Seifegruppe

                                                http://www.kappus-seife.de/de

 

Vergleich: Siehe: Fetten

 

Seifen sind, chemisch betrachtet, Natrium- oder Kalium-Salze von Fettsäuren.

Kurz und gut:

    Seifen = fettsaure Salze, hergestellt aus tierischen (Rindertalg/Schweineschmalz) oder pflanzlichen (Palm-/Kokos-/Olivenöl/- Palmkernöl) Fetten mit Hilfe von Laugen

            (Natron-/Kalilauge)

    Seifen werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt

    Seifen sind biologisch gut abbaubar

    Seifen sind toxikologisch unbedenklich

    Seifen belasten deshalb das Ökosystem nur gering

 

Chlorogalum pomeridianum = California soaproot/= Amole/= "wild potato." Aspargales.

Gallseife

Kernseife hergestellt mit Natriumsalzen

Quillaja saponaria = Soap bark tree 

Sapindus.

Saponaria ocymoides = Muurzeepkruid Caryophylalles.

Saponaria officinalis = Echtes Seifenkraut/= Soapwort

Saponinum.

Schmierseife hergestellt mit Kaliumsalzen

Silberseife = Kreide + grüner Seife

Speckstein [Mg3Si4O10(OH)2 = Talg/= Stearin/= Talcum/= grüne Seifenerde/= Seifenstein/= Bronzit. durch Verwitterung. geändert]

 

Allerlei: Soap scum [(= Schaum./= Krätze.) = white solid resulting from the addition of soap to hard water/contains calcium stearate and magnesium. stearate].

 

Basisrezept für 500g Seife:

    25% Kokosöl (125g)

    15% Sheabutter (75g)

    25% Rapsöl (125g)

    35% Olivenöl (175g)

    Natriumhydroxid (NaOH) zur Herstellung der Lauge (je nach Überfettungsgrad 65-70g, s. Seifenrechner)

    Wasser für das Anrühren der Lauge (ca. 1/3 der Seifen-Gesamtmenge, d.h. 166ml)

    Ätherisches Öl mit deinem Lieblingsduft (ca. 3% der Gesamtmenge)

    Evtl. etwas Seifenfarbe, Kräuter oder Blüten

Die Prozentzahl der einzelnen Fette orientiert sich hierbei an der Gesamtmenge, die du herstellen möchtest. Wenn du mehr als 500g Seife herstellen willst, musst du entsprechend umrechnen.

    Die benötigte Menge des NaOH für die Seifenlauge kannst du mithilfe eines Seifenrechners berechnen. Sie richtet sich nach dem Überfettungsgrad, den du in deiner

Seife haben möchtest. Üblicherweise liegt dieser bei ca. 10%, damit deine Haut weich und gepflegt bleibt und nicht austrocknet. Wenn du deine Zutaten in Prozent und

die Gesamtmenge in Gramm eingegeben hast, zeigt dir die Tabelle an, wie viel NaOH du für den jeweiligen Grad der Überfettung brauchst (gestaffelt von 0-15%).

    Die Wassermenge zum Anrühren der Seifenlauge richtet sich nach der Gesamtmenge der Seife, die du herstellen möchtest und beträgt hier etwa ein Drittel (also ca. 166ml bei 500g Seife usw.).

 

Seifengold. = aus dem Gestein ausgewaschenes Gold

„Seifenoper.

Seifeschaum.

 

ZEITonline

[Christoph Drösser]

Werden die Hände sauberer, wenn man sie mit warmem statt mit kaltem Wasser wäscht?

... fragt Kristina Holzner aus Stuttgart.

18. März 2016, Editiert am 19. März 2016, Nr. 11/2016, 3. März 2016 40 Kommentare

Wäscht man die Hände nur mit Wasser, dann ist warm tatsächlich besser als kalt. Insbesondere fettiger Schmutz löst sich in warmem Wasser besser, weil es mehr Energie enthält als kaltes und so schneller eine Fett-Wasser-Emulsion entsteht.

Richtig gelöst wird der Schmutz aber erst mit Seife, die eine Brücke zwischen den Fett- und den Wassermolekülen herstellt. Und wenn es nicht nur um Schmutz geht,

sondern um Krankheit erregende Bakterien, dann bringt reines Wasser überhaupt nichts, egal welche Temperatur es hat.

Das ergab ein Test der Universität Regensburg im Jahr 2010. Die Forscher schmierten ihren Probanden eine Bakterien-Suspension auf die Hände, dann ging’s ans Waschen - warm und kalt, mit und ohne Seife. Das Ergebnis: Ohne Seife nützte auch das heißeste Waschen nichts, die Bakterien blieben an der Haut haften. Als "Psychohygiene" bezeichnete der Studienleiter diese eher rituelle Art der Reinigung.

Benutzten die Testpersonen dagegen Seife, dann beseitigte auch kaltes Wasser 99,9% der Bazillen. Allerdings mussten sie dabei gründlich vorgehen: 30 Sekunden lang, so schrieb es das Studienprotokoll vor, musste die Waschung dauern. Wohl eher eine praxisferne Bedingung, wie schon oberflächliche Beobachtungen auf öffentlichen Toiletten zeigen.

 

Hygiene

Richtig Wäschewaschen

Die Spülgänge allein entfernen viele Bakterien. Wer sicher gehen will, sollte Keime am besten nur durch heißes Wasser vernichten. Das ist umweltschonender und wirksamer als Hygiene-Waschmittel.

Etwas mehr als 60° C reichen. Zusätzlich die Wäsche in den Trockner werfen oder in der Sonne aufhängen – das mögen Keime nicht. Einmal im Monat sollte die Waschmaschine einmal heiß durchlaufen. Eine Wäsche bei 90° C und die Verwendung von Desinfektionsmitteln ist nur nötig, wenn ein Haushaltsmitglied akut an einer übertragbaren Krankheit erkrankt ist.

Richtig desinfizieren

In Krankenhäusern ist es sinnvoll, Desinfektionsmittel zu verwenden. Auch gesundheitliche Sonderfälle können erfordern, dass im Haushalt regelmäßig desinfiziert werden muss. Sprechen Sie mit ihrem Arzt darüber. Er kann ihnen das richtige Desinfektionsmittel empfehlen.

Damit die Mittel überhaupt wirken, sollten sie nicht zu gering konzentriert sein. Ein Desinfektionsgel mit 40-prozentigem Alkoholgehalt wird kaum einen Effekt haben.

Richtig Händewaschen

Die Hände 30 Sekunden lang unter lauwarmem Wasser mit Seife waschen, macht sie sauber. Eine Richtlinie: Im Kopf zwei Mal Happy Birthday singen, dann sind die

Hände sauber.

Seifen enthalten Tenside. Sie lösen Fett von der Haut und damit auch die Bakterien. Der Hautflora setzt diese Prozedur nicht so zu wie die Behandlung mit Desinfektionsmitteln. Schlimmer ist dagegen die Kombination von Seifen und Desinfektionsmitteln.

Richtig kochen

Rohkost sollten stets von Lebensmitteln getrennt werden, die noch erhitzt werden müssen. Alles was bei über 70° zubereitet wird, ist danach so gut wie keimfrei.

Vor allem tierische rohe Produkte bergen ein höheres Infektionsrisiko. Deshalb sollte man beispielsweise nicht das gleiche Messer für rohes Fleisch und Salat benutzen.

Zum Putzen reicht ein herkömmliches Reinigungsmittel. Wichtig ist, Lappen und Trockentücher mindestens einmal pro Woche zu wechseln und bei mindestens 60° C

zu waschen. In ihnen sammeln sich die meisten Bakterien. Auch wichtig: Abtrocknen. Erreger pflanzen sich in Feuchtigkeit gut fort. Mehr Informationen zur Lebensmittelhygiene hat das BfR zusammengefasst.

 

[Lara Malberger]

Wascht euch nicht krank!

Hygienespray, Desinfektionsgel, antibakterielles Waschmittel: Damit fühlen wir uns sauber. Doch Desinfektionsmittel sind keine Hilfe, sondern eher ein Gesundheitsrisiko.

27. Juni 2017, 9:18 Uhr 226 Kommentare

Hygiene: Bakterien, dargestellt durch ein Rasterelektronenmikroskop – diese Mikroben kommen natürlich auf der Zunge vor.

Bakterien, dargestellt durch ein Rasterelektronenmikroskop – diese Mikroben kommen natürlich auf der Zunge vor. © Steve Gschmeissner/Science Photo Library/Getty Images

Es ist noch keine 200 Jahre her, da starb jede zehnte Schwangere bei der Geburt ihres Kindes. Kindbettfieber war eine häufige Diagnose. 1840 fanden Ärzte in einem österreichischen Krankenhaus heraus, dass die gefährliche Infektion vor allem dann ausbrach, wenn sie vor der Geburtshilfe noch mit Leichen hantiert hatten – und dann, ohne sich die Hände zu waschen, zu den Gebärenden wechselten. Versuche mit Chlorkalk brachten den Wechsel: Sie senkten das Sterblichkeitsrisiko der Schwangeren von 12% auf knapp 2%. Das Desinfektionsmittel war erfunden. Seitdem hat sich viel getan. Desinfektionsmittel kommen im Operationssaal zum Einsatz. Verletzungen werden damit behandelt, um gefährlichen Wundinfektionen vorzubeugen. Trinkwasser wird in Aufbereitungsanlagen desinfiziert, damit wir damit bedenkenlos kochen und duschen können. In diesen Bereichen ist Desinfektion sinnvoll.

Doch viele Menschen wollen auch ihr Zuhause möglichst keimfrei machen. Sie reinigen ihre Wäsche mit Hygienewaschmitteln, reiben sich die Hände mit Hygienegel ein und desinfizieren täglich Küchenablagen, Kinderspielzeuge, Nuckelflaschen, Türgriffe und Toiletten. Antibakterielle Mittel finden sich in Zahncremes, Deos und Kleidung. Keimfrei, das ist für viele Menschen heute ein Synonym für sauber und gesund. Im Krankenhaus mag das stimmen, doch im Alltag ist das falsch. Denn statt dem Immunsystem zu nützen, kann die übertriebene Hygiene krank machen.

Manche antibakterielle Stoffe wirken nicht einmal gegen Bakterien

"In privaten Haushalten sind Desinfektionsmittel weitgehend überflüssig", sagt Ralf Dieckmann vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). "Wägt man Nutzen und Risiko von Desinfektionsmitteln gegeneinander ab, überwiegen ganz klar die Risiken", sagt der Chemiker. Das BfR, das Robert Koch-Institut und das Umweltbundesamt raten schon lange davon ab, Desinfektionsmittel zu benutzen. Aus vielen Gründen.

Ein Problem ist etwa, wie die antibakteriellen Stoffe in unserem Körper wirken: Der Inhaltsstoff Triclosan, der in Zahnpasta, Reinigungstüchern und Deos enthalten sein kann, steht im Verdacht, den Hormonhaushalt zu stören und die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Außerdem könnte Triclosan Muskeln schädigen, Allergien auslösen und die Gehirnentwicklung beeinflussen. Das schlussfolgern Forscher aus Tierversuchen (Toxicological Sciences: Zorilla et al., 2009). Die Wirksamkeit gegen Bakterien ist dagegen sogar zweifelhaft. In den USA wurde der Stoff bereits verboten. In Deutschland ist er nur in Produkten, die lange auf dem Körper bleiben, nicht mehr erlaubt: Lotionen etwa.

Auch andere Inhaltsstoffe bergen Risiken: Diethylphthalat, das in antibakteriellen Reinigungstüchern vorkommt, kann die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Die 2012 verabschiedete Biozidverordnung regelt inzwischen immerhin sehr streng, welche Stoffe, die schädliche Organismen abtöten, von der EU anerkannt und genehmigt werden.

Kein Mittel tötet alle Viren und Bakterien

Für Produkte, die bereits lange auf dem Markt sind, gibt es allerdings noch Ausnahmeregelungen. Das heißt, sie dürfen in gewissen Fällen trotzdem weiterverkauft werden. Der Grund dafür liegt in der Biozidrichtlinie, die vor 2012 galt. Sie regelte die Zulassungen der Mittel noch nicht so streng. Bis 2024 sollen aber auch die alten Stoffe reguliert werden. Auf der Internetseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gibt es eine Datenbank, in der man alle zugelassenen Produkte nachschlagen kann.

Ob neue oder alte Substanzen: Kein Mittel hilft gegen alle relevanten Viren und Bakterien. Ist zum Beispiel Alkohol enthalten, tötet der zwar viele Bakterien ab. Er richtet

aber nichts aus gegen unbehüllte Viren, zu denen der für Magen-Darm-Infektionen verantwortliche Norovirus gehört. Bestimmte desinfizierend wirkende Ammoniumverbindungen können die Zellmembranen verschiedener Mikroben angreifen, wirken aber nicht gegen Mykobakterien, zu denen Tuberkuloseerreger zählen.

Desinfektion schützt nicht besser als Seife

Wer im Haushalt viel mit antibakteriellen Mitteln reinigt, ist nicht besser vor Infektionen geschützt als jemand, der ganz normale Seifen und Waschmittel benutzt. Das zeigte eine Studie aus dem Jahr 2004. Forscher untersuchten 238 Haushalte: Eine Gruppe verwendete Reinigungsmittel mit antibakteriellen Wirkstoffen, eine andere nutzte normale Mittel. Das Ergebnis: Die Personen, die Desinfektionsmittel verwendeten, wurden nicht seltener krank als die, die es nicht taten (Annals of Internal Medicine: Larson et al., 2004).

Im Gegensatz zu Seifen töten Desinfektionsmittel zudem auch Keime ab, die eigentlich gut sind. Milliarden kleiner Mikroben bevölkern die Haut und das ist weder eklig noch gefährlich, sondern gesund. Sie helfen zum Beispiel dabei, das leicht saure Milieu der Haut aufrechtzuerhalten – ein wichtiger Schutz gegen Infektionen. Dort, wo die ungefährlichen Bakterien leben, ist außerdem kein Platz für Krankheitserreger. "Einige Bakterien produzieren auch antibiotische Substanzen, die wiederum Krankheitserreger abtöten", sagt Dieckmann. Etwa das Bakterium Staphylococcus lugdunensis, das in der Nase lebt und den Stoff Lugdunin herstellt. Der tötet Laborbefunden zufolge Stämme, die gegen andere Antibiotika resistent sind (Nature: Peschel et al, 2016). Mikroben spielen außerdem eine wichtige Rolle bei der Ausbildung des Immunsystems – Keime sind deshalb gerade für Kinder wichtig (Science: von Mutius et al, 2015). Um eine völlig keimfreie Umgebung sollten wir uns also nicht bemühen.

Die Spülgänge allein entfernen viele Bakterien. Wer sicher gehen will, sollte Keime am besten nur durch heißes Wasser vernichten. Das ist umweltschonender und wirksamer als Hygiene-Waschmittel.

Etwas mehr als 60° C reichen. Zusätzlich die Wäsche in den Trockner werfen oder in der Sonne aufhängen – das mögen Keime nicht. Einmal im Monat sollte die Waschmaschine einmal heiß durchlaufen. Eine Wäsche bei 90° und die Verwendung von Desinfektionsmitteln ist nur nötig, wenn ein Haushaltsmitglied akut an einer übertragbaren Krankheit erkrankt ist.

Auch auf lange Sicht haben die Desinfektionsmittel Konsequenzen, etwa wenn sie Resistenzen verursachen. Landen antibakterielle Mittel im Abwasser, werden sie stark verdünnt. In dieser Konzentration können sie den Keimen nichts mehr anhaben. Die Bakterien aber bilden Abwehrmechanismen gegen die Mittel. Dann vermehren sie sich

und geben ihre Resistenz weiter. Teilweise entstehen auch Kreuzresistenzen zu Antibiotika, die das Bakterium auf die gleiche Weise angreifen wie das Desinfektionsmittel. Durch große Anwendung antibakterieller Stoffe erschaffen wir also gefährlichere, schwer zu besiegende Keime – statt uns zu schützen (Microbiology: Mc Cay et al, 2010).

Sobald die Mittel im Abfluss landen, behindern sie zudem Klärwerke, die Bakterien als Reinigungshelfer nutzen. Forscher konnten Rückstände von Triclosan und Chlorofen

in Gewässern, Klärschlamm und Fischen nachweisen (Umweltbundesamt: Rüdel et al, 2004 und Universität Stuttgart: Kuch et al., 2003).

Sauberkeit an sich ist nichts Schlechtes. Gerade in der Küche kann fehlende Hygiene Folgen haben: Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 100.000 Erkrankungen gemeldet, die durch Mikroorganismen, insbesondere Bakterien, Viren oder Parasiten, in Lebensmitteln verursacht werden. Nur sind Desinfektionsmittel nicht das richtige Mittel, um das zu ändern. Im Alltag reichen normale Seifen, Putz- und Waschmittel völlig aus.

 

[Shia Su]

Minimalismus ohne Schmu

Schuld an meiner Begeisterung für Olivenölseife ist der persische Gemüsehändler ein paar Straßen weiter. Nachdem er mir Oliven in mein mitgebrachtes Marmeladenglas abgefüllt hatte, hielt er mir begeistert ein Stück unverpackte Seife unter die Nase. "Die kannst du für alles nehmen – Hände, Haare, Körper oder auch, wenn du mal Wäsche mit der Hand waschen musst", erklärte er mir strahlend. "Und schau, keine Verpackung!"

Warum eigentlich nicht, dachte ich mir. Auch der Geruch der Olivenölseife gefiel mir, angenehm sauber, aber gar nicht parfümiert und aufdringlich, wie ich Seife oft empfand. Ich beschloss, diesem etwas altmodisch anmutenden Produkt eine Chance zu geben – und alt ist in diesem Fall wirklich nicht übertrieben. Olivenölseife wird als die älteste Seife der Welt beworben und kommt mit einer sehr kurzen und erstaunlich verständlichen Liste an Inhaltsstoffen aus: verseiftes Oliven- und oft Lorbeeröl. Keine Stabilisatoren, keine Duft- oder andere Zusatzstoffe. Damit ist sie nicht nur eine Natur- und Kernseife, sondern auch vegan und palmölfrei.

Besonders berühmt ist die Olivenölseife aus Aleppo. Seit Jahrhunderten wird die sogenannte Alepposeife von den gleichen syrischen Familien hergestellt – auch heute noch sichert diese Seife den Familien ihre Existenz, nur eben mittlerweile in anderen Teilen Syriens oder im Exil.

Shia Su wurde bekannt durch ihren Blog Wasteland Rebel, auf dem sie Tipps zu einem nachhaltigen Lebensstil gibt. 2016 erschien ihr Buch Zero Waste: Weniger Müll ist das neue Grün.

Woher die Olivenölseife auch kommt – die Rezeptur ist fast immer gleich. Eine Ausnahme bildet die französische Version, die Savon de Marseille Olive, denn die enthält leider oft zusätzlich Palmöl. Diese Seife meide ich, denn Palmöl geht meist mit Umweltproblemen einher. Ansonsten variiert nur der Anteil an Lorbeeröl. Je höher er ist, desto rückfettender die Seife. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Lorbeeröl aus den Blättern und Samen der Pflanze als hautreizend und allergieauslösend gilt. Bei Olivenölseife handelt es sich jedoch um Lorbeeröl aus dem Fruchtfleisch. Wer empfindliche Haut hat, greift aber sicherheitshalber zu einer Olivenölseife mit wenig oder gar keinem Lorbeeröl. Ich nehme für die kosmetische Anwendung tendenziell einen niedrigen Lorbeerölanteil und für den Haushalt die reine Olivenölseife.

Und: So begeistert ich selbst von Olivenölseife bin – sie ist nicht unbedingt für jeden etwas. "Nicht alles, was natürlich ist, ist immer und für jeden gut", sagt die Dermatologin Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin für Umweltmedizin am Universitätsklinikum Augsburg. Naturseife sei grundsätzlich ein gutes Produkt, das für viele, aber eben nicht für alle empfehlenswert sei. "Auch natürliche Inhaltsstoffe, insbesondere Duftstoffe, können Allergien verursachen", betont Traidl-Hoffmann. Allergiker sollten daher besser hypoallergene Kosmetik benutzen.

1. Hände waschen

Dass ein Stück feste Seife die Hände genauso sauber bekommt wie Flüssigseife, dürfte wohl niemanden überraschen. Das Problem: die matschige Unterseite. Ich hatte mich nach Jahren des Gebrauchs schon damit abgefunden, bis ich vor einigen Monaten auf den Tipp einer Zero-Wasterin aus Japan stieß. Nun liegt unser Seifenstück auf dem Rand des Waschbeckens oder besser gesagt schwebt sie dank eines reingedrückten Kronkorkens einen halben Zentimeter darüber und bleibt so schön trocken.

2. Duschgel

Auch hier hat der Gemüsehändler mir nicht zu viel versprochen. Meine sehr empfindliche Haut kam prima mit der Naturseife klar. Sie war schon nach wenigen Malen weniger gereizt als sonst nach dem Duschen. Ob sich die eigene Haut durch Olivenölseife beruhigt, hängt aber natürlich auch davon ab, was für ein Produkt man zuvor unter der Dusche benutzt hat. Grundsätzlich sei es ratsam, sich nicht jeden Tag am ganzen Körper einzuseifen, betont die Hautärztin Claudia Traidl-Hoffmann, und generell besser, nur alle zwei bis drei Tage zu duschen – und sich anschließend immer einzucremen.

3. Shampoo

Da ich eh schon meinen Körper mit der Olivenölseife säuberte, probierte ich auch einfach mal die nächste Verwendungsmöglichkeit aus: Ich rieb das nasse Seifenstück vorsichtig über meine Haare und massierte mir wie gewohnt Kopfhaut und Haar. Es schäumte nicht so intensiv wie bei Shampoo. Aber Schaumbildung ist kein Indiz für die Reinigungswirkung – und sogar oft unerwünscht, wie meine WG zu Unizeiten feststellte, nachdem einer meiner Mitbewohner Handspülmittel in unsere Spülmaschine getan hatte und unsere gesamte Küche einen Meter unter Schaum stand.

Meine gründlich eingeseiften Haare spülte ich mit Wasser aus und fand, dass sie sich etwas anders als sonst anfühlten. Irgendwie griffiger und schwerer – aber gar nicht so schlecht. Wie ich heute weiß, lag das am Kalk im Wasser. Kalkseife nennt sich dieser leichte Belag auf meinen Haaren.

Mich störte das nicht. Bis ich in eine Gegend mit sehr hartem Wasser zog. Das war mir dann doch zu viel Kalkseife auf den Haaren. Zum Glück gibt es aber ein altes Hausmittel dagegen – die saure Rinse. Ich kenne sie vor allem von meinem Frisör, der mir – als ich noch knallbunte Haare hatte – nach dem Haarefärben immer verdünnten Branntweinessig großzügig übergoss. "Der Essig verschließt die Schuppenschicht und versiegelt die Farbe", erklärte er mir jedes Mal geduldig aufs Neue, "und schön weich werden die Haare davon auch, kannste gleich mal reinfassen".

Ich nehme aber lieber Apfelessig, und zwar ein bis zwei Esslöffel auf eine Tasse Wasser. Ich lasse die Mischung nach dem Haarewaschen kurz einwirken und spüle sie mit Wasser aus. Der Geruch von Apfelessig ist deutlich dezenter und verfliegt, sobald die Haare trocken sind.

Auch meine Kopfhaut beruhigte sich nach kurzer Zeit und schuppte weniger. Ich war glücklich – auch darüber, dass das Flaschenchaos im Bad sich lichtete.

4. Gesicht waschen

Nachdem ich langsam in Frage stellte, warum eigentlich jedes Körperteil sein eigenes Produkt benötigte, beschloss ich, die Olivenölseife ebenfalls im Gesicht anzuwenden – und sie enttäuschte mich auch diesmal nicht.

Für mich funktioniert die Reinigung des Gesichts so bis heute wunderbar – allerdings ist Seife nicht für jeden sanft genug, sie kann zu stark entfettend wirken. "Die Haut

im Gesicht ist sehr dünn und kann auch durch Naturseife ausgetrocknet werden", sagt Claudia Traidl-Hoffmann vom Universitätsklinikum Augsburg. Sie empfiehlt die Reinigung mit Wasser und, wenn nötig, Reinigungstüchern.

Wichtig ist – bei Olivenölseife wie bei allen Gesichtsreinigungsprodukten: nicht mehrmals täglich verwenden und die Augenpartie aussparen. Die Seife soll schließlich auf

der Haut und nicht im Auge landen.

5. (Dusch-)Peeling

Peelingprodukte, die oft Mikroplastik enthalten, werden mit der Kombination von Luffaschwamm und Olivenölseife ebenfalls überflüssig. Luffaschwamm nass machen,

Seife drauf und in kreisenden Bewegungen über die Haut gleiten. Was für eine Wohltat!

Als Naturprodukt ist so ein Luffaschwamm komplett kompostierbar, denn dabei handelt es sich um die getrockneten Fasern des Schwammkürbisses, der allerdings nur

im tropischen Klima wächst. Zu kaufen gibt es Luffaschwämme in Drogerien, Bio- und Unverpackt-Läden.

Meine persönliche Lieblingskombination zum Abschrubben toter Hautzellen ist aber die Kombination mit Kaffeesatz. Dazu streiche ich etwas Kaffeesatz in kreisenden Bewegungen über meine eingeseifte Haut. Danach fühlt sie sich an, als käme sie frisch vom Wellness-Urlaub. Nur die Dusche sieht hinterher etwas abgekämpft aus.

6. Rasierseife

Rasierschaum aus der Dose gibt es bei mir zu Hause nicht mehr. Stattdessen schäume ich mit einem Rasierpinsel Olivenölseife in einem kleinen Schälchen auf. Rasiert

wird mit einem sogenannten Rasierhobel, der weniger brutal ist, als es klingt. Es handelt sich um einen Rasierer wie zu Opas Zeiten, in den man Wechselklingen einlegt.

Dass es eine ganze Bewegung rund um die traditionelle Nassrasur gibt, in der Olivenölseife ebenfalls beliebt ist, erfuhr ich eher zufällig. Nämlich als ich mich eines Nachts

in der Kneipe mit meinem Thekennachbarn angeregt über vegane Rasierpinsel, Rasierklingenpflege und die beste Rasierseife unterhielt. Was dicke Barthaare gründlich und schonend entfernt, liefert nämlich auch am Bein überzeugende Ergebnisse.

7. Spülmittel

Inzwischen hat sich bei mir zu Hause die Olivenölseife auch als Spülmittel etabliert. Denn konventionelles Spülmittel enthält mitunter schwer abbaubare Konservierungs- und Duftstoffe. Wer sie vermeiden will, kann auf Siegel wie die Euroblume oder den Blauen Engel achten – oder wie ich zur Seife greifen.

Mit einem nassen Baumwolllappen oder einer kompostierbaren Spülbürste streiche ich über die Olivenölseife und seife dann das Geschirr ein, ohne die Spüle volllaufen zu lassen. Im Anschluss spüle ich die Teller und Tassen so wassersparsam wie möglich ab.

 

Die Fettlösekraft ist spürbar schwächer, was zwar meine Hände freut, sich aber leider bei besonders fettigem Kochgeschirr wie Pfannen bemerkbar macht. Für diese besonders hartnäckigen Fälle steht deshalb unter der Spüle eine kleine Portion abgezapftes Spülmittel aus dem Unverpackt-Laden, das aber höchstens zweimal im Monat zum Einsatz kommt. Für den Rest reicht die haut- und umweltfreundlichere Olivenölseife. Man muss ja nicht immer gleich mit Kanonen auf Krümel schießen.

8. Flecken vorbehandeln

 

Flecken sollten idealerweise direkt und spätestens vor dem Waschgang behandelt werden. Dazu hatte ich früher eine Sprühflasche mit veganer Gallseife. Als die Gallseife mal leer war, griff ich einfach zur Olivenölseife und rieb den Fleck damit ein. Funktionierte genauso gut. Die vegane Gallseife wurde nicht mehr nachgekauft.

9. Handwaschmittel

Manche Kleidungsstücke wie BHs oder Strickjacken dürfen oder sollen gar nicht in die Maschine, sondern werden besser vorsichtig von Hand gewaschen. Dazu lege ich das empfindliche Teil in eine Schüssel mit kaltem oder lauwarmem Wasser, halte die Seife rein und rubble sie zwischen den Händen, bis das Wasser sich von der Seife milchig verfärbt. Bei stärker verschmutzter Handwäsche –meinem Rucksack beispielsweise– kommt noch ein Teelöffel Waschsoda dazu.

10. Maschinenwaschmittel

Olivenölseife funktioniert aber nicht nur bei der Hand-, sondern auch bei der Maschinenwäsche. Sie bekommt aber noch etwas Unterstützung von den Hausmitteln Natron und Waschsoda: 160 Gramm geraspelte Olivenölseife plus 240 Gramm Natron und 240 Gramm Waschsoda ergeben ein umweltfreundliches Waschmittel. Davon müssen bei normal verschmutzter Wäsche nur ein bis zwei Esslöffel ins Waschmittelfach, ein Schuss Essig ersetzt den Weichspüler. Bei Weißwäsche kommt hin und wieder noch ein Esslöffel Öko-Bleichmittel aus dem Unverpackt-Laden dazu, gegen den Grauschleier.

11. Fenster putzen

Statt Glasreiniger zu nehmen mache ich heute einen Baumwolllappen nass, reibe ihn an der Olivenölseife und wische damit die Fenster, die ich im Anschluss gut abziehe. Wenn ich besonders gut drauf bin, poliere ich die Scheiben noch mit einem Geschirrtuch nach. Aber da muss die Sonne schon besonders schön scheinen.

12. Blattläuse bekämpfen

Wir sind leider nicht die einzigen, die Kräuter auf der Fensterbank lecker finden. Früher habe ich Blattläuse mit Wasser und Schmierseife bekämpft, was übrigens bei allen Pflanzenarten funktioniert. Statt Schmierseife, die in Plastikflaschen verkauft wird, kommt jetzt Olivenölseife zum Einsatz. Erst gestern habe ich dafür wieder 10 Gramm Seifenflocken in einem halben Liter heißem Wasser aufgelöst und nach dem Abkühlen die befallenen Pflänzchen unter der Dusche großzügig mit dieser Seifenlauge eingesprüht.

So vielseitig ist Olivenölseife! Das Chaos an Flaschen, Tiegeln und Pülverchen ist verschwunden und ich habe nicht nur mehr Platz im Spülunterschrank und im Bad, sondern auch Klarheit im Kopf und im Leben gewonnen.

 

 

Vorwort/Suchen                                Zeichen/Abkürzungen                                    Impressum