Tattoo-Fails:

 

„Think before you ink!!!“

https://www.menshealth.de/artikel/der-weg-zum-ersten-tattoo.163797.html

https://www.zeit.de/2021/49/tattoo-farben-verbot-eu-verordnung

https://www.zeit.de/gesundheit/2021-12/tattoo-farben-verbot-eu-inhaltsstoffe-gesundheitsschaedlich?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

https://www.zeit.de/zett/politik/2022-05/gesichtstattoo-tik-tok-kulturelle-identitaet?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

 

Vergleich: Siehe: Haut + Schriftgruppe

 

[Annika Leister ]

Was du aus den Sünden anderer Menschen lernen kannst

http://www.bento.de/tv/tattoo-fails-cover-up-und-horror-tattoos-zeigen-die-schlimmsten-suenden-414072/#ref=recom-plista

11.03.2016 · Aktualisiert: 11.03.2016

Cover Up und Horror-Tattoos zeigen die schlimmsten Fails.

Tattoos sollen Denkmale setzen. Einer Person, einem Erlebnis oder eben dem eigenen Körperkult. Umso schlimmer, wenn am Ende der Nadelstecherei statt Freude

ewige Verbitterung steht.

Zwei TV-Sendungen widmen sich zurzeit dem Tattoo-Fail: Das aufwendig produzierte "Horror-Tattoos – Deutschland, wir retten deine Haut" tourt als Castingshow

durch deutsche Städte und ist auf Sixx bereits in der zweiten Staffel. ProSieben versucht seit Mittwochnacht mit dem nur halbstündigen "Cover Up" im Schnelldurchlauf nachzuziehen. Für die Chance auf einen Neustich von Profis zeigen Tätowierte hier die heftigsten Fails.

Dabei zeigt sich: Es gibt diese Fehler, die immer wieder begangen werden – aber auch ganz neue Gefahren. Denn es scheitert nicht immer zwangsweise nur an der

Unbedachtheit der Tätowierten. Anhand der aktuellen Beispiele aus beiden Sendungen ein kleines Do’s und Don’ts zu Motivwahl, Durchführung und Korrektur:

Don’t go with the flow

Pin-Ups, Tribals, Totenköpfe – auch bei Tattoos sind immer wieder neue Trends angesagt. Doch die in Masse gewählten Mode-Erscheinungen werden schnell zum Stigma:

Ein Tribal über dem Steiß entwickelte sich in den neunziger Jahren in der öffentlichen Wahrnehmung erst zum "Arschgeweih" und dann zum "Schlampenstempel".

Mancher traut sich deswegen nicht mehr an den Strand und jammert: "Das ist der größte Fehler, den ich je gemacht hab".

Lass die Liebe nicht unter die Haut

So groß die gerade empfundene Emotion auch sein mag: Tattoos überdauern jede Liebe. Statt sich wie Tamara von einer flüchtigen Internetbekanntschaft einen Liebesbeweis

in Romanlänge aufs Dekolleté diktieren zu lassen, greife man doch lieber zu Henna oder Flash-Tattoos – die entsprechen eher der postmaritalen Realität und sind nach 4 - 6

Tagen wieder verschwunden.

Wähle ein eindeutiges Motiv

 

Mikrofon oder Penis? Wolken oder Ärsche? Bei manchen Motiven ist von vornherein klar, dass sie zu nah beieinander liegen. Bei anderen ist erst ein miserabler Tätowierer

nötig, um die Ähnlichkeit herzustellen. Wer sicher sein will, dass das Portrait seiner Tochter später nicht ausschaut wie E.T., nachdem er mit dem Rad vom Himmel gestürzt ist,

sollte sich in wirklich erfahrene Hände begeben.

Behalt die Kontrolle

Dem Tätowierer freie Hand lassen - klingt nach Überraschung, Aufregung, Nervenkitzel. Bedenken muss man allerdings, dass dem Tätowierer vielleicht Muße und Motivation fehlen - und er auf dem Rücken einfach einen raumgreifenden, blauen Tintenklecks hinterlässt.

 

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Sprich die Sprache

Mehr als 80.000 Schriftzeichen hat die chinesische Schrift. Sogar gebildete Chinesen kennen nur einen Bruchteil davon. Dass dein Tätowierer zu dieser exklusiven Gruppe gehört,

ist äußerst unwahrscheinlich. Wer wie Teilnehmerin Christin mit dem puren "Bösen" statt einem verspielten "Teufelchen" auf dem Rücken herumläuft, hat noch Glück gehabt –

im schlimmsten Fall liegt im Studio einfach die Speisekarte vom China-Restaurant nebenan aus.

Don’t do it drunk!!

Ein Klassiker unter den Fails: Nachts um 3 h. mit 3 Promille unter die Nadel gehen. Besonders mies ist das Ergebnis, wenn man sich zuvor mit seinem Tätowierer betrunken hat.

Zu welchem Fußballer gehört dieses Tattoo?

Üb‘ woanders, Bro!

Dein bester Freund hat sich gerade eine Tätowier-Maschine auf Ebay ersteigert?

Bei einfachen Sätzen wie "I love vagina" oder den simplen Konturen eines Bart Simpson kann jawohl nix schief gehen? Schau die "Horror Tattoos". Dort sind die selbst- und freundgestochenen Tattoos mit am häufigsten vertreten.

Check den Tätowierer

Zwingende Zertifikate braucht es in Deutschland nicht, um sich auf fremden Körpern zu verewigen. Dementsprechend hoch ist die Versagerquote in dem Segment. Die Profis packt regelmäßig das Grausen beim Anblick der Werke ihrer selbsternannten Kollegen. Ausliegende Fotos sind neben Sauberkeit und Freundlichkeit im Laden zwar ein guter Hinweis, lebende Beispiele sind aber noch ein bisschen besser.

Wirklich! Check den Tätowierer!

Wenn man den Horror-Stories lauscht, ist dieser Hinweis definitiv zwei Punkte wert: Dominiks Tattoo wurde nie fertig, weil die Polizei den Laden vorher schloss. Sein Tätowierer in Köln habe mehrere Personen mit HIV infiziert, erzählt der bärtige Mittdreißiger vor der Kamera.

Bleib nicht standhaft!

Mag Durchhaltevermögen sonst im Leben auch mal belohnt werden – hier ist Ausdauer fehl am Platz. Kündigt sich das Verderben durch krumme Linien und seltsame Platzierungen schon früh in der Nadelsitzung an, ist Abbrechen die einzige Chance auf eine Entfernung in wenigen Sitzungen.

Wähl die richtige Show!

Wer bereit ist, seine Jugendsünden vor laufenden Kameras auszupacken, um professionell von ihren Folgen erlöst zu werden, der sollte die richtige Show wählen.

Die drei Tätowierer in Sixx‘ "Horror-Tattoos" diskutieren ausführlich über die Vorstellungen der Kunden und zaubern am Ende auch aus einem vollkommen misslungenen noch einen lebensechten Paul Walker.

In ProSiebens "Cover Up" endet „Arschgeweih“-Sarah hingegen mit einem raumgreifenden Blumen-Über-Tattoo, für das schnellstmöglich das Sendeformat "Cover Up Cover Up" erfunden werden sollte.

 

[Emmitt Teodoro]

Berbertradition: Schutz vor Böseblick. Um Unglück abzuwehren muss Blut fließen. Nach einem Unfall und bei Schmerzen kann ein Tattoo heilen. Russ (= Fuligo ligni) gebraucht um Tattoo sichtbar zu machen

[Pia Steinbrück, Hebeamme]

Hat in 15 Jahren mehr als 1000 Geburten begleitet. Während die Ärzte früher mit Chloroform, Lachgas oder Äther betäubten, hilft heute die rückenmarksnahe Regionalanästhesie oder kurz PDA.

Das Thema Schmerz in der Geburt, sagt Steinbrück, würden Hebammen heute gern auslassen. Sie würden keine schlafenden Hunde wecken und die Frauen beunruhigen wollen. Steinbrück ist der Ansicht, dass der Schmerz viel zu sehr zum Tabu gemacht werde.

»In den Vorbereitungen zu einer Geburt muss man darüber sprechen«, sagt die Hebamme. In ihren Kursen geht sie detailliert auf die verschiedenen Faktoren im Schmerzempfinden ein. Die Männer erhalten einen Extrakurs. »Männer wollen unbedingt etwas machen«, sagt Steinbrück, »aber sie können nicht viel tun«.

“Die Hebamme benutzt dann ein männeraffines Bild. Sie sollten sich vorstellen, ihre Frau führe Fahrrad auf der Tour de France. Die Frau sitzt im Sattel, ihr Mann im Besenwagen. »Ihr dürft sie mit Bananen beschmeißen, ihnen Wasser reichen und sie anfeuern«, erklärt Steinbrück den Männern dann, »aber fahren müssen eure

Frauen, und sie müssen ins Ziel kommen. “Schmerz sei außerdem nicht gleich Schmerz. Entscheidend sei, wie sehr man ihn noch kontrollieren könne, ob der Zeitrahmen absehbar sei und ob ein lohnendes Ziel in Aussicht stehe. Gerade hat sie selbst entbunden, und fast hätte sie sich gegen Ende der Geburt wie so viele Frauen dem überwältigenden Gefühl des Kontrollverlusts ergeben und sich eine PDA setzen lassen. Steinbrück widerstand diesem Impuls. »Ich hatte Presswehen und wusste, das war’s jetzt. “Das Wissen um die Schmerzvorgänge hatte ihr die Kontrolle über diesen extremen Schmerz erhalten. Sie verzichtete auf die Betäubung. »Obwohl ich nicht grundsätzlich gegen die PDA bin«, beteuert sie. Und dann erzählt sie den Teilnehmern der Vorbereitungskurse vom Tattowierstudio. Ob jemand schon mal gesehen habe, dass dort jemand eine Betäubungsspritze erhalten habe? Pia Steinbrück, weiß worüber sie spricht. Ihr Rücken ist ausgiebig tattowiert. Sie gibt zu, dass dieser Schmerz etwas ganz anderes als der ohnmächtig ertragene Kopfschmerz oder eine Wehe sei. »Es ist wie eine Sucht, hinterher bin ich immer ganz high.«

 

[Richard Friebe]

Tattoos bleiben ein Leben lang, weil der Körper sie ständig erneuert

Tattoo-Pigmente überleben Generationen von Fresszellen in der Haut. Während die Zellen kommen und gehen, bleibt die Farbe. Der Körper renoviert seine bunten Hautgemälde.

Haut und Kunst: Tattoos erneuern sich in der Haut selbst – hier haben sie dabei ganz schön viel zu tun.

Die Haut ist eines der Organe, die sich ständig erneuern. Nachdem das nachgewiesen war, fragten sich Dermatologen, warum Tattoos nicht ziemlich schnell verschwinden. Logischerweise nahm man bald an, dass die Tinte sich in speziellen Zellen, die nicht ständig absterben und sich abschälen, dauerhaft untergebracht wird. Nun stellt sich durch die Arbeit zweier französischer Forscher heraus, dass diese Annahme komplett falsch ist.

Pigment in Immunzellen

Lange gingen Forscher davon aus, dass die Tinte in Bindegewebszellen (Fibroblasten) in einer tieferen Hautschicht gespeichert würde. Bei genauerem Hinsehen aber zeigte sich,

dass es Immunzellen sind, die den Fremdstoff -die Farbpigmente- aufnehmen. Wenn die Haut beim Tätowiervorgang verletzt wird, werden solche Zellen praktischerweise massenhaft zum Ort des Geschehens beordert. Dort sollen sie Infektionen bekämpfen und eindringende Stoffe unschädlich machen. Sie nehmen, so die bisherige Theorie, das Tintenpigment auf und bleiben für den Rest des Lebens vor Ort, schön blau, oder schwarz oder bunt. Richtig ist das aber, so stellt sich nun heraus, nur zum Teil: Was bleibt,

ist nur die Tinte, nicht die Zellen. Denn auch in der Haut ist das Leben stets ein dynamischer Prozess. Zellen wachsen, teilen sich ständig, sterben ab und werden von anderen aufgefressen und ersetzt. Das gilt auch für jene Immunzellen, "Fresszellen" (Macrophagen) genannt, die das Tätowierungspigment aufnehmen.

Dass das Tattoo lebenslang an Ort und Stelle bleibt, liegt nicht etwa daran, dass diese Fresszellen ewig leben würden, sondern daran, dass diese immer wieder ausgetauscht werden. Und es liegt offenbar vor allem daran, dass die neuen Makrophagen extrem effizient darin sind, nicht nur die Abwehr-Funktion ihrer Vorgänger zu über-, sondern auch die Tintenpigmente aufzunehmen.

Körpereigene Restaurierung

Sandrine Henri und Bernard Malissen vom Centre d'Immunologie in Marseille-Luminy untersuchten Mäuse, deren Schwänze tätowiert wurden. Zum Teil waren die Tiere genetisch so verändert, dass Fresszellen gezielt zum Absterben gebracht werden konnten. Hätte die Vorstellung von den ewig lebenden Makrophagen, in denen der Farbstoff für immer bleibt, gestimmt, dann hätte dieses Absterben genau eine Folge haben müssen: Der Farbstoff hätte sich im Gewebe verteilt und wäre über das Lymphsystem letztlich abtransportiert worden. Tatsächlich blieb er aber an Ort und Stelle, weil neu einwandernde Fresszellen, deren Vorläufer Wochen zuvor noch im Knochenmark gesessen hatten, den Farbstoff direkt vor Ort aufnahmen. Und wurde einer Maus ein Stück Tattoo von einer anderen transplantiert, fanden sich einige Wochen später fast nur noch neue, von der Empfängermaus gebildete Fresszellen im Tattoo. Diese waren allesamt vollgepumpt mit Tintenpigment.

Malissen und Henri präsentieren ihre Befunde im Journal of Experimental Medicine. Sie zeigen, dass eine Tätowierung im Grunde ein Bild ist, das an Ort und Stelle stetig und immer wieder neu kopiert und restauriert wird, inklusive Recycling der Farbe. Und "rein biologisch".

Wahrscheinlich liegt in diesem Prozess auch der Grund, warum Tattoos über die Jahre unschärfer werden und etwas ausbleichen. Auch dafür gab es bisher nur hypothetische Erklärungen:

Die Zellen würden sich mit der Zeit etwas verschieben; schwächer werdendes Bindegewebe würde sie mit sich ziehen; oder die Zellen würden ein wenig lecken mit der Zeit.

Nun sieht es so aus, als ob die Ersatzzellen nicht mehr ganz präzise den Platz ihrer Vorgänger einnehmen können und als ob bei jedem solchen Vorgang ein wenig Pigment verlorenginge.

Praktische Bedeutung haben die Ergebnisse bislang nicht. Für jene, die ein Tattoo loswerden wollen, könnten sie aber noch wichtig werden. Denn es gibt Menschen, die irgendwann nicht mehr in Renate verliebt sind oder einsehen, dass Geweihe nur auf die Köpfe von Hirschen gehören.

Immunzellen blockieren, Tattoos eliminieren

Henri und Malissen sind jedenfalls der Meinung, dass es sinnvoll sein könnte, bei der Entfernung von Tattoos die Fresszellen davon abzuhalten, in die Haut einzuwandern.

Denn das würde verhindern, dass die per Laser freigesetzte Tinte wieder neu aufgenommen wird. Sie könnte dann, so nehmen die beiden Autoren der Studie an, mit der Lymphe abtransportiert werden und letztlich im Urin und in der Kloschüssel landen.

Die philosophische Bedeutung allerdings dürfte eindeutig sein: Tattoos sind keine leblosen Bilder, sondern sehr lebendige. Sie sind nicht für immer und ewig, sondern immer neu. Sie sind kein Sein, sondern ein stetiges Werden. So wie das Leben selbst.

 

Die Tattoofarbe rot verursacht die meiste Ärgernis. Die helle Farben verursachen oft Ärger.

 

 

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