Chemotherapie Anhang

 

Ying-Yang House

https://yinyanghouse.com/herbal-medicine/bu-zhong-yi-qi-wan-why-it-helps-with-chemo-related-fatigue-study

[Chad J. Dupuis]

There are many acupuncture techniques and herbal formulas within Chinese Medicine that are used in the complementary care of cancer. The upside and the downside of western chemotherapy treatment is the strength of it. Many patients have issues after their chemo treatment (fatigue, neuropathy, digestive issues, pain, etc.) and there are many ways to help alleviate these issues within Chinese Medicine.

Bu Zhong Yi Qi Wan is one formula that is often used with post chemo related fatigue along with other digestive and blood issues. It can be a very helpful formula to help the body rebuild after chemo treatment when used with the appropriate underlying tcm diagnoses.

As practitioners we often know which formulas to use based on pattern diagnosis and generations of clinical use – but the exact how is often not well understood.

Researchers from Southern Medical University’s Department of TCM recently conducted a rat model study to evaluate the biochemical functions of Bu Zhong Yi Qi Wan. They divided the breast cancer model mice into 5 groups -a negative control, a tumor control group, a chemotherapy (paclitaxel- taxol, onxal) group, a herbal formula only group and a herbal formula with chemotherapy group.

Treating the mice over 3 weeks they measured tumor markers, energy levels (swim tests) and blood immune markers. All of the treatment groups (i.e. chemo, chemo+herbs, herbs alone) noticed marked decreased in tumor volume and increases in overall energy levels. The best outcomes were observed in the combination approach of Bu Zhong Yi Qi Wan with Paclitaxel.

Researchers noted that the herbal treatment group had lower levels of oxidative stress - malondialdehyde (MDA) and superoxide dismutase (SOD). And they concluded that the herbal formula

bu zhong yi qi wan “has the potential of alleviating paclitaxel chemotherapy-related fatigue in 4 T1 breast cancer mice by reducing the serum levels of TNF-α and modulating the level of MDA and the SOD activity.”

Previous studies have shown other beneficial effects of Bu Zhong Yi Qi Wan with regards to cancer treatment. One study found the formula offered radioprotective effects against radiation therapy. Another rat model study more closely evaluated the metabolic affects of the formula which help to show in more exact biochemical terms how it helps with fatigue and digestive issues.

Clinically I have seen great recoveries from post chemo related issues with Bu Zhong Yi Qi Wan, along with proper acupuncture treatment. Clinically we also the formula to help keep a patients blood counts up so that may continue chemo therapy if they are too low to continue. All in all a very important formula and it is nice to see the underlying biochemical functions being explored.

 

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=21275

[Norbert Marxer, Heidelberg]

Heilen mit Antimon: Von der Chemiatrie zur Chemotherapie

Im Gegensatz zu Silber und Quecksilber, deren Verbindungen als Haut- und Schleimhautdesinfizientien eingesetzt werden, besitzen das Halbmetall Arsen keine und sein chemischer Verwandter Antimon nur eine untergeordnete therapeutische Bedeutung. Dies war nicht immer so. Metallverbindungen wurden im 16. und 17. Jahrhundert von den Anhängern des Paracelsus als Arzneimittel empfohlen und erlebten an der Wende zum 20. Jahrhundert in der naturwissenschaftlichen Medizin eine Renaissance als Antiseptika und Chemotherapeutika. Vor allem Antimonverbindungen hatten seit der frühen Neuzeit eine wechselnde therapeutische Bedeutung: Wurde ihnen im Zeitalter der Chemiatrie aufgrund ihrer emetischen Wirkung eine Allheilwirkung zugesprochen, so erkannte man in unserem Jahrhundert ihre antiinfektive Wirkung und nutzte sie - bis heute - als Protozoenmittel.

Das wichtigste Antimon-haltige Mineral, der Grauspießglanz (Antimonit), war im Altertum den Griechen unter der Bezeichnung "stimh" (stimmi) und den Römern als "stibium" (lateinisch für Zeichen, Markierung, schwarze Schminke) bekannt. Arabische Heilkundige bezeichneten ihn als "al-kuhl". Der Begriff Antimon könnte auf das griechische "anthemon" (Blüte) zurückgehen. Man vermutet, dass

die blütenartige Struktur des Grauspießglanzes dem Mineral seinen Namen gab. Constantinus Africanus (um 1018 bis 1087), der bedeutendste Übersetzer griechisch-arabischer medizinischer Text an der Medizinschule von Salerno, gilt als Schöpfer des Terminus "Antimonium". In der frühen Neuzeit verwendete man diese Bezeichnung sowohl für Antimonit als auch für das daraus gewonnene reine Antimon[III]-sulfid. Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Name Antimon nur noch für das gediegene Metall benutzt. 1814 schlug der Begründer der Elementaranalyse, der schwedische Chemiker Jöns Jakob Berzelius (1779 bis 1848), das Symbol "Sb" vor. Die heutige Terminologie verwendet die Begriffe "stibium" und "antimon" parallel.

Erstmals wird Antimon bei den alten Ägyptern medizinisch angewendet, und zwar in entzündungshemmenden Augensalben und als Augenschminke. Nach Aulus Cornelius Celsus (1. Jh. n. Chr.) setzten es

Der Wundarzt und Laientheologe Theophrast von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493/94 bis 1541), empfahl Antimon-haltige Zubereitungen nicht nur für äußerliche Anwendungen, sondern propagierte sie in seinem Werk "Große Wundarznei" (1536) erstmals auch für innerliche Zwecke. Er postulierte, dass der menschliche Körper durch Antimonium gereinigt und verjüngt werde.

Diesen Analogieschluss leitete er aus der Beobachtung ab, dass Grauspießglanz in der Metallurgie erfolgreich zur Goldläuterung verwendet wurde. Man überführte dabei mit Hilfe von geschmolzenem Antimon[III]-sulfid unedle Metalle und Silber in ihre Sulfide, während das durch zugesetzte Eisenspäne gebildete metallische Antimon das Gold aufnahm. Dadurch erkannten die Alchemiker und Hüttenleute der frühen Neuzeit, dass Antimon ein eigenes Metall ist und nicht, wie bis dahin angenommen, eine Art Blei. Antimon wurde später unter anderem in einer Legierung mit Zinn für die Herstellung von "Brechbechern" verwendet, aus denen Wein nach längerer Kontaktzeit das emetisch wirkende Antimon[III]-kaliumtartrat (Brechweinstein) herauslöste.

Da Paracelsus Grauspießglanz für die medizinische Anwendung als zu toxisch befand, gab er Vorschriften, wie geeignetere Abwandlungen herzustellen seien. So beschrieb er Flores Antimonii (Spießglanzblüte, Antimon[III]- und Antimon[IV]-oxide), Oleum Antimonii (Antimon[III]-chlorid und seine Hydrolyseprodukte) und Mercurius vitae (Antimonoxychlorid). Mit seinen Anweisungen, Metalle und Metallverbindungen medizinisch zu nutzen, legte er den Grundstein für die Chemiatrie, ein therapeutisches Konzept, das sich (al-)chemisch zubereiteter Arzneimittel bediente. Ihre Anhänger verstanden die Alchemie nicht als eine Gold machende "ars transmutatoria", sondern als einen "modus praeparandi rerum naturalium", der durch Extraktion, Sublimation und Destillation die der Materie innewohnende heilsame "Quinta essentia" darstellte.

Paracelsische Arzneien riefen jedoch schnell ihre Gegner im medizinischen Establishment auf den Plan. So untersagte 1565 die medizinische Fakultät der Sorbonne allen in Paris praktizierenden Ärzten den Gebrauch des Antimons.

Chemiatrie im Dienst der Humoralpathologie

Vor allem das 17. Jahrhundert gilt als Blütezeit der Chemiatrie. Ihre Vertreter erweiterten und popularisierten den Arzneischatz des Paracelsus erheblich und wiesen neben Quecksilber- vor allem Antimonverbindungen eine zentrale Rolle zu.

Obwohl er mit der Arzneimittelherstellung das Monopol der Apotheker verletzte, fand Cardilucius in den Nürnberger Apothekern keine Gegner. Stattdessen pflegte er Geschäftsbeziehungen mit ihnen und belieferte die Kannen-, Stern- und Spital-Apotheke mit seinen Mitteln "Centaurium minerale" und "Febrifugum magnum". Ebenso verkaufte er dem Stadtarzt Septimus Andreas Fabricius (1641 bis 1705) seine Arzneien zur Behandlung von dessen Patienten. Als Verfechter deutschsprachiger medizinischer Selbsthilfeliteratur veröffentlichte er auch Anweisungen für die Zubereitung Antimon-haltiger Arzneien, darunter ein „Antimonium diaphoreticum" aus Spießglanz und Salpeter.

Seit dem 18. Jahrhundert wurden Antimonverbindungen keine Allheilkräfte mehr zugesprochen. Man verwendete noch Kaliumantimonat[V] (Antimonium diaphoreticum, Schweiß treibender Spießglanz) und vor allem Antimon[III]-kaliumtartrat in Form von Brechreiz auslösenden Pillen, Sirupen oder Weinen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde am London Hospital auch die perkutane Anwendung von Brechweinstein getestet. Dabei zeigte sich, dass die Wirkung des über die Haut aufgenommenen Antimons dem des oral verabreichten ähnelte.

Antimon in den Forschungslabors

Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging der therapeutische Einsatz von Antimonverbindungen bis auf wenige Indikationen stark zurück (14). Antimon[III]- und Antimon[V]-sulfid, Antimon[III]-oxid, Kaliumantimonat[V], Antimonarsenat und Antimon[III]-jodid sowie Brechweinstein wurden als Expektorantien, Antiasthmatika und Emetika verwendet. So beschrieb noch die 1940 eingeführte Reichsformel-Sammlung Goldschwefel (Antimon[V]-sulfid) als Bestandteil der "Pilulae contra tussim". Ferner diente Antimon[III]-chlorid als Kaustikum und Brechweinstein als Bestandteil Haut reizender Salben. Brechweinstein und Antimonsulfide wurden auch in der Tierheilkunde zur Behandlung von Wurmerkrankungen, Katarrhen und zur Minderung des Geschlechtstriebs eingesetzt (15).

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Brechweinstein auch für andere Indikationen getestet. Nachdem um die Jahrhundertwende Paul Ehrlich (1854 bis 1915) den Grundstein für die moderne Chemotherapie gelegt und 1910 mit der Einführung des Arsphenamins (Salvarsan®) erste Erfolge erzielt hatte, begann die Suche nach weiteren spezifischen Wirkstoffen zur Therapie von Infektionskrankheiten.

So entwickelten der Leiter des 1911 gegründeten chemotherapeutischen Laboratoriums der Farbenfabriken Bayer in Wuppertal-Elbersfeld, der Mediziner Wilhelm Roehl (1881 bis 1929) und die Chemiker Richard Kothe (1863 bis 1925), Bernhard Heymann (1861 bis 1933) und Oscar Dressel (1865 bis 1941) gemeinsam das gegen den Erreger der Schlafkrankheit wirksame Suramin-Natrium (Germanin®). Eine ähnlich zusammengesetzte Arbeitsgruppe widmete sich den Antimonverbindungen: 1912 gründeten der Direktor des Reichsgesundheitsamtes Paul Uhlenhuth (1870 bis 1958) und der in den Laboratorien der Dresdner pharmazeutischen Firma von Heyden tätige Chemiker Hans Schmidt (1886 bis 1959) eine Arbeitsgemeinschaft, zu der später der Bakteriologe und Hygieniker Philaletes Kuhn (1870 bis 1937) hinzukam. Uhlenhuth vermutete schon 1907, dass die Trypanosomen abtötende Wirkung von Atoxyl®, einem Natriumsalz der Arsanilsäure, auch durch Stibinsäure erzielt werden könne.

Wirksam gegen Kala-Azar und Bilharziose

1907/08 beobachteten der englische Pathologe Henry George Plimmer (gest. 1918) und der englische Protozoenforscher John Gordon Thomson (1878 bis 1937), dass sie mit Trypanosomen infizierte Ratten durch die Injektion von Kalium- oder Natriumbrechweinstein von ihren Krankheitserregern befreien konnten. Daraufhin versuchte man, allerdings ohne Erfolg, Brechweinstein auch zur Behandlung der Schlafkrankheit einzusetzen. Gleichzeitig erkannte man, dass die intravenöse Verabreichung zu toxisch sei. Schmidt gelang es, mit Hilfe der Diazo-Synthese Antimon in Form der Phenylstibinsäure in organische Bindung zu bringen. Als sich die ersten beiden von Schmidt synthetisierten Antimon-Präparate Stibenyl® (Acetyl-p-aminophenylstibin[V]-saures Natrium) und Stibosan® (m-Chlor-p-acetylaminophenylstibin[V]-saures Natrium, 1927 eingeführt) als wirksame Mittel gegen die in Indien grassierenden Leishmaniasen (16) erwiesen, stand es für die Bayer-Forscher fest, zukünftig mit Schmidt zusammenzuarbeiten.

Nach dessen Wechsel im Jahr 1926 übernahm Bayer die von Schmidt dargestellten Antimonpräparate in sein Sortiment. In der Folgezeit entwickelte Schmidt weitere Antimonpräparate, die tierexperimentell zunächst von Roehl und dem Pharmakologen Fritz Eichholtz, später vor allem von Roehls Nachfolger Walter Kikuth (1896 bis 1968) geprüft wurden. 1927 gelangte Schmidt durch Modifikation der komplex- und kolloidchemischen Struktur zum zwei Jahre später eingeführten Neostibosan® (p-Aminophenylstibin[V]-saures Natrium). Er ließ die Substanz 1927/28 erfolgreich von Lionel Everard Napier (1888 bis 1957) in Kalkutta an 175 an Kala-Azar erkrankten Patienten prüfen. Dabei zeigte sich, dass die von anderen Antimonpräparaten bekannte emetische Wirkung fehlte. 1937 folgte Solustibosan® (Antimon[V]-gluconsaures Diethylaminoethanol-Natrium). Es hatte den Vorteil, dass es in Lösung stabil war und nicht wie Neostibosan® als Trockensubstanz aufbewahrt werden musste.

1949 wurde das Bayer-Sortiment durch Solustibosan® oleosum, einem Präparat für die Depotbehandlung des chronischen Kala-Azar, ergänzt. Solustibosan ® wurde bis in die fünfziger Jahre auch bei Multipler Sklerose empfohlen.

Parallel zur Entwicklung der fünfwertigen Antimonverbindungen forschte Schmidt auch an dreiwertigen, die eine gute Wirksamkeit gegen die Erreger der Schistosomiasis zeigten. Diese auch als Bilharziose bekannte Infektionskrankheit konnte bislang nur mit Emetin und Brechweinstein behandelt werden. Durch Austausch von Kalium durch Natrium im seit 1925 tiermedizinisch verwendeten Antimosan® gelangte Schmidt zum Neo-Antimosan, einer Verbindung, der die Kalium-spezifischen Nebenwirkungen fehlten. Sie wurde 1929 unter der Leitung des Direktors der Kairoer Bilharzia-Sektion, Mohammed Khalil, erfolgreich an 150 ägyptischen Bilharziose-Kranken gestestet und zu Ehren des ägyptischen Königs Fuad I. kurz darauf unter dem Warenzeichen Fuadin® registriert.

In Deutschland war es zuletzt in der siebten Ausgabe des Deutschen Arzneibuchs unter der Bezeichnung Stibophen enthalten. Es blieb bis zur Einführung des weniger toxischen Praziquantels neben dem

in einprozentiger Lösung verabreichten Brechweinstein das einzige wirksame Mittel zur Behandlung der Bilharziose und wurde auch gegen Leishmaniasen eingesetzt.

Als Tropenmittel noch im Einsatz

Gegen die durch Leishmania-Infektionen verursachten Krankheitsbilder Kala-Azar, Orientbeule und amerikanische Haut- und Schleimhaut-Leishmaniase sind indes fünfwertige Antimonverbindungen wirksamer als dreiwertige. Daher verlor Stibophen seine Bedeutung, als Natriumstibo[V]-gluconat (Pentostam®, Wellcome) und N-Methylglucaminantimonat[V] (Megluminantimonat, Glucantime®,

Firma Specia) auf den Markt kamen. Beide klinisch gleich wirksamen Präparate gelten heute als Mittel der Wahl zur Behandlung von Leishmaniasen. Bei Antimonversagen kommen Amphotericin B, Paromomycin und Pentamidin zum Einsatz.

Andere als Tropenmittel gebräuchliche Verbindungen sind Antimon[III]-lithiumthiomalat (Anthiomaline®, Specia) und Natriumstibo[III]-captat (24), ein Derivat der Dimercaptobernsteinsäure. Kurzzeitig wurde eine Antimonverbindung auch auf ihre Tauglichkeit bei HIV-Infektionen untersucht. So testete 1985 die Firma Rhone-Poulenc in Frankreich Antimoniotungstate (HPA-23), einen Reverse Transkriptase-Hemmer, an rund 100 Patienten. Es kam aber nie zu kontrollierten Studien.

Schließlich wird das Halbmetall als kolloidale Antimonsulfid-[99mTc]-Technetium-Lösung zur Röntgendarstellung von Leber, Milz und Knochenmark sowie zur Lymph-Szintigraphie verwendet.

Der chemotherapeutische Einsatz spiegelt somit den bislang letzten Wandel wider, den die Therapie mit Antimon erlebte. Eine ähnliche Renaissance als Antiinfektiva erfuhren auch Arsenverbindungen in der Behandlung der Syphilis und Wismutverbindungen bei Helicobacter-induziertem Ulcus.

Ein Blick auf die Pharmakologie

Antimon aus organischen Verbindungen wird im Gastrointestinaltrakt nur in Spuren freigesetzt und langsam resorbiert. Wegen der Schleimhaut reizenden Wirkung werden die Verbindungen nur parenteral verabreicht. Im Unterschied zum fünfwertigen Antimon wird dreiwertiges Antimon rasch in die Erythrozyten aufgenommen und zeigt Tendenz zur Kumulation in Knochen, Zähnen und Haaren. Dreiwertiges Antimon besitzt zudem eine höhere Gewebebindung, erreicht geringere Blutspiegel und wird langsamer ausgeschieden. Die Elimination erfolgt zu 80 Prozent renal und zu 20% hepatisch. Fünfwertiges Antimon bleibt im Blutplasma und wird rasch über die Niere ausgeschieden.

Die biologische Aktivität von Antimonverbindungen wird auf Reaktionen mit Mercaptogruppen von Proteinen und Enzymen zurückgeführt. Dreiwertiges Antimon hemmt die Phosphofruktokinase;

darauf soll die Anti-Protozoen-Wirkung beruhen.

Nach peroraler Aufnahme von Antimonsalzen und -verbindungen kommt es zu lang anhaltendem Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfällen. Die wiederholte Aufnahme geringer Mengen verursacht

eine subakute Vergiftung, die einer chronischen Arsenvergiftung ähnelt. Die letale Dosis von Brechweinstein wird für Erwachsene mit 100 mg bis 1200 mg angegeben.

Auf Grund der längeren Verweildauer im Körper sind dreiwertige Antimonverbindungen toxischer als fünfwertige. Nach der intravenösen Gabe werden Husten, Brustschmerzen, Schmerzen in den Armen, Erbrechen, abdominelle Schmerzen, Ohnmachtsanfall und Kollaps beobachtet. Die wiederholte Injektion kann zu anaphylaktischen Reaktionen führen. Als Nebenwirkungen des parenteral verabreichten fünfwertigen Natriumstibogluconats sind Übelkeit, Erbrechen, Myalgien, Kopfschmerzen, Lethargie und EKG-Veränderungen, bei länger andauernder Gabe Pneumonien, Blutbildschäden und Leberfunktionsstörungen zu verzeichnen. Sofern sie auftreten, betreffen ernstere Schäden vor allem Leber und Herz. Die glomeruläre und tubuläre renale Funktion wird durch fünfwertige Antimonverbindungen nicht beeinträchtigt.

Antimon[III]-oxid wirkt im Tierversuch kanzerogen; die Frage nach der Kanzerogenität beim Menschen muss wegen der spärlichen Datenlage offen bleiben. Ähnliches gilt für eine fragliche mutagene Potenz.

Toxisch für Haut und innere Organe

Die Gefahr einer Vergiftung durch metallisches Antimon, das nur in der Halbleitertechnik Verwendung findet, wird als gering angesehen. Antimon wird hauptsächlich als Legierungsbestandteil zur Erhöhung der Härte weicher Metalle wie Blei, Kupfer, Zinn und Zink, beispielsweise in Hartblei, Letternmetall und Akkumulatoren verwendet. Mögliche toxische Wirkungen können nicht von den Giftwirkungen der Begleitmetalle oder Verunreinigungen, zum Beispiel Arsen, getrennt werden.

Akute Vergiftungen sind selten. Diese können durch Antimon-haltige Arzneimittel, kontaminierte Nahrungsmittel und berufliche Exposition, zum Beispiel in der Glasindustrie, hervorgerufen werden.

Das als Arzneistoff obsolete Antimon[III]-sulfid dient als Ausgangsmaterial zur Herstellung von Antimon und wird in der Galvano- und Pyrotechnik eingesetzt. Antimon[V]-sulfid wird als Vulkanisierhilfsmittel bei der Gummiherstellung und zusammen mit Kaliumchlorat als Zündmischung in Streichholzköpfen verwendet. Verschiedene Antimonsalze, zum Beispiel das bei 25 ºC schmelzende Antimon[III]-chlorid, das zum Braunfärben von Eisen und zum Violettfärben von Messing verwendet wird, führen zu starken Verätzungen. Die fortgesetzte äußerliche Exposition von Antimon[III]-oxid ruft Dermatitiden hervor.

Das bei der Einwirkung von naszierendem Wasserstoff auf lösliche Antimonverbindungen freiwerdende gasförmige Stibin (Antimon[III]-wasserstoff) ist hochtoxisch und verursacht Hämolyse.

Die Gefahr durch Einatmen von Stäuben ist größer als die durch Verschlucken. Eine Inhalation führt zu Kopfschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gliederschmerzen, Entzündungen der Atemwege,

der Augen und der Haut, Lungenemphysem, Erbrechen, EKG-Veränderungen und kann in eine toxische Kardiomyopathie münden. Für Antimon wurde ein MAK-Wert von 0,5 mg/m³ festgelegt.

In der Literatur wird die Beteiligung flüchtiger Antimonverbindungen am plötzlichen Kindstod kontrovers diskutiert. Diese könnten aus der Imprägnierung PVC-haltiger Kindermatratzen stammen,

aus denen möglicherweise Pilze Antimon freisetzen.

Antimon in der Homöopathie und Anthroposophie

Das Homöopathische Arzneibuch enthält sieben Antimon-Monographien: Antimonit, Kalium stibyltartaricum, Stibium arsenicosum, Stibium metallicum, Stibium sulfuratum aurantiacum, Stibium sulfuratum nigrum und Hydrargyrum stibio-sulfuratum. Für vier Zubereitungen gab die Aufbereitungskommission D des früheren Bundesgesundheitsamtes Aufbereitungsmonographien heraus.

Die Hauptanwendungsgebiete umfassen Erkrankungen der Atemwege und der Haut, Störungen des Gastrointestinaltrakts und Rheuma.

Die Herstellung und Anwendung anthroposophischer Arzneimittel basieren auf den Theorien des Goethe-Forschers R.S. (1861 bis 1925) und der Ärztin Ita Wegmann (1876 bis 1943). Nach Steiners Evolutionstheorie gingen die drei Naturreiche: Mineralien, Pflanzen und Tiere sowie der Mensch aus einer gemeinsamen kosmischen Urvergangenheit hervor. Mit den drei Reichen der Natur ist der Mensch über drei "Wesensglieder" - den "physischen Leib", den "Ätherleib" und den "Astralleib" - eng verwandt. Durch sein viertes Wesensglied, das "Ich" oder den "Geistleib", hebt er sich von den Naturreichen ab. Nach anthroposophischem Weltbild besitzt jedes menschliche Organ eine Entsprechung im Naturreich. Daher können mineralische, pflanzliche und tierische Stoffe als Arzneistoffe angewendet werden.

Zu den Mineralien gehören nach R.S. auch die Metalle, die mit den Himmelskörpern Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn korrespondieren. Ebenso könne man den Metallen bestimmte Organe zuordnen. Durch geeignete pharmazeutische Verfahren könnten aus den Metallen geistige Kräfte freigesetzt werden, die auf den "Organkosmos", das Ebenbild des Planetenkosmos einwirken.

Im Lauf der von Steiner postulierten Evolution entstand das Antimon durch das Zusammenwirken von Merkur, Mond und Venus. In der Tradition historischer terminologischer Unexaktheit verwendete Steiner stets den Begriff "Antimon", meinte damit jedoch das Mineral Grauspießglanz. Dieses zeige durch seine büschelförmige Kristallstruktur, dass hier "kosmische Formkräfte" zentral zusammenfließen. Diese "antimonisierenden", Form gebenden Kräfte stünden im Gegensatz zu "albuminisierenden", Substanz bildenden Kräften. In der Polarität zwischen beiden entstehe der menschliche Körper. Antimon soll in diese dem "Ätherleib" obliegenden Gestaltungsprozesse "strukturierend" eingreifen.

Störungen der Gestalt bildenden Kräfte beeinflussen nach anthroposophischem Menschenbild die Blutgerinnung, die Haut und die Organbildung. Daraus ergeben sich die Indikationen des Antimons: Blutgerinnungsstörungen, Hauterkrankungen, Störungen des Verdauungstrakts, Bronchitis, Pneumonie, Asthma, psychische Erkrankungen und M.S.

Anthroposophische Arzneimittel werden nach den Vorschriften des Homöopathischen Arzneibuchs hergestellt, wobei sich verschiedene pharmazeutische Unternehmen besonderer Verfahren bedienen.

So werden die Antimonmittel der Firma Weleda aus Antimonit und Stibium metallicum praeparatum bereitet. Letzteres wird durch das "Metallspiegelverfahren" gewonnen, bei dem Antimon durch Erhitzen verdampft und an einer glatten kalten Schicht wieder kondensiert wird. Durch diesen Prozess soll das Metall gewissermaßen verjüngt, seinem kosmischen Zustand wieder angenähert und damit in der Heilwirkung gesteigert werden.

 

 

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