Mehrere Mitteln

 

Vergleich: Siehe: Rosales

 

Bryophyllum calycinum = Kalanchoe pinnata o. Kalanchoe daigremontiana (Bryo-p) w = Brutblatt/= Wurzelblatt/= Keimblatt/= Knotenblatt/= Moosblatt/= Lebenszweig,

 

= vegetabiles Valium ;

Kind: Difficulty falling asleep ;

Negativ: Unruhe/hastig/Hysterie, Redeschwall, Zwangshandlungen, Verstopfung, Absonderungen/Atem riecht nach Knoblauch/Tb.;

Eine pflanzliche, homöopathische Arznei aus der anthroposophisch orientierten Medizin. Der gängige Name dafür ist auch: Keimzumpe.

Das ist diese Pflanze, deren reife Blüten, ?weghüpfen? wenn man sie an der einen Seite leicht drückt. Ich habe das als Kind immer getan. Habt ihr sie vielleicht auch schon gesehen. Was man sich

von ihr als arzneiliche Information verspricht, ist die Fähigkeit, dieser ?weggehüpften? Keimlinge, sich dort einzunisten, wo sie gerade gelandet sind. Sie brauchen dafür überhaupt keine Hilfe, niemand muss sie einbuddeln oder pflegen. Sie nisten sich dort ein, wo sie gerade sind. Mit der Gabe von Bryophyllum soll diese spezielle Eigenschaft dieser Pflanze auf die Frucht übergehen.

Viele Ärzte verordnen sie. Auch in der anthroposophischen Klinik wird sie grundsätzlich bei Frühschwangeren eingesetzt. Man gibt sie im ersten Trimenon der Schwangerschaft, also bis zur vollendeten 12. Woche. Jeden Tag eine Messerspitze der Trituration (Pulver).

Aber sie hat auch noch weitere Eigenschaften.

Sie reguliert funktionelle Störungen und bringt rezidivierende (wiederkehrende) Entzündungen der Stoffwechselorgane zur Heilung. Sie bekämpft vorzeitige Wehen, in dem Falle wird sie auch

in anderen Abschnitten der Schwangerschaft empfohlen.

Außerdem hilft sie vitaler Schwäche und Unruhe, wenn diese durch seelische Ausnahmezustände hervorgerufen wird. Das trifft auch auf seelisch bedingte Schlafstörungen zu.

Ein wunderbares Mittel.

Ihre Kraft hat drei Ansatzpunkte:

die Unterstützung der Einnistung im ersten Trimenon

seelische Hilfe bei Angst und Panik in der Schwangerschaft

Beruhigung bei vorzeitiger Wehentätigkeit.

Eine Schwangere mit vorzeitiger Wehentätigkeit gehört selbstverständlich sofort zum Arzt oder in die Klinik.

Hier kann man sie ergänzend einsetzen, denn eine innere Beruhigung wird immer auch positiv auf die vorzeitige Wehentätigkeit einwirken. Auch ist es oft so, dass die üblichen Wehenhemmer arge Unruhezustände hervorrufen können. Hier bildet Bryophyllum eine wunderbare Ergänzung.

Besonders Frauen, die vielleicht schon eine oder mehrere Fehlgeburten hinter sich haben, gehen oftmals sehr ängstlich in eine Folgeschwangerschaft. Ihnen würde ich Bryophyllum ganz besonders

ans Herz legen. Es unterstützt nicht nur die Einnistung, es hält auch die Psyche und eventuelle Schlafunregelmäßigkeiten prima in der Balance.

Bryophyllum w gibt es rezeptfrei in der Apotheke.

(Die Firmen Weleda und Wala sind übrigens, anders als andere Pharmakonzerne , Stiftungen. Hier gehen die Gewinne nicht in Gehälter oder Diäten unter, sie fließen direkt in die Forschung. Der Wissensstand dieser Firmen auf dem Gebiet der homöopathischen Arzneien ist dementsprechend hoch.)

Bryophyllum, Tritturation, 50%;

Difficulty falling asleep. Entzündung Stoffwechselsystem/Wehen FRÜH/schwach + Schmerz, Schlafstörung (+ Unruhe + seelische Ausnahmezustand)/niedrige Blutdruck/Schock; Eine zentrale Heilpflanze im Zusammenhang mit Stress.

Vermehrung über das Blatt. An den Blattrandzacken wachsen Jungpflanzen, die später zu Boden fallen und dann weiterwachsen. Oft sind an den Jungpflanzen, solange sie noch mit den Mutterpflanzen verbunden sind, bereits die Enkel-, manchmal schon die Urenkelgenerationen zu sehen. Diese hohe reproduktive Kraft kennzeichnet diese Gattung.

Der Pflanzentypus sieht Vermehrung über die Blüte vor. Die Blüten sind die Stoffwechselorgane der Pflanze. Wie die Wurzeln funktional-prozesshaft zum Zentralnervensystem des Menschen in Verbindung zu bringen sind, der Blattbereich mit dem rhythmischen System des Menschen, so die Blüte und die Frucht mit dem Stoffwechselsystem.

Wie in unserem Stoffwechselsystem das Sexualsystem mit seinen reproduktiven Prozessen topographisch zu einer Einheit wird, sind es die reproduktiven und regenerativen Funktionen, die das Stoffwechselsystem leistet, Basisfunktionen des Stoffwechsel-Gliedmaßen-Systems.

Bryophyllum verschiebt diese Funktion aus der Blüte in das Blatt. Regenerative und reproduktive Funktionen des Stoffwechselsystems werden hier therapeutisch auf das rhythmische System anwendbar gemacht! Die Verhärtung der Gefäße als funktionelle Prädominanz des Nerven-Sinnes-Systems auf die Funktionen des rhytmischen und des Stoff-wechselsystems werden hier ausgeglichen!

Regenerative Vorgänge haben ihre stärkste Funktion in der Ruhe der Nacht. Die Alteste therapeutische Methode der Menschheit, die Bettruhe, bedeutet, dass wir zur Rekonvaleszenz und zur Erholung dieser Ruhe bedürfen, damit Regeneration stattfinden kann. Die Anregung der Regeneration durch Bryophyllum bewirkt eine Beruhigung, weswegen wir Bryophyllum oft auch als mildes Beruhigungsmittel schon in der ersten Stressphase verwenden. Als Bryophyllum argento cultum wird die Bryophyllumwirkung durch Silber verstärkt, mit dem die Pflanze gedüngt worden ist – die Potenzierung des Silbers wird hier von den vegetativen Prozessen der Pflanze übernommen. In der Regel wird Bryophyllum D3 oder Bryophyllum RH D3 oder Bryophyllum argento cult. Funktionell sind die vegetativen Regelungsvorgänge des sympathischen und parasympathischen Nervensystems Funktionen des rhythmischen Systems. Bryophyllum bringt hier ordnende Ruhe hinein, weswegen sich auch in der zweiten Stressphase eine Indikation ergibt!

Heimat: Tropen wie zum Beispiel Kalkutta oder vor allem die südafrikanische Insel Madagaskar.

Inhaltsstoffe: Pflanzensäuren (Isocitronensäure/Apfelsäure/freie Weinsäure)/Bufadienolide/Alkaloide/Calciumoxalat/Flavonoide/ Anthocyane/Gerbstoffe.

Beschreibung: Das auffälligste Zeichen dieser Pflanze gab ihr die vielen Beinamen: Wenn um einen Fenstersims viele kleinste Pflänzchen verstreut liegen, kann Bryophyllum nicht mehr fern sein. In ihren gezähnten Blattwinkeln sitzen wie Scharen von Kindern diese kleinen Brutknospen, Miniaturen der Mutterpflanze, die auf Erde gesetzt schnell Wurzeln bilden und zu eigenständigen Pflanzen heranwachsen. Blätter und Stängel der Pflanze sind grün, dicklich aufgetrieben und mit einer glänzenden Wachsschicht überzogen. Das ganze Gewebe ist ein großer Wasserspeicher, der durch die Wachsschicht vor Verdunstung geschützt wird. Trockenheit wird gut vertragen. Der ganze Stoffwechsel ist auf Trockenheit eingerichtet: So kann die Pflanze tagsüber, wenn es heiß ist, geradezu den Atem anhalten und sich so vor Verdunstung schützen. Erst nachts schöpft sie Atem, sammelt das Kohlendioxid in an Apfelsäure gebundener Form und betreibt dann am nächsten Tag damit Photosynthese. Dirunaler Säurerhythmus wird diese spezielle Art der Photosynthese benannt, die sich auch bei vielen Kakteen findet.

Zum Winter hin, wenn die Nächte länger als die Tage werden, kann Bryophyllum auch blühen: Zahlreiche hängende, weitgehend geschlossene Einzelblüten gehen langsam von einem grünen in einen blassvioletten Farbton über. Der verblühte Blütenstand wird auch von den kleinen Brutknospen überwuchert, als wollten sie beweisen, dass sie doch mehr zur Verbreitung der Pflanze beitragen, als die Samen.

Volksmedizin der tropischen Ländern: Bryophyllum-Saft innerlich gegen Diarrhö und "allerlei Fieber" gegeben. Äußerlich wird eine Salbe aus dem ausgepressten Saft der Blätter, der mit Öl oder Sheabutter vermischt wird, bei Geschwüren, Abszessen, Verbrennungen oder schlecht heilenden Wunden eingesetzt. Die Salbe wirkt blutstillend, entzündungshemmend und wundheilend.

Erst R.S. führte 1923 Bryophyllum als Heilpflanze ein, die bei Hysterie verwendet wird.

Wissenswertes: Bryophyllum heißt übersetzt "wachsendes Blatt": bryein = wachsen, sprossen; phyllon = Blatt. Die ersten Exemplare der Tropenpflanze wurden um 1800 in die botanischen Gärten über England nach Europa eingeführt.

Goethe war dem nahverwandten Bryophyllum calycinum (Kalanchoe pinnata) "leidenschaftlich zugetan". Aus den Brutknospen zog sich Goethe selbst verschiedene Generationen der Pflanze. Er hatte Freude daran, Blätter zur Vermehrung an seine Freunde zu verschicken. Davon zeugt ein Brief vom April 1830 an Marianne von Willemer: "Sie erhielten in diesen Tagen ein kleines Paket, das Ihnen die angenehme Pflicht auflegt, im Andenken eines angeeigneten Freundes mit Pflanzenerziehung sich zu beschäftigen. Mögen diese fruchtbaren Blätter viele Wurzeln schlagen und, in reichlichen Keimen entfaltet, von der Freundin selbst auch vielleicht Freunden mitgeteilt, die Erinnerung an den Sendenden beleben und erhalten."

Repertorium:

Ohr: Mittelohrentzündung

Husten: im Allgemeinen

Allgemeines: Verletzungen

 

Vergleich: Enthalten: Isocitronensäure + Apfelsäure + freie Weinsäure + Bufadienolide + Alkaloide + Calciumoxalat + Flavonoide + Anthocyane + Gerbstoffe;

Lem-m. Bryophyllum Mercurio cultum w. Bryophyllum/Conchae          w. Bryophyllum Argento cultum w.            Bryophyllum comp. wa.

Siehe: Klonergruppe + Saxifragales

 

Wirkung: Rhythmischer Bereich

Allerlei: Pflanze hat rudimentäre Organen, vermehrt sich durch fertige Pflänzchen, die am Blattrand wachsen + herunter fallen/erfriert bei 5° C.

Goethes „Urpflanze“ /klont statt sexuelle Vermehrung

[remedia.at]

Brief Goethes über Bryophyllum

In der "Geschichte meiner botanischen Studien" schrieb Goethe 1817:

"Von dem hingegen, was eigentlich die äußere Natur heißt, hatte ich keinen Begriff, und von ihren sogenannten drei Reichen nicht die geringste Kenntnis. Von Kindheit an war ich gewohnt, in wohleingerichteten Ziergärten den Flor der Tulpen, Ranunkeln und Nelken bewundert zu sehen... An exotische Pflanzen wurde nicht gedacht, noch viel weniger daran, Naturgeschichte in der Schule zu lehren..."

Anders wurde dies in seinen ersten Weimarer Jahren:

"Hier tat sich nun der Thüringer Wald in Länge und Breite vor uns auf...und die ganze Sippschaft der Moose."

Den botanischen Studien brachte Goethe großes Interesse entgegen. In Briefen aus Ilmenau an Frau von Stein heißt es z.B. am 4. 6. 1785:

"Du siehst, in welchen Klassen der Vegetation ich hier lebe. Ich habe Linnés Botanische Philosophie bei mir und hoffe, sie in dieser Einsamkeit endlich einmal in der Folge zu lesen, ich habe immer nur so daran gekostet. Ich habe wieder einige artige botanische Ideen, und habe ein Gelübde getan, diesmal keinen Stein anzurühren."

Nur wenige Wochen später, am 9.Juli, berichtete er ihr über seine Fortschritte in der Botanik:

" Ich bin von tausend Vorstellung getrieben, beglückt und gepeinigt. Das Pflanzenreich raßt wieder einmal in meinem Gemüthe, ich kann es nicht einen Augenblick loswerden... Am meisten freut mich zo das Pflanzenwesen, das mich verfolgt......das ungeheure Reich simplificirt sich mir in der Seele... Wenn ich nur jemanden den Blick und die Freude mitteilen könnte... Es ist ein Gewahrwerden der wesentlichen Form, mit der die Natur gleichsam immer nur spielt und spielend das mannigfaltige Leben hervorbringt. Hätt ich Zeit in dem kurzen Lebensraum, so getraut ich

mich es auf alle Bereiche der Natur -auf ihr ganzes Reich- auszudehnen."

Die Urpflanze

Als Vorläufer Darwins hat Goethe den Gedanken einer organischen Entwicklung der Natur von einfachen zu immer vollkommeneren Gebilden klar ausgesprochen. Er erblickte in dem Blatt das ursprünglichste Organ der Gewächse und entwickelte die Idee einer Urpflanze.

Abgehend von Linnés Klassifizierung drängt Goethes Botanik zum Typischen, Urbildlichen, zu dem, was allen Pflanzen gemeinsam ist - wie erkannte man sonst, daß man eine Pflanze vor sich hat? - zur Einheit in der Vielheit, einer Einheit, derzuliebe man den Pflanzen statt Starre und festgestelltem Sosein eine Wendigkeit, Biegsamkeit, Mobilität, Flexibilität zubilligen muß.                                                                            

"Schöne Bestätigungen meiner botanischen Ideen habe ich wieder gefunden. Es wird gewiß kommen, und ich dringe noch weiter. Nur ists sonderbar, und manchmal machts mich fürchten, daß so gar viel auf mich gleichsam eindringt, dessen ich mich nicht erwehren kann, daß meine Existenz wie ein Schneeball wächst, und manchmal ists, als wenn mein Kopf es nicht fassen noch ertragen könnte, und doch entwickelt sich alles von innen heraus, und ich kann nicht leben ohne das." (aus dem "Reisetagebuch", 1. 9. 1786 )

Was 1786 an letzter Erkenntnisgewißheit noch fehlte, erbrachten für Goethe die Beobachtungen an der Pflanzenwelt Italiens. Nun glaubte er, das gesetzmäßige Verfahren der Natur durchschaut zu haben, nach dem sie den Gestaltwandel der Pflanzenteile vom Keimblatt bis zur Fruchthülle vollzieht. An Frau von Stein schrieb er aus Rom am 8. Juni 1787:

"Mit diesem Modell und dem Schlüssel dazu kann man alsdann noch Pflanzen ins Unendliche erfinden, die konsequent sein müssen, das heißt: die, wenn sie auch nicht existieren, doch existieren könnten ... Dasselbe Gesetz wird sich auf alles übrige Lebendige anwenden lassen."

Goethes Urpflanze war ein Vernunftprodukt, ein Formgesetz, zu dem jede Einzelpflanze nur ein konkreter Fall ist!

Nach der Italienreise ist keine Rede mehr von der Urpflanze, es folgt dafür ein weiterer Schritt zur Vereinheitlichung und Vereinfachung: vom Urorganismus Urpflanze zum Urorgan Blatt.

Metamorphose der Pflanzen

Diese Vorstellung eines besonderen Trägers und Erzeugers organischer Einheit entwickelt Goethe erstmals in der Analyse der einjährigen Blütenpflanze. Er nimmt hier schon 1787 ein "Grundorgan" an, aus dem alle Organe der Pflanze hervorgehen:

"Hypothese / Alles ist Blat. und durch diese Einfachheit wird die größtmögliche Mannigfaltigkeit möglich."

"Bei Betrachtung der Pflanze wird ein lebendiger Punkt angenommen, der ewig seinesgleichen hervorbringt. / .Ideale Einheit. Wenn diese verschiednen Teile aus einem idealen Urkörper entsprungen und nach und nach in verschiedenen Stufen ausgebildet gedacht werden."

"Und so wären wir der Natur auf ihren Schritten so bedachtsam als möglich gefolgt; wir hätten die äußere Gestalt der Pflanze in allen ihren Umwandlungen ... begleitet, und ... auf Äußerungen der Kräfte, durch welche die Pflanze ein und dasselbe Organ nach und nach umbildet, unsre Aufmerksamkeit gerichtet."

"Es mag nun die Pflanze sprossen, blühen oder Früchte tragen, so sind es doch nur immer die dieselbigen Organe welche, in vielfältigen Bestimmungen und unter oft veränderten Gestalten, die Vorschrift der Natur erfüllen."

Und das heißt eben "Metamorphose", daß dasselbe Organ Blatt sich mannigfaltig verändert sehen läßt, als Keimblatt, Stengel, eigentliches Blatt, Blütenkelch, Blumenkrone, als Staubgefäß und Stempel und nach unten als Wurzel.                                            

Die "Metamorphose der Pflanzen", anfänglich der "Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären" ist das Hauptwerk der Goetheschen Botanik mit 123 Paragraphen. Die darin waltenden Grundsätze: Vergleich als Methode, Darstellung statt Erklärung und Gestalt gegen Gesetz bilden auch heute noch die Grundlage der Pflanzenmorphologie, eines von Goethe geprägten Begriffes.

"Ich habe in dem ersten Versuche [Versuch die Metamorphose der Pflanze zu erklären, 1790] zu zeigen mich bemüht, daß die verschiedenen Teile der Pflanze, aus einem völlig ähnlichen Organ entspringen welches ob es gleich im Grund immer dasselbe bleibt durch eine Progression modifiziert, und verändert wird. Die Metamorphose der Pflanzen "macht uns auf ein doppelt Gesetz aufmerksam /

1. Auf das Gesetz der innern Natur, wodurch die Pflanzen konstituiert werden. /

2. Auf das Gesetz der äußern Umstände wodurch die Pflanzen modifiziert werden."

Seit 1817 veröffentlichte Goethe seine botanischen Arbeiten und faßte sie unter dem von ihm begründeten und in die Wissenschaft eingeführten Begriff "Morphologie" zusammen. Darin heißt es: "Gestaltenlehre ist Verwandlungslehre".

Seit Goethe 1818 das Bryophyllum calycinum kennengelernt hatte, an dessen Blatträndern er die Bildung von Brutpflänzchen entdeckte, beobachtete er es über Jahre hinweg in seinem Arbeitszimmer. Er nannte dieses einzigartige Gewächs wegen seiner unglaublichen Produktivität die "pantheistische Pflanze" und äußerte über sie: "Sie feiert den Triumph der Metamorphose im Offenbaren". 

Bryophyllum ist eine pflanzliche, homöopathische Arznei aus der anthroposophisch orientierten Medizin. Der gängige Name dafür ist auch: Keimzumpe.

Das ist diese Pflanze, deren reife Blüten, ?weghüpfen? wenn man sie an der einen Seite leicht drückt. Ich habe das als Kind immer getan. Habt ihr sie vielleicht auch schon gesehen. Was man sich von ihr als arzneiliche Information verspricht, ist die Fähigkeit, dieser ?weggehüpften? Keimlinge, sich dort einzunisten, wo sie gerade gelandet sind. Sie brauchen dafür überhaupt keine Hilfe, niemand muss sie einbuddeln oder pflegen.

Sie nisten sich dort ein, wo sie gerade sind. Mit der Gabe von Bryophyllum soll diese spezielle Eigenschaft dieser Pflanze auf die Frucht übergehen.

Viele Ärzte verordnen sie. Auch in der anthroposophischen Klinik wird sie grundsätzlich bei Frühschwangeren eingesetzt. Man gibt sie im ersten Trimenon der Schwangerschaft, also bis zur vollendeten 12. Woche. Jeden Tag eine Messerspitze der Trituration (Pulver).

Aber sie hat auch noch weitere Eigenschaften.

Sie reguliert funktionelle Störungen und bringt rezidivierende (wiederkehrende) Entzündungen der Stoffwechselorgane zur Heilung. Sie bekämpft vorzeitige Wehen, in dem Falle wird sie auch in anderen Abschnitten der Schwangerschaft empfohlen.

Außerdem hilft sie vitaler Schwäche und Unruhe, wenn diese durch seelische Ausnahmezustände hervorgerufen wird. Das trifft auch auf seelisch bedingte Schlafstörungen zu.

Ihre Kraft hat drei Ansatzpunkte:

die Unterstützung der Einnistung im ersten Trimenon

seelische Hilfe bei Angst und Panik in der Schwangerschaft

Beruhigung bei vorzeitiger Wehentätigkeit.

Eine Schwangere mit vorzeitiger Wehentätigkeit gehört selbstverständlich sofort zum Arzt oder in die Klinik.

Hier kann man sie ergänzend einsetzen, denn eine innere Beruhigung wird immer auch positiv auf die vorzeitige Wehentätigkeit einwirken. Auch ist es oft so, dass die üblichen Wehenhemmer arge Unruhezustände hervorrufen können. Hier bildet Bryophyllum eine wunderbare Ergänzung.

Besonders Frauen, die vielleicht schon eine oder mehrere Fehlgeburten hinter sich haben, gehen oftmals sehr ängstlich in eine Folgeschwangerschaft. Ihnen würde ich Bryophyllum ganz besonders ans Herz legen. Es unterstützt nicht nur die Einnistung, es hält auch die Psyche und eventuelle Schlafunregelmäßigkeiten prima in der Balance.

Bryophyllum gibt es rezeptfrei in der Apotheke. Hersteller: Weleda

(Die Firmen Weleda und Wala sind Stiftungen. Hier gehen die Gewinne nicht in Gehälter oder Diäten unter, sie fließen direkt in die Forschung. Der Wissensstand dieser Firmen auf dem Gebiet der homöopathischen Arzneien ist dementsprechend hoch.)

Das auffälligste Zeichen dieser Pflanze gab ihr die vielen Beinamen: Wenn um einen Fenstersims viele kleinste Pflänzchen verstreut liegen, kann Bryophyllum nicht mehr fern sein. In ihren gezähnten Blattwinkeln sitzen wie Scharen von Kindern diese kleinen Brutknospen, Miniaturen der Mutterpflanze, die auf Erde gesetzt schnell Wurzeln bilden und zu eigenständigen Pflanzen heranwachsen. Blätter und Stängel der Pflanze sind grün, dicklich aufgetrieben und mit einer glänzenden Wachsschicht überzogen. Das ganze Gewebe ist ein großer Wasserspeicher, der durch die Wachsschicht vor Verdunstung geschützt wird. Trockenheit verträgt Bryophyllum deshalb sehr gut. Der ganze Stoffwechsel ist auf Trockenheit eingerichtet: So kann die Pflanze tagsüber, wenn es heiß ist, geradezu den Atem anhalten und sich so vor Verdunstung schützen. Erst nachts schöpft sie Atem, sammelt das Kohlendioxid in an Apfelsäure gebundener Form und betreibt dann am nächsten Tag damit Photosynthese. Dirunaler Säurerhythmus wird diese spezielle Art der Photosynthese benannt, die sich auch bei vielen Kakteen findet.

Zum Winter hin, wenn die Nächte länger als die Tage werden, kann Bryophyllum auch blühen: Zahlreiche hängende, weitgehend geschlossene Einzelblüten gehen langsam von einem grünen in einen blassvioletten Farbton über. Der verblühte Blütenstand wird auch von den kleinen Brutknospen überwuchert, als wollten sie beweisen, dass sie doch mehr zur Verbreitung der Pflanze beitragen, als die Samen.

Verwendung

In der Volksmedizin der tropischen Ländern wird Bryophyllum-Saft innerlich gegen Diarrhö und "allerlei Fieber" gegeben. Äußerlich wird eine Salbe aus dem ausgepressten Saft der Blätter, der mit Öl oder Sheabutter vermischt wird, bei Geschwüren, Abszessen, Verbrennungen oder schlecht heilenden Wunden eingesetzt. Die Salbe wirkt blutstillend, entzündungshemmend und wundheilend.

R.S.: führte 1923 Bryophyllum als Heilpflanze ein, die bei Hysterie verwendet wird.

Goethe war dem nahverwandten Bryophyllum calycinum (Kalanchoe pinnata) "leidenschaftlich zugetan". Aus den Brutknospen zog sich Goethe selbst verschiedene Generationen der Pflanze. Er hatte Freude daran, Blätter zur Vermehrung an seine Freunde zu verschicken. Davon zeugt ein Brief vom April 1830 an Marianne von Willemer: "Sie erhielten in diesen Tagen ein kleines Paket, das Ihnen die angenehme Pflicht auflegt, im Andenken eines angeeigneten Freundes mit Pflanzenerziehung sich zu beschäftigen. Mögen diese fruchtbaren Blätter viele Wurzeln schlagen und, in reichlichen Keimen entfaltet, von der Freundin selbst auch vielleicht Freunden mitgeteilt, die Erinnerung an den Sendenden beleben und erhalten."

Die Pflanze bei WALA

Bryophyllum, Trituration, 50% Gibt es in 20, 50, oder 100g- Packungen. Ich finde, 20 Gramm reichen. Mann nimmt täglich nur eine Messerspitze davon.

aus: Kinderwunschhilfe

 

 

Kalanchoe blossfeldiana (?) = Flammendes Käthchen

Kalanchoe pinnatum = Bryophyllum calycinum

 

Repertorium:

Ohr: Entzündetes Mittelohr

Brust: Herzbeschwerden nach Rheuma

Allgemeines: Verletzungen

 

 

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