache "Kohle"

Ich bin Realist. Und als solcher weiß ich: Kliniken sind Unternehmen. Unternehmen wie alle andere auch. Zweck eines jeden Unternehmens ist die Erwirtschaftung eines Gewinnes. Der eigentliche Betrieb ist nur Mittel zum Zweck. Das sollte man bedenken, wenn man sich in die "Obhut" eines Klinik-Unternehmens (ich nenne das mal so) begibt. Man wird dort nicht allzuviele Samariter finden, aber viele Geschäftsleute.

 

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Egoldr

07. Dezember 2012 16:11 Uhr

16. Wer die Geister des Vulgärökonomismus rief....

brauch sich doch nicht zu wundern, dass auch Kliniken in erster Linie ans Geld und dann an das Wohl der Patienten denken. Man kann sich nur freuen, wenn es noch Ärzte gibt, die sich ihrem Berufsethos verpflichtet fühlen, sich dafür aber ausbeuten lassen mit Magergehältern, für die die Schmarotzer unserer Gesellschaft, die Finanzkapitalmanager, keinen Handstreich tun würden. Das Primat der Ökonomie ist dorthin zu vertreiben, wo es hergekommen ist: im Gesundheitswesen, in der Betreuung von alten, kranken und behinderten Menschen und im Bildungswesen hat es nichts zu tun. Und überhaupt: Vulgärökonomen sollten aus allen Verantwortungspositionen in Wirtschaft und Gesellschaft entfernt werden, sie richten mit ihrer monistischen, kurzfristigen Sichtweise nur Schaden an. Nur: bilden deutsche Universitäten noch "Ökonomen" aus, die diesen Namen verdienen oder doch nur halbgebildete Vulgärökonomen, wie ein Herr Sinn?

 

Zora01

07. Dezember 2012 16:13 Uhr

17. Es fehlt im Artikel

ein wichtiger Bereich, in dem die Anzahl der Operationen stetig ansteigt: Die "Geburtshilfe"!

Es werden immer mehr Kaiserschnitte durchgeführt, ohne dass es dadurch mehr gesunde Neugeborene gäbe. Allzu oft wird mittels Einleitung, PDA, Blasensprengung etc. ein Geburtsstillstand forciert, um eine schnelle, lukrative OP anstelle einer langwierigen und schlechter bezahlten spontanen Geburt abrechnen zu können.

In einigen Kliniken ist bereits eine Sectio-Quote von 50% erreicht.

 

Dr. Michael Neunmüller

07. Dezember 2012 16:19 Uhr

18. ENDLICH

wird auch öffentlich gesagt, was in den Wartezimmern unter denjenigen Patienten, die noch miteinander sprechen, ohnehin schon längst für Gruselstimmung sorgt: Das System bezahlt Ärzte für Behandlungen, das System bezahlt die Ärzte für kranke Patienten - nicht für gesunde, nicht für Gesundheit.

Also wird Krankheit produziert.

NICHT dass die Ärzte Geld verdienen ist das Problem, sondern WOFÜR sie es bekommen.

 

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Moringa

07. Dezember 2012 16:20 Uhr

19. Ökonomisierte Medizin

Wenn der Börsenticker im Fernsehen läuft, erscheinen manchmal auch einige als Aktiengesellschaft geführte Kliniken. Womit wird bei diesen eigentlich die Rendite erwirtschaftet, die an die Aktionären ausgezahlt wird - habe ich mich oft gefragt. Und warum geht es manchen anderen Kliniken so schlecht? Gute Bekannte aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesen konnten mir das nicht beantworten.

Werden dort nur lukrative OPs durchgeführt? Machen die Patienten ihre Betten selbst oder müssen sie direkt nach der OP die Klinik verlassen? Wo ist das Spar- und Gewinnpotenzial?

In einer Gesellschaft, in der alles der Wirtschaftlichkeit unterliegt, sind solche Entwicklungen, wie im Artikel beschrieben, leider nur logische Konsequenz.

 

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nureinGedanke

07. Dezember 2012 16:28 Uhr

20. ad 18 Ironie?

Ihr Beitrag ist jetzt aber ironisch gemeint, oder?

Antwort auf "ENDLICH"

 

Waggeldaggel

07. Dezember 2012 16:31 Uhr

21. bitte genauer angeben

Während im Jahr 2010 etwa im Kreis Höxter (Nordrhein-Westfalen) 807 Defibrillatoren je eine Million Einwohner verpflanzt wurden, waren es im bayerischen Nürnberg gerade einmal 202.

---------------

Wie jetzt,

wenn in einem bevölkerungsarmen Landkreis ein Herzzentrum steht, dann ist doch klar, dass pro Kopf dort mehr operiert wurde. Haben die Einwohner denn auch überdurchschnittlich viele Defibrillatoren oder wurden gar Nürnberger in Höxter operiert?

 

VertigoEchos

07. Dezember 2012 16:35 Uhr

22. Wieder Mensch werden!

Ware Mensch: Krankheit wird nicht geheilt, sondern verwaltet! Es werden teure und oft unnötige Operationen verordnet, aber es fehlt deutlich öfter an den Grundlagen. Die Nachlässigkeit hinsichtlich der Anwendung konservativer Therapien lässt Krankheiten oft erst richtig ausbrechen. Es werden auch anamnestisch wertvolle Hinweise einfach ignoriert, weil der Patient sich ja nicht besser kennen kann als der Arzt. Kehren wir doch zu dem zurück, was Medizin sein wollte, eine Leistung am Menschen und nicht für den Geldbeutel.

 

maximilianmoritz

07. Dezember 2012 16:52 Uhr

23. Mal davon abgesehen

dass Ihr Vertrauen in eine "staatliche" Gesundheitsversorgung blauauegig ist, stimme ich der Systemkritik durchaus zu. Das Hauptproblem ist jedoch nicht die Privatisierung per se sondern ein Geschaeftsmodell, bei dem den Patienten eine "kostenlose" Versorgung vorgegaukelt wird bei der lediglich Arzt und Versicherung entscheiden. Der Patient in diesem System braucht sich nicht fuer die Kosten zu interessieren. Ein Arzt der aus "Kostengruenden" von einer Prozedur abraet, wuerde lediglich den Patienten an einen Konkurrenten verlieren. Es darf daher auch nicht wundern, dass viele Aerzte nicht geneigt sind nuechtern und sachlich die reale Begrenzung ihres Koennens, die Erfolgsaussichten einer Prozedur oder die Wirksamkeit eines Medikamentes mit dem Patienten zu besprechen.

Die Loesung waere an sich einfach und bestuende darin die richtigen Anreize zu setzten. Dies koennte zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass man die Option haette vor Steuern einen vorgeschriebenen Betrag in ein "Medical Savings Konto" statt an eine "normale" Krankenversicherung zu zahlen. Ueber dieses Konto koennte der Patient verfuegen und haette somit ein Interesse Kosten und Nutzen sorgfaeltig zu erwaegen um sicherzustellen "dass es am Ende reicht". Und wenn man weise entscheidet und etwas Glueck hat bliebe sogar etwas uebrig fuer die Erben. Der Staat sollte seine Beteiligung auf Beitragshilfe wo notwendig beschraenken.

 

Antwort auf "Ein grundsätzlich systemisches Problem"

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thomascap

07. Dezember 2012 17:03 Uhr

24. "Womit wird bei diesen eigentlich die Rendite erwirtschaftet..."

Das nennt man "Marktwirtschaft"... Kosten drücken, weniger Mitarbeiter, geringere Bezahlung. Preise optimieren, welche Gebührenziffer bringt mir den höchsten Preis, sich auf die profitablen Leistungen konzentrieren... Kindermedizin "lohnt sich nicht".

Die Gewinne zahlen letzt endlich die Versicherten mit ihrem Beitrag und warum möchte wohl die FDP dieses System auf das ganze Gesundheitswesen ausdehnen? Das führt zu Medizin Millionären und Versichertenarmut... aber Marktwirtschaft ist ja so "toll".

Antwort auf "Ökonomisierte Medizin"

 

thomascap

07. Dezember 2012 17:06 Uhr

25. "Mal davon abgesehen..."

Ich denke sie haben das grundlegene System 'Gesundheitswesen' noch nicht verstanden, es ist nicht kompliziert...

Antwort auf "Mal davon abgesehen"

 

astridanna

07. Dezember 2012 17:13 Uhr

26. Aber genau das ist falsch!

Ein Krankenhaus ist keine Schuhfabrik und darf, wenn alles optimal läuft, bestenfalls kostendeckend arbeiten. Gewinne erwirtschaften darf es niemals!

Aber das ist das politisch gewollte Ziel. Und auch dass alle operativen Leistungen in dem DRG-System höher bewertet werden als konservative Leistungen, ist politisch gewollt. Vor 25 Jahren durfte ich im KH Patienten komplett behandelt, d.h. wenn jemand mit einem Schlaganfall ins KH kam, wurde die Akutsituation gemanaged, dann wurde nach der Ursache des Schlaganfalls geforscht, in der Zeit zwischen den Untersuchungen wurde der Patient von Logopäden, Ergotherapeuten und Krankengymnasten betreut. Wenn ein Bluthochdruck und ein Diabetes mellitus als verursachende Grunderkrankungen entdeckt wurden, wurden diese selbstverständlich während des stationären Aufenthalts optimal eingestellt, wurde eine Diabetes bedingte Mykose festgestellt, wurde auch diese behandelt, fand sich ein melanomverdächtiges Hautareal, wurde es reseziert und untersucht (und die behandelnde Abteilung ist durch diesen chirurgischen Eingriff dennoch nicht um ihre Einkünfte gebracht worden!). Die Ergotherapeutin hat sich den Haushalt des Pat. angesehen, um zu entscheiden, welche Hilfsmittel einsetzbar/nötig sind, um sie schon während des stationären Aufenthalts zu beantragen, die jungen Ärzte konnten Tag für Tag die Fortschritte des Pat. verfolgen: Das Glück, das erste Wort sprechen zu können, was motiviert, mit patientenzentrierter Medizin fortzufahren.

 

Antwort auf "Hauptsache "Kohle""

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Sobe0110

07. Dezember 2012 17:15 Uhr

27. Fragen

Wie erklärt sich denn nun, dass mehr operiert wird, obwohl die Kliniken unter einem großen finanziellen Druck stehen? Eine Operation und die Versorgung kosten doch auch geld.

Heisst dass, dass die Krankenhäuser und die OPs voll belegt sein müssen, damit sie sich rentieren? Oder werden andere, nicht so gut vergütete Leistungen mit z.B. gut vergüteten Wirbelsäulen-OPs abbezahlt? Das geht für mich nicht klar aus dem Bericht hervor.

 

thomascap

07. Dezember 2012 17:15 Uhr

28. "Kliniken sind Unternehmen."

Das ist ein Denkfehler... Kliniken sind halt kein Unternehmen, weil sie keine 'Produkte' herstellen. Unternehmen die Schrauben produzieren können ihre Werkstoffe und den Produktionsort wählen, ist die Schraube zu teuer, wird sie halt 'billiger' produziert. Sind eine bestimmte Anzahl von Schrauben fehlerbehaftet, was soll's sie werden entsorgt.

Kliniken haben einen "Gesundheitsauftrag", sie kümmern sich unbegrenzt um die Gesundheit des Patienten. Sie Können nicht sagen, das wird mir jetzt zu teuer und die Operation 'lohnt' sich auch nicht mehr, schickt den Patienten mal nach Hause (wie es in den USA passiert).

 

Antwort auf "Hauptsache "Kohle""

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KHHS

07. Dezember 2012 17:16 Uhr

29. Verbrechen

Eine OP, die nur aus wirtschaftlichen Gründen an dem Patienten/Opfer vollzogen wird, steht für mich moralisch auf derselben Stufe wie Raub mit Körperverletzung - vielleicht schlimmer, weil es zusätzlich einen Vertrauensmissbrauch darstellt.

 

thomascap

07. Dezember 2012 17:19 Uhr

30. "Wie erklärt sich denn nun..."

Kliniken arbeiten ja nicht mehr nach dem "Kostendeckungsprinzip", sondern martwirtschaftlich gewinnorientiert... d.h. erbringt man 'nur' noch die Leistungen mit dem höchsten Gewinn, dann verdient man immer mehr. Dazu kommt die Optimierung der Abläufe bei vielen gleichartigen Operation, die Verbrauchsmaterialien können günstiger eingekauft werden usw.

 

Antwort auf "Fragen"

WolfHai

07. Dezember 2012 17:23 Uhr

31. Mir fehlt das Patientenwohl in diesem Artikel

Dieser Artikel zitiert, dass viele Operationen "unnötig" seien. Er sagt aber nicht, wie die Macher der Studie dieses "Unnötig" ermittelt haben. Klar ist lediglich, dass sich die Operationszahlen gegenüber der Vergangenheit erhöht haben. Vielleicht waren die in der Vergangenheit zu niedrig?

Operationsentscheidungen in den hier zitierten Fällen (Wirbelsäule, Herzschrittmacher) sind Abwägungsentscheidungen und oft ohne eindeutiges Kriterium, was "besser" ist. Da kann es leicht sein, dass finanzielle Regelungen eine Rolle spielen. Sie können die Operationen "unnötig" erhöhen - vielleicht ermöglichen finanzielle Regelungen nur Operationen, die man schon immer hätte machen sollen? Das Problem ist, dass der Patient es oft überhaupt nicht weiß, was "absolut richtig" ist, der Arzt vielleicht etwas besser, aber oft auch nicht genau.

Oder sollte *immer* ein Vertrauensarzt der Versicherung eine solche Operation genehmigen müssen? Dann hätten wir hier die Klagen der Patienten, die meinten, ihnen sei eine notwendige Operation aus finanziellen Gründen vorenthalten worden.

Ja, es gibt eindeutig finanzielle motivierte Medizin. Aber es enorm schwer, dieses Problem vernünftig zu regeln; ein Generalverdacht, wie ihn diese Studie ausspricht oder andeutet, hilft nicht viel.

 

astridanna

07. Dezember 2012 17:25 Uhr

32. Aber genau das ist falsch (2)!

Heute wird den Ärzten vorgegeben , mit welcher Krankheit ein Pat. maximal wie lange stationär behandelt werden darf, damit er sich noch "rechnet". Es erfolgen rasante Verlegungen in Reha-Kliniken, egal, ob der Transport dem Pat. gut tut, ohne Rücksicht, ob er in einer Akutklinik aufgrund seiner Begleiterkrakungen besser aufgehoben wäre, unabhängig davon, ob ein Therapeutenwechsel zu einen Informationsverlust führt. Wer sich nicht an diese Vorgaben hält, der wird bankrott gehen, dessen Abteilung wird geschlossen werden. Prosperien können diejenigen privaten Kliniken, die sich möglichst gesunde Patienten zu einer möglichst eindimensionalen operativen Therapie einbestellen und innerhalb des optimalen Zeitfensters entlassen. Wird bei einem dieser Pat. zufällig eine unerwartete Begleiterkrankung festgestellt, wird man ihn bitten, sich erst im notwendigen zeitlichen Abstand in der Abteilung der Kollegen vorzustellen, damit eine neue DRG greift!

 

nouraa

07. Dezember 2012 17:36 Uhr

33. Zahlen evtl. falsch interpretiert?

Kann es nicht auch einfach sein, dass die Operationen zunehmen, weil mehr möglich ist und man sich mittlerweile eher traut an die Wirbelsäule zu gehen, als noch vor einigen Jahren? Durch Verbesserung von Geräten und Technik kann man auch mehr mit weniger Risiko machen und logischerweise versucht man dann doch dem Patienten das Problem lieber gleich zu nehmen, als 100 Jahre für die gleichen Kosten was Chronisches zu behandeln. Das würde ich erstmal untersuchen, ob es tatsächlich unnötige Eingriffe sind, oder vielleicht die Verbesserung von Technik und Medizin die steigenden Zahlen erklären kann, bevor ich so einen Artikel schreibe. Nicht jede Statistik ist gleich, was sie zu sein scheint.

 

Waggeldaggel

07. Dezember 2012 17:36 Uhr

34. Erlös ungleich Gewinn

Und auch dass alle operativen Leistungen in dem DRG-System höher bewertet werden als konservative Leistungen, ist politisch gewollt.

-----------------

Das DRG-System ist kostendeckend konzipiert.

Eine OP-Stunde kostet ca 500€ (Minimum) und entspricht damit etwa einem Krankenhaustag. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass für OPs mehr Geld erlöst wird.

 

Antwort auf "Aber genau das ist falsch!"

dborrmann

07. Dezember 2012 17:39 Uhr

35. Nicht zu vergessen die Profits für die Krankenkassen

Einschleusung von Patienten in hochwertige Diagnosen bringt den Krankenkassen mehr Geld aus dem Gemeinschaftstopf.

Das System ist vollkommen verrückt. Statt vernünftig zu honorieren werden völlig falsche Anreize gesetzt. Übrigens kommen die nicht von den Ärzten sondern ganz wesentlich von den Verwaltungen sowohl der Kliniken wie auch der Krankenkassen und von den Politikern. Wir sehen jetzt ganz einfach was passiert, wenn nicht Ärzte das Gesundheitssystem wesentlich steuern sondern Verwaltungsdirektoren, die es nicht interessiert, ob sie Stecknadeln, Teppiche oder z. B. eingesetzte Hüftvollprothesen produzieren ( lassen). "Mehr Hüften bitte und mehr Knie bitte auch (kein Problem, Arthrosen gibt es ja jede Menge)". Aber "mehr Frakturen bitte"... Woher nur nehmen, wenn kein Glatteis? Da hat's der Chirurg schon schwieriger ... Und das Kliniken in Aktienkonzerne aufgehen, übrigens ganz wesentlich von Ulla Schmidt zu verantworten, tut sein übriges. Keine Profits? Hilfe, dann fließt ja das Kapital ab...

 

docheinz

07. Dezember 2012 17:44 Uhr

36. Wer setzt das System zurück?

Alle Verantwortlichen (Ärzte, Kassenvertreter, Klinikverwaltungen) wissen, wie das Spiel gespielt wird und nicht zuletzt deswegen läuft hinter den Kulissen ein erbitterter Kampf zwischen Kliniken und Kassen um die Erlöse stationärer Vergütungen. Einzige Abhilfe gegen eine Fallzahlausweitung, wie das so schön benannt wird, wäre, die Qualität der erbrachten Leistungen rigoroser zu bewerten- auch in Hinblick auf Langzeitergebnisse. Wenn dies aber nachvollziehbar seriös geschähe müsste man am Ende auch das Rückrat haben, den Patienten bestimmte Leistungen nicht mehr auf Kosten der Allgemeinheit zu gewähren-gerade von Seiten der Kassen (die sich nur zu gern hinter den Ärzten mit ihren Rationalisierungsbestrebungen verschanzen). Leider hat hier die AOK wieder einmal gezielt einen "Aufreger" publiziert, der den Zorn in die falsche Richtung lenkt. Denn wir Klinikärzte wollen diese Ausweitung deer Eingriffe am wenigsten-wir haben auch meistenteils überhaupt keinen Nutzen davon (entgegen manch anderer hier vorgebrachter Meinung).

 

dborrmann

07. Dezember 2012 17:48 Uhr

37. Da kann man eine Menge zu sagen...

In der Marburger Uniklinik sollte eine teure Strahlenkanone in Betrieb gehen. Da kein Profit zu erwarten ist, hat die Klinik, die zu einem Aktienkonzern gehört, diese sehr segensreiche Einrichtung nicht weiter aufgebaut.

Die Patienten werden immer früher entlassen. Die Fallpauschale ist ja fällig geworden, also kann man dann den Patienten ja frühzeitig in die ambulante Versorgung weiter reichen ( im Jargon: Blutige Entlassung)...

Der Beispiele gibt es viele. Das Problem sind aber nicht die Ärzte, das Problem ist das mit vollkommen falschen und unsinnigen Anreizen ausgestattete Gesundheitssystem, vollkommen merkantilisiert, von Begriffen wie Effizienz, Rationalisierung, Qualitätsmangement, Funktionalisierung durchzogen. Mitgefühl, Ethos usw. spielen in den Anreizsystemen keine Rolle, sie sind eher hinderlich.. Es geht nur um Cash...

 

Antwort auf "Ökonomisierte Medizin"

killerwal888

07. Dezember 2012 17:50 Uhr

38. meine eigene Erfahrung:

seit Januar dieses Jahres, ein unverschuldeter Unfall mit dem Fahrrad, ist die Ursache, habe ich Probleme mit meiner

Wirbelsäule, zuerst Halswirbel, dann die LWS. Mein behandelnder Orthopäde hat die vorliegenden MRT´s geflissentlich ignoriert und

privat Bahandlungen mit Akupunktur empfohlen, danach Kortisonbehnadlung durch PRT´s, alles erfolglos. Nach der Konsultation eines Neuro Chirurgen wurde der LWS Bandscheibenschaden per OP behoben und seitdem bin ich im Lendenwirbel- und Beinbereich wieder schmerzfrei. Wenn dann die HWS noch repariert wird, werde ich mich wie neugeboren fühlen. Herzlichen Dank an meinen Neuro Chirurgen am

Wirbelsäulen Zentrum in Viernheim. Ach ja, die ALLIANZ als

Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers, versucht

alle über meinen Sachschaden hinausgehenden Ansprüche

abzulehnen, da ja in meinem Alter ein Verbrauch der Wirbelsäule normal sei obwohl ich vor diesem Unfall noch nie

Probleme mit dieser hatte, bedingt durch tägliches Training

dieses wichtigen Körperteiles.

 

Dr. Michael Neunmüller

07. Dezember 2012 18:11 Uhr

39. Versuchen

Sie doch mal, darüber nachzudenken.

Ein Arzt bekommt Geld für die Behandlung, nicht für die Gesundheit seiner Patienten. Dass damit ein Anreiz zu unnötigen Überbehandlungen gegeben ist...

...ich weiß nicht, wo sie da Ironie sehen. Allenfalls zeugt das ganze System von einem höchst ironischen - um nicht zu sagen: zynischen - Umgang mit Krankheit und Gesundheit.

Antwort auf "ad 18 Ironie?"

 

fotorepok

07. Dezember 2012 18:40 Uhr

40. Ein schwieriges Thema

Vor den Fallpauschalen bekamen Kliniken Geld für belegte Betten und manch Patient musste länger bleiben als nötig.

Heute wird pro Fall abgerechnet und viele Patienten blutig entlassen, damit noch Gewinn übrig bleibt.

Jetzt habe Kaufleute das Sagen in den Kliniken, von denen kommen die Vorgaben, z.B. wir müssen mehr Herzkatheter machen, mehr Kunstherzen implantieren, mehr Bypässe, mehr Herzklappen-Op's usw. Um die ein Jahr vorher mit den Kassen vereinbarten Zahlen nicht zu gefährden (Punktlandung ist erwünscht), werden Indikationen gelockert.

Der Patient an sich stört da nur. Alles muss schnell schnell gehen. Gespräche mit Patienten nur unter Zeitdruck, eine Folge davon sind schludrige Anamnesen, die negative Folgen haben können.

Das Gesundheitssystem selbst ist das Problem und politisch so gewollt.

 

maristra

07. Dezember 2012 18:44 Uhr

41. Kein Wunder

Solange Zertifizierungen und auch Bezahlungen sich vor allem an Fallzahlen orientieren, ist es ja nicht weiter überraschend, wenn versucht wird, diese auch zu erreichen. Sonst werden nämlich beispielsweise Weiterbildungsermächtigungen gekürzt und es kommen weniger Assistenzärzte, oder eben ganze Abteilungen stehen mit dem Rücken zur Wand, weil sie nicht als effizient arbeitend gelten.

Verdammt werden dürfen hier aber nicht die Ärzte, denn die werden selbst in höheren Positionen zumindest im Krankenhaus meistens nach Tarifvertrag bezahlt und nicht unbedingt am Gewinn des Krankenhauses beteiligt. Und sind größtenteils selbst unzufrieden mit dem System, denn wenn sie die Fallzahlen nicht "bringen", werden möglicherweise Stellen gestrichen. Also soviel zum Thema "noch ein Porsche". Den fährt nicht der operierende Oberarzt, sondern die Geschäftsleitung, und das sind BWLer, keine Mediziner. Das ist das Hauptproblem in deutschen Krankenhäusern.

Natürlich muss ein Krankenhaus bis zu einem gewissen Punkt wirtschaftlich arbeiten. AB einem gewissen Punkt geht das aber nicht mehr, denn schwerstkranke Menschen brauchen sehr teure Behandlungen und werden eben nicht schön effizient einen Tag nach der lukrativen OP entlassen.

 

nureinGedanke

07. Dezember 2012 19:01 Uhr

42. ad 39 zynischer Umgang mit Krankheit und Gesundheit

Selbstverständlich bekommt ein Arzt Geld für die Behandlung. Geld für eine Nichtbehandlung oder Scheinbehandlung zu bezahlen, wäre unsinnig. Selbstverständlich erhalten Ärzte auch Geld für die Gesunderhaltung (Impfungen, Vorsorgemaßnahmen, Beratungen). Es liegt aber in der Natur der Sache, dass die Behandlung eines Kranken einen größeren Einsatz erfordert als die Betreuung eines Gesunden. Gesunde brauchen ohnehin in der Regel keinen Arzt und kein Krankenhaus.

Nur weil Ärzte Geld für die Behandlung von Kranken bekommen, entsteht noch kein Anreiz zu unnötigen Überbehandlungen und es wird auch keine Krankheit "produziert". Nennen Sie ein beliebiges konkretes Beispiel, dann wird es möglicherweise klarer.

Antwort auf "Versuchen"

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Dr. Michael Neunmüller

07. Dezember 2012 19:26 Uhr

43. Von was

ist denn in diesem Artikel die Rede?

WEITERE Beispiele? Einer Bekannten wurde beim Zahnarzt NICHT der schmerzende Zahn behandelt, sondern alle bis dahin nicht plombierten Zähne wurden plombiert ("der Schmerz sitzt woanders, als Sie ihn spüren"), den schmerzenden Zahn behandelte dann ein anderer Arzt. Beschwerde? Zwecklos.

Über unnötige Herzorperationen an einer deutschen Einrichtung wurde vor ein paar Jahren in den Medien breit berichtet.

Ich erhielt vor Jahren eine schreckliche Diagnose, die sehr teuere medikamentöse Behandlung nötig machte (mehr als ein durchschnittliches Monatsgehalt im Monat). Meine Hinweise auf Indizien, die eine andere Diagnose unterstützen hätten können, wurden abgewehrt (3 Ärzte an - wg. Umzugs - zwei verschiedenen Unikliniken und die Leiterin einer Reha-Einrichtung). In der Endphase der Behandlung bestätigte sich die andere Diagnose im Blutbild zweifelsfrei - dennoch wurde mir geraten, "vorsichtshalber" die sehr teure Medikamentation fortzusetzen. Ich tat das nicht - und lebe gesund und munter (10 Jahre sind seither vergangen).

Warum wehren Sie sich so gegen diesen Befund über die Auswirkungen des Systems? Sie gehören doch nicht etwa zu den Profiteuren? Ich behaupte nicht, eine Lösung zu haben, aber zumindest sollte das Problem erst einmal klar benannt werden...

 

Antwort auf "ad 39 zynischer Umgang mit Krankheit und Gesundheit"

wadenzwicker

07. Dezember 2012 19:42 Uhr

44. @astrianna @thomascap

Ich schrieb doch: Ich bin ein Realist. REALIST !!!!!

Antwort auf "Hauptsache "Kohle""

 

nureinGedanke

07. Dezember 2012 20:03 Uhr

45. ad 43

Wenn es sich so verhält, wie sie schildern, war es im ersten Fall eine klare Fehldiagnose des behandelnden Arztes. Hierfür ist aber wohl kaum das Honorarsystem verantwortlich zu machen. Oder glauben sie, dass sie der behandelnde Arzt wissentlich falsch behandelt habe? Im zweiten Fall scheinen sich gleich mehrere Ärzte geirrt zu haben. Auch hier sehe ich keinen Zusammenhang mit dem bestehenden Honorarsystem.

Antwort auf "ad 39 zynischer Umgang mit Krankheit und Gesundheit"

 

allterrain

07. Dezember 2012 20:29 Uhr

46. Meiner Ansicht nach ist diese Entwicklung ....

... der Ökonomisierung des Gesundheitswesens geschuldet. Da, wo die Gesundheit von Menschen im Mittelpunkt steht, darf es nicht um Profit gehen, sonst sieht es aus wie es sich momentan darstellt.

Es gibt zwar überall solche und solche, mein Vertrauen diesbezüglich, dass Ärzte mich immer in meinen Sinne beraten, ist begrenzt, auch aufgrund von vergangenen Erfahrungen.

Das haben politische Parteien gefördert, und sind dafür von einer hinreichenden Anzahl von Menschen gewählt worden, die den Versprechungen von angeblichen Verbesserungen im Sinne des Patienten Glauben geschenkt haben.

Von mir aus sollen Ärzte gut verdienen, aber sämtliche variablen finanziellen Anreize sollten eliminiert werden. Im Gesundheitswesen sollte es mehr Planwirtschaft und Sozialismus geben.

 

eisatnaf

07. Dezember 2012 21:02 Uhr

47. Die totale Ökonomisierung aller Lebensbereiche

Das ist das Dogma der Neoliberalen. Gleich einer Botschaft von Gott selber, ist alles im Namen der Ökonomisierung unantastbar. Alternativlos.

Wer profitiert?

Die Patienten nicht. Sie werden mit hohen Beiträgen finanziell ausgenommen und im Krankenhaus unnötigen Eingriffen unterzogen. Was schlicht und ergreifend eine vorsätzliche Körperverletzung ist.

Die Ärzte überwiegend nicht. Die einfachen Ärzte arbeiten viel zu lang und schlecht bezahlt.

Wie immer im neoliberalen System, verdienen nur ganz oben einige Wenige. Die dann aber richtig satt.

 

Antwort auf "Ein grundsätzlich systemisches Problem"

heidelerche

07. Dezember 2012 21:54 Uhr

49. Man gönnt sich ja sonst nichts!

So manches Landratsdenkmal (auch als Kreiskrankenhaus bekannt) gönnt sich gern sauteures Equipment und auch einen honorigen Professor, der mit den Geräten auch umzugehen versteht.

Das alles kostet Geld und will ausgelastet sein.

Hinzu kommt, dass die Fallpauschale bei Krankenhausaufenthalten auch dazu führt, dass Patienten weniger lange verweilen müssen und mehr Zeit und Raum für immer neue Eingriffe AUCH in das Finanzgebaren der Kassen übrigbleibt. Wer für drei Tage ganauso viel bekommt wie bisher für eine ganze Woche, der ist nun mal versucht, auch die nunmehr leerstehenden Betten erneut mit Patienten zu füllen und diese gewinnbringend zu operieren.

 

keibe

07. Dezember 2012 22:36 Uhr

50. "Patienten landen oft zu rasch in deutschen Operationssälen."

Das verstehe ich nicht. Der autonome Patient -immer wieder oft beschworen- wird doch wohl im Rahmen seiner Patientensouveränität entscheiden können/dürfen, was ihm Wohlergehen zu verheißen vermag.

Denn wer das Konstrukt des "autonomen Patienten" anficht, sagt nicht anderes als: Die Patienten sind zu dumm, über die Tragweite ihrer eigenen Handlungen befinden zu können.

 

nureinGedanke

07. Dezember 2012 23:18 Uhr

51. ad 50 "zu rasch"

Gemeint war wahrscheinlich nicht "zu rasch" im Sinne von "zu schnell", sondern "zu häufig". Formuliert wurde ja "oft zu rasch". Vielleicht war aber auch gemeint, dass die Indikation zur OP "oft zu leichtfertig" gestellt wird - das wäre aber wieder entwas anderes. Möglicherweise - und dieser Gedanke drängt sich mir beim Lesen auf - ging es aber darum ein ursprünglich positive Ergebnis "in Deutschland wird im Gegensatz zu anderen Ländern die Diagnostik zügig durchgeführt und es stehen schnell Op-Termine zur Verfügung" mit der beabsichtigt negativ klingenden Wertung "zu rasch" zu versehen.

 

Antwort auf "Patienten landen oft zu rasch in deutschen Operationssälen."

 

keibe

07. Dezember 2012 23:32 Uhr

52. @ Komm. 51

Wie auch immer "zu rasch" (s. Artikel) gemeint sein mag, ändert das nichts an meinem Einwand, dass zur Patientensouveränität gehört, wann, warum, wie und wie oft der Patient unters Messer gelangen will, um seine Gesundheit -autonom entscheidend- wiederherstellen zu lassen.

Wer auch immer wie "zu rasch" formuliert hat, unterstellt, dass es mit der Patientensouveränität nicht allzu weit her ist.

Weitergesponnen würde ich dann fragen: Ein Oberschenkelhalsbruch mit 83 und das Ansinnen, den noch -gar rasch- herrichten zu lassen?

Die Antwort auf diese Frage verkneife ich mir (Sie mögen Sie sich selbst beantworten), möchte ich doch redaktionell nicht der Polemik, Unsachlichkeit, "bleiben Sie beim Artikelthema", belegen Sie Ihre Aussage.

 

maximilianmoritz

07. Dezember 2012 23:53 Uhr

53. Schon von Unternehmen gehoert

die einen Service verkaufen? Die Besten dieser Unternehmen sind diejenigen die ein besseres (Service) Produkt zu einem guenstigeren Preis anbieten koennen. Warum sollte dieses Modell nicht auch fuer Kliniken Anwendung finden? Wollen Sie lieber in einer Klinik die Verlust macht oder einer die Gewinn macht behandelt werden? Vorsicht mit der Antwort!

Ist es nicht meistens so, dass "Gewinn" meist auf Qualitaetsmerkmale wie hoehere Kompetenz, weniger Behandlungsfehler und besseres Pflegepersonal zurueckzufuehren ist. Und der Umkehrschluss trifft genauso zu.

Antwort auf "Kliniken sind Unternehmen."

 

eisatnaf

08. Dezember 2012 0:21 Uhr

54. Es gibt mehr im Leben als Gewinn, oder Verlust

"Wollen Sie lieber in einer Klinik die Verlust macht oder einer die Gewinn macht behandelt werden?"

Dieser neoliberale Unfug ist schon so in unsere Gesellschaft eingesickert...

Ich will weder von Gewinn, noch von Verlust behandelt werden, sondern von einem Arzt!

Hypokritischer Eid (Auszug):

„…Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden…“

Zum Nutzen der Kranken! Nicht zum Nutzen einer GmbH.

Wenn unnütze Operationen durchgeführt werden, ist das zum Schaden und in unrechter Weise, oder?

 

Antwort auf "Schon von Unternehmen gehoert"

nureinGedanke

08. Dezember 2012 0:23 Uhr

55. ad 52

Ja, ein Oberschenkelhalsbruch stellt eine klare OP-Indikation dar. Die Indikation zur OP besteht unabhängig vom Alter des Patienten. Zudem sollte die OP "rasch" erfolgen, falls keine Kontraindikationen bestehen. Je schneller die OP erfolgt, um so besser ist es für den Betroffenen. In so einem Fall ist es nur zu begrüßen, wenn schneller und häufiger operiert wird. "Es gebe besonders dort starke Zuwächse, wo die Eingriffe Krankenhäusern Gewinn versprächen, sagte WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber." Wenn die Angabe von Herr Klauber auch auf diese Op zuträfe, wäre logische Schlussfolgerung die Zahlungen bei dieser OP-Indikation zu erhöhen.

 

Antwort auf "@ Komm. 51"

nureinGedanke

08. Dezember 2012 1:01 Uhr

56. ad 53 Wo behandeln lassen?

Eine interessante Frage. Leider ist es so, dass höherer Gewinn im Krankenhaus viel eher auf weniger Personal und geringere Kompetenz zurückzuführen sein werden. Fachpersonal ist teuer, Hilfspersonal günstiger, eine hochqualifizierter Chefarzt kostet und eine freie Arztstelle spart Kosten. Unikliniken arbeiten nie kostenneutral. Als Risikopatient wähle im Zweifel die "Verlust machende" Spezialklinik / Uniklinik.

Eine Leserempfehlung

Antwort auf "Schon von Unternehmen gehoert"

 

nilszbzb

08. Dezember 2012 1:18 Uhr

57. Schon richtig

auch staatliche Organisation bedeutet nicht unbedingt eine gute Versorgung, wäre aber im Vergleich m.A. die deutlich bessere Ausgangsposition.

Antwort auf "Mal davon abgesehen"

 

vivum

08. Dezember 2012 2:04 Uhr

58. Nicht zu schnell mit der Kritik!

Es gibt wohl viele Dinge, die gegen den Artikel sprechen. Zum einen sollten Sie darauf achten, WER diesen Report wohl erstellt hat. Wir reden hier vom Institut einer Krankenkasse, die ja auch sehr wohl interessiert am wirtschaftlichen Arbeiten ist. Und denen geht es darum so wenig wie möglich auszugeben!!! Klar wird da jede OP noch kritischer beäugt und ihrer Notwendigkeit wegen anders beurteilt.

Zweitens glaube ich kaum, dass Ärzten in Kliniken finanzielle Anreize pro OP geschaffen werden. Das mag vielleicht vorkommen, ist aber unter der Ärzteschaft, die ich kenne, nicht üblich.

Ich weiß, es wird jetzt viele geben, die weiter gegen die bösen Ärzte wettern. Aber ihr Blick sollte sich wohl eher auf die Krankenhausleitung und die Krankenkassen richten. Dem Arzt ist es doch völlig wurscht, was das Krankenhaus einnimmt.

Liebe Grüße von einer Krankenhausmitarbeiterin!

 

Ludwig der Träumer

08. Dezember 2012 10:38 Uhr

59. Selbstverantwortung

Durch einen Kalkpfropfen im Schultergelenk konnte ich den Arm vor Schmerzen kaum noch bewegen. Die Ärztin verschrieb mir ein Schmerzmittel mit schwersten Nebenwirkungen und riet mir zur umgehenden Operation. Es hätte voraussichtlich ein halbes Jahr gedauert, bis der Arm unter Höllenqualen wieder voll beweglich gewesen wäre. Zum Glück lernte ich als Privatpatient einen Prof. Dr. einer privaten Klinik kennen, der mir von einer OP abriet. Er begründete es damit, daß der Kalkpfropfen wieder so verschwindet, wie er gekommen ist. Ich dürfe jedoch keine Schonhaltung einnehmen und müsse den Arm möglichst oft bis zur Schmerzgrenze bewegen, da sich der Schmerz sonst im Kopf verankert und eine Selbstheilung kaum noch möglich ist. Er riet mir sogar von Schmerzmittel ab.

Mit einem guten Chiropraktiker und eigenen konsequenten Übungen war ich innerhalb 5 Wochen wieder voll bewegungsfähig, ohne Medikamente und Krankenschein.

Es bringt nichts, das bestehende kranke System nur zu kritisieren. Es bedient sich ja nur einer wehleidigen Gesellschaft, die ihre Selbstverantwortung abgegeben hat. Viele Krankheiten könnten unter einer klugen Beratung ohne Medikamente und OP geheilt werden – ohne lästige Nebenwirkungen. Aber will der moderne Mensch das? Es ist ja bequemer, wie in anderen Lebensbereichen, nach Hilfe zu schreien, anstatt aktiv an der eigenen Genesung zu arbeiten. Die moderne Chirurgie ist sicher ein Segen, aber nur für diejenigen, die wirklich ihren A… nicht mehr bewegen können.

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ricardicus

08. Dezember 2012 11:17 Uhr

60. Eine mögliche Lösung...

Eigentlich ist die Lösung tatsächlich einfach: früher musste jeder Arzt den hippokratischen Eid leisten: er musste versprechen nie zu schaden!

"....Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden.

Auch werde ich niemandem ein tödliches Gift geben, auch nicht, wenn ich darum gebeten werde, und ich werde auch niemanden dabei beraten; auch werde ich keiner Frau ein Abtreibungsmittel geben.

Rein und fromm werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren.

Ich werde nicht schneiden, sogar Steinleidende nicht, sondern werde das den Männern überlassen, die dieses Handwerk ausüben.

In alle Häuser, in die ich komme, werde ich zum Nutzen der Kranken hineingehen, frei von jedem bewussten Unrecht und jeder Übeltat, besonders von jedem geschlechtlichen Missbrauch an Frauen und Männern, Freien und Sklaven....." (Zitat Wikipedia)

Einiges, weniges davon ist nicht mehr ganz zeitgemäß - aber den Geist, den das Ganze atmet, sollte man nicht gering schätzen, sondern wieder zur Maxime des ärztlichen Handelns machen. Das wäre m.E. sehr richtig und angemessen!

Und über Sinn und Hintergrund der Aussage "ich werde nicht schneiden..." könnte sich der eine oder andere Chirurg schon mal ein paar Gedanken machen! Da wird wohl nicht nur ein Mangel an technischen Möglichkeiten angesprochen....

 

allterrain

08. Dezember 2012 11:26 Uhr

61. Kein Motiv, effizient zu (be-)handeln

"Es bringt nichts, das bestehende kranke System nur zu kritisieren. Es bedient sich ja nur einer wehleidigen Gesellschaft, die ihre Selbstverantwortung abgegeben hat. Viele Krankheiten könnten unter einer klugen Beratung ohne Medikamente und OP geheilt werden – ohne lästige Nebenwirkungen."

Das sehe ich ganz genau so, worin liegen die Gründe dafür? Eine Gesundheitsindustrie, deren Ziel der Profit ist, muss daran interessiert sein, die "Kunden" bei der Stange zu halten und am besten den Kundenstamm konsequent auszubauen, dazu dient u.a. die Erfindung neuer Krankheitsbilder und die ständige Beschäftigung mit Krankheiten und Symptomen. Es wird ein Bedarf auf Seiten der Kunden genährt, z.B. mittels der zahlreichen Gesundheits-/Krankheitssendungen im TV.

Ein Motiv, sparsam und effizient zu (be-)handeln, existiert nicht.

Antwort auf "Selbstverantwortung"

 

diekleinediva

08. Dezember 2012 12:48 Uhr

62. Wissenwertes I

Interessant zu lesen ist es, dass es eine angeblich neutrale Gegenuntersuchung des "Deutschen Krankenhausinstitutes" gibt. Wer sich die Mühe macht und sich einmal die Gesellschafter dieses Unternehmens ansieht, wird folgendes bemerken: Gesellschafter sind die Deutsche Krankenhausgesellschaft, sowie die jeweiligen Landeskrankenhausgesellschaften, sowie noch einige den KH nahestehenden Gesellschaften. Ob ein solches Gutachten tatsächlich neutral sein kann, wage ich mal einfach zu bezweifeln.

Fakt ist, dass die operative Behandlung einer Krankheit einen höheren Erlös generiert, jedoch wesentlich risikobehafteter ist und nur selten zu besseren Ergebnisse (im Sinne einer wirklichen Verbesserung der Lebensqualität) führt. Beispiel Wirbelsäulen / Bandscheiben-OPs: Es gibt Studien, die belegen, dass eine OP NICHT zu einer verbesserten Lebensqualität und weniger Schmerzen führt sondern fast immer das Gegenteil bewirkt. Eine vernünftige Schmerztherapie kombiniert mit Physiotherapie ist in 95% die bessere Wahl. Ähnliches gilt für Knie-OPs. Von den Risiken solcher OPs, insbesondere in Hinsicht auch multiresistenten Keime, wollen wir gar nicht reden.

Noch krasser ist es nur in der Geburtshilfe. Ein geplanter Kaiserschnitt ohne medizinische Indikation ist für ein Krankenhaus sehr viel lukrativer: Die Frau kommt zu einer geplanten OP, die max. 1 Stunde dauert und in dieser Zeit vielleicht 5-6 Personen beschäftigt...

 

diekleinediva

08. Dezember 2012 12:55 Uhr

63. Wissenwertes II

Eine natürliche Geburt dagegen kann auch mal 24-36 Stunden dauern und beschäftigt in dieser Zeit meistens 3-4 Personen. Und die Klinik bekommt dafür nur 2/3 oder die Hälfte des Erlöses wie für einen Kaiserschnitt. Wer diese Zahlen kennt, kann sich ausrechnen, wieso die Zahl der Wunschkaiserschnitte steigt.

Und zum Thema Patientenautonomie: Ich arbeite zufällig seit Jahren im Gesundheitssektor, auf der Seite der Ökonomie und habe sehr viel Kontakt zu Ärzten und Pflegekräften. Dadurch kann ich mich sehr intensiv mit den besten Behandlungsmöglichkeiten beschäftigen und mir unabhängigen Rat holen. Nur: Wer sonst kann so? Als Patient verlasse ich mich darauf, dass die Ärzte ein Interesse daran haben, mein BESTES zu wollen. und nicht das BESTE für das Krankenhaus. Das ist leider immer seltener der Fall. Die Geschäftsleitungen üben immer wieder Druck auf die Angestellten aus: Mehr Fälle, schwerere Fälle, weniger Kosten. Alles muss schnell gehen, es gibt genaue Vorgaben wann ein Patient optimalerweise entlassen werden soll, damit der Profit am größten ist, nachsorgen kann ja der Hausarzt.

 

eins2

09. Dezember 2012 9:06 Uhr

64. ....operieren zu häufig!?;

wen wundert's, sie folgen doch nur den Gesetzen der freien Marktwirtschaft. Wer das ändern und ggf. viel Geld sparen will, der muss sie in staatliche oder gemeinnützige Einrichtungen überführen. Das sollte dann auch mit anderen sozialen Einrichtungen (Alten-Pflege-einrichtgunen) und Energieversorgern geschehen.

 

Rolf28

08. Mai 2013 11:14 Uhr

65. Eine gute Idee...

aber was passiert, wenn das "medical savings Konto" (warum trägt es eigtl einen angelsächsischen Namen?) nicht ausreicht, um die nächste OP zu bezahlen? Der Extremfall wäre, dass der Patient sich zunächst eine unnötige OP geleistet hat, und ein Jahr später kein Geld auf dem Konto hat für eine überlebenswichtige OP.

Muss er dann sterben, mit dem Hinweis "tja, dumm gewirtschaftet!", oder wird er vom Staat aufgefangen und gerettet mit dem Hinweis an alle anderen "tja, ist eigentlich egal was ihr mit eurem Konto macht, im Notfall zahlt trotzdem die Allgemeinheit"?

Antwort auf "Mal davon abgesehen"

 

 

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