Acidum salicylicum Anhang

 

[Arne Krüger]

Acidum salicylicum und Salix alba

Meinen ersten Kontakt mit diesem Mittel hatte ich mit der allopathischen Anwendung, als bei einer Zahnwurzelentzündung nach ca. 12 Aspirintabletten Sensationen wie

Ohrensausen, Schwindel, paradoxe Empfindungen etc. Auftraten.

Eine Arzneimittelprüfung Acidum salicylicum C 30 (DHU) wurde vom Autor und acht Prüflingen (4 Schülerinnen und 4 Schüler der Samuel HahnemannSchule, Berlin)

im Mai 1998 durchgeführt. Es war eine Blindprüfung (nur der Autor kannte das Mittel), bei der die C 30 einmal täglich genommen wurde bis zum Auftreten von

Prüfungssymptomen. Die Ergebnisse dieser Arzneimittelprüfung wurden in den Artikel eingearbeitet.

Acidum salicylicum (C7 H6 O3, 2-Hydroxybenzoesäure) wird aus der im Frühjahr gesammelten getrockneten Weidenrinde (Salicis cortex, Cortex salicis) gewonnen.

Nach dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB 1) wird Salicylsäure entsprechend der Monographie nach dem Deutschen Arzneibuch (DAB) verwendet. Nach dem DAB

ist die Salicylsäure ein weißes, kristallines Pulver, in Wasser schwer löslich. Nach dem DAB ist die Weidenrinde nicht für eine spezielle Weidenart definiert, wobei die

verschiedenen Weidenspezies sehr unterschiedliche Gehalte an Salicylsäure haben können. Synthetisch wird Salicylsäure aus Phenol gewonnen.

Botanik

Die Weiden (Salicaceae) sind mit verschiedenen Arten (Salix alba Linne, S. fragilis L., S. pentandra L., Salix purpurea L., S. daphenoides Villars u.a.) in der Naturheilkunde

vertreten. Die Weiden kommen in Europa und in Asien vor.

Der Name SALIX stammt vom römischen Namen der Weiden. Das deutsche Wort Weide stammt aus dem althochdeutschen WIDA, aus dem im mittelhochdeutschen WIDE

wurde. Beides ist sprachlich verwandt mit dem griechischen Namen der Weide ITEA (aus Weide geflochtener Schild) und dem lateinischen VITIS (Rebe, Ranken).

Weiden kommen als Strauch oder Baum vor, wobei die Bäume bis zu 20 m hoch werden können. Vor den Blättern erscheinen die Blüten, die auch als Weidenkätzchen

bezeichnet werden. Alle Weiden sind zweihäusige Pflanzen, dies bedeutet, dass auf einem Baum bzw. Strauch immer nur Blüten eines Geschlechts anzutreffen sind.

Die männlichen Pflanzen kann man an den gelben Staubbeuteln erkennen. Die Äste der Weiden sind sehr biegsam und rutenförmig. Im Frühling, wenn der Pflanzensaft in

der Rinde ansteigt, ist die Rinde leicht zu lösen und kann zur Arzneimittelherstellung verwendet werden. Dazu wird die Rinde von mitteldicken Zweigen abgeschält und getrocknet.

Die Weide blüht im Frühling, bevor die Blätter erscheinen.

Die Weiden bevorzugen feuchte Standorte. Sie gelten als Flussbegleiter, da sie sich am Flussufer entlang ausbreiten.

Auch am Rand von Gräben und feuchten Wiesen kann man Weiden finden sowie in Auwäldern und an Waldrändern.

Inhaltsstoffe der Weide: Salicylalkoholglykoside (Salicin, Salireposid, Salicortin, Fragilin, Picein u.a.), Flavonoide, Phenolcarbonsäuren und Gerbstoffe. Das Salicin wird im

Darm zu Salicylalkohol und Glucose gespalten und dann in der Leber zu Salicylsäure umgewandelt.

Salicylsäurederivate sind auch noch in dem Kraut von Stiefmütterchen (Viola tricolor L.), im Mädesüß (Spiraea ulmaria, Spierstaude, Wiesengeißbart), in der amerikanischen

Teebeere (Gaultheria procumbens, Wintergrün) sowie in den Pappeln (Populus alba, P. candicans, P. nigra und P. tremula).

Das Mädesüß (Spiraea ulmaria, Synonym: Spierstaude, Wiesengeißbart, Wiesenkönigin) war gemeinsam mit Wasserminze und Eisenbart eines der heiligen Kräuter der

Druiden. In der chinesischen Medizin wird das Mädesüß als kühlende Pflanze beschrieben. Die Pflanze kühlt Hitze, wirkt diuretisch, zerteilt Verhärtungen, öffnet die Oberfläche,

bewegt das Leber-Qi.

Idee und Symbolik des Mittels

Acidum salicylicum ist sowohl in der Allopathie als auch in der Pflanzenheilkunde und in der Homöopathie ein Heilmittel, welches eine tiefe Verbundenheit der Medizin mit

den heilenden Kräften der Natur deutlich macht.

[Hertling]

Geschichte zur Weide :

Auf Elba saß Napoleon Bonaparte im Schatten einer Trauerweide und trauerte seinem nunmehr der Vergangenheit angehörenden Glanz und Gloria nach. Sicher ein schattiges

Plätzchen abseits von Rummel und Getriebe der Welt. Hier sprachen zu ihm, dem Weltgeist zu Pferde, wohl abends im Dämmerlicht die in der Weide wohnenden Naturgeister, jene Nymphen, Kobolde und Feen, die sich in den Hohlräumen des weichen Holzes, das jene Baumarten auszeichnet, wohl fühlen. Genauso wohl fühlen sich dort Enten, Marder, Käuzchen, Wiedehopfe oder gar die kleinen Weidenmeisen."

Volksheilkunde und Geschichte der Verwendung

Die Silberweide und andere Weidenarten wurden als Heilpflanzen schon früh erkannt. Auf den Tontafeln der Assyrer und Babylonier (ca. 2000 v. Chr.) finden sich Drogen

aus Weidenblättern. Im alten Ägypten (Neues Reich 1551 - 1070 v. Chr.) wird die Verwendung von Zubereitungen aus Teilen der Weide beschrieben. Die Ägypter verwendeten Blätter, blühende Zweige und Rinde der Weide gegen schmerzhafte Wunden, Entzündungen und Schwellungen.

Hippokrates (460 - 377 v. Chr.) verordnete einen Aufguss aus der Weidenrinde als Arzneimittel gegen Gelenkentzündung, Schmerzen und Fieber. Dioskorides von Anazerbus

beschrieb die Anwendung der Weide im ersten Jahrhundert n. Chr. Die adstringierende Wirkung der Weiden wird für Früchte, Blätter, Rinde und Saft beschrieben.

Die fein geriebenen Blätter mit etwas Pfeffer in Wein genommen, sollten die Empfängnis verhüten. Die Frucht der Weide sollte gegen das Blutspeien helfen und der Saft von Blättern und Rinde gegen Ohrenleiden. Der zur Blütezeit gewonnene Saft sollte auch gut gegen Augenleiden sein.

Im X. Buch der Mulomedicina Chironis (400 n. Chr.) wird die Anwendung von Asche der Weidenrinde zusammen mit Petersilie als Heilmittel gegen den Husten der Maultiere und Pferde beschrieben. Alternativ zu diesem Rezept wird die tägliche Gabe einer in altes Fett getauchten, lebenden Maus als Heilmittel beschrieben.

Der Text hierzu lautet: Verbrenne Weidenrinde (arbor salicis cortex) an einem sauberen Ort, fertige aus der Asche eine Lauge an und vermische sie mit Butter (butirum) und Öl (oleum). 2 Tage aber lass reifen die Lauge und dann erst stille den Husten."

Im Corpus Hippiatricum Graecorum (9. und 10. Jahrhundert n. Chr.) wird die Verwendung der Weidenrinde gegen Räude beim Pferd beschrieben:

Verbrenne die Rinde der Weide (itea) und nimm Myrrhenöl (stakte), mische es mit Wasser und schmiere es auf."

Hildegard von Bingen (1098 - 1179 n.Chr.) empfahl Extrakte aus Weide und Pappel bei Schmerzen und Fieber.

Im Mittelalter wird von den Anhängern der Signaturenlehre der Weidenrindentee zur Behandlung steifer Gelenke und rheumatischer Schmerzen empfohlen. Dies wird in der

Signaturenlehre damit begründet, dass die Weide biegsame Zweige besitzt. Da Weiden im Wasser stehen, also nasse Füße" haben, ohne Schaden zu nehmen, ist es nach der

Signaturenlehre ein Hinweis für eine Wirksamkeit gegen Folgekrankheiten von nassen Füßen, z.B. bei Erkältungskrankheiten. Albertus Magnus und Dalechamp beschreiben

die Weide als Antiaphrodisiakum.

Das Rossarzneibuch von Johann Martin Weitzen von Oschitz aus dem Jahr 1677 beschreibt die Anwendung von Weiden bei Pferden wie folgt:

So ein Pferd das Darmgicht hat oder das schmeer im leibe zergehen will, nach der hitze vom harten reiten: Nimb rothe weiden, schneide dehren zu kleine stücken ohngefehr

eines gleidts lang, thue sie in einen haffen, geuß ein maaß wein daran, laß es auf die helfte einsieden, geuß es also dem gaul so warmb er es erleiden mag durch einen

wolffsdarm odter ahlbalg ein, oder aber in mangel dessen durch einen Striegel, es hilft."

Als volksheilkundliche Anwendung der Weidenrinde sind als Wirkungen beschrieben eine schweißtreibende, schmerzlindernde und entwässernde Wirkung. Eine Be-

deutung, die nichts mit Arzneiwirkungen zu tun hatte, haben die Weiden als Grundmaterial für Weidenkörbe gehabt. Durch diese Bedeutung wurde jeder, der sich unbefugt

an den biegsamen Weidenruten vergriff, hart bestraft.

Der Engländer Stone stellte im 18. Jahrhundert fest, dass der bittere Geschmack der Weidenrinde dem bitteren Geschmack der peruanischen Chinarinde gleicht.

Stone legte 1763 der Royal Society in London eine wissenschaftliche Veröffentlichung vor, in der er den Einsatz der Weidenrinde bei Fieber beschreibt. Ab dem 17. Jahrhundert wurde die Chinarinde aus Amerika nach Europa eingeführt und hier als Mittel gegen Malaria verwendet. Damit konnte die vorher übliche Arsentherapie abgelöst werden.

Die Erkenntnis von Stone bekam in Europa während der Kontinentalsperre Napoleons (ab 1806) zur Bekämpfung der Briten eine besondere Bedeutung, denn es wurde ein

Ersatz für die Chinarinde aus Übersee benötigt.

Der Münchener Pharmazeut Johann Andreas Buchner untersuchte 1828 als erster die Weidenrinde. Er gewann durch Kochen der Weidenrinde eine gelbliche Masse, die er

Salicin nannte. Der Franzose Leroux isolierte 1829 erstmals das Salicin in Kristallform. 1838 stellte der Italiener Raffaele Piria als erster aus dem Salicin die Salicylsäure her.

 

[William Boericke]

Salicylic Acid

The symptoms point to its use in rheumatism, dyspepsia, and Meniere’s disease. Prostration after influenza; also tinnitus aurium and deafness. Hæmaturia.

Head: Vertigo; tends to fall to left side. Headache; confusion in head on rising suddenly. Incipient coryza. Piercing pain in temples.

Eyes: Retinal hæmorrhage. Retinitis after influenza, also albuminuric.

Ears: Roaring and ringing in ears. Deafness with vertigo.

Throat: Sore, red and swollen. Pharyngitis; swallowing difficult.

Stomach: Canker sores, with burning soreness and fetid breath. Flatulence; hot, sour belching. Putrid fermentation. Fermentative dyspepsia. Tongue purplish, leaden-colored; foul breath.

Stools: Putrid diarrhœa; gastro-intestinal derangements, especially in children; stools like green frog’s spawn (Magn carb). Pruritus ani.

Extremities: Knees swollen and painful. Acute articular rheuma < touch/motion/profuse sweat. Pain shifts. Sciatica, burning pain < at night. Suppressed copious foot-sweat and ill affects.

Skin: Itching vesicles and pustules; > scratching. Sweat without sleep. Urticaria. Hot and burning skin. Purpura. Herpes zoster. Necrosis and softening of bones.

 

 

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