Baptisia tinctoria Anhang

 

[Christoph Welte]

A. PRIMÄRE PSORA

Leitmotiv

In einem bekannten Witz treffen sich zwei Bekannte. "Wie geht´s ?" fragt der eine. Darauf sagt der  andere: "Na ja - meine Leber spielt verrückt, mein Kopf brummt, meine Nieren geben den Geist auf

und auch ich fühl mich nicht besonders." Von einer vergleichbaren Komik ist das Symptom des Baptisia-Prüfers, der glaubt, seine gichtigen Gelenke unterhielten sich quasi hinter seinem Rücken miteinander. Dieses Symptom vermittelt einen Eindruck davon, wie Baptisia in der Prüfung wirkt: Es ist ja so, dass jeder sich bei seinen alltäglichen Vollzügen und Abläufen als ein in sich geschlossener Handelnder fühlt. Dieses hintergründige Gefühl inniger Verbundenheit in den Handlungen ist aber eher intuitiv, nicht so sehr bewusst präsent. D.h. bei jeder Gelegenheit, v.a. aber im Krankheitsfall, kann dieses Gefühl innerer Koheränz erschüttert werden: das kranke Glied (z.B. das gichtige Gelenk) scheint aus dem Organverband auszuscheren oder es stellt sich ein ungutes Gefühl der Fremdheit gegenüber einem Zug der eigenen Persönlichkeit ein. Dieses Baptisia-typische Krankheitsgefühl besteht zum guten Teil aus dem Desintegrationsmoment des leidenden Leibbereiches, welches aus dieser Abspaltung resultiert. Leitmotivisch für Baptisia ist also das Leiden an mangelnder Verbundenheit und Geschlossenheit, bzw. die für den Menschen grundlegende Dialektik von psychisch-physischer Zerstückelung oder Ganzheit.

Transzendenter Wert

Gott ist nicht zusammengesetzt, sondern Einer. Er besteht nicht aus einer Vielheit von Teilen, die zu einer Einheit komponiert werden, sondern ist im höchsten Masse einfach und unteilbar.

Gott hat keine Vollkommenheiten an sich, die ihn von anderen Vollkommenheiten unterscheidbar machen würden. Wäre dies anders, würde ihm die Vollkommenheit, die den Unterschied macht, mangeln. Da er also alle Vollkommenheit in sich (ontologisch) eint, ist er ununterscheidbar einfach.

Menschliche Daseinsbedingung

Menschen treffen Entscheidungen, indem sie Unterschiede machen: Was hat das eine Ding, was das andere nicht hat ? Das Analysieren hat immer zu tun mit dem Auffinden von Kriterien, mit der Aufteilung eines komplexen Dings in seine abwägbaren Bestandteile, so dass verschiedene Dinge miteinander vergleichbar werden. Entscheiden bedeutet auch: unterscheiden. Es gehört wesentlich zu

den menschlichen Vollzügen, Zusammengesetztes in seine einzelnen Bestandteile zu zerlegen. Plato vergleicht diesen Vorgang einmal mit dem sinnvollen Zerlegen eines Tieres längs seiner anatomischen Grenzen durch einen Koch.

Das heißt aber, dass die intuitive Einheit der menschlichen Vollzüge immer gefährdet ist. Für den historischen Umstand, dass die Einheit des Ich in der (Post-) Moderne auseinanderfällt, wird gerne Rimbauds Formel zitiert: "Je - c´est un autre."

In der Psychoanalyse des J. Lacan findet man die Phantasie des zerstückelten Körpers (corps morcelé) in enger Entsprechung zur "wahnhaften Identität" des Ich. Die Phantasie des zerstückelten Körpers ist eine aktivierte Erinnerung an das sehr frühe Gefühl des Säuglings und seiner körperlichen Verwirrung. Der Körper erscheint in seinen Einzelteilen überall verstreut und die mit dieser Erinnerung verbundene Angst löst das Begehren aus, Besitzer und Bewohner eines sicheren "Ich" zu sein. Einerseits wird das projizierte "Ich" immer wieder vom rückwärtsgewandten Zug zur Fragmentierung bedroht. Andererseits kann gerade die Rigidität des gepanzerten Ich als Gewalt angesehen werden und dazu führen, daß das Individuum seine Einzelteile wieder überallhin verteilt. Ob das Subjekt nach vorn zum Ich oder zurück zum corps morcelé blickt- immer betrachtet es die gleiche Phantasiekonstruktion. Was zerfällt, ist nicht der reale Körper oder ein physischer Organismus, sondern vielmehr ein "heteroklites Mannequin, eine barocke Puppe, eine Gliedertrophäe".

Lacan bezieht sich mit diesen bizarren Worten auf die Figur des Professor Spalanzani, eine verrückte Gestalt aus E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Der Sandmann".

Fokus der inneren Aufmerksamkeit

Im Zentrum des Erlebens steht bei Baptisia die Furcht vor der Auflösung der Einheit, die ein existierendes Ding zusammenhält.

Was macht aus einer Vielzahl von Teilen ein einheitliches Ding mit einer wiedererkennbaren und trotz allen Variationen im wesentlichen gleichbleibenden Gestalt? Baptisia fürchtet, dass allein das Betonen eines Details oder Aggregats die Ganzheitlichkeit eines zusammengesetzten Dings zerstört.

Kerne

Schuld

Baptisia glaubt, dass das Band, welches verschiedene Teile zu einem einheitlichen und zusammenhängenden Ding verbindet, zu unbeständig sei. Für ihn ist das Ganze eben n i c h t mehr als die Summe seiner Teile.

Verlust

Er verliert die Wahrnehmung für das, was ein Ding im wesentlichen zusammenhält, was es einheitlich durchgestaltet und ausformt. Er verpasst dasjenige, was dieses Ding als einzelnes unterscheidbar von anderen macht. Er fühlt sich zerrissen oder wie in einem Auflösungsprozess. Er kann keine abgeschlossenen Einheiten erkennen. Die Gedanken schweifen, es gibt keinen verbindenden Gesichtspunkt.

Die Dinge zerfallen zu beziehungslosen Anhäufungen.

Strafe

Da er nur Bruchstücke vorfindet, die er nicht zu einem Ganzen fügen kann, vermag er nichts abzuschließen. Er ist ruhelos und getrieben. Die Welt ist ein heilloses Puzzle, nichts passt zueinander. Angst davor, dass seine Persönlichkeit zerfällt.

B. THEMEN

Die Hauptthemen sind Verbindung und mangelhafter Zusammenhang.

Themenliste

1. Gedächtnis

sehr genaue Erinnerung an das, was er gelesen hat. #A 13#

Unfähigkeit, sich wie gewöhnlich Dinge zu merken. #A 14#

2. Verwirrtheit

Kann seinen Geist nicht eingrenzen, eine Art wildes, schweifendes Gefühl. #A 8, He 1.4#

Der Geist scheint eher schwach als verwirrt. #A 9#

Untätiger Geist. #A 10#

Unaufgelegt zum Denken, mangelnde Denkkraft. #A 11#

Stumpfes, dummes Gefühl nach dem Frühstück. #A 12#

Verwirrtes Gefühl im Kopf. #A 15#

Leicht verwirrtes Gefühl im Gehirn. #A 16#

Stumpfheit im Kopf. #A 17#

Ein wenig Stumpfheit im Kopf. #A 18#

Leichte Stumpfheit des Gehirns, den ganzen Tag. #A 20#

Stumpfes und dummes Gefühl über den ganzen Kopf, mit starken Schmerzen im Hinterkopf. #A 21#

Verwirrung der Gedanken; verwirrt als ob er betrunken wäre. #He 1.3#

3. Delirium

fiebrige Erregung des Gehirns, wie der Anfang eines Fieberdeliriums grösseren Ausmasses. #A 2#

Eine Art Erregung des Gehirns, wie sie einem Delirium vorausgeht oder eher noch dessen Anfang bildet; wenn das Fieber andauert und zu grosser Intensität steigt, pflegt dies bei ihm niemals auszubleiben. Bewusstlosigkeit. #He 1.1#

Stupor; schläft ein, während mit ihm gesprochen wird oder er antwortet; schwerer Schlaf bis zum Aufwecken; wacht nur auf, um mitten in seiner Antwort, die er vergeblich zu beenden sucht, wieder in Schlaf zu sinken. #He 1.2#

Delirium, vor allem nachts oder anhaltend, still, Stupor. #He 1.11#

Delirium und unzusammenhängende Rede. #He 1.12#

Deliröser Stupor oder schweres Delirium. #He 1.13#

4. Zügel

Träumt, mit einer Kette über den Mund niedergebunden zu sein. #A 350#

5. Schnee

Nachts zwei oder drei Stunden geschlafen, träumt von harter körperlicher Arbeit im tiefen Schnee, leidet unter der Hitze der Anstrengung, wird schließlich im Schnee erstickt. #A 351#

6. Teilung

Kann nicht einschlafen, weil er sich nicht sammeln kann. #He 1.5#

Gefühl, als ob ein zweites Selbst außerhalb des Patienten wäre. #He 1.6#

Fühlt sich überall verstreut und wirft sich umher, um die Teile zusammen zu bekommen. #He 1.7#

Er denkt, seine Beine würden miteinander Konversation betreiben. #He 1.8#

Er denkt, seine Gichtzehe würde gemütlich mit seinem Gichtdaumen plaudern. #He 1.9#

Schlimmer beim Denken an die Schmerzen in verschiedenen Körperteilen. #He 1.23#

Kann nicht schlafen, Kopf oder Körper fühlen sich an wie über das ganze Bett verstreut, er wirft sich umher, um die Teile zusammen zu bekommen. #He 37.16#

Als ob ein zweites Ich da wäre; wie verstreut; (...) als ob der Scheitel wegfliegen würde (...) #He 43#

Allgemein müde, zerschlagenes, krankes Gefühl in allen Körperteilen, fühlt sich jedoch nicht sehr schlecht. #A 303#

7. Schweifende Gedanken

Geist schweift umher, sobald die Augen geschlossen sind. #he 1.10#

Vollkommene Gleichgültigkeit, kümmert sich nicht darum, irgend etwas zu tun, Unvermögen, den Geist auf irgend etwas zu konzentrieren. #He 1.18#

Kann seinen Geist nicht eingrenzen, eine Art wildes, schweifendes Gefühl. #A 8, He 1.4#

Schlaflos mit schweifenden Gedanken. #He 37.14#

8. Ruhelos

Geistig ruhelos, aber zu leblos, um sich zu bewegen. #He 1.20#

Ruhelos und delirös während drei Wochen. #He 1.21#

Ruhelosigkeit. #He 36.1#

Ruhelosigkeit, unwohl, kann sich auf nichts konzentrieren; wollte sich von einer Stelle zur andern bewegen; abends. #He 36.3#

Fühlt sich schläfrig und benommen, legt sich nieder zum Dösen, aber die Beine fangen plötzlich an zu zucken, als ob er erschreckt worden wäre. #He37.6#

Hat bis drei Uhr gut geschlafen, dann unruhig bis am Morgen mit Umherwerfen. #He 37.10#

Unruhig, schlief nicht ruhig. #He 37.11#

Schlaf unruhig, häufiges Erwachen. #He 37.12#

Will aufstehen und will es doch nicht. #He 37.13#

Schlaflos mit schweifenden Gedanken. #He 37.14#

Unruhig mit angstvollen Träumen. #He 37.18#

Schlaf unruhig und durch Träume gestört, aber unfähig, sich an die Träume zu erinnern, erschöpft wie von zu wenig Schlaf. #He 37.18#

Schlaf letzte Nacht unruhig, Umherwerfen, gestört von anhaltenden Träumen, die bis zum Aufwachen dauern, trotzdem ist er unfähig, sie zu erzählen oder sich gar an den Inhalt zu erinnern. #He 37.20#

#vgl. He 37.17, 19, 21, 22, A 295, 296#

9. Sprache

Stupor; schläft ein, während mit ihm gesprochen wird, oder er antwortet; schwerer Schlaf bis zum Aufwecken; wacht nur auf, um mitten in seiner Antwort, die er vergeblich zu beenden sucht, wieder in Schlaf zu sinken. #He 1.2#

Er denkt, seine Beine würden miteinander Konversation betreiben. #He 1.8#

Er denkt, seine Gichtzehe würde gemütlich mit seinem Gichtdaumen plaudern. #He 1.9#

Heiserkeit oder Aphonie. #He 25.1#

Kehlkopf sehr empfindlich gegen Berührung, Schlucken oder Sprechen schmerzhaft. #He 25.3#

Heiserkeit, muss sich anstrengen, um verstanden zu werden. #He 25.4#

Zunge geschwollen, dick, erschwert das Reden. #He 11.3# #vgl. He 25.2, 37.8#

10. Zweifelt an der Genesung

Hoffnungslos wegen seiner Genesung, Gewissheit seines Todes. #He 1.19#

11. Abort

Fürchtet einen Abort. #He 24.1#

Drohender Abort. #He 24.2#

12. Schmerz durch Druck

Jedesmal wenn er aus einem Alptraum erwacht, sind die Teile, auf denen er gelegen hat, außerordentlich schmerzhaft, v.a. Sakrum und Hüften. Nachdem er nicht länger als zehn Minuten auf dem Rücken gelegen hatte, wurde die Sakralregion unerträglich schmerzhaft, als ob er die ganze Nacht auf dem nackten Boden gelegen hätte, was zur Überzeugung führt, dass nur kurze Zeit in der gleichen Position zu verweilen, Wundliegen verursachen würde; nachdem er sich auf eine der bieden Seiten drehte, trat das gleiche Gefühl an den Hüften auf, was ihn schließlich zwang, sich aufs Gesicht zu legen, um die anderen Teile zu erleichtern. #A 323#

Unerträglichkeit von Druck an allen Teilen, auf die Druck ausgeübt worden ist; kann sich nicht ohne Schmerzen im Rücken an den Stuhl zurücklehnen; ist gezwungen, seine Sitzposition aus dem gleichen Grund alle paar Minuten zu wechseln; sogar die Füsse sind in gleicher Weise schmerzhaft, wenn er sie auf den Boden stellt. #A 324#

13. Augen nicht ganz offen

Teilweise Lähmung der Augenlider, es fällt sehr schwer, sie offen zu halten. #A 86#

Schwindel mit Lähmung der Augenlider. #He 2.3#

Schlaftrunken, benommen, müdes Gefühl, Disposition zu halboffenen Augen. #He 37.4#

14. Schwäche und Erschöpfung

Nicht aufgelegt zum Denken, Mangel an Kraft, der Geist scheint schwach. #He 1.15#

Abneigung gegen geistige oder körperliche Anstrengung, oder Gesprächen über Krankheiten und Verletzungen zuzuhören, schwächlicher Geist und gereizt. #He 1.16#

Stumpfes, schweres Gefühl im ganzen Körper mit Gleichgültigkeit gegen alles. #He 36.4#

Allgemein schwaches Gefühl, vor allem in den Beinen. #He 36.6#

Fühlt sich schwach, zittrig, als ob er sich von einer Krankheit erholen würde, jedoch unfähig zu energischer geistiger oder körperlicher Anstrengung. #He 36.7#

Schwaches, lähmiges Gefühl im ganzen Körper (vor allem in den Armen, breitet sich zu Händen und Fingern aus), ist kaum fähig, während des Schreibens einen Bleistift zu halten, was verursacht, dass er sich schlaffer fühlt als ein alter Lappen; vollkommene Gleichgültig; kein Verlangen, irgendetwas zu tun. #He 36.9#

Fühlt sich schwach und gelähmt, wund und zerschlagen, vor allem Arme und Waden sind wund, wenn er die Treppe hinuntergeht. #He 36.10#

Fühlt sich nach wenig Arbeit schwach und erschöpft, schnell ermüdet. #He 36.11#

Fühlt sich schwach und zittrig wie nach einer schweren Krankheit. #He 36.12#

Grosse Mattigkeit, will sich niederlegen. #He 36.14#

Grosse Erschöpfung der Kraft wie während der Rekonvaleszenz von einer schweren Krankheit, die durch starke Drogen oder Arzneien behandelt wurde. #He 36.20#

Unbeschreiblich krankes Gefühl überall. #He 36.21#

Gleitet im Bett hinab, fühlt sich, als ob er wegsinken würde. #He 36.22#

Nach dem Gehen ein Gefühl von ziemlich schmerzhafter Müdigkeit im Rücken und im rechten Bein, rechter Schulter und Arm. #A 301#

Schmerzhafte Müdigkeit der ganzen linken Körperseite nach einer Stunde. #A 302#

Gefühl von Schwäche im ganzen System, vor allem in den Beinen, mit schwachen Knien und Schwindel. #A 310#

Gefühl von großer Erschöpfung mit Hitzewallungen vom unteren Rücken in alle Richtungen. #A 312#

#vgl. He 36.5, 8, 13, 15-19, A 298, 299, 300, 303-309, 311#

15. Hilflos nach Berührung

Fühlt sich benommen während er in einem Stuhl sitzt, den Kopf auf die Arme auf den Tisch gelegt (dösend, aber bei Bewusstsein); Gefühl, als ob ihn jemand ganz sachte auf beiden Seiten berührt hätte; gefolgt von Kraftlosigkeit, um sich aufzusetzen; mehrere Versuche dazu, ist aber völlig hilflos; nach kurzer Zeit ein ähnlicher Anfall von gleicher Dauer, aber noch stärker; fühlt sich einige Zeit danach

noch schwach. #He 377#

16. Schwere des Kopfes

Kopf fühlt sich schwer an, als ob er nicht aufrecht sitzen könnte, Tag und Nacht, ein wildes Gefühl verursachend, schlimmer von Lärm. #He 3.2#

Kopf fühlt sich groß und schwer an, mit einem tauben Gefühl von Kopf und Gesicht; Stiche oder Schläge in verschiedenen Teilen des Kopfes. #He 3.4

Stumpfe, schwere, drückende Kopfschmerzen. #He 3.5#

Stumpfer, schwerer Schmerz im Kopf, vor allem Stirn und Backenknochen, heisse Ohren, aber kalt zum Anfassen; Kopf fühlt sich geschwollen an; taumelig, als hätte er Alkohol getrunken, schlimmer beim Gehen #He 3.6

17. Vergrösserung(sgefühl)

Gefühl, als ob der Kopf schwellen würde (langsam grösser und grösser werdend), mit Schmerz an der Insertion des Sternokleidomastoideums, begleitet von einem Gefühl, als ob der Kopf hinter dem rechten Ohr geschwollen wäre. #He 4.4#

Zunge geschwollen, dick, erschwert das Reden. #He 11.3#

Hände fühlen sich groß an, zittrig. #He 32.9#

18. Kann nur Flüssigkeit schlucken

Kann nur Flüssigkeiten schlucken, Würgen bei der geringsten festen Speise. #He 13.20#

Kinder können keine feste Speise schlucken; die kleinste feste Substanz ruft Würgen hervor, deshalb können sie nur Milch zu sich nehmen; manchmal dünne, wässrige, übelriechende Durchfälle Tag und Nacht. #He 13.21#

19. Harte Substanz

Schmerzen im Bauch, Gefühl wie von einer harten Substanz. #He 17.11#

20. Hartes Bett

 

Fühlt sich, als ob er auf einem Brett liegen würde, wechselt oft seine Stellung, das Bett fühlt sich sehr hart an; am schlimmsten in der Sakralregion. #He 31.8#

21. Streit und Triumph

 

Träumt die ganze Nacht, triumphiert über alle Gegner. #A 347#

Träumt vom Kämpfen und Wortgefechten, dabei kommt er immer am besten weg. #A 348#

C. MIASMATISCHE DYNAMIK

Sekundäre Psora

Abgeleitetes Bild

Der psorische Baptisia-Mensch betont die Geschlossenheit einer jeden Sache. Ängstlich achtet er auf das Wesentliche. Das geht dann auf Kosten des einzelnen Details, da besondere Merkmale sich dem formalen Zwang der Einheit unterwerfen müssen. Baptisia sorgt dafür, dass nichts aus der Reihe tanzt. Weil er um den inneren Zusammenhalt fürchtet, betrachtet er die Welt eher holzschnittartig, Abweichungen werden begradigt, damit alles widerspruchsfrei in e i n Bild passt. Er vermeidet Streit mit dem Hinweis, dass doch grundlegende Interessen für alle gelten.

Die Angst vor der Zerstückelung ist eindrucksvoll in den Gemälden von Hieronymus Bosch festgehalten. Seine Höllenbilder haben eine in Zellen zerfallende Struktur. Wie in einem Mosaik werden Szenen zusammengefügt. "Bilder der Kastration, Entmannung, Verstümmelung, Zerstückelung, Verrenkung, Ausweidung, des Verschlingens und des Aufplatzens der Körper", so J. Lacan. Miteinander verbunden sind diese Bilder nicht durch eine übergreifende Erzählung oder eine thematische Klammer, sondern sie Bilden ein Zusammenspiel fragmentaler Motive.

Die Angst vor der Zerstückelung finden wir "gebannt" in Riten der Tätowierung, den Hautinzisionspraktiken der "Primitiven" oder der Beschneidung. In der Moderne leben solche aggressiven Praktiken fort in der Unterwerfung unter die "prokrusteische Willkür" der Mode und ihre Martern.

Sekundärpsorische Symptome

Fühlt sich in kleine Stücke geteilt und wie durcheinandergewürfelt, er kann die Teile nicht passend zusammenfügen; seine gichtigen Gelenke und seine Beine konferieren miteinander; Gefühl, es gebe ein zweites Selbst; Gefühl, eine Person berühre ihn und er verliere seine Kraft; kann sich nicht fassen und findet darum keinen Schlaf; Verschlechterung, wenn er an die Beschwerden in den verschiedenen Körperbereichen denkt; er kann den Gedanken nicht auf etwas fixieren und bringt die Sätze nicht zu Ende; wie geknebelt und gefesselt; Angst, trotz aller Mühen im Schnee zu ersticken; unruhig schweift er wie ortlos umher; fürchtet Abort; Gefühl, der Schädel zerspringe; er kann nicht liegen, denn das Bett fühlt sich so bretthart an, dass die aufliegenden Körperstellen unerträglich schmerzen.

Egotrophie

Abgeleitetes Bild

In der Wiederholung der Überschreitung tritt Baptisia als Monist, als gewalttätiger Vereinheitlicher auf. Er findet überall den Gesichtspunkt, der ein verbindendes Prinzip darstellt. Er zwingt selbst Dinge zusammen, die nicht zusammengehören: "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört."

In diesem Zusammenhang ist noch einmal die Frage der Entscheidung von Belang. Zwei Arten von Entscheidungen kann man grob auseinanderhalten: zufällige und einmalige. Zufällige haben keine weiterreichende Konsequenzen, einmalige jedoch bekommen den Charakter von Gesetzen, sie ziehen immer wieder gleichartige Entscheidungen nach sich. Diese Entscheidungen legen dann etwas ein für allemal fest, vergleichbar der Entstehung der Naturgesetze, die zu Beginn des Universums entstanden sind und seitdem gelten. Auch in der Entwicklung biologischer Lebensformen werden durch einmal getroffene Entscheidungen weitere Formen bestimmt. In diesem Sinne will Baptisia auch einheitliche Gesetze erlassen, die bestimmte formale Lösungen verbindlich machen. Alle weiteren Ereignisse sollen davon abhängig sein. Er will den Dingen einen gemeinsamen Stempel aufdrücken.

Trivial-literarisch kann man sich an die Frankenstein-Erzählung erinnert fühlen: Ein Wissenschaftler, fügt aus zahllosen Einzelteilen, den zusamengestohlenen Körperteilen hingerichterter Verbrecher, wieder einen einzigen Menschen zusammen.

In der Leugnung seiner Überschreitung entzweit und zerlegt Baptisia. Er betont den unterscheidenden Gesichtspunkt. Dabei wechselt er selber dauernd seinen Stil, seine Perspektiven, mal gehören zwei Dinge zueinander, dann wieder nicht. Wie ein Chamäleon wechselt er seinen Stil, seine Persönlichkeit, seine sozialen Bezüge. David Byrne von den Talking Heads besingt das so: "Ich habe drei Ausweise, einen Haufen Visas, Du kennst meinen wirklichen Namen nicht, wir kleiden uns wie Hausfrauen oder wie Studenten, ich weiss selbst nicht, wie ich aussehe" (aus: "Life During Wartime"). Er zerstört, oder besser, er destruiert das Gemeinsame, das einer Sache Ganzheitlichkeit gibt.

Man kann einen Zug der (Post-) Moderne mit dem Wort Polysemie, Viel-Sinnigkeit beschreiben. Im Gegensatz zur Antike und zum Mittelalter und deren Hang (besser: Zwang) zum einen, übergeordneten Sinn, ist die Moderne geprägt vom Rückzug einer einheitlichen Theorie. Statt grosser, alles erklärender Modelle finden wir ein locker verbundenes Feld sich unterscheidender sozialer Erscheinungen, sich gegeneinander behauptender Einzelwissenschaften, etc.

Ein literarisches Exempel vom Zerfall der vereinheitlichenden Erzählperspektive gibt William Burroughs in "Nova Express".

Dabei ist sein Thema einmal mehr der hermetisch abgesonderte Zirkel der Rauschgiftsucht. Eine Welt der sklavischen Abhängigkeit von einem Bezugspunkt, dem Suchtmittel. Im Gegensatz zu diesem monomanen Baptisia-Thema ist der Roman formal geprägt von einer Erzähltechnik, die Burroughs selbst als "Cut Up"-Technik bezeichnet: Stil und Tonfall verändern sich von Zeile zu Zeile. Die Fluktuation der Erzählform und der Motive kontrastiert die festen (inhaltlichen) Bezugsgrössen Sucht und Entwöhnung.

Egotrophe Symptome

Sehr gutes Erinnerungsvermögen; sehr reger Verstand, v.a. wenn er die Augen schliesst; Gefühl, die Körperteile schwellen an; alles ist in Bewegung; er geht als Sieger aus Streit und Diskussion hervor.

Egolyse

Abgeleitetes Bild

Die eine Welt zerfällt in eine unübersichtliche Vielzahl partikularer Welten. All das unterhält keine Beziehungen zueinander. Eine Art babylonischer Verwirrung, überall sieht er nur Zersetzung und Zerfall. Er kann die Dinge nicht mehr unterscheiden, das eine nicht vom anderen abtrennen.

Wie endet der Versuch des Landvermessers in Kafkas Roman, zum auftraggebenden Schlossherrn zu kommen? Er wird von wichtigtuerischen Bürokraten auf eine groteske, nie endende Odyssee geschickt. Man kann nicht einmal mehr sicher sein, ob überhaupt eine Schlossobrigkeit existiert.

Egolytische Symptome

Fühlt sich geknebelt und gefesselt; verzweifelt an der Genesung; seine Gedanken wandern und er kann sie nicht fassen; er schläft mitten in der Antwort ein; Schweregefühl und Schwäche, die durch Berührung eines anderen ausgelöst wird; kann nur Flüssigkeit schlucken.

Alterolyse

Abgeleitetes Bild

Zank und Zwist zerstören das harmonische, einheitliche Bild der Welt. Die anderen sind Terroristen, die die Ordnung des Gemeinwesens stören. Streng und despotisch bekämpft er diejenigen, die sich nicht seinen Zwängen unterwerfen wollen. Ein bekanntes Beispiel für die Verfolgung von solchen Menschen, die den Gedanken des All-Einen gefährden, ist die Verurteilung des bedeutenden Denkers der Renaissance, Giordano Bruno. Bruno war deshalb für die Kirche gefährlich, weil er unendlich viele bewohnte Welten annahm und damit die Rolle der einen, totalen katholischen Kirche relativierte. Auch erlaubte diese Annahme, nicht nur von vielen Welten im äusseren Sinne zu sprechen, sondern auch von vielen Bewusstseinswelten. Damit drohte der per definitionem festgeschriebene einheitliche Raum-Zeit Kosmos des Christentums gesprengt zu werden. Bruno wurde exkommuniziert und dann in die einzige Welt expediert, die im katholischen Kosmos in dem Fall noch übrigblieb, und zwar, indem man ihn (geknebelt) lebendig verbrannte (Thema der Hitze!). Brunos Reaktion auf das Urteil kann man in die egotrophe Reaktionsweise von Baptisia einordnen: "Mit gösserer Furcht verkündet ihr vielleicht das Urteil gegen mich als ich es entgegennehme." Dass Raum und Zeit keine festen Konstanten sind, die gleichförmig für ein gesamtes Universum gelten, sondern jedes System eine "Eigenzeit" - verschieden von einem relativ von ihm bewegten System hat, ist mittlerweile als Folge der Relativitätstheorie Einsteins fester Bestandteil naturwissenschaftlicher Erkenntnis.

Alterolytische Symptome

 

Traum von Streit und Zank.

D. INTERPRETATION EINZELNER SYMPTOME

Kann nur Flüssigkeiten schlucken; das harte Bett (Themen 18 und 20)

Flüssigkeit ist von anderer Art als abgeschlossene feste Körper. Baptisia weigert sich, andere Einheiten als die eigene anzuerkennen. Andere Einheiten ausserhalb seiner eigenen bedeuten, dass seine Einheit nicht alles umfasst. Ähnlich verhält es sich mit dem harten Bett, an dem er sich wundliegt, hier spürt er seine Einzelteile. Vielleicht ist die Prinzessin auf der Erbse auch eine Baptisia-Frau.

Schwellung und Ausdehnung (Thema 17)

Entweder ein psorisches Symptom, bei dem er fürchtet, die einzelnen Körperteile machten sich auf Kosten der Ganzheit grösser, oder er betont egotroph die Autonomie der einzelnen Körperteile.

Berührung durch eine Person (Thema 15)

Viele Symptome ereignen sich bei Baptisia in den Übergängen von Traum oder Delirium zum Wachzustand. Der Schlaf und das Erwachen sind Bewusstseinszustände, die ihn von aussen berühren wie eine Person. Baptisia fürchtet jede Erinnerung an diesen Abspaltungsprozess.

Das zweite Selbst (Thema 6)

Das Kinderbuch "Alice im Wunderland" des englischen Dozenten für Logik und Mathematik, Lewis Caroll, gibt - möglicherweise durch einige Erfahrung im Umgang mit Pilzdrogen - einen Einblick in ein aufgespaltenes Universum ohne streng rationalen Zusammenhalt. Stattdessen kommt die intuitive Seite stärker zu ihrem Recht. In einer Episode tauchen Schnapphase (die irrationale Seite im Menschen) und Hutmacher (die rationale Seite) die fast immer schlafende (!) Haselmaus (das menschliche Bewusstsein), in eine Kanne mit heissem Tee, um ihren ewigen Widerspruch in der Synthese des kurzfristig wachen menschlichen Geistes aufzulösen. In einer anderen Geschichte treten die Zwillinge Tweedledum und Tweedledee auf. Sie wohnen zwar in einem Haus, jeder der beiden behauptet aber, es wäre nur s e i n Haus. Tweedle sagt immer das logische Gegenteil seiner "anderen Hälfte". Wenn sie nicht Tee miteinander trinken, dann kämpfen sie miteinander, beide in der ewigen Furcht, die andere Seite könnte ihnen den Kopf abschlagen.

Schnee (Thema 5)

Schnee gilt im allgemeinen als ein Symbol der unberührten Reinheit.

Hier ist die Mühe angesprochen, die das Arbeiten im Schnee bereitet, ebenso die Furcht vor dem Ersticken im Schnee, wie es Lawinenopfern droht.

Im Symptom wird ausdrücklich auf das Leiden an der Hitzigkeit im Gegensatz zur frostigen Umgebung hingewiesen. Hier können zwei duale Momente nicht harmonisiert werden: Das vitale Prinzip der Wärme und des Stoffwechsels ist unvereinbar mit der kristallinen Starre des Schnees.

F. DD.:

Anac.: Die Schwierigkeit besteht in der Abgrenzung zu Anacardium. Bei Baptisia scheint die Aufteilung in Gut und in Böse nicht vorzuliegen. Bei Anacardium führt die Aufteilung der substantiellen Einheit von Geist und Körper zur Aufspaltung in einen guten Körper und einen bösen Geist, oder umgekehrt in einen bösen Körper und einen guten Geist. Immer wird eines von beiden verflucht. Darum ist die Angst vor dem Tode bei Anacardium auch extrem. Die Entscheidungsschwäche, die bei Anacardium vorliegt und Ausdruck des Unvermögens ist, Bestimmungen anzunehmen, ist bei Baptisia nur in den Symptomen der Gleichgültigkeit angedeutet.

G. THOMAS VON AQUIN

Geht man mit Thomas davon aus, dass es ein höchstes Wesen gibt, das im allgemeinen mit "Gott" bezeichnet wird, folgt man also Thomas´ Argumentation in der 2. Frage seiner Summa Theologica und dem darin versuchten Beweis des Daseins Gottes, kommt man als nächstes zur Frage nach dem Wesen dieses Gottes. Hier tritt nun ein Dilemma auf: Die Natur Gottes wird dem Frager immer unbekannt bleiben, "denn Gott hat nie jemand gesehen" (1 Jo 4,12). Gott und seine Eigenschaften sind kein wissbarer Gegenstand, d.h. es gibt keinen Weg, positiv zu wissen, was das Wesen Gottes sei. So bleibt Thomas nur der Weg, zu untersuchen, was Gott n i c h t sei. In den Fragen 3 bis 11 versucht er also, denjenigen Prädikaten nachzugehen, die man bestimmt von Gottes Wesen ausschließen kann.

In unserem Zusammenhang (Baptisia) sind zwei Ausschlüsse wichtig: derjenige der Zusammensetzung (Frage 3) und der Ausschluss der Vielheit (Frage 11) aus Gottes Wesen. Da Gott nicht zusammengesetzt sein kann, wird indirekt-logisch geschlossen, dass er im höchsten Grade einfach ist; und da Gott nicht vieles ist, dass er Einer in höchster Einfachheit ist. Einfachheit und Einheit Gottes bedingen sich dabei gegenseitig.

Das Eine (wie das Wahre und das Gute) zählt in der aristotelisch-thomistischen Tradition zu den ontologischen Eigentümlichkeiten des Seins. Es ist allem Seienden in allgemeinster Weise gemeinsam. Kein Seiendes kann es geben, das nicht eine seinsmäßige Einheit wäre.

Gott unterscheidet sich durch seine Einfachheit von der Welt. Dagegen trägt die Welt die Wesensmerkmale der Zusammengesetztheit. Da sie Schöpfung ist, kann sie nicht die e i n e Wirklichkeit sein, denn das Verursachte hat ein von seinem Wesen getrenntes Sein.

Der 7. Artikel der 3. Frage gibt eine Übersicht der thomistischen Theorie der Ganzheit: "Jedes Zusammengesetzte ist mehr als die bloße Summe seiner Teile, so dass, was vom Ganzen gilt, nicht ohne weiteres auch von den Teilen gilt. Wo wir ein Ganzes aus ungleichen Teilen haben, ist das klar; denn kein Teil des Menschen ist der Mensch, noch ist ein Teil des Fußes der Fuß. Wo wir aber ein Ganzes aus gleichen Teilen haben, mag es sein, dass manches vom Ganzen gilt, was auch vom einzelnen Teil gilt; so ist jedes Luftteilchen Luft und jedes Wasserteilchen Wasser. Aber auch hier gibt es gewisse Bestimmtheiten, die zwar vom Ganzen, nicht aber vom Teil gelten: wenn die ganze Wassermenge einen Liter ausmacht, so kann ich das nicht auch von einem Teil aussagen. So gibt es also in jedem Zusammengesetzten etwas, das nicht es selbst ist." Im Gegensatz zu Gott selber, so Thomas, ist in seiner Schöpfung (als Ganzes) die Zusammengesetztheit vollkommener als die Einfachheit, weil die Fülle des Seins in der Schöpfung durch ein Einfaches weniger verwirklicht wird als durch eine Vielheit. Dagegen ist das göttliche Sein vollkommen in einem einfachen Wesen verwirklicht.

Einheit bedeutet, so Artikel 1 der 11. Frage, das Nichtvorhandensein einer Teilung. Hier ist aber nicht die Ganzheit eines Körperdinges gemeint, sondern die Einheit, die aus einem Körper und einer Form ein geschlossenes Wesen macht, die aus ihnen eine Natur macht. Für Thomas gibt es ein ungeteiltes Sein im Menschen, eine Einheit, die sich nicht in Teile zerlegen lässt. Beim Menschen sind Leib und Seele essentiell verbunden und nicht voneinander ablösbare Teile eines Ganzen. Teilen lässt sich der Körper des Menschen, weil er einer unterteilbaren Größenordnung unterliegt. Es liegt im Wesen der Größe, d.h. ihrer räumlichen Ausgedehntheit, dass sie ihrer Möglichkeit nach unterteilbar ist. Für Thomas gilt somit: Das Wesen des Menschen lässt sich nicht zerstückeln. Entweder es ist eine metaphysische Einheit Mensch, oder es ist überhaupt nicht. Quantitative Einheit der Größe bedeutet jedoch nur Ganzsein innerhalb der Größenordnung.

Jedes bestehende Ding, jedes Seiende hat seine Einheit. In der Philosophie der Scholastik fallen das Seiende und das Eine sachlich zusammen. Daraus folgt, dass die Auflösung der Einheit den Tod des Seienden zur Folge hat. Physischen wie psychischen Schmerz kann man als Folge der gestörten Einheit deuten.

Gegenspieler der Einheit ist die Vielheit, hier im Sinne der formalen Vielfalt, des Reichtums an Ausprägungen unter dem Seienden. Eine einzige neue Art bedeutet in der Natur einen qualitativen Schritt, verglichen mit den bloß quantitativen Wiederholungen einer bekannten Art. Kennt man einen Vertreter einer uniformen Art, kennt man alle. Die Vielheit der Seinsfülle beginnt jedoch mit jeder neuen Form: Diese Vielheit setzt die Einheit voraus. Das Eine ist nämlich nach der scholastischen Definition das, "was ungeschieden ist in sich und geschieden von jedem anderen".

Im Verständnis der Scholastik liegt der Reichtum des Seins in seiner Differenzierung und in der Fülle seiner Formen, eine Auffassung, der man auch heute noch folgen kann.

Daraus erwächst eine für uns heute überraschende Konsequenz: Da, je höher man im Naturreich hinaufsteigt, der Differenzierungsgrad und damit das Ausmass der Individuierung zunimmt, finden wir beim höchsten Naturwesen, dem Menschen nicht zwei völlig gleiche. Und gibt es beim Menschen noch Individuen der selben Art, so gibt es bei den nächst höheren Geistwesen, den Engeln, nur noch verschiedene Arten. Bei Gott findet sich zuletzt allein die unendliche Fülle des Seins, er vereinigt das Sein selbst in sich und ist damir Herr der Einheit. Die überraschende Konsequenz lautet also, dass die Einfachheit und Einheit des Seins mit der Fülle wächst. Je komplexer das Wesen, desto höher die Einheit der gebundenen Mannigfaltigkeit: der Stein ist weniger einfach als die Pflanze, das Tier weniger einfach als der Mensch. Allein Gott hat die volle Ungeteiltheit des Seienden in seinem Sein. Gott ist ungeschieden in sich selbst, da er keine Teile haben kann; er ist geschieden von jedem anderen, denn er ist für die ganze Schöpfung der "ganz andere", und neben ihm ist keiner mehr, der sich von ihm unterscheiden könnte.

H. ZUR SUBSTANZ

Baptisia, der wilde Indigo, galt schon lange als Mittel gegen fieberhafte Durchfälle und septische Zustände. Neben der arzneilichen Anwendung ist Indigo ein Färbemittel für verschiedene Gewebe. Indigoblau ist die Farbe der einfachen Arbeitsuniformen.

 

 

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