Helleboris niger Kind Anhang

 

Vergleich Kind in: Hell. Bar-c. Sil. Kali-br.

 

[Dr. Sigrid Kruse,]

Langsamer Reizverarbeitung und Entwicklungsverzögerung.

Autismus? ADHS

 

http://www.vomgletscherzumsteinkreis.de/die-christrose-helleborus-niger-in-der-kinderheilkunde/

[Astrid Süßmuth]

Geschichte: Der Ziegenhirte Melampos gibt eine Ziege Helleboris zu essen und heilt die Töchter des Königs von Argos, die an Wahnsinn litten, mit der Milch dieser Ziege.

Stauungen und Stockungen im Flüßigkeitsorganisme.

Blüht im Winter (braucht wenig Sonne zur Photosynthese).

Mondpflanze (erste 7 Lebensjahre/auch hohes Alter).

Wiedersteht das Gesetz das Pflanzen im Winter ruhen, weil es zu kalt ist.

Kind ist in einer keine Geborgenheit bietende, hemmenden, (plötzlich) kalten Umgebung [Geburt (zu früh/Hirnblutungen)/Pubertät/Hohes Alter]

Hell. = Froschgewachs und so Bezug zu Lebensbereich zwischen Wasser und Erde. Heilmittel in Flüssigkeitsprozesse/Wasseransammlungen.

Child nurses greedily, with disgust for food.

Child cannot urinate.

Convulsions

Rekonvaleszenz von Kinder:

Hell. D 20

Argentum metallicum praeparatum D 12

Menyanthes trifolium Urtinktur

Conchae

Die Christrose (Helleborus niger) in der Kinderheilkunde

Nur noch selten ist die Christrose (= Helleborus niger) in der Natur anzutreffen, denn der Raubbau an der begehrten Heilpflanze hat deutliche Spuren hinterlassen. Dabei war ihre Verwendung

in der Volksheilkunde nie gebräuchlich, sondern ausschließlich Ärzten vorbehalten. Das ganze Kraut samt Wurzeln, Blüten und Blättern ist stark giftig. Auf der Haut bewirkt es Entzündungen

mit Bläschenbildung, innerlich kommt es zu schweren Vergiftungserscheinungen mit Übelkeit und Durchfall über Zuckungen und Atemnot bis hin zu Krampfstarre und Tod.

Pharmakologisch aktive Substanzen der Christrose sind u.a. das Herzglycosid Hellebrin, zytotoxisches Protoanemonin, antioxidative und antitumorale Flavonoide, zentraltoxische Alkaloide,

diuretische, antiödematöse und antiphlogistische Steroidsaponine sowie das zytotoxisch und anabol wirkende b-Ecdyson (Soldner, 2010).

Als Heilmittel ist Helleborus niger erst in homöopathischen Potenzen ab D4 rezeptfrei. Doch bereits aus der klassischen Antike ist eine homöopathische Zubereitung der Christrose überliefert.

Um die Töchter des Königs von Argos vom Wahnsinn zu befreien, fütterte der Ziegenhirt Melampus eine seiner Ziegen mit der Christrose und gab den Mädchen von der Milch zu trinken.

Sie wurden umgehend geheilt (Friedreich, 1859). Die Geschichte lehrt damit nicht nur, dass die Christrose als Heilmittel zunächst aufbereitet werden muss, sondern ist gleichzeitig der älteste

Hinweis auf ihre Verwendung in der Kinderheilkunde.

Bedeutende Wildstandorte der Christrose liegen am Königssee, in den höheren Lagen des Inntals und auf aussichtsreicher Kanzel über dem Luganer See. Die Pflanze bevorzugt Wuchsorte in

Wassernähe, wenn auch der Standort selbst trocken sein soll. Grundsätzlich ist Helleborus niger damit immer dann indiziert, wenn Stauungen und Stockungen im Flüssigkeitsorganismus vorliegen

(Schlodder, 2010). Wie alle immergrünen Pflanzen zeigt die Christrose damit eine immense Lebenskraft, die sie auch als Heilmittel schenken kann.

Mit ihrer Blüte während der kältesten Zeit des Jahres widersetzt sie sich aktiv dem Grundsatz, dass eine Blüte mit dem Frühjahr zu beginnen habe weil im Winter die Vegetation ruht.

Der anthroposophische Arzt Werner Christian Simonis sieht so auch die besondere Wirkung der Christrose in ihrer Wärmeregulation begründet (Simonis, 2001).

Nur durch ihre innere Wärmeorganisation ringt sie ihrer vegetationsfeindlichen Umgebung ihre Blütezeit ab, genauso wie es ein Kind in einer für seine Entwicklung hemmenden, erkalteten Umgebung machen muss. Damit ist die Christrose immer dann indiziert, wenn die kindliche Geborgenheit aus umgebenden Wärmekräften einer plötzlichen Kälte weicht. Diese Vorgänge sind vor allem bei der Geburt, aber auch beim Eintritt in die Pubertät -den entscheidenden Schaltstellen der Kindheit- zu beobachten. Als Hochwinterblüher ist die Christrose zudem ein hervorragender Lichtverwerter,

der Sonnenlicht speichern und seine Photosynthese schon bei wenigen Stunden Sonnenlicht am Tag durchführen kann. Sie ist das Licht der dunkelsten Zeit des Jahres. Im Verblühen zeigt die Blüte das ungewöhnliche Verhalten des Vergrünens und kehrt damit zu ihrem ursprünglichen Zustand zurück. Dies geschieht genau dann, wenn es in der Natur wärmer wird. Kommt also die Wärme von außen, kann sich die Pflanze entspannen und kehrt zu ihrem eigentlichen Korpus zurück. Sie beschreibt damit, wie man aus Erkaltungsphasen in neue Wärmephasen übertreten kann.

Wie Silberschalen glänzen die Christrosenblüten über dem glitzernden Schnee. Silber als Mondmetall hat einen großen Bezug zu den ersten sieben Lebensjahren. Der Zeit, in der Helleborus niger

am häufigsten indiziert ist.

Die Vorfrühlingspflanze Christrose für Kinder, die vor ihrer Zeit geboren wurden

Grundlegendes Thema bei einer Indikation von Helleborus niger ist ein Trauma in der Kindheit. Meist seelisch, oft aber auch körperlich. Gemäß der bekannten Zuordnung der menschlichen Lebensalter zu den Blütezeiten im Jahreslauf ist die Christrose ein Heilmittel für das hohe Alter - oder die sehr frühe Kindheit. So früh, dass sie sozusagen vorzeitig zu dem eigentlich der Kindheit zugeordneten Frühling ist. Diese Zeitangabe trifft auf Frühgeborene zu, die vor ihrer eigentlichen Zeit schon auf der Welt sind. Frühgeborene leiden häufig nicht nur unter körperlichen, sondern

auch unter seelischen Traumen.

Bei Frühgeborenen unter einem Reife - alter von 32 + 0 Schwangerschaftswochen kommt es häufig zu intracerebralen Blutungen.

Leichte Blutungen (Grad I) bleiben lokal begrenzt, bei schweren Blutung (Grad III) ist mit Behinderungen zu rechnen. Durch die akute Blutung kann es zu einem Schock durch den Blutverlust und

im weiteren Verlauf zu einer Abflussstauung des Liquor cerebrospinalis mit einem Hydrocephalus als Folge kommen. Eine mögliche Therapie ist die Ableitung des Liquors über einen Schlauch in den

Bauchraum – einen sogenannten Shunt. Eine Studie am Haunerschen Kinderspital / München im Auftrag der Carstens-Stiftung konnte die Wirksamkeit belegen (Kruse et al., 2001).

Während alle 7 Kinder der nicht homöopathisch begleiteten Gruppe mit Hirnblutung dritten Grades in der Verlaufsbeurteilung im Alter von einem Jahr mäßige bis schwere Entwicklungsstörungen zeigten, waren zwei der homöopathisch begleiteten Kinder völlig unauffällig, nur eines von ihnen litt an einer schweren Entwicklungsstörung.

Helleborus kann durch eine langfristige Therapie im Zustand mit progredienter Ventrikelerweiterung nach Hirnblutungen das kindliche Gehirn unterstützen, die Funktionen des geschädigten Gewebesb durch die Stärkung anderer Hirnareale auszugleichen (Kruse et al., 2001). Entscheidend ist dabei der langfristige Einsatz des Heilmittels.

Die Verfasser der zitierten Studie empfehlen dazu nebenstehende Darreichung. Die zitierte Studie kommt zu dem Schluss, dass man trotz der geringen Zahl (bisher) behandelter Kinder bei Neugeborenen

Mit Hirnblutung dritten Grades aufgrund der fehlenden konventionellen Therapiemöglichkeiten und der schlechten Prognose für die Entwicklung des Kindes einen homöopathischen Therapieversuch nur empfehlen könne.

In der Naturheilpraxis werden eher Kinder vorstellig, bei denen bereits ein Shunt gelegt ist. Häufig runzeln diese Kinder die Stirn, sind schläfrig und dösig und damit trinkschwach. Oftmals liegt auch ein mangelnder oder sogar fehlender Schluckreflex aufgrund eines bereits bestehenden Hirnschadens vor. Ständige Kaubewegungen und ein leicht offenstehender Mund sind auch bezeichnend.

Als Erstgabe hat sich hier der Einsatz von Helleborus niger C30 bewährt. Auf die weitere Therapie sei im Fallbeispiel verwiesen.

Fallstudie:

Ein zu diesem Zeitpunkt sieben Monate alter Junge wird von seiner Adoptivmutter in der Praxis vorgestellt. Berichtigtes Alter des Kindes sind 16 Wochen. Das aus einer ursprünglichen Zwillingsschwangerschaft herausgegangene Einzelkind war in der 27. SSW nach Blasensprung durch Kaiserschnitt entbunden worden. Das Geburtsgewicht betrug 805 g. Die Apgarwerte waren mit 9/9 zunächst erfreulich positiv, auffallend am Neugeborenen laut Arztbericht waren jedoch multiple Hämatome. Bereits wenige Tage nach der Geburt wurde der Junge von seinen Eltern zur Adoption freigegeben. Die Anamnese brachte ein breites Spektrum an Grunderkrankungen. Zweimalige Hirnblutung III. Grades, Leistenhernie rechts mit stimulationsbedürftigen postoperativen Bradykardien, Retinopathie sowie diverse Nebenbefunde.

Nach der zweiten Hirnblutung hatte das Kind eine Shunt-Implantation mit ventrikuloperitonealer Ableitung erhalten.

Hauptanliegen der Mutter war neben der unterstützenden Konstitutionsbehandlung die imponierende Obstipation des extrem trinkschwachen Jungen. Offensichtlich sieht das Kind sehr schlecht, beim Hochnehmen fällt jedoch ein ausgeprägter Suchreflex auf mehr zeigte und erste Greifbewegungen machte. Drei Tage später berichtet die Mutter begeistert von erstmaligem spontanen Stuhlgang, und nach 8-monatiger Therapie beginnt das Kind zu krabbeln.

Helleborus niger als Heilmittel bei Geburtsschäden

Drogenabusus der Mutter in der Schwangerschaft kann sich als vollkommene Benommenheit beim Säugling auswirken.

Häufig kommt es im Zusammenhang mit schwangerschaftlichem Drogenabusus zu in unterschiedlicher Schwere vorliegenden Plazentainsuffizienzen. Plazentainsuffizienzen führen zu Frühgeburten,

Mangelgeburten und Small-for-Date-Babies. Diese pränatale Dystrophie zeigt sich bereits bei Raucherinnen. Egal in welchem Aktivitätszustand, bei diesen Säuglingen fällt schon auf den ersten Blick

das gedunsene Gesicht mit der gerunzelten Stirn auf (Enders, 2002). Bei schweren Fällen gesellen sich zu den Zeiten von Stupor im Wechsel hypermotorische Unruhe bis hin zu Konvulsionen.

Falls möglich und eruierbar, sollte die Drogensubstanz als homöopathische Zubereitung in das Therapiekonzept mit einbezogen werden. Als Therapieeinstieg ist auch hier die Einzelgabe einer Hochpotenz von Helleborus C30 geeignet.

Eine weitere Geburtskomplikation, die in der Nachsorge gut auf Helleborus niger anspricht, ist die perinatal durch die Mutter übertragene Infektion mit perinatal durch die Mutter übertragene Infektion mit durch die Mutter übertragene Infektion mit b-hämolysierenden Streptokokken, die beim Kind eine perinatale Meningoenzephalitis auslösen kann. Deren akuter Zustand mit hohem Fieber, Nackensteifigkeit und vorgewölbter Fontanelle ist zwingend klinisch, häufig intensivmedizinisch zu behandeln. Vorstellig in der Naturheilpraxis werden die Kinder zumeist nach der Entlassung aus dem Krankenhaus im Zustand nach perinataler Meningoenzephalitis.

Wiederum fällt bei diesen Kindern die ungewöhnlich gerunzelte Stirn bei großer Blässe auf. Meist wirken sie bis auf gelegentliches Kopfrollen apathisch. Wichtig bei der Therapie ist ein aufbauender

Heilmittel-Spiegel. Eine erste Säule dabei ist die stündliche Verabreichung von Helleborus niger D6 während der Wachzeiten über einen Zeitraum von drei Wochen.

Helleborus niger bei Folgen schwerer Kopfverletzungen

Gehirntraumen, die auf Helleborus niger als Heilmittel ansprechen, können auch durch Unfälle ausgelöst sein. Insbesondere bei Psychosen infolge schwerer Kopfverletzungen ist Helleborus niger

ein wertvolles Heilmittel. Die Therapie wird allerdings nicht mit Helleborus, sondern mit Arnica begonnen.

Fallstudie:

Ein Therapiekonzept für einen 41/2-jährigen Jungen, der ein halbes Jahr nach einem schweren Treppensturz mit Gehirnerschütterung rezidivierende Krampfattacken in Verbindung mit Halluzinationen

zeigte. Während der Anfälle stößt der Junge schrille, gellende Schreie aus, während er danach durchaus mit gerunzelter Stirn mehrfach von einem Froschchor erzählte. Der neurologische Befund

war unauffällig, die Mutter berichtete jedoch, dass das Kind nachts den Kopf in sein Kissen bohren und die Fäustchen seitlich an die Schläfen pressen würde.

Die Anfälle waren stets in Ruhephasen aufgetreten, wenn das Kind zuvor Kälte ausgesetzt gewesen war. Auslösefaktoren hierfür konnten eine klassische Durchnässung im Sandkasten, aber

auch ein zu langes Bad im Meer oder schon alleine nächtliches Abdecken sein. Im homöopathischen Arzneimittelbild ist diese Modalität < Kälte verzeichnet (Wiesenauer/Elies, 2004), entsprechend der außergewöhnlichen Stellung der Christrose innerhalb des Jahreskreises. Bereits nach einer Woche schlief das Kind ruhiger, drei Monate nach Therapiebeginn trat kein weiterer Anfall mehr auf.

elleborus niger als Heilmittel bei Folgen von Infektionskrankheiten im Kindesalter

Einem zweijährigen Mädchen mit Zustand nach Windpocken-Erkrankung mit schwerem Verlauf verblieben noch zwei Wochen nach Abklingen der letzten Effloreszenzen Gelenkschmerzen

einer Varizellen-Arthritis. Diese waren etwa drei Tage nach dem Exanthem aufgetreten.

Es war dem Kind offensichtlich nicht möglich, Trinkbecher oder Puzzleteile beschwerdefrei zu greifen und aufzuheben.

Insbesondere die Ellbogengelenke waren geschwollen und fühlten sich heiß an, auch beide Kniegelenke waren betroffen.

Die Gabe von Helleborus niger Globuli D12 (3x7 Globuli) zeigte bereits nach zwei Tagen gute Ergebnisse, das Mädchen konnte seinen Becher wieder aufnehmen, ohne dabei zu jammern.

Bereits nach einer Woche war das Kind komplett schmerzfrei und konnte wieder in gewohnter Weise herumtollen.

Auch Kent erwähnt in seinen Vorlesungen zur homöopathischen Materia medica nach der akuten Erkrankung schon eine erhebliche Teilnahmslosigkeit auf. Oft wirken die Kinder wie

betäubt und haben Schwierigkeiten, Gehörtes oder Gelesenes zu behalten. Helleborus niger kann die Entwicklung des Kindes wieder anstoßen und die endgültige Ausheilung bewirken.

In Verbindung mit hochfiebrigen Infektionskrankheiten im Kindesalter ist der Auslösefaktor für das kälteassoziierte Heilmittel Helleborus niger kein körperliches, sondern ein seelisches Trauma.

In hochfiebrigen Zuständen ziehen sich Kinder vollkommen in sich zurück, für die Eltern scheinen sie manchmal wie in andere Welten entrückt. Trotz seiner hohen Körpertemperatur ist

das Kind damit aus der Geborgenheit der es umgebenden Wärmekräfte heraus einer plötzlichen Kälte ausgesetzt.

DD.: Helleborus-Zustand muss dabei klar von den in Teilbereichen ähnlichen Bildern von Barium carbonicum, Silicea und Kalium bromatum abgegrenzt werden.

Die Schulschwierigkeiten von Helleborus-Kindern gehen stets einher mit großer Ablenkbarkeit und dem Abgleiten des Bewusstseins nach innen. Bei den Hausaufgaben ist zu beobachten, wie viel Kraft

Das Kind die Konzentrationsleistung kostet. Im Anamnesegespräch werden die Eltern sicherlich bestätigen, dass es beim Arbeiten fast die ganze Zeit eine gerunzelte Stirn hat und grimassiert. Häufig liegen zusätzlich Minderintelligenz oder Hochbegabung vor.

Der anthroposophische Arzt Georg Soldner spricht in diesem Zusammenhang von einer „schwachen inneren Lichtbildung“ (2010).

Das Kind scheint in Gedanken versunken und geistesabwesend, spricht und antwortet langsam; an einem bestimmten Punkt aber kann es seine seelische Erregung nicht mehr beherrschen, sie bricht wie ein Feuerwerk aus ihm heraus. Die Schulkinder können Sinneseindrücke nicht seelisch erfassen, um sie zu verarbeiten, und damit die an sie gestellten Anforderungen auch nicht erfüllen. In der Schule haben sie somit Probleme, dem Unterricht zu folgen und das, was sie gehört, gelesen, gesagt oder getan haben, zu behalten. Als Konsequenz führen die anhaltenden Schulschwierigkeiten zu enormen Versagensängsten.

Die Kinder haben das Gefühl, in der Schule einfach ständig Fehler zu machen, was zum einen häufig am mangelnden Interesse am Schulstoff, vor allem aber auch in ihren Aufmerksamkeitsstörungen

begründet ist. Sie wirken ganz in sich zurückgezogen, so als seien sie im Winterschlaf.

Dieser Zustand herabgesetzter Vitalität und enormen Reaktionsmangels kann durchaus auch mit der Modediagnose ADS (= hyperaktives Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom) belegt werden.

Aus sozialpsychologischer Sicht entspricht ADS einem Rückzug ins eigene Innere als Reaktion auf die Überforderung durch Reizüberflutung. Die Vielzahl der Reize kann nur mangelhaft verarbeitet werden, was auf eine ungenügende Koordination beider Hirnhälften hindeutet – wiederum ein Hinweis auf Helleborus niger.

Für die Entstehung von ADS gibt es eine Reihe von Erklärungsansätzen, die häufig einen Bezug zu den Auslösefaktoren für das homöopathische Bild von Helleborus niger haben. Zu den bedeutendsten Faktoren zählen u.a. prä- und perinatale Probleme wie Sauerstoffmangel, Status nach Schädel-Hirn-Trauma, Status nach Entzündung des ZNS, Unterernährung bei Säuglingen, Nikotin- und Alkoholabusus der Mutter in der Schwangerschaft sowie chronische Schwermetallvergiftungen (Frei, 2009). Bei den betroffenen Kindern treten nicht zuletzt durch den sozialen Rückzug bereits mit dem Eintritt in die Pubertät Depressionen, Essstörungen, Phobien +/o. Angststörungen auf. Damit wird das in der Grundschulzeit oft weniger stark ausgeprägte Helleborus-Bild deutlich sichtbar.

Übersicht: Helleborus niger als Heilmittel bei Entwicklungsverzögerungen in Abgrenzung zu weiteren Mitteln.

Hochpotenzen von Helleborus niger bei präpubertären Störungen

Während Tiefpotenzen von Helleborus niger besonders bei körperlichen Traumata indiziert sind, benötigen seelische Traumata Hochpotenzen. Nach Simonis entstehen Krankheiten

dadurch, dass die Seele sich dem Kosmos öffnen möchte, diese Verbindung aber nicht vollziehen kann. Als Abbild dieses Kosmos, er nennt es „Sternenhimmel“, im Menschen steht

für Simonis dabei das Nervensystem. Heilpflanzen aus der Familie der Ranunculaceen können durch ihre Giftigkeit die Seele darin unterstützen, sich vom Körperlichen zu lösen, um sich

damit dem „Geisterhaften“ um sich herum zu öffnen (2001).

Das Trauma einer Ranunculaceen-Konstitution findet meist auf emotionaler Ebene statt. Eine besonders starke Entwicklung entfaltet die Christrose in Verbindung mit potenzierten

Edelsteinen, die damit die Sinnestätigkeit beeinflussen und die Therapie auf das Bewusstsein auszurichten vermögen. Die psychischen Bilder von Helleborus niger zeigen sich eher bei

Mädchen (Enders, 2002), während es bei Schädigung des ZNS häufiger bei Jungen indiziert ist.

Der anthroposophische Arzt Georg Soldner führt zudem aus, dass Helleborus niger ein Heilmittel bei Demenz sei. Er beschreibt den Zustand, in den der Erkrankte dabei eintritt,

als „Vergrünen der Seele“ (Soldner, 2010). Dies entspricht wiederum dem Blühverhalten der Christrose.

Auch präpubertäre psychosoziale Störungen kann man als „Vergrünung der Seele“ auffassen. Der angehende Jugendliche zieht sich in sich zurück, spricht häufig nicht mehr.

Die Christrose als Pflanze des magischen Zeitpunktes der Wintersonnwende agiert wie eine Vermittlerin zwischen den Welten, sie hilft, am Ende eines Zyklus mit sich selbst ins Reine zu

kommen. Sie ist das Licht am Ende des Tunnels, auch als Begleittherapie bei Burnout-Syndrom bis hin zu Psychosen. Im Fall von präpubertären Störungen ist besonders der Inhaltsstoff

b-Ecdyson, ein Steroidhormon mit anaboler Wirkung, besonders bedeutsam. Im Tierreich ist b-Ecdyson unter anderem maßgeblich am Entwicklungsprozess vom Larvenstadium zum

ausgereiften Insekt beteiligt (Jesse, 2009).

Fallstudie:

Ein 13-jähriges Mädchen wird zusammen mit ihrer Mutter vorstellig. Die 13-jährige wirkt am ganzen Geschehen desinteressiert, die Mutter entnervt und gestresst. Grund der Vorstellung

sind die schlechten Schulleistungen der Tochter. Dass das Mädchen bei einer Größe von 1,60 m nur 45 kg wiegt, ist für Mutter nicht von Bedeutung. Die Familienanamnese birgt wenig Überraschendes. Die Schwangerschaft war problemlos verlaufen, wobei die Mutter zugibt, bis zum Ende täglich mindestens fünf Zigaretten geraucht zu haben – „aus Stress“.

Danach hatte sie auf Drängen des Vaters eine dreijährige Familienpause eingelegt. Beide Eltern sind beruflich sehr engagiert, der Vater häufig auf Geschäftsreise. Das Mädchen

selbst scheint gegenüber dem Familienleben gleichgültig. Auch als die Mutter auf meine Bitte hin das Sprechzimmer verlässt, äußert das Mädchen wenig Erhellendes.

Ich verabreiche in der Praxis eine Einzelgabe Helleborus C200. Zunächst höre ich nichts mehr von der Patientin.

6 Monate nach dem Ersttermin ruft das Mädchen mit Einverständnis seiner Mutter von sich aus in der Praxis an, um einen Termin zu vereinbaren. Die Schule sei inzwischen ganz nett,

auch ihre Mutter habe in letzter Zeit nicht viel an ihren Noten auszusetzen. Sie sei aber aus ganz persönlichen Gründen, wie sie es ausdrückt, ganz traurig und möchte gerne mit mir sprechen.

Außer mir habe sich noch nie irgendwer für sie interessiert...

Die soziale Einbindung der Patientin nebst der beschriebenen Problematik lässt an eine Erkrankung im Rahmen des Hospitalismus-Syndroms denken. Die vielbeschäftigten Eltern

würden sich selbstverständlich ausdrücklich gegen diese Diagnose verwahren.

Helleborus niger als Spezifikum bei Gehirntumor

Nicht unerwähnt bleiben darf in einem Überblick über die Heilwirkung der Christrose deren Bedeutung als Spezifikum bei Gehirntumoren. Jesse konnte sogar eine

proliferationshemmende Wirkung der Christrose auf verschiedene Tumorlinien belegen (2009).

R.S. erkannte als erster ihr Potential zur Behandlung von Krebserkrankung, neben der Mistel (Viscum album) -auch diese eine Pflanze der Wintersonnwende!- ist sie heute unverzichtbares

Element der anthroposophischen Krebstherapie. Grundsätzliches Therapieziel beim Einsatz von Helleborus niger bei onkologischen Patienten ist die Hemmung chronischer Entzündungsprozesse (Schlodder, 2010). Da diese Erkrankung aber ebenso wie akute Meningitis (siehe oben) in der naturheilkundlichen Kinderpraxis eher in den Bereich der Nachsorge fällt, soll diesem Aspekt von Helleborus niger hier kein allzu großer Raum gegeben werden. Die vielversprechenden Therapieansätze und Forschungsergebnisse allerdings verdienen größte Aufmerksamkeit, wobei die Verwendung von Helleborus niger im Bereich der Onkologie noch immer einem „Findungsprozess“ unterliegt (Jesse, 2009).

Die Christrose als Heilmittel für alle Sinne

Neben der homöopathischen Zubereitung birgt die Christrose als heimische Pflanze eine weitere ganz besondere Möglichkeit der Therapie. Vor allem Kinder sind oft tief berührt von

dem kleinen Winterwunder, das sich auf dem Balkon oder im Vorgarten präsentiert. Immer wieder holen sie sich eine gelbe Nasenspitze, um vom Duft der strahlendweißen

Blüte zu kosten. Deren sanfter Rosenduft mit einer Nuance von frischer Gletscherbrise ist eine wahre Streicheleinheit für die erkaltete Seele. Es ist eine sehr sinnliche Art, sein Heilmittel

auch auf diese Weise zu erfahren. Ausnahmslos alle Eltern berichteten von einer wohltuenden Beziehung zwischen ihrem Kind und seiner Winterblume, oft zu ihrem eigenen Erstaunen.

Vielleicht galt die Christrose deshalb in früheren Zeiten als schutzmagischer Wächter vor dem Haus.

 

 

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