Ärger - Verdruss - Kränkung

[Massimo Mangialavori]

Kränkung ist ein mehr oder weniger alltägliches Thema in der homöopathischen Praxis. Das Profil der Personen, für welche Kränkung ein Thema ist, kann  sehr verschieden sein. Wir möchten in diesem Seminar an der Differentialdiagnose der verschiedenen Mittel arbeiten, welche dabei in Frage kommen. Dabei soll ein besonderes Augenmerk auf einige weniger bekannte Mittel geworfen werden.

„Mortification“ (Kränkung, Demütigung) kommt vom lateinischen „mortum facere“ (den Tod bringen). Wir sehen daraus, dass sich hier ein weitaus schwierigeres Konzept verbirgt als einfach nur Ärger oder Zorn. Es hat viel mit dem großen Gebiet von Selbstwert zu tun. Bei jemandem mit einem großen Ego ist Kränkung ein riesiges Thema; bei jemandem mit geringem Selbstwertgefühl verstärkt es einfach die schlechte Selbsteinschätzung.

Kränkung kann sich ausdrücken als ein Gefühl von Scham, Beschämung oder verletzter Ehre. Eine andere Bedeutung ist verlorenes Prestige oder verlorener

Selbstrespekt.

„Vexation“ (Verdruss./ Ärger) kommt vom lateinischen „vexare“: heftig stören, alarmieren, missbrauchen.

Wir verstehen unter Verdruss (vexation):

• Zorn, der von einer belästigenden Störung ausgelöst wird

• Starke Emotion; ein Gefühl, das sich gegen einen realen oder vorgestellten Missstand richtet

• Eine Quelle von Störung und Verdruss

• Eine Störung durch Behinderung oder Kritik

• Das Gefühl von Qual durch intensive Verärgerung: „Sein Verdruss war so groß, dass er den Quälgeist zerstören wollte“.

Daraus resultieren folgende Situationen: ein figürliches Bild von Folter, von heftig durchgeschüttelt werden; Umstände von Ungerechtigkeit, Unterdrückung

und Mobbing; Folgen von missbraucht werden oder auf das Heftigste belästigt werden.

Mit dem Thema der Kränkung müssen wir ebenso das große Feld des narzisstischen Gleichgewichts in Betracht ziehen. Ohne ein gutes narzisstisches Gleichgewicht kann man nicht auftreten, nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Hier ist dieses Gleichgewicht als Begriff besser geeignet als

der des Selbstvertrauens.

 

Acon.:

Bry.:

Coloc.:

Lyc.:

Nux-v.:

Ip.:

DD.: Liliaceae.:

Seneg.:

DD.: Ant-t. :

Magn-p-a.:

DD.: Ferr-ma.:

Paris.:

Chel.:

Ign.:

Bromsalze.:

Chlorsalze (Muriaticums.:)

Cham.:

Scrophulariaceae.:

 

 

[Dr. Sayeed Ahmad]

Arn. Cham. Gels.

 

Staph.: Würdeverletzung und Folgen

Arg-n.: Zeitmanagment-Probleme weil Termine Bedrohlich erscheinen und verringerte Abwehr gegen derartige bedrohliche Gedankenketten

Rhus-t.: Schwäche führt zu adäquat zunehmender rastloser Aktivität und Kontrollzwang

Chin.: Schwäche mit Nervöser Reizbarkeit, "Nerven liegen Blank"

 

„Mortification“ (= Kränkung/Demütigung) kommt vom lateinischen „mortum facere“ (= den Tod bringen). Es verbirgt sich ein weitaus schwierigeres Konzept verbirgt als einfach nur Ärger oder Zorn.

Hat viel mit dem großen Gebiet von Selbstwert zu tun. Bei jemandem mit einem großen Ego ist Kränkung ein riesiges Thema; bei jemandem mit geringem Selbstwertgefühl verstärkt es einfach die schlechte Selbsteinschätzung.

Kränkung kann sich ausdrücken als ein Gefühl von Scham, Beschämung oder verletzter Ehre. Eine andere Bedeutung ist verlorenes Prestige oder verlorener Selbstrespekt.

„Vexation“ (Verdruss / Ärger) kommt vom lateinischen „vexare“: heftig stören, alarmieren, missbrauchen.

Wir verstehen unter Verdruss (= vexation):

• Zorn, der von einer belästigenden Störung ausgelöst wird

• Starke Emotion; ein Gefühl, das sich gegen einen realen oder vorgestellten Missstand richtet

• Eine Quelle von Störung und Verdruss

• Eine Störung durch Behinderung oder Kritik

• Das Gefühl von Qual durch intensive Verärgerung: „Sein Verdruss war so groß, dass er den Quälgeist zerstören wollte“.

Daraus resultieren folgende Situationen: ein figürliches Bild von Folter, von heftig durchgeschüttelt werden; Umstände von Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Mobbing; Folgen von missbraucht o. auf das Heftigste belästigt werden.

Mit dem Thema der Kränkung müssen wir ebenso das große Feld des narzisstischen Gleichgewichts in Betracht ziehen. Ohne ein gutes narzisstisches Gleichgewicht kann man nicht auftreten, nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit

stehen. Hier ist dieses Gleichgewicht als Begriff besser geeignet als der des Selbstvertrauens.

 

Ip.:

Fall: Erstanamnese

Dies ist ein schwieriger Fall eines 16-jährigen jungen Mannes, in dem weder die Familie noch der Patient selbst mitarbeiteten. Eltern sind geschieden, er steht zwischen den beiden. Er ist völlig gegen eine homöopathische

Behandlung,

da er sich vorstellt, es sei eine Art „Drogistenhomöopathie“, bei der verschiedene Tiefpotenzen im Wechsel und als Mischung gegeben würden.

Die Konsultation kommt nach längeren telefonischen Verhandlungen zustande. Die Mutter hatte um eine sehr dringende Konsultation gebeten, zeigte sich dann aber überhaupt nicht flexibel. Die vorgeschlagenen Termine passten ihr nicht. Mit der Zeit merkte ich, dass diese Schwierigkeit v.a. wegen des Widerstandes des Mannes bestand. Ich informierte die Frau, dass ich die Behandlung nur mit dem Einverständnis ihres

Mannes machen könne, da der Patient noch nicht volljährig sei. Nach längerem, spannungsgeladenem Schweigen sagte die Mutter, dass sie dazu noch einige Tage brauche. Sie sei aber sicher, dass sie ihn überzeugen könne.

Umberto ist ein netter Junge mit einem ansprechenden Gesicht und einem athletischen Körperbau. Er sagt mir sofort, dass ihm für die Konsultation Alpin-Skier versprochen worden seien und dass er Freestyle-Abfahrer sei. Dies ist eine sehr riskante Sportart. Trotzdem ist er sehr ärgerlich, dass er mit mir sprechen muss.

Er beginnt: „Ich habe seit meiner Kindheit Magenprobleme. Vor ein paar Jahren hat man mir entzündungshemmende Mittel wegen eines Problems mit meinem Gelenkknorpel gegeben und ich bekam ein Magengeschwür. Ich bin zwar behandelt worden, aber am Ende hatte ich Magenschmerzen. Manche Dinge gehen einfach nicht weg!“

Kannst Du mir noch mehr über Dein Magengeschwür erzählen?

„Ich erinnere mich nicht an viel … nur fürchterliche Schmerzen und dass ich mich immer übergeben musste und dann dieses Gastroskop … Ich glaube, das war mit das Schlimmste, was ich je erlebt habe.“

Weshalb war es so schlimm?

„Weil wenn da irgendetwas in meinem Magen ist, muss ich es sofort loswerden. Aber dieses Ding in meinem Magen bewegte sich einfach immer weiter nach unten, anstatt nach oben zu kommen …“

Wie verhält es sich mit dem Essen?

„Essen geht natürlich nach unten … aber wenn sie einen Schlauch hineinschieben, ist der NATÜRLICHE Reflex, ihn auszuspucken … oder nicht?“

Für solche Patienten sind invasive Untersuchungen extrem bedrohlich (vgl. die vielen Symptome von Staphisagria als Folge von Operationen). Es ist nicht nur die mechanische Untersuchung, es kann aber auch der Arzt sein, der versucht, in seine Welt einzudringen und sie zu verstehen. Dies kann genauso als „verletzend“ und bedrohlich erlebt werden.

Seine Mutter erklärt:

„Er war 10 Jahre alt, als er das erste Mal eine Untersuchung im Krankenhaus hatte, weil sie sicher waren, dass er eine Allergie hatte, aber dann stellte sich bei den Tests heraus, dass er einen Helicobacter hatte.“

Was können Sie mir über Umbertos Magenprobleme berichten?

„Ich weiß nur, dass er, solange ich denken kann, Magenschmerzen hatte, und er erbricht häufig, das tat er schon, als er noch sehr jung war.

Wir dachten, er hätte Keuchhusten, als er 4 Monate alt war, und seitdem hat das Erbrechen nicht aufgehört. Es ist seit dem immer schlimmer geworden.“

Er hatte Keuchhusten?

„Der Husten war damals sehr stark, und wenn er einen Hustenanfall hatte, hatten wir Angst, er könne ersticken … armes Kind, die Kapillaren seiner kleinen Augen platzten und manchmal hat er Blut gespuckt. Er hat immer

so reagiert, aber das Unglaubliche war, dass es ihm nach dem Erbrechen gut ging. Selbst nachdem er erbrochen hatte, wollte er noch eine Milchflasche.“

Es ist typisch für diesen Patienten, aber auch allgemein typisch für dieses Mittel: Erbrechen war sehr wichtig für ihn, danach fühlte er sich deutlich besser, sogar energetischer, stimulierter!

Wie ging es weiter?

„Seit dem Keuchhusten hat er immer sehr leicht erbrochen … er konnte das Essen überhaupt nicht bei sich behalten und mein Mann und ich sind fast nie ausgegangen, weil er so leicht erbrach …

Dann hatte er immer Luft von seinem Magen her, und wenn er Probleme hatte, spürte er das immer zuerst im Magen.“ (Immer wenn die Eltern ausgehen wollten, begann er zu erbrechen).

Was halten Sie davon?

„Ich glaube, dass das Erbrechen ein Ventil ist … für jeden Unmut …

Umberto berichtet:

„Der Magen ist viel besser geworden.“

Man findet bei Ipecacuanha kaum wirklich mangelernährte Kinder, obwohl sie dauernd erbrechen.

Beziehung zu Nahrung?

„Auch die beste Nahrung macht mich nach einiger Zeit krank. Ich denke immer, das Essen von gestern sei besser gewesen, oder das von morgen werde besser sein. Brennen ist nicht mehr aufgetreten. Ich kann mich nicht

erinnern, früher einmal kein Gefühl von Brennen gehabt zu haben. Der Husten ist gut, ich spüre teilweise noch eine Enge in der Brust, aber nicht mehr schlimm.“

Einige Monate später wurde er 18 und volljährig. Er beschloss, im Sommer als Kellner zu arbeiten. Danach eröffnete er den Eltern, er ziehe aus, egal, was sie davon dächten. Um zu überleben, verzichtete er auf sein Studium.

Zwei Jahre später, als er genug Geld verdient hatte, ging er auf eine Journalistenschule und studierte später mittelalterliche Geschichte.

Der Fall läuft seit 6 Jahren. Er hat hier und da noch etwas Husten, der immer sofort auf Ipecacuanha reagiert.

 

Ip.:

Themen:

• Selbstzerstörerisches Verhalten

• Ablehnung

• Widerstand

• Verdruss

• Und die Rubriken: häufige Déjà-vu/erstickende Husten/Gedächtnis schwach/Erbrechen hustend/Eifersucht zwischen Kindern

Wenn man Ip. nur bei Husten verordnet, ist es so einseitig wie Bell. nur bei Fieber. Es ist ein stark unterverordnetes Mittel. Es ist wichtig in der Pädiatrie, in der es früh erkannt werden kann.

Die Übersetzung von Ip. ist „Mittel, das krank macht“. Es löst sofort Erbrechen aus. Es wurde lange zur forcierten Magenentleerung gebraucht. Auffällig: > Erbrechen.

Sie müssen alles von sich geben. Das System ist in einem Zustand von Zurückweisung von allem, was innen ist. Im dekompensierten Zustand ist es ein Spasmus und die Unfähigkeit, etwas drinnen zu behalten.

Wie bei Cham. finden sich viele Symptome von Ip. im Zusammenhang mit physiologischen Funktionen wie Stuhlgang, Menses etc. All diese Ausscheidungen sind kritisch. Es ist für Ip. schwierig, mit den Körperfunktionen umzugehen.

Man findet im Repertorium ausgesprochen viele Symptome unter „Angst“. Sie sind ängstlich bei basalen Bedürfnissen, welche normal und physiologisch sind. In diesen Fällen sieht man, dass die Ip.-Patient leidet und den Eindruck

haben, es sei niemand da, der für sie sorge. Sie fühlen sich nicht unterstützt, fühlen keine Empathie. Es besteht viel Ärger, der nicht ausgedrückt wird. Es ist das Bild von jemandem, der dauernd Botschaften mit der Flaschenpost verschickt, die nirgendwo ankommen. Es ist ein wirkliches Erbrechen im Schwall und trotzdem bemerkt es niemand. Sie können ihr Bestes geben, aber niemand reagiert auf diese Signale.

Ip. oft sehr einsame Menschen. Sie sind oft Opfer ihres intensiven Gefühls von Ehrgeiz und Konkurrenz. Trotz ihrer Anstrengung erhalten sie nicht, was sie zu verdienen glauben.

Im Repertorium findet man nicht so viele Ärgerrubriken bei Ipecacuanha wie z.B. bei Chamomilla, es findet sich viel mehr Ängstlichkeit.

Man findet in Repertorium auch Symptome von Ungeschicklichkeit.

Oft beginnt Ip. nach einer erfolgreichen Verschreibung zu träumen (oft kindliche, magische Träume).

„Gieriges Essen“ ist ein weiteres Charakteristikum von Ip. Sie verbrauchen Essen wie Ant-t. o. Ant-c.: Es ist mehr ein Überessen, um den Magen zu füllen.

Die meisten Symptome von Ip. treten im Verdauungs- und Respirationstrakt auf: Reflux, Ösophagitis, Zungenbrennen, Erbrechen, Asthma im Zusammenhang mit Spasmen im Verdauungstrakt ... Ip. kann sich viel besser über

den

Magen o. die Atmung ausdrücken als über die Sprache.

Man findet viel mehr Symptome auf der Körperebene als im Gemütskapitel des Repertoriums.

Häufige Déjà-vu-Erlebnisse bei gleichzeitig schlechtem Gedächtnis ist ein ganz wichtiges Symptom bei Ip. Sie leiden, da sie diese nicht vermeiden können.

Das ist schmerzhaft. Ich weiß nicht, ob „jealousy“ hier echte Eifersucht ist oder nicht eher Missgunst/Neid. Das Objekt der Eifersucht sind weniger die Geschwister als vielmehr die Eltern, die nicht geben, was man verdient.

Die Bösartigkeit ist oft eher ein versteckter Ärger. Extreme Überempfindlichkeit: Wenn man den falschen Ton erwischt, ist es oft, als würde man eine offene Wunde berühren. Dies steht aber meist in Beziehung

zum Mangel an Empathie, den sie erleben. Sie fühlen sich nicht unterstützt ... Das gehört aber zum dekompensierten Zustand. Kompensierte Ip. würden eher sagen, es sei nichts, es werde sofort wieder gut sein. Die Überempfindlichkeit beginnt erst mit der Dekompensation. Sie können die Tränen nicht unterdrücken, wenn jemand erhält, was er verdient ... wie bei rührenden Filmen u.ä.

DD.: Liliacae:

Sars. + Lil-t. existentielle Probleme. Bei den Liliaceen hat das oft mit Verlust zu tun. Sie verlieren ihren Referenzpunkt, die unterstützende Person. In der Kummersituation der Liliaceen kann nichts getan werden, um

            diese zu überwinden. Sie können ganz schlecht mit diesem Kummer umgehen. Er ist nicht versteckt, weil sie es nicht zeigen wollen, sondern weil sie es schlecht beschreiben können und er nicht hochkommt.

Ärger

kaum ein Thema.

Ipecacuanha ist es anders: hat nie wirkliche Unterstützung erhalten. Bei den Liliaceen findet man nicht eine Familie wie bei Ip. Ärger ist ein Thema.

Wichtiges Mittel gegen schwere Diarrhoe oder Verstopfung (Säuglingen). Analoge Symptome sieht man auch bei der Blase (Tenesmus/Spasmus).

 

Elaeocarpus ganitrus. = Rudraksha/bead = tear of rage

Gallensteine., im Volksmund auch "Ärgersteine" genannt.

 

Vergleich: Siehe: Gemütssymptome:

 

 

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